Mohammed oder Mohammad sowie Muhammad, mit vollem Namen Abū l-Qāsim Muhammad b. ʿAbdallāh b. ʿAbd al-Muttalib b. Hāschim b. ʿAbd Manāf al-Quraschī (arabisch أبو القاسم محمد بن عبد الله بن عبد المطلب بن هاشم بن عبد مناف القرشي, DMG Abū l-Qāsim Muḥammad b. ʿAbdallāh b. ʿAbd al-Muṭṭalib b. Hāšim b. ʿAbd Manāf al-Qurašī; geboren zwischen 570 und 573 in Mekka; gestorben am 8. Juni 632 in Medina), war der Religionsstifter des Islam. Er gilt im Islam als Prophet und Gesandter Gottes. Mohammed war sowohl der Führer der religiösen und sozialen Bewegung als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem diese Religion ausgelebt wurde. Die ihm folgenden Kalifen dehnten die arabische Herrschaft über Iran, Syrien, Palästina und Ägypten aus.
Mohammed wurde in der arabischen Stadt Mekka als Familienmitglied der Banū Hāschim aus dem vorherrschenden Stamm der Quraisch geboren. Mohammeds Vater ʿAbdallāh starb wahrscheinlich vor seiner Geburt um das Jahr 570. Seine Mutter Āmina bint Wahb starb um das Jahr 577.
Als Geburtsjahr wird in vielen arabischen Quellen das Jahr des Elefanten angegeben, das nach neuerer Forschung auf die Zeit zwischen 547 und 552 datiert wird. Die Vereinbarkeit mit den übrigen Lebensdaten Mohammeds ist strittig.
At-Tabarī (gestorben 923) zitiert den Historiker und Genealogen Ibn al-Kalbī (gestorben 819) mit der Aussage, Mohammed sei im 42. Jahr nach dem Herrschaftsantritt des Sassanidenherrschers Chosrau I. Anuschirwan geboren worden. Demnach ist seine Geburt auf das Jahr 573 zu datieren. Al-Masʿūdī (gestorben 957) datiert seine Geburt dagegen auf das 39. Regierungsjahr von Chosrau I., das dem Jahr 570 entspricht. Als Zeitpunkt wird der zwölfte Tag im Rabīʿ al-awwal, dem dritten Monat des islamischen Kalenders angegeben.
Mohammed hatte im Laufe seines Lebens rund zehn Ehefrauen. Seine erste Ehefrau war Chadidscha; seine vermutlich jüngste Ehefrau war Aischa, mit der er zwischen ihrem sechsten und neunten Lebensjahr verlobt und verheiratet wurde. Von seinen Kindern sind acht namentlich bekannt. Fatima, seine jüngste Tochter, war das einzige Kind, dessen Nachkommen bis ins Erwachsenenalter überlebten.
Die mekkanische Zeit (bis 622)
Mohammed wurde unmittelbar nach seiner Geburt zu der Amme Halīma bint Abī Dhuʾaib gegeben. Um seinen etwa zweijährigen Aufenthalt bei ihr und ihrem Stamm, der nomadisch in der Wüste lebte, ranken sich einige Legenden. Im Alter von sechs Jahren verlor Mohammed seine Mutter Āmina. Anschließend lebte er bei seinem Großvater ʿAbd al-Muttalib, der jedoch zwei Jahre später ebenfalls starb. So kam Mohammed schließlich in den Haushalt seines väterlichen Onkels Abū Tālib (jüngerer Bruder seines Vaters), der als Händler tätig war.
In jungen Jahren arbeitete Mohammed als Schafhirte, später nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien, also in das Oströmische Reich) teil. Den Fidschār-Kriegen zwischen den Quraisch und Kināna auf der einen und den Qais ʿAilān auf der anderen Seite, die auf die frühen 590er Jahre datiert werden, soll Mohammed im Alter von 20 Jahren beigewohnt haben.
Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre ältere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555?–619) aus dem angesehenen quraischitischen Geschlecht ʿAbd al-ʿUzzā, die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Sicherheit – eine Wende in seinem Leben. Auf diese Zeit nimmt auch eine mekkanische Sure im Koran direkten Bezug:
(Diese Übersetzung und folgende Übersetzungen: Rudi Paret)
Gemäß der Koranexegese gehören diese Verse zu denjenigen Teilen des Koran, in denen Mohammed von Gott direkt angesprochen wird. Sie interpretiert diesen Passus als Charakteristik der gesellschaftlichen Position Mohammeds in Mekka, bevor er seine ersten Offenbarungen hatte.
Aus Mohammeds Ehe mit Chadidscha ging unter anderem seine Tochter Fatima hervor, die als einziges seiner Kinder selbst Nachkommen hatte. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab.
Religiöse Entwicklung und Berufung zum Propheten
In der Spätantike gelangten verstärkt monotheistische Einflüsse (Judentum und Christentum) nach Arabien. Diese haben Mohammeds spätere Entwicklung mit beeinflusst. Islamischen Überlieferungen zufolge stand Mohammed vor seinen ersten Offenbarungserlebnissen in der religiösen Tradition seines Volkes, die man später – aus islamischer Sicht – als die Zeit der Dschāhiliyya bezeichnete. Ibn al-Kalbi (gestorben gegen 819), der Verfasser des Götzenbuches, zitiert Mohammed bei der Beschreibung des Idols al-ʿUzzā mit folgenden Worten: „Ich habe al-ʿUzzā ein weißes Mutterschaf geopfert, als ich der Religion meines Volkes folgte.“ Auch in der Prophetenbiographie sind alte Berichte erhalten, die auf die Ausübung vorislamischer Bräuche durch Mohammed in seiner vorprophetischen Zeit schließen lassen.
Beziehung zu dem Hanīfen Zaid ibn ʿAmr
In der Sira, der Prophetenbiographie von Muhammad ibn Ishaq, wird eine Begegnung Mohammeds mit dem damals bekannten Hanīfen Zaid ibn ʿAmr geschildert; Mohammed soll, dem Bericht zufolge, Zaid das Fleisch von „unseren Schlachtopfern, die wir unseren Idolen (dargebracht haben)“, angeboten haben, dessen Verzehr Zaid allerdings als verwerflich zurückwies. „Von dem Tag an“, lässt die Überlieferung Mohammed sprechen, „habe ich keinem Götzen Opfer dargebracht, bis Gott mich mit seiner Botschaft ausgezeichnet hat.“ Diese Episode ist in den Folgegenerationen von al-Buchārī bis in die Zeit von adh-Dhahabī mehrfach dargestellt worden.
Mohammeds Alter bei seiner Berufung zum Propheten
Nach der gängigen Chronologie war Mohammed 40 Jahre alt, als er zum Propheten berufen wurde. Nach Überlieferungen, die auf den Prophetengefährten Anas ibn Mālik (gestorben zwischen 708 und 714) zurückgeführt werden, erhielt er seine Berufung „am Kopfe von 40 Jahren“ (ʿalā raʾs al-arbaʿīn) bzw. „als er vierzig Jahre alt war“ (wa-huwa ibn arbaʿīn sana). Hischām ibn Muhammad Ibn al-Kalbī (gestorben 819) nahm sogar an, dass der Engel Gabriel Mohammed die Botschaft Gottes just an dem Tag überbrachte, an dem er vierzig Jahre alt wurde.