Nancy Faeser (* 13. Juli 1970 in Bad Soden am Taunus) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie war von Dezember 2021 bis Mai 2025 als erste Frau Bundesministerin des Innern und für Heimat. Seit 2025 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
Zuvor war sie von 2003 bis zu ihrer Ernennung als Bundesministerin Abgeordnete des Hessischen Landtags, ab 2019 Vorsitzende der dortigen SPD-Fraktion und somit Oppositionsführerin. Außerdem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023 und von November 2019 bis März 2024 Vorsitzende der SPD Hessen.
Nancy Faeser wuchs als Tochter des Kommunalbeamten und Bürgermeisters Horst Faeser (1942–2003) in Schwalbach am Taunus auf, wo sie heute noch lebt. Die Familie Faeser stammt aus Niederschlesien und war nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebene nach Duisburg gekommen. Horst Faeser war von 1989 bis 2002 Bürgermeister von Schwalbach am Taunus, danach Direktor im Planungsverband Rhein-Main. Die Familie Faesers ist sozialdemokratisch geprägt. Nach dem Abitur 1990 an der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach am Taunus studierte Nancy Faeser Rechtswissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie absolvierte außerdem ein Auslandssemester am inzwischen geschlossenen New College of California in San Francisco. 1996 schloss sie das Studium mit dem Ersten Staatsexamen ab. Von 1996 bis 1998 war sie Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung von Günter Frankenberg in Frankfurt. Nach ihrer Referendarzeit, in der sie dem Landgericht Frankfurt am Main zugewiesen war, legte Faeser 2000 ihr Zweites Staatsexamen ab. Parallel dazu arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Clifford Chance in Frankfurt am Main. Nach ihrem Examen war Faeser dort von 2000 bis 2007 als Rechtsanwältin tätig. Anschließend war sie bis zu ihrer Ernennung als Bundesministerin bei der Wirtschaftskanzlei Görg in Frankfurt am Main als Rechtsanwältin tätig. Sie ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Seit März 2026 ist sie Vorsitzende des Beirates des Deutschen Feuerwehrverbandes.
Nancy Faeser ist mit dem Rechtsanwalt und SPD-Kommunalpolitiker Eyke Grüning verheiratet und hat einen im Jahr 2015 geborenen Sohn. Sie ist römisch-katholisch.
Seit 1988 ist Faeser Mitglied der SPD. Vorsitzende der SPD Schwalbach am Taunus ist sie seit 1996. Von 1999 bis 2009 und von 2015 bis 2021 war sie stellvertretende Vorsitzende, von 2009 bis 2015 Vorsitzende der SPD Main-Taunus. Von 2003 bis 2015 war sie Mitglied des Bezirksvorstandes der SPD Hessen-Süd und von 2000 bis 2009 Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (AsJ) der SPD Hessen-Süd. Sie absolvierte von 2007 bis 2009 die damals neu gegründete „Führungsakademie der sozialen Demokratie“ der SPD. Seit 2009 gehört sie der Arbeitsgruppe „Innen“ des SPD-Parteivorstands in Berlin an. Faeser ist seit 2009 Mitglied bei den Sozialdemokraten in der Polizei (SiP). 2013 wurde sie in den Landesvorstand der SPD Hessen gewählt. Von Februar 2014 bis 2019 war sie deren Generalsekretärin. Im März 2019 kündigte sie ihre Kandidatur für den Vorsitz der Landes-SPD an, nachdem Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Rückzug aus der Politik erklärt hatte. Sie wurde auf einem Landesparteitag am 2. November 2019 zur Vorsitzenden gewählt. Am 9. März 2024 folgte ihr in diesem Amt Sören Bartol nach.
Vom 5. April 2003 bis zum 7. Dezember 2021 war Faeser Abgeordnete im Hessischen Landtag. Sie wurde im Oktober 2007 als designierte Ministerin für Justiz in das Schattenkabinett der damaligen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti berufen. Nach der hessischen Landtagswahl 2008 zog Faeser erneut über die Landesliste in den Hessischen Landtag ein. Sie wurde als Justiziarin der SPD-Landtagsfraktion in den Fraktionsvorstand gewählt. Nach der erneuten Landtagswahl 2009 zog sie wiederum über die Landesliste in den Hessischen Landtag ein. Seit 2009 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Hessen. Faeser war Vorsitzende des Unterausschusses Justizvollzug des Hessischen Landtags und Vorsitzende der Parlamentarischen Kontrollkommission für den Verfassungsschutz. Seit 2013 war sie Vorsitzende der G-10-Kommission. Weiterhin war sie Obfrau im Untersuchungsausschuss 16/3 FWG-Doppelfinanzierung und im Untersuchungsausschuss 18/2 (Besetzung der Position des Präsidenten der Hessischen Bereitschaftspolizei) des Hessischen Landtags.
Im Juni 2013 wurde Faeser von SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel für den Bereich Inneres, Kommunales und Sport in seine „Mannschaft für den Wechsel“ berufen. Bei der Landtagswahl in Hessen 2013 trat sie im Wahlkreis Main-Taunus I an. Hier unterlag sie gegen Christian Heinz. Ihr gelang jedoch der Wiedereinzug in den Landtag über Listenplatz 2 der SPD Hessen. Als Nachfolgerin von Thorsten Schäfer-Gümbel wurde sie am 4. September 2019 zur Vorsitzenden der Landtagsfraktion gewählt. Einen Tag vor ihrer Berufung zur Bundesministerin legte Faeser am 7. Dezember 2021 ihr Mandat und damit auch die Oppositionsführung im Landtag nieder. Für sie rückte Rüdiger Holschuh in den Landtag nach.
Als Abgeordnete im Hessischen Landtag erhielt Faeser zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. Anfang Juli 2021 veröffentlichte sie einen Gastbeitrag in der Zeitschrift antifa des VVN-BdA, in dem sie ihre Überzeugung darlegte, sich von diesen Drohschreiben „voller ekelhafter rechtsradikaler Phantasien“ nicht einschüchtern zu lassen. Sechs Monate später nach ihrer Ernennung zur Bundesinnenministerin kritisierte bzw. skandalisierte das die neurechte Junge Freiheit, da der VVN-BdA von mehreren Verfassungsschutzämtern als linksextrem eingestuft wurde. Dies wurde von Politikern von Union und AfD aufgegriffen und in weiteren Medien kontrovers diskutiert. Faeser wies die Vorwürfe entschieden zurück.
Ab 1993 war Faeser Mitglied des Kreistags im Main-Taunus-Kreis und Ab 2006 Stadtverordnete in ihrer Heimatstadt Schwalbach am Taunus. Beide Mandate legte sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Bundesinnenministerin 2022 nieder. Trotzdem ist sie weiterhin Vorsitzende der Schwalbacher SPD.
Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte Faeser erstmals für ein Bundestagsmandat und trat dabei im Bundestagswahlkreis Main-Taunus als Direktkandidatin sowie auf Platz 4 der hessischen SPD-Landesliste an. Da sie in ihrem Wahlkreis dem CDU-Politiker Norbert Altenkamp unterlag, zog sie über die Landesliste in den 21. Deutschen Bundestag ein.
Im Jahr 2004 war sie Mitglied der 12. Bundesversammlung, 2009 Mitglied der 13. Bundesversammlung, 2010 Mitglied der 14. Bundesversammlung, 2017 Mitglied der 16. Bundesversammlung und 2022 Mitglied der 17. Bundesversammlung.
Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Hessen 2023
Am 3. Februar 2023 nominierte die SPD Hessen Faeser als Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Am 17. Juni wurde sie auf einem Landesparteitag der hessischen SPD mit 94,4 Prozent der Stimmen der Delegierten offiziell zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 8. Oktober 2023 gewählt.
Ihre Ankündigung, nur dann nach Hessen zu wechseln, wenn sie Ministerpräsidentin werden kann, im Fall einer Wahlniederlage aber weiter in Berlin zu bleiben, rief gemischte Reaktionen hervor: Irene Mihalic, die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, zeigte sich skeptisch, „ob es gelingen kann, zwei so verantwortungsvolle Aufgaben gleichzeitig wahrzunehmen“. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hingegen erklärte seine Überzeugung, dass Faeser ihr Ministeramt trotz ihrer Entscheidung für die Spitzenkandidatur mit voller Kraft ausfüllen werde.
Auch die sogenannte BSI-Affäre stellte eine Herausforderung für Nancy Faeser während des Wahlkampfes dar.
Bei der Wahl am 8. Oktober 2023 erzielte die hessische SPD mit Faeser als Spitzenkandidatin 15,1 Prozent der abgegebenen Stimmen, was einem Verlust von 4,7 Prozentpunkten und gleichzeitig dem historisch schlechtesten Abschneiden der SPD in Hessen entspricht.