An diesem Tag

Muhammad Ali

US-amerikanischer Boxer, Bürgerrechtsaktivist und Philanthrop (1942–2016)

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Muhammad Ali (* 17. Januar 1942 in Louisville, Kentucky, Geburtsname Cassius Marcellus Clay Jr.; † 3. Juni 2016 in Scottsdale, Arizona) war ein US-amerikanischer Boxer und der Einzige, der den Titel des unumstrittenen Weltmeisters im Schwergewicht dreimal gewinnen konnte. Bekannt wurde er zunächst unter seinem Namen Cassius Clay (bis 1964). Er gehörte zu den bedeutendsten Schwergewichtsboxern und herausragendsten Sportathleten des 20. Jahrhunderts überhaupt und wurde 1999 vom Internationalen Olympischen Komitee zum „Sportler des Jahrhunderts“ gewählt. Vor allem die in den 1970er Jahren über TV weltweit ausgestrahlten Boxkämpfe mit Joe Frazier (3-mal, 1971–1975), Ken Norton (3-mal, 1973–1976) und der Rumble in the Jungle gegen George Foreman (1974) gelten als Klassiker unter den Schwergewichtskämpfen.

Außerhalb des Boxrings sorgte Ali als Prominenter ebenfalls, insbesondere in den USA, immer wieder für politische Schlagzeilen. So lehnte er öffentlich den Vietnamkrieg ab, verweigerte den Wehrdienst, unterstützte die Emanzipationsbewegung der Afroamerikaner und trat der Organisation Nation of Islam bei.

Kindheit und erster Kontakt mit dem Boxsport

Ali war der erste von zwei Söhnen des Schildermalers Cassius Marcellus Clay Sr. (1912–1990) und dessen Ehefrau Odessa Grady Clay (1917–1994). Er wuchs in durch Armut geprägten Verhältnissen auf. Er erhielt, ebenso wie sein Vater, den Namen Cassius Marcellus Clay nach dem Politiker und Gegner der Sklaverei, Cassius Marcellus Clay. Mit dem Boxtraining begann der zwölfjährige Clay 1954 aus Wut über den Diebstahl seines Fahrrades – er hoffte, es dem Dieb heimzahlen zu können, wenn er ihn erwischte. Im Boxkeller des Polizisten Joe Martin lernte er das Boxen. Die Kämpfe wurden auf einem Lokalsender mit der Sendung „Tomorrow’s Champions“ ausgestrahlt. Als einen weiteren Grund nennt er in seiner Autobiografie von 1975 die Ermordung des Jugendlichen Emmett Till durch weiße Rassisten und deren Freispruch. Im Alter von 16 Jahren verließ Clay die Schule mit schlechten Noten und konzentrierte sich auf sein Boxtraining. Alis Bruder Rudolph Arnett Clay (später Rahaman Ali, 1943–2025) war von 1964 bis 1972 ebenfalls als Schwergewichtsboxer tätig.

Innerhalb weniger Jahre errang Clay sämtliche nationale Amateurtitel. Bei den Olympischen Spielen 1960 gewann er in Rom die olympische Goldmedaille im Halbschwergewicht. Noch im selben Jahr wurde er Profi. Seinen ersten Profikampf bestritt er am 29. Oktober 1960.

Clay musste feststellen, dass ein Wrestler namens Gorgeous George größeres Aufsehen bei Presse und Zuschauern erregte als ein bescheiden auftretender Nachwuchsboxer wie er. Daraufhin begann er, den Stil von George zu kopieren und der Presse von nun an immer neues Material in Form von Spottreimen (Trashtalk) über seine Gegner zu liefern: Vorhersagen über die Runde seines K.-o.-Sieges („Archie Moore will be on the floor in round four“, „Archie Moore wird in der vierten Runde am Boden liegen“) und ähnliche prahlerische Äußerungen. Mit diesem provozierend zur Schau getragenen Selbstbewusstsein wurde Clay bald berühmt. Weil seine Prophezeiungen über den Ausgang oft zutrafen und Gegner tatsächlich in den vorhergesagten Runden zu Boden gingen, wurde er eine Zeit lang sogar des Betrugs verdächtigt. Clay verstand es, mit gezielt offensivem und provokantem Auftreten vor bedeutenden Boxkämpfen seine Gegner zu verunsichern und gleichzeitig das Medieninteresse anzufachen.

Aufstieg und erste Weltmeisterschaft (1964)

Im Februar 1964 bekam Clay einen Weltmeisterschaftskampf gegen Sonny Liston, nachdem er Doug Jones umstritten nach Punkten und Henry Cooper durch K. o. besiegt hatte. Viele Journalisten mochten Clays selbstsichere Art nicht und prophezeiten ihm eine Niederlage gegen Liston, so auch Arthur Daley von der New York Times: „The irritatingly confident Cassius enters this bout with one trifling handicap. He can’t fight as well as he can talk.“ („Der irritierend selbstbewusste Cassius bestreitet diesen Titelkampf mit einem unbedeutenden Nachteil. Er kann nicht so gut kämpfen, wie er reden kann.“).

Trotzdem gewann der mit sieben zu eins als Außenseiter gesetzte Clay den Kampf. Er zeigte sich seinem Gegner an Schnelligkeit klar überlegen. Der von vielen für unbesiegbar gehaltene Liston, einer der gefürchtetsten K.-o.-Schläger der Box-Geschichte, war nicht imstande, ihn nachhaltig zu treffen. Darüber frustriert gab Liston – offiziell verletzungsbedingt – nach der sechsten Runde auf. In tumultartigen Szenen brüllte Clay nach dem Sieg immer wieder „I shook up the world!“ und „I am the greatest!“ in die Mikrofone. Die Bilder von ihm mit weit aufgerissenem Mund und Augen gingen um die Welt.

Im weiteren Verlauf des Jahres machte Clay seine Mitgliedschaft in der Nation of Islam öffentlich und wählte anstelle seines bisherigen „Sklavennamens“ Muhammad Ali als Namen. 1975 verließ der sich zum sunnitischen Islam bekennende Boxer die Nation of Islam.

Im Rückkampf am 25. Mai 1965 in Lewiston, Maine, wurde Liston von Ali bereits in der ersten Runde nach nur 105 Sekunden Kampf vom so genannten „Phantomschlag“ („Phantom Punch“, auch als „Anchor Punch“ bekannt geworden) niedergestreckt, einem kurzen, harten, rechten Cross an Schläfe oder Kiefer, der weder von Liston noch von großen Teilen des Publikums gesehen worden war. Ali schrie daraufhin den am Boden liegenden Liston mit den Worten „Get up, you bum!“ („Komm hoch, du Penner!“) wutentbrannt an und der Ringrichter, der ehemalige Weltmeister Jersey Joe Walcott, der mit der Situation offensichtlich überfordert war, zählte zunächst weder an noch aus, da er den wütend bei Liston stehenden und schreienden Ali von diesem wegzudrängen versuchte. Der Kampf wurde dann zunächst wieder freigegeben, unmittelbar darauf jedoch beendet, als Nat Fleischer, der Gründer des Ring Magazines, Walcott darauf hinwies, dass Liston schon deutlich mehr als zehn Sekunden am Boden gewesen war.

Der nur von wenigen Zuschauern gesehene „Phantom Punch“ gab im Verbund mit Listons scheinbarer Unbesiegbarkeit und dessen dubiosen Kontakten zur Mafia Anlass zu Spekulationen über einen möglichen Betrug, was andererseits wegen der offensichtlichen Feindschaft zwischen den beiden Boxern bezweifelt wurde. So hatte Liston vor dem ersten Kampf, auf die Provokationen Clays angesprochen, erklärt, dass er die Absicht habe, Clay umzubringen. Auch in seiner Autobiografie wandte sich Ali gegen jegliche Unterstellungen solcher Art und erklärte explizit:

Film- und Fotoaufnahmen bewiesen im Nachhinein eindeutig, dass Liston von Ali tatsächlich getroffen wurde. Unklar blieb allerdings, wie hart. Deutlich zu sehen ist die entspannte Muskulatur von Listons Körper während des Sturzes, die eine Bewusstlosigkeit zu diesem Zeitpunkt vermuten lässt. Liston erklärte später allerdings, dass er vom Schlag Alis zwar überrascht, jedoch nicht bewusstlos war und nur deshalb nicht sofort wieder aufstand, da er fürchtete, von dem direkt über ihm (anstatt in der neutralen Ecke) stehenden Ali erneut getroffen zu werden. Auch hätte er vergeblich auf das Anzählen durch den Referee gewartet.

In dem Augenblick, als Ali wütend und schreiend über dem liegenden Liston steht, entstand eines der bekanntesten Fotos von Ali, geschossen von Neil Leifer. Dieses Foto (eigentlich ein Farbbild, aber als Schwarzweißbild berühmt geworden) nannte sein Biograph David Remnick später „Ali wild und schön (…), vielleicht (…) das nachhaltigste Bild Alis im Kampf überhaupt.“

Mitte der 60er Jahre war Ali auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er traf die Beatles und Elvis Presley und verteidigte seinen Titel gegen Ex-Weltmeister Floyd Patterson, den damaligen Europameister Karl Mildenberger (der ihm bis zu seiner Aufgabe in der 12. Runde große Probleme bereitete, woraufhin Ali im Anschluss sagte, nie wieder gegen ihn boxen zu wollen), George Chuvalo, Henry Cooper, Brian London, Cleveland Williams, Ernie Terrell und Zora Folley. Vor allem der klare Sieg über Cleveland Williams hatte viele Experten dazu bewegt, Ali als den absolut besten Boxer seiner Zeit anzuerkennen. Williams war allerdings nicht mehr auf der Höhe seiner Leistungskraft, hatte zudem eine nicht herausoperierte Kugel im Rücken.

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