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Montagne Pelée

Schichtvulkan auf Martinique (Kleine Antillen)

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Der Mont Pelé 1 [mɔ̃ pə'le], französisch meist Montagne Pelée 2 [mɔ̃'taɲ pə'le], übersetzt „kahler Berg“, ist ein 1397 Meter hoher Stratovulkan auf der zu Frankreich gehörenden Westindischen Insel Martinique in den Kleinen Antillen. Der Inselbogenvulkan ist der höchste Berg der Insel. Er gehört seit 2023 als Teil der Vulkane und Wälder des Pelée und der Pitons im Norden von Martinique zum UNESCO-Welterbe.

Charakteristisch für den Vulkan ist sein dickflüssiges, zähfließendes Magma, das zur Pfropfenbildung neigt und die Schlote verschließen kann, was bei neuerlichen Eruptionen äußerst explosive Ausbrüche zur Folge hat. Diese brechen sich dann oftmals auf dem einfachsten Weg der Druckentweichung durch die Flanken Bahn. So entstehen mehrere hundert Grad Celsius heiße und bis zu 800 km/h schnelle Glutwolken, die die Hänge hinabgleiten. Höhepunkt der international Aufsehen erregenden Aktivitätsphase zwischen 1902 und 1905 war der außergewöhnlich heftige und folgenreiche Ausbruch vom 8. Mai 1902, welcher der an Opferzahlen gemessen weltweit verlustreichste des 20. Jahrhunderts war und auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) mit der Stärke 4 verzeichnet wurde. Während der lateralen Eruption wurde die sieben Kilometer vom Gipfel entfernt am Meer liegende Inselhauptstadt Saint-Pierre vollständig vernichtet, wobei Schätzungen zufolge zwischen 28.000 und 40.000 Menschen ihr Leben verloren. Seit der letzten Eruptionsperiode zwischen 1929 und 1932 ist der Vulkan inaktiv und ein beliebtes Reiseziel von Touristen. Die Untersuchungen des Ausbruchs von 1902 führten zu einer umfassenden wissenschaftlichen Überwachung des Berges und werden heute als Beginn der modernen Vulkanologie angesehen.

Topographische und geologische Einordnung

Mit 1397 Metern ist der am nördlichen Ende Martiniques gelegene Mont Pelé die höchste Erhebung der Insel. Es handelt sich um einen bis zum Gipfel bewachsenen, großflächigen Bergstock, der vornehmlich aus jungvulkanischem Konglomerat und Bimsstein-Tuff zusammengesetzt ist. Der Vulkan befindet sich an einer Schnittstelle der kontinentalen Südamerikanischen und Nordamerikanischen Platte sowie der überwiegend ozeanischen Karibischen Platte, also an einer so genannten Triple Junction, und ist ein typischer Vertreter eines Inselbogenvulkans. Dieser Bogen spannt sich über mehr als 850 Kilometer von Puerto Rico im Norden bis hinab nach Venezuela und besitzt beispielsweise mit dem Soufrière auf St. Vincent und dem Soufrière Hills auf Montserrat weitere bekannte Vulkane.

Ausschlaggebend für die Aktivitäten des Mont Pelé ist die Subduktion der Südamerikanischen Platte, die sich mit bis zu zwei Zentimetern pro Jahr unter die Karibische schiebt. Da die exakte Grenze zwischen Nord- und Südamerikanischer Platte im Atlantischen Ozean allerdings undefiniert ist, ist unklar, ob nicht vielleicht auch beide unter die kleine Platte tauchen. Der Keil oberhalb des Plattenknicks wird daraufhin infolge von Fluiden aufgeschmolzen, die aus dem Krustenanteil dieser Platte in den Mantel entweichen. Das entstandene Magma besitzt eine geringere Dichte als das umgebende Mantelgestein und steigt auf Grund des Auftriebes vertikal auf. Es sucht sich einen Weg an die Erdoberfläche. Diese Konstellation ist bemerkenswert, da sich normalerweise die stets dichtere und somit schwerere ozeanische Platte unter eine kontinentale schiebt.

Der Mont Pelé ist der namengebende Vulkan für die Peleanische Eruption, einen der gefährlichsten und unberechenbarsten der neun Eruptionshaupttypen. Sie zeichnet sich durch eine sehr hohe Viskosität des aufsteigenden Magmas aus. Dieses kann oftmals noch während des Aufstiegs erhärten und den Hauptschlot für nachfolgende Ausbrüche in Pfropfenform verschließen. In der Folge suchen sich die vulkanischen Fluide und Gase Seitenschlote und Risse im Gestein und brechen oftmals unter hohem Druck auf lateralem Wege in Form von Glutwolken durch die Flanken des Berges. Diese Pelée-Dynamik zählt zur Gruppe der an Gase gebundenen Dynamiken (im Gegensatz zu den an Wasser gebundenen Dynamiken) und kann auch dahingehend wirken, dass dickflüssige Lava unmittelbar abgelagert wird, sobald sie die Erdoberfläche erreicht und an den Austrittsstellen halbstabile Lavadome bildet. Wenn diese kollabieren, bilden sich an den Berghängen pyroklastische Ströme.

Vulkanische Aktivität auf Martinique besteht seit rund 300.000 Jahren. Vulkanologen gliedern die geologische Formationsgeschichte des Berges mittlerweile in drei unterschiedliche Phasen. Den Beginn in dieser Einteilung bildet das Stadium, in dem der Mont Pelé noch ein gewöhnlicher Stratovulkan mit plinianischem Eruptionsmuster war und eine wesentlich größere Höhe als heutzutage aufwies. Seine Hänge wurden durch Lahare, Lavaströme und kleinteilige vulkanische Ablagerungen geformt. Dieser initiale Berg erhielt im Nachhinein den Namen Paléo-Pelée und noch heute sind an der Nord- und an der Westflanke Überreste dieses Stadiums zu erkennen.

Die so genannte Zwischenphase setzte vor gut 100.000 Jahren nach einer langen Periode der seismischen Ruhe ein. Im Verlaufe dieser Phase kam es zur Herausbildung des Morne-Macouba-Lavadoms sowie später durch eine große Eruption zur Formung der Morne-Macouba-Caldera, als die gesamte Gipfelregion über der entleerten Magmakammer einbrach und der Berg einen Großteil seiner Höhe einbüßte. Es kam noch zu weiteren Ausbrüchen, als deren Folge sich zahlreiche pyroklastische Ströme bildeten. Vor knapp 25.000 Jahren rutschte die Südwestflanke in einem gewaltigen Bergrutsch ab, der nach Messungen in etwa mit dem Kollaps des Nordhanges des Mount St. Helens 1980 vergleichbar gewesen sein muss.

Die bis heute vorerst letzte und noch immer andauernde Phase setzte vor etwa 13.000 Jahren ein und ist maßgeblich für die aktuellen Ablagerungen in der Gipfelregion aus Bims und Pyroklastika. Für die vergangenen 5000 Jahre konnten mehr als 30 Ausbrüche nachgewiesen werden. Einer der schwersten war eine enorme Bimssteineruption vor 3000 Jahren, die die Caldera Étang Sec (frz.: Trockener Teich) formte. Die Aktivitätsphasen der Jahre 1902 bis 1905 und 1929 bis 1932 füllten diese Caldera mit zwei großen Lavadomen, die zwar teilweise wieder einbrachen, aber noch heute den Gipfel des Vulkans bilden.

Der erste dokumentierte Ausbruch des Mont Pelé datiert aus dem Jahre 1630; es handelte sich jedoch nur um eine leichte eruptive Tätigkeit. Fünf Jahre später, 1635, kam es dagegen im Zuge eines schweren Ausbruchs zu einer umfassenden Verwüstung der Berghänge. Auf Grund dessen erhielt der Vulkan seinen Namen.

Alfred Lacroix forschte nach 1902 in der Historie des Vulkans und fand Zeugnisse einer kleinen phreatischen Explosion am 22. Januar 1792. Obschon zu jenem Zeitpunkt erst 110 Jahre zurückliegend, hatte kein Bewohner Martiniques Kenntnisse von dieser Aktivitätsphase. Einzig ein als „Bürger Dupuguet“ bekannter Augenzeuge veröffentlichte 1795 im Journal des Mines einen Bericht. Demnach folgte der Eruption ein starkes Erdbeben, während ein intensiver Schwefelverbindungsgeruch in den Tälern um den Berg hing. Das Mineral hatte sich auch auf Farnen und Felsen abgesetzt. Dupuguet berichtet, dass die Erde an mehreren Stellen aufgerissen gewesen und unzählige Bäume verbrannt seien. Menschliche Verluste waren nicht zu beklagen, es verendeten jedoch neben zahlreichen Vögeln auch 19 Opossums.

1851 zeigte der Mont Pelé, der damals nicht als Bedrohung galt, abermals Anzeichen leichter Aktivität. Am 5. August gegen 23 Uhr vernahm man in den Siedlungen ein dumpfes, weit entfernt scheinendes Grollen, das sich verstärkte und über längere Zeit anhielt. Einwohner aus Le Prêcheur und Saint-Pierre flüchteten in die Kirchen der Stadt. Die Behörden der Insel stellten in den folgenden Tagen eine wissenschaftliche Kommission zusammen, die die Hänge auf der Suche nach der eruptiven Stelle bestieg und untersuchte. Es stellte sich heraus, dass es oberhalb des Rivière Claire an der Westflanke wohl zu einer erneuten phreatischen Explosion gekommen war. Die Vegetation war zerstört und die Umgebung von einer dünnen Ascheschicht bedeckt. Zudem registrierten die Wissenschaftler aggressiven Schwefelverbindungsgeruch und ausströmende Dämpfe, die den Himmel verdunkelten. Auf 965 Meter Höhe fanden sich zwei große Schlammtöpfe. Die vulkanischen Tätigkeiten hielten auf niedrigem Niveau an, bis sie im ersten Halbjahr 1852 gänzlich zur Ruhe kamen. Umfassendste Quelle dieses kleinen Ausbruchs ist ein Bericht der Kommission, der dazu dienen sollte, die Unsicherheit in der Bevölkerung zu zerstreuen und die Anwohner zu beruhigen. Er wurde im offiziellen Amtsblatt der Insel veröffentlicht. Die Ergebnisse verdeutlichen den Mangel an Wissen über die geologische Beschaffenheit des Vulkans. Im Bericht war zu lesen, man hätte keinerlei Lava oder vulkanische Bomben gefunden; Schlamm und Asche seien die einzigen Auswürfe des Berges gewesen. Demnach sollte man ihn als Schlamm- und nicht als Feuervulkan klassifizieren, da auch die vorherige Eruption wohl gleichen Typs gewesen sei. Es zeigten sich auch nach intensiven Untersuchungen keine Risse, Erdrutsche oder Gewässerveränderungen und der Schadensbereich sei äußerst begrenzt. Die Forscher waren sich sicher, dass Saint-Pierre und Prêcheur auch wesentlich größere Ausbrüche nicht zu fürchten bräuchten. Die Beschaffenheit der Umgebung der eruptiven Zone sowie die Erosion in der Klamm des Rivière Blanche würden für den Schlamm einen natürlichen Abflussweg ins Meer bilden. Die Bauern der umliegenden Dörfer sollten wieder zurückkehren und die Arbeit auf den Feldern wieder aufnehmen. Dabei sollten sie sich nicht von den von Zeit zu Zeit auftretenden Eruptivgeräuschen und dem nach wie vor beharrlichen Geruch von Schwefelwasserstoff verunsichern lassen. Abschließend kam die Kommission im veröffentlichten Bericht zu dem Ergebnis, der Mont Pelé sei lediglich eine weitere naturhistorische Kuriosität der Insel, die Besucher sicher gerne sehen würden. Durch die Geschäftstüchtigkeit der Bewohner könnte sich der Vulkan zu einer Quelle für Wohlstand und Gesundheit entwickeln. Die Passagiere einlaufender Schiffe aus Frankreich, die schon aus der Ferne die hohe weiße Rauchsäule am Himmel erblicken könnten, würden sie für eine pittoreske Dekoration der Insel sowie für eine Vervollständigung der Erhabenheit des Berges halten. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass dieser beschwichtigende Bericht, in dem – wohl aus Unwissenheit – nicht auf die tatsächliche Gefahr durch den Berg hingewiesen wurde, einer der Hauptgründe für die hohen Opferzahlen im Jahre 1902 war. Die Bewohner der Vulkanregion hätten demnach den Ernst der Lage unterschätzt und sich auf die 50 Jahre zurückliegenden Feststellungen der wissenschaftlichen Kommission verlassen.

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