Mogadischu [mogaˈdɪʃu] (englisch Mogadishu, Somali Muqdisho [mʊɢˈdiːʃoː], italienisch und Schweizer Hochdeutsch Mogadiscio, arabisch مقديشو, DMG Maqadīšū), auch unter dem Namen Hamar (somali Xamar) bekannt, ist die Hauptstadt Somalias. Früher wurde Mogadischu auch als die Perle Ostafrikas bezeichnet.
Die Stadt liegt im Süden Somalias, an der Benadirküste am Indischen Ozean, rund 200 Kilometer nördlich des Äquators. Sie ist auch Hauptstadt der Verwaltungsregion Banaadir (Benadir). Zu dieser gehörten früher auch die Nachbarregionen Shabeellaha Hoose und Shabeellaha Dhexe, seit deren Ausgliederung stimmt Banaadir etwa mit dem Stadtgebiet von Mogadischu überein.
Mogadischu war seit etwa 1990 mit über einer Million Einwohnern die größte Stadt Somalias. Die genaue heutige Bevölkerungszahl lässt sich nur grob schätzen, da keine aktuellen Volkszählungen existieren und umfangreiche Flucht- und Migrationsbewegungen innerhalb Somalias stattgefunden haben.
1975 hatte die Stadt gemäß erstem offiziellen Zensus etwa 380.000 Einwohner, was 52 % der landesweiten „nicht-landwirtschaftlichen“ (städtischen) Bevölkerung waren. Traditionell dominieren in Mogadischu der Somali-Clan der Abgal-Hawiya sowie die Minderheit der Benadiri (Reer Hamar). Zu ihnen kamen in den letzten Jahrzehnten Angehörige diverser anderer Clans aus anderen Landesteilen hinzu.
Seit Beginn des Bürgerkrieges hat Mogadischu im Zuge der Kämpfe zwischen dem Abgal Ali Mahdi Mohammed und dem Habar-Gedir-Hawiya Aidid der Habar-Gedir-Clan deutlich an Einfluss gewonnen, und zahlreiche Habar Gedir zogen in die Stadt, während vor allem Darod – die zum selben Clan wie der 1991 vertriebene Diktator Siad Barre gehörten und zum Teil Ziel von Racheakten der Hawiya wurden – die Stadt verließen. Insgesamt wuchs Mogadischu seit Beginn des Bürgerkrieges weiter durch Zuwanderer und Binnenflüchtlinge aus anderen Landesteilen. Für 2005 wurde die Bevölkerung auf etwa 1,23 Millionen (2,59 Millionen in der Agglomeration; Stand jeweils 1. Januar 2005) geschätzt. Aktuelle Schätzungen liegen bei 1,58 Millionen Einwohnern. Die UN schätzt die Bevölkerung für 2017 auf 1,98 Millionen. Im Jahr 2050 sollen, laut Prognosen, 6,6 Millionen Menschen in der Agglomeration leben.
Nach heftigen Kämpfen verließen 2007 schätzungsweise 600.000 Bewohner die Stadt. Sie flohen meist in die nähere Umgebung (Mittel- und Unter-Shabeelle), zum Teil auch in weiter entfernte Landesteile. Nach Augenzeugenberichten sind nur noch wenige Wohnblocks in der Innenstadt und in der Nähe des Präsidentensitzes Villa Somalia regulär bewohnt.
Bevölkerungsentwicklung laut UN
Über die Ursprünge des Namens Mogadischu (Muqdisho) gibt es viele Theorien, aber er leitet sich höchstwahrscheinlich von dem allgemein semitischen (d. h. arabischen oder äthiopischen) Wort für Heiligtum ab und bezieht sich auf die dortige Moschee (oder vielleicht bereits auf einen christlichen Vorgängerbau, d. h. eine Kirche).
Alle weiteren Deutungen sind Volketymologien, wie zum Beispiel die Herleitung von den somalischen Wörtern Muuq und Disho ab, die wörtlich Scheuklappe bedeuten und sich möglicherweise auf die blendende Schönheit der Stadt beziehen. Andere Theorien deuten auf das persische Wort Maqadé Shâh hin, was „der Sitz des Königs“ bedeutet. und eine andere Theorie besagt, dass es eine Falschaussprache von mugdi di disho (Somali für „Dunkelheitskiller“, was sich auf Mogadischu als einen der ersten islamischen Somali-Stadtstaaten an der ostafrikanischen Küste bezöge) sei, aber der Ort ist viel zu alt dafür. Der Entdecker Leo Africanus aus dem 16. Jahrhundert kannte die Stadt als Magadazo (alternativ Magadoxo).
Mogadischu wurde im 10. Jahrhundert von arabischen Kolonisten besiedelt. Viele Zuwanderer kamen von der Arabischen Halbinsel, ihr relativer Wohlstand stärkte sie wirtschaftlich, und interkulturelle Ehen mit den einheimischen Somali sorgten schnell für Verbreitung des Wohlstands. In jener Zeit profitierte die Stadt stark vom Inlandshandel. Aus den Zuwanderern gingen die Benadiri (Reer Hamar) hervor.
Die 1269 erbaute Fakr-ad-Din-Moschee zählt zu den ältesten islamischen Bauwerken Afrikas. 1331 besuchte der Reisende Ibn Battūta Mogadischu und beschrieb die Stadt als sehr groß. 1416 wurde ein Botschafter nach China gesendet, der 1417 durch die Flotte von Admiral Zheng He zurückgebracht wurde.
Im 16. Jahrhundert befand sich Mogadischu unter portugiesischer Herrschaft. 1828 unterstellte sich die Stadt der Oberherrschaft des Sultanats Oman bzw. ab 1856 des Sultanats Sansibar, nachdem eine omanische Flotte die Stadt bombardierte. Bis zur Stationierung einer Garnison und der Einsetzung eines Gouverneurs im Jahre 1874 hatte das Sultanat aber kaum Einfluss.
1892 wurde die Stadt an Italien verpachtet und ab 1896 von der privaten Benadir-Gesellschaft bewirtschaftet. Am 26. November 1896 wurde der Generalkonsul Antonio Cecchi von Somali getötet. 1905 wurde das Gebiet von Italien aufgekauft und Mogadischu zur Hauptstadt der Kolonie Italienisch-Somaliland. 1921 wurde der Bau einer 130 km langen Bahnverbindung nach Jowhar begonnen, doch bis ins Jahr 1935 hatte Mogadischu keinen Hafen, weshalb Schiffe vor der Küste vor Anker gehen mussten.
Der faschistische Sympathisant Henri de Monfreid kam 1935 in die Stadt. Im Abessinienkrieg (1935–1941) war die Hauptstadtfunktion zwischenzeitlich ausgesetzt, da Italien dort eine kurzzeitige Herrschaft etablierte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt 1941 nach schweren Kämpfen von aus Richtung Kenia anrückenden britischen Truppen erobert, Italienisch-Somaliland kam unter britische Militärverwaltung und wurde 1950–1960 UN-Treuhandgebiet von Italien. Italien investierte in diesen Jahren stark in die Infrastruktur der Stadt. 1960 wurde Mogadischu zur Hauptstadt des nunmehr unabhängigen Somalia.
Am 21. Januar 1904 wurde im damaligen Italienisch-Somaliland die Apostolische Präfektur von Banaadir mit Sitz in Mogadischu errichtet, welche am 15. Dezember 1927 zum Apostolischen Vikariat erhoben wurde und den Namen Mogadiscio trug. Am 20. November 1975 wurde das Apostolische Vikariat von Mogadischu zum Bistum erhoben. Nach der Zerstörung der Kathedrale mit dem anliegenden Kloster löste sich das Bistum im Bürgerkrieg faktisch auf. In den 1970er Jahren wurde die Moschee der Islamischen Solidarität eröffnet.
In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 befreite die Eliteeinheit GSG 9 des Bundesgrenzschutzes auf dem Flughafen Mogadischu die entführte Lufthansa-Maschine Landshut.
Siehe auch: Somalischer Bürgerkrieg