Nagaland ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 16.527 Quadratkilometern und knapp zwei Millionen Einwohnern (Stand 2011). Die Hauptstadt Nagalands ist Kohima, die offizielle Landessprache ist Englisch.
Benannt ist Nagaland nach der Volksgruppe der Naga.
Nagaland liegt im äußersten Nordosten Indiens zwischen 93° 20’ und 95° 15’ östlicher Länge und nördlich des Äquators zwischen 25° 6' und 27° 4' nördlicher Breite. Mit einer Fläche von 16,527 km² entspricht der Bundesstaat von der Größe her etwa dem deutschen Bundesland Thüringen oder dem österreichischen Bundesland Steiermark. Begrenzt wird Nagaland im Osten durch die internationale Staatsgrenze zu Myanmar. Im Norden grenzt es an den Bundesstaat Arunachal Pradesh, im Westen an Assam und im Süden an Manipur. Die Landesnatur ist durch Berg- und Hügelland geprägt. Die höchsten Erhebungen finden sich Richtung Nordosten. Höchster Berg ist der Saramati (3826–3841 m) und der zweithöchste der Japfü (3020–3043 m). Nagaland ist einer der sogenannten „Sieben Schwesterstaaten“, die den Nordosten Indiens ausmachen.
Das Klima variiert entsprechend der wechselhaften Topografie. In den Regionen, die zwischen 1000 und 1200 Metern über dem Meeresspiegel liegen, ist das Klima subtropisch-warm bis heiß. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt in den Tälern bei 23 °C bis 25 °C, in den etwas höhergelegenen Regionen bei 18 °C bis 20 °C. Der höchste Berg Saramati ist im Winter schneebedeckt. Das Klima ist stark durch den Monsun geprägt, der 5 Monate von Mai bis September andauert. Juni bis August sind die regenreichsten Monate und der kälteste Monat ist der Januar.
Entsprechend der sehr verschiedenen Klimazonen besitzt Nagaland eine sehr diversifizierte Fauna und Flora. Im Jahr 2013 waren nach offiziellen Angaben etwa 55 % der Landesfläche mit Wald bedeckt. Im Vergleich zu früheren Erhebungen hatten die Waldbestände deutlich abgenommen. Die Wälder reichen von immergrünem tropischen Regenwald über subtropischen Regenwald bis hin zu Nadelwäldern und alpinem Baumbestand in den höheren Bergregionen.
Mindestens 106 Säugetier-Spezies sind in Nagaland zu finden, darunter neun Insektenfresser, 34 Fledermausarten, sieben Primatenarten, ein Schuppentier, 34 Fleischfresser, der asiatische Elefant, sieben Arten von Huftieren und mindestens 12 Nagetierarten. Die sieben Primatenarten sind Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang), Nördlicher Schweinsaffe (Macaca leonina), Rhesusaffe (Macaca mulatto), Assam-Makak (Macaca assamensis), Bärenmakak (Macaca arctoides), Kappenlangur (Trachypithecus pileatus) und der Hulock (Hylobates hoolock). Von den fünf vorkommenden kleineren Katzenartigen sind drei – Marmorkatze (Pardofelis marmorata), Asiatische Goldkatze (Catopuma temmincki) und Fischkatze (Prionailurus viverrinus) – extrem selten geworden. Der früher häufiger anzutreffende Königstiger ist extrem selten geworden, ebenso wie der Indische Leopard (Panthera pardus fusca) und der Nebelparder (Neofelis nebulosa). Das früher zu findende Sumatra-Nashorn ist ausgerottet und es gibt nur noch wenige Elefanten. Auch der Gaur ist sehr selten geworden. Nagaland verfügt über eine sehr reiche Vogelwelt mit geschätzt über 400 Arten. Von den Reptilien ist der Gangesgavial fast ausgerottet und auch einige Schildkröten- und Eidechsenarten sind stark dezimiert.
Nach der indischen Volkszählung 2011 hat Nagaland 1.980.602 Einwohner. Damit gehört Nagaland zu den kleineren Bundesstaaten Indiens. Die Bevölkerungsdichte Nagalands beträgt 119 Einwohner pro Quadratkilometer und liegt damit deutlich unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro Quadratkilometer. 29,0 Prozent der Einwohner des Bundesstaates leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad entspricht damit dem Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent. Als einziger Bundesstaat Indiens hat Nagaland eine negative Bevölkerungsentwicklung: Zwischen 2001 und 2011 schrumpfte die Einwohnerzahl um 0,5 Prozent. Die Alphabetisierungsquote in Nagaland lag bei der Volkszählung 2001 mit 80,1 Prozent über dem Mittelwert Indiens (74,0 Prozent).
Die Lebenserwartung von Nagaland liegt bei 75,4 Jahren, 79,9 Jahren für Frauen und 71,5 Jahren für Männer (2019–21) während die Säuglingssterblichkeitsrate 3 pro 1.000 Geburten beträgt (2019), auf Augenhöhe mit den am weitesten entwickelten Ländern. Beide Gesundheitsindikatoren sind die besten unter indischen Staaten. Die Fruchtbarkeitsrate von 1,7 Kindern pro Frau (2019–21) liegt unter dem Reproduktionsniveau von 2,1.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (1901 bis 1941) wuchs die Bevölkerung nur schwach. Dies wegen Seuchen, Krankheiten und Hungersnöten. Zwischen 1941 und 2001 wuchs die Bevölkerung dann stark. Während die Bevölkerung in der Zeit von 1901 bis 1941 um rund 86,7 % zunahm, betrug das Wachstum in den drei Jahrzehnten zwischen 1971 und 2001 285,3 %. Die Bevölkerungsabnahme zwischen 2001 und 2011 ist für die schnell wachsende Bevölkerung in Indien sehr ungewöhnlich. Offizielle Bevölkerungsstatistiken der heutigen Gebiete sind seit 1901 bekannt und veröffentlicht. Grund für die ungewöhnlich starke Zunahme der Bevölkerung ab 1901 war lange Zeit die Zuwanderung ins dünn besiedelte Gebiet. Heutzutage ist es der Geburtenüberhang. Die Entwicklung verdeutlicht folgende Tabelle:
In Nagaland gibt es insgesamt 26 Orte, die als Städte (towns und notified towns) gelten. In diesen Städten wohnen insgesamt 570.966 Menschen oder 28,86 % der Bevölkerung des Bundesstaats. Siedlungen mit mehr als 10.000 Einwohnern sind Dimapur, Kohima, Tuensang, Mokokchung, Wokha, Mon Town, Chümoukedima (früher Chumukedima), Zunheboto, Kiphire (16.487 Einwohner), Kuda (16.108 Einwohner), Kohima Village (15.734 Einwohner), Phek (14.204 Einwohner), Pfütsero (10.371 Einwohner) und Diphupar 'A' (10.246 Einwohner). Die größten Städte sind:
Nagaland wird überwiegend von Naga besiedelt. Dabei handelt es sich um einen Oberbegriff für eine Gruppe von indigenen Völkern des indischen Nordostens. Indische Regierungsstellen zählen sie zu den „Stammesvölkern“, denen besondere Rechte zukommen (scheduled tribes/Adivasi). Alle scheduled tribes benötigen eine staatliche Anerkennung ihrer Volksgruppe. Deshalb gibt es in Nagaland mit den Garo (2011 2346 Personen), Kachari (2011 13.034 Personen), Kuki (2011 18.768 Personen), Mikir (2011 218 Personen) und Naga (2011 1.667.712 Personen) nur fünf scheduled tribes. Zu diesen 1.702.078 Menschen kommen noch weitere 8895 Menschen, die sich als Angehörige von scheduled tribes bezeichnen, die in Nagaland nicht staatlich anerkannt sind (Kategorie Generic tribes etc.). Nach der Volkszählung 2001 machten die Naga 87,5 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates aus und teilen sich auf 16 verschiedene Stämme auf. Bei der Volkszählung 2011 waren die Naga in 17 verschiedene Stämme mit 1.658.205 Angehörigen, der Kategorie Naga und unclassified Naga eingeteilt. Sie stellten zusammen 84,3 % der Gesamtbevölkerung. Die 17 Gruppen sind (in Größenordnung) die Konyak (237.568 Personen), Sema (236.313 Personen), Ao (226.625 Personen), Lotha (173.111 Personen), Chakhesang (154.874 Personen), Angami (141.732 Personen), Sangtam (74.994 Personen), Zeliang (74.877 Personen), Yimchungrü (66.972 Personen), Chang (64.226 Personen), Rengma (62.951 Personen), Khiamniungan (61.647 Personen), Phom (52.682 Personen), Pochury (21.948 Personen), Tikhir (7537 Personen), Chirr (138 Personen) und Makware (10 Personen). Daneben gibt es noch 267.529 Menschen, die zur Kategorie general population gehören. Diese Bezeichnung umschreibt die Kategorie der Bevölkerung, die weder zu den scheduled tribes noch zu den scheduled castes (Kastenlose oder in Selbstbezeichnung Dalit) gehören. Im Bundesstaat Nagaland gibt es keine Angehörigen der scheduled castes.
A) Verteilung der Sprachgruppen
Die einheimische Bevölkerung benutzt Sprachen, die zur Gruppe der Kuki-Chin-Naga-Sprachen gehören. Die Zugewanderten sprechen meist Indoarische Sprachen. Viele Sprachen in Indien sind keine Einzelsprachen, sondern eine ganze Gruppen von Sprachen und Dialekten. In Nagaland gehören zur Sprache Hindi nicht weniger als 33 verschiedene Sprachen und Dialekte (Hindi oder Standardhindi und Bhojpuri sind die meistgesprochenen Sprachen dieser Gruppe). Mit Ausnahme von Garo, das den Bodo-Koch-Sprachen zugerechnet wird, gehören alle Sprachen der scheduled tribes zu den Zeme-Naga-Sprachen. Obschon in Indien bei der Volkszählung eine sehr hohe Zahl von Sprachgruppen, Sprachen und Dialekten ausgeschieden werden, wurden bei der Volkszählung 2011 241.257 Personen oder 12,19 % der Bevölkerung unter der Rubrik 124 (Others) registriert. Die meistverbreiteten Sprachgruppen sind::