Mounette Dutilleul (geboren am 1. Mai 1910 in Paris; gestorben am 19. September 1996 in Montreuil) war eine französische Kommunistin. Sie war in der Kommunistischen Internationalen aktiv und während des Zweiten Weltkriegs in der Résistance. 1943 war sie Häftling im KZ Ravensbrück.
Ihr Vater Émile Dutilleul war libertär geprägt und vertrat ab 1936 die Parti communiste français in der Abgeordnetenkammer. Raymond Callemin, ein Anarchist und führendes Mitglied der Bonnot-Bande, verkehrte regelmäßig im Haus. Sie war eine gute Schülerin in der Gemeindeschule und erhielt auch eine künstlerische Ausbildung (Violine, Ballett, Chor). Nach dem Erwerb des Brevets d’enseignement primaire supérieur besuchte sie die École normale d’instituteurs um Lehrerin zu werden. Sie musste das Studium aus finanziellen Gründen abbrechen.
Eintritt in die Kommunistische Partei
In der Folge arbeitete sie ab 1927 als Stenotypistin. Zu dieser Zeit stellte sie ihren ersten Antrag auf Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei. 1929 heiratete sie einen deutschen Elektriker, Aloys Bayer, einen kommunistischen Aktivisten, und zog mit ihm nach Berlin, dann nach Moskau, wo Dutilleul als französische Schreibkraft bei der Kommunistischen Internationalen arbeitete.
Das Paar kehrte im Frühjahr 1932 nach Berlin zurück. Dutilleul war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands; sie engagierte sich zudem an der Seite von Willi Münzenberg, dem Vertreter der Internationalen Arbeiterhilfe in Berlin und einer Schlüsselfigur der Propaganda der Komintern, für den sie einige Aufträge in Frankreich ausführte. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, übersetzte sie und gab Französischunterricht an der Arbeiteruniversität Berlin.
Parteiarbeit in Frankreich bis zur Deportation nach Ravensbrück
Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers kehrte Mounette Dutilleul im März 1933 nach Paris zurück und arbeitete als Sekretärin bei der Zeitung Regards. Sie war Sekretärin von Gaston Monmousseau, dem damaligen Sekretär des europäischen Büros der Internationalen Arbeiterassoziation, und brachte 1936 eine Tochter, Hélène, zur Welt.
1937 trat sie als Sekretärin von Maurice Tréand in die Kaderkommission (also den internen Machtapparat der PCF) ein. Dort lernte sie Arthur Dallidet kennen. Gemeinsam mit ihm richtete sie Verstecke für Aktivisten ein.
Nach der Auflösung der Partei am 26. September 1939 spielte sie eine führende Rolle bei der Verbindung zwischen den verschiedenen Führungskräften. So übermittelte sie beispielsweise Maurice Thorez den Befehl Georgi Dimitroffs, dem Sekretär der Kommunistischen Internationale, zur Flucht. Mounette Dutilleul wurde anschließend auf eine Mission nach Moskau entsandt (Januar 1940), wohin sie mit dem Zug über Berlin reiste. Sie stellte die Verbindung zwischen allen Führungskräften sicher, die über die Strecke Paris–Brüssel–Moskau verstreut waren. Im Februar kehrte sie nach Paris zurück und traf Arthur Dallidet wieder. Am 12. Juni 1940, als sich die Deutschen Paris näherten, teilte sich diese Benoît Frachon nahestehende Gruppe auf; Dutilleul reiste weiter in den Süden des Landes.
Im Mai 1941 wurde sie verhaftet, dabei wurde ihre wahre Identität aber nicht aufgedeckt. Sie wurde zunächst in der Petite Roquette, dann im Gefängnis Fresnes und schließlich in Rennes interniert. Wahrscheinlich wurde sie 1942 von der Polizei identifiziert und 1943 nach Ravensbrück deportiert.
Nach ihrer Befreiung und Rückkehr aus den Lagern wurde Mounette Dutilleul zunächst als Stellvertreterin und später als ordentliches Mitglied in das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei gewählt. Im Juli 1948 schloss sie sich der Verurteilung von Tito nicht an. Vermutlich aus diesem Grund wurde sie im April 1950 nicht erneut als Mitglied des Zentralkomitees gewählt.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete sie den Architekten Jean Nicolas, der sich stark in der Organisation des Fête de l’Humanité engagierte. Mounette kehrte zur Basisarbeit zurück und gründete ein Betriebskomitee sowie eine kommunistische Zelle in dem Unternehmen in Boulogne, in dem sie als Sekretärin tätig war. Später arbeitete sie als Journalistin bei La Vie Ouvrière. Bis zum Tod von Benoît Frachon im August 1975 stand sie ihm sehr nahe.
Mounette Dutilleul starb im September 1996 in Montreuil im Département Seine-Saint-Denis.
Emmanuel De Chambost: La direction du PCF dans la clandestinité (1941–1944). L’Harmattan, 1997, ISBN 978-2-296-34250-7, S. 19 f.
Philippe Robrieux: Histoire intérieure du Parti communiste. Band 4. Fayard, 1984, ISBN 978-2-213-01209-4, S. 194 f.
Mounette Dutilleul: Mémoires. (free.fr).
Jean Maitron, Claude Pennetier: Dutilleul, Mounette. In: Le Maitron. Abgerufen am 9. Mai 2026 (französisch).
Emmanuel de Chambost: Les Mémoires de Mounette Dutilleul, la désertion de Thorez et le récit communiste de la Seconde Guerre mondiale. In: HSCO. 2023; abgerufen am 9. Mai 2026 (französisch).