An diesem Tag

Mumia Abu-Jamal

US-amerikanischer Journalist und Strafgefangener

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Mumia Abu-Jamal (* als Wesley Cook am 24. April 1954 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Journalist, Autor und Bürgerrechtler. Er wurde 1982 der Ermordung des Polizisten Daniel Faulkner schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Nachdem ein Bundesgericht das Todesurteil aufgehoben hatte, wurde die Strafe mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft 2011 in lebenslange Haft ohne Revisionsmöglichkeit umgewandelt. Abu-Jamal war zuvor gelegentlich als Taxifahrer und als Sprecher beim Radiosender WHYY-FM in Philadelphia beschäftigt gewesen und unter anderem als Aktivist der Black-Panther-Party-Bewegung aufgetreten.

Die Tat- und Prozessumstände, in der Haft verfasste Artikel, Redebeiträge und Buchveröffentlichungen und ein weltweites Netzwerk von Unterstützern haben international Aufsehen erregt. Der Fall wurde zu einer Cause célèbre, Abu-Jamal beziehungsweise Mumia eine kontrovers betrachtete Figur. Er befindet sich seit 1982 in Haft. Von 1995 bis Dezember 2011 war er im Hochsicherheitsgefängnis SCI-Greene bei Waynesburg (Pennsylvania), seitdem im regulären Strafvollzug im Gefängnis von Frackville.

Abu-Jamal wuchs mit einem Zwillingsbruder und einem jüngeren Bruder auf. Sein Vater starb, als er neun Jahre alt war. Der Name Mumia stammt von einem Swahili-Kurs, den er 1968 an der Schule belegte, der Lehrer hatte den Schülern afrikanische Namen aus dem Umfeld des kenianischen Mau-Mau-Aufstandes gegeben.

In Abu-Jamals Heimatstadt Philadelphia war es bereits 1964 zu gravierenden Rassenunruhen gekommen. Dies gab mit den Anstoß zur Bürgerrechtsbewegung und führte zu einer erheblichen Politisierung der schwarzen Gemeinde Philadelphias. Abu-Jamal wurde durch seine Teilnahme an einer Gegendemonstration zur Präsidentschaftskandidatur George Wallace’ 1968 und das dabei erlebte rassistische Verhalten der Polizei politisch aktiv. Er begann 1968, im Alter von 14 Jahren, als Hilfspressesprecher in der Black Panther Party von Philadelphia zu arbeiten. Im Zusammenhang mit der Überwachung der BPP im Rahmen des (damals geheimen) COINTELPRO-Programms der US-Bundespolizei wurde Abu-Jamal bereits 1969 miteinbezogen. Später wurden unter anderem von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Vermutungen geäußert, dass Jamals politisches Engagement sowie rassistische Vorbehalte offizieller Stellen Einfluss auf das spätere Mordverfahren hatten. Ein Zitat Mao Zedongs („Macht erwächst aus dem Lauf eines Gewehrs“) in einem Interview Abu-Jamals aus der Zeit wurde später vor Gericht als Beleg einer militanten Gesinnung gegen ihn verwendet. Wegen der Verbreitung militanter Flugblätter der „Panther“ handelte er sich einen Schulverweis ein. Den Nachnamen „Abu-Jamal“ („Vater des Jamal“) nahm er nach der Geburt seines ersten Sohnes 1971 an. 1971/72 trat er im Streit bei den Black Panthers aus.

1974, im Alter von 19 Jahren, heiratete er Biba, die Mutter seines Sohnes, kurz vor der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter. Die Ehe hielt nicht lange. Mit seiner zweiten Frau Marilyn hatte er 1978 einen weiteren Sohn. Nach seiner zweiten Scheidung begann er mit seiner dritten Ehefrau Wadiya (1953–2022) zusammenzuleben, die bis zu ihrem Tod zu seinen Unterstützern zählte.

Abu-Jamal begann nach seinem Austritt bei den „Panthern“ die militante anarcho-primitivistische, anti-speziesistische Gruppierung MOVE und deren Anführer John Africa zu unterstützen.

Abu-Jamal leitete zeitweise das lokale Chapter der Association of Black Journalists in Philadelphia und war beim lokalen Chapter der Marijuana Users Association of America tätig. Abu-Jamals Auftreten mit Dreadlocks erregte damals noch Aufsehen. Aufgrund seiner Radiostimme, eines sonoren Baritons, seiner Eloquenz und Leidenschaft und gut vorbereiteter Radiointerviews (u. a. mit Bob Marley) wurde er in Philadelphia bekannt. Auch wenn er eng mit militanten Gruppen zusammenarbeitete, galt er persönlich als friedlicher und zuvorkommender Mensch. Er verlor jedoch seinen Job bei dem Radiosender WHYY in Philadelphia wegen „mangelnder Objektivität“ und arbeitete vor allem als Taxifahrer.

Ereignisse von 1981 und erster Gerichtsprozess

Am 9. Dezember 1981 hielt der irischstämmige Polizist Daniel Faulkner Abu-Jamals Bruder William Cook an, nachdem dieser ohne Licht falsch durch eine Einbahnstraße gefahren war. Faulkner hatte per Funk bereits Verstärkung angefordert und versuchte, dem Widerstand leistenden Fahrer Handschellen anzulegen. Der Anklage zufolge tauchte Abu-Jamal in dem Augenblick, als Faulkner mit dessen Bruder rangelte, an der Straßenkreuzung auf und schoss dem Polizisten in den Rücken. Dieser drehte sich um und feuerte einmal zurück, bevor er hinfiel. Obwohl getroffen, sei Abu-Jamal auf den inzwischen am Boden liegenden Faulkner zugegangen, über ihn getreten und habe seine Waffe leergeschossen, wobei ein Schuss Faulkner aus nächster Nähe in dessen Kopf traf und tötete. Drei von der Anklage genannte Augenzeugen bestätigten Abu-Jamals Tatbeteiligung und seine unmittelbare Anwesenheit während der Tat.

Abu-Jamal wurde Sekunden später in unmittelbarer Nähe des Tatortes durch die von Faulkner zuvor herbeigerufenen Polizisten verhaftet. Bei Abu-Jamal wurde ein auf ihn zugelassener Revolver der Marke Charter Arms mit kurzem Lauf und fünf Patronenkammern sichergestellt. Die am Tatort gefundenen Kugeln stimmten in Bezug auf Hersteller, Typ und Kaliber mit den recht seltenen Patronenhülsen in Abu-Jamals leergeschossener Waffe sowie mit den Charakteristiken des Laufs seiner Waffe überein. Durch die Weltpresse ging das Gerücht, die Kugeln seien nicht von demselben Kaliber gewesen wie Abu-Jamals Munition. Diese Theorie geht auf eine unverbindliche Notiz des gerichtsmedizinischen Assistenten zurück, der Faulkner obduzierte und nicht gewusst habe, dass ‚+P‘-Geschosse sich beim Aufprall ausdehnten und dadurch größer wirkten. Die Verteidigung ließ ein eigenes Gutachten anfertigen, welches zu dem Ergebnis kam, dass das Kaliber der Geschosse, die Faulkner töteten, zu Abu-Jamals Waffe passte. Die Kugel in Abu-Jamals Körper stammte aus der Waffe des Polizisten. Zwei Zeugen identifizierten Abu-Jamal unabhängig voneinander als den Mann, der auf Daniel Faulkner geschossen habe, die Prostituierte Cynthia White und der Taxifahrer Robert Chobert.

Nach einem von Tumulten geprägten Prozess, bei dem Abu-Jamal wegen Beleidigungen und Drohungen mehrmals des Gerichtssaales verwiesen wurde und bei dem sein Bruder die Aussage verweigerte, obwohl er das Tatgeschehen aus nächster Nähe beobachtet hatte, wurde Abu-Jamal am 3. Juli 1982 des Mordes an Daniel Faulkner einstimmig für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Während des Prozesses bestand Abu-Jamal zunächst darauf, sich selbst zu verteidigen, und verlangte später, den MOVE-Anführer und juristischen Laien John Africa als Verteidiger zuzulassen, was rechtlich ausgeschlossen war. Kritiker halten dies für einen zentralen Fehler Abu-Jamals. Aufgrund seines Verhaltens im Gerichtssaal wurde ihm Anthony Jackson, ein erfahrener Anwalt, der von der Black Journalists Association empfohlen worden war, als Pflichtverteidiger beigestellt.

Die Unparteilichkeit des Richters Sabo ist im Nachhinein von den Verteidigern Mumia Abu-Jamals in Frage gestellt worden. Sie begründeten dies mit dem Prozessverlauf, der ihrer Meinung nach zu Lasten des Angeklagten verlief. 20 Jahre nach dem ersten Prozess gab zudem Terri Maurer-Carters, eine frühere Gerichtsschreiberin und zwischenzeitliche Free-Mumia-Aktivistin, eine Erklärung ab. Sie behauptete 2001, damals von Sabo in einer Unterredung mit drei Personen die Aussage „Ich werde ihnen dabei helfen, diesen Nigger zu grillen“ (wörtlich “Yeah, and I’m going to help them fry the nigger.”) vernommen zu haben. Der damals bereits pensionierte Sabo wies dies in aller Schärfe zurück. Die zuständige leitende Staatsanwältin Philadelphias, Lynne Abraham, kritisiert Abu-Jamals Rolle als Volksheld. Abraham verteidigte den Prozess auch im Umfeld ihrer späteren Wiederwahlbemühungen wie bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt 2010. Jamal sei nichts weiter als ein Mörder. Er habe niemals seinen Bruder vorgeladen, obwohl der direkt am Tatort anwesend war, aber in den verschiedenen Revisionsversuchen versucht, diverse andere, plötzlich entdeckte (wörtlich vom Himmel gefallene) Personen heranzuziehen oder zu beschuldigen. Der republikanische Abgeordnete Charlie Dent zitierte in einer Debatte des US-Repräsentantenhauses eine Aussage Abrahams, der Fall sei der eindeutigste Mordfall ihrer Karriere gewesen.

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