Mordecai Richler, CC (* 27. Januar 1931 in Montreal; † 3. Juli 2001 ebenda) war ein kanadischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Essayist englischer Sprache. Zu Lebzeiten gehörte er zu den bekanntesten kanadischen Schriftstellern weltweit. In Kanada selbst war er darüber hinaus durch seine Äußerungen zur kanadischen Politik eine nicht unumstrittene Figur des öffentlichen Lebens.
Richler war mehrfach für die kanadischen Literaturpreise Scotiabank-Giller-Preis und den Rogers Writers’ Trust Fiction Prize nominiert.
Richler stammte aus einer jüdischen Familie und war Sohn eines Schrotthändlers. Die Nachbarschaft, in welcher er in Montreal aufwuchs, verewigte er später in mehreren seiner Romane. Er begann ein Englisch-Studium an der Sir George Williams University (jetzt Concordia University), exmatrikulierte sich jedoch, bevor er einen Abschluss erlangt hatte. Im Alter von 19 Jahren zog Richler nach Paris, wo er einige Jahre lebte, bevor er nach London zog. 1972 kehrte er nach Montreal zurück, verbrachte jedoch weiterhin regelmäßig die Wintermonate in London.
Mit seinem vierten, 1959 erschienenen Roman The Apprenticeship of Duddy Kravitz (unter dem Titel Die Lehrjahre des Duddy Kravitz erst im Februar 2007 erstmals in deutscher Übersetzung erschienen) gelang Richler der Durchbruch als Schriftsteller. Wie auch viele seiner folgenden Romane behandelte dieses Buch das Leben der jüdischen Gemeinschaft in der Gegend, in der Richler selbst in den 1940er- und 1950er-Jahren aufgewachsen war. The Apprenticeship of Duddy Kravitz wurde 1974 von Ted Kotcheff verfilmt; das Drehbuch stammte von Richler und Lionel Chetwynd und der Film verhalf Richard Dreyfuss zu seiner ersten Hauptrolle.
Während seiner gesamten Laufbahn als Schriftsteller verfasste Richler auch regelmäßig journalistische Kommentare, unter anderem für Look und The New Yorker. In seinen späteren Lebensjahren war Richler auch als Kolumnist für die National Post in Toronto und The Gazette in Montreal tätig. In seinen Kolumnen und journalistischen Beiträgen zeigte sich Richler als polemischer Kritiker der frankophonen Separatistenbewegung und der von ihr in Québec durchgesetzten Sprachgesetzgebung. Wenige Monate vor seinem Tod wurde Richler mit der Ehrung „Companion of the Order of Canada“ ausgezeichnet.
Richlers Werke sind mit Humor und Satire gespickt und wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Commonwealth Writers Prize; auch für den Booker Prize waren seine Werke mehrfach nominiert. Aus Richlers Kinderbuch Jacob Zweizwei in Gefahr (Originaltitel Jacob Two-Two meets the Hooded Fang; auch: Jacob Two-Two vs. the Hooded Fang) entstand unter anderem eine gleichnamige Zeichentrickserie, die in Deutschland von der ARD ausgestrahlt wurde. Unter deutschen Kritikern hat sich Die-Zeit-Autor Max Küng als begeisterter Leser von Richlers Werken dargestellt.
Mit seiner Frau Florence hatte Richler fünf Kinder. Er ist auf dem Friedhof Mont-Royal in Montreal begraben.
1969 Governor General’s Award for Fiction für Cocksure and Hunting Tigers Under Glass
1971 Booker-Prize-Nominierung für St. Urbain's Horseman (Der Traum des Jakob Hersch)
1972 Governor General's Award für St. Urbain's Horseman (Der Traum des Jakob Hersch)
1974 „Screenwriters Guild of America“: Award for Best Comedy für das Drehbuch zu The Apprenticeship of Duddy Kravitz
1976 Canadian Library Association: „Das Kinderbuch des Jahres“ Jacob Two-Two Meets the Hooded Fang (Jacob Zweizwei in Gefahr).
1976 Ruth Schwartz Kinderbuch-Preis für Jacob Two-Two Meets the Hooded Fang
1990 Commonwealth Writers Prize
1990 Booker Prize. Nominierung für Solomon Gursky was here
1995 Mr. Christie’s Book Award (für bestes englischsprachiges Buch, Alter 8 bis 11) für Jacob Two-Two's First Spy Case
1997 Scotiabank Giller-Preis für Barney's Version
1998 Canadian Booksellers Association: „Autor des Jahres“