Mirjam Pressler (* 18. Juni 1940 als Marianne Gunkel in Darmstadt; † 16. Januar 2019 in Landshut) war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen, schrieb aber auch Bücher für Erwachsene und übersetzte andere Autoren aus dem Hebräischen, dem Englischen, dem Niederländischen und dem Afrikaans ins Deutsche.
Mirjam Pressler war ein uneheliches Kind, das – wie damals nicht unüblich – in einer Pflegefamilie und in einem Heim aufwuchs. Mit elf Jahren kam sie in ein Internat und besuchte Gymnasien in Darmstadt und Bensheim. Ab 1957 studierte sie Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main, brach das Studium jedoch 1959 ab.
Pressler verbrachte ein Jahr in einem Kibbuz in Israel, konvertierte zum Judentum und heiratete 1964 einen in Braunschweig geborenen israelischen Fotografen. Der Ehe entstammen drei Töchter. Nach der Trennung des Ehepaares im Jahr 1970 zog Mirjam Pressler ihre Kinder in einer Wohngemeinschaft mit einer ebenfalls alleinerziehenden Frau auf. Pressler fuhr Taxi und arbeitete acht Jahre lang halbtags im eigenen Jeans-Laden. Nach der Kündigung der Ladenimmobilie arbeitete sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie übersetzte 500 Bücher ins Deutsche und verfasste selbst über 40 Kinder- und Jugendbücher.
Zuletzt lebte Mirjam Pressler in Landshut, wo sie im Januar 2019 im Alter von 78 Jahren ihrer langen Krebserkrankung erlag. Pressler war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.
Die Internationale Jugendbibliothek in München erhielt ihren literarischen Nachlass.
Für Bitterschokolade, ihre erste Geschichte, erhielt Pressler die wichtigste Auszeichnung für Debüts in der Kinder- und Jugendliteratur, den Oldenburger Jugendliteraturpreis. Dieses Buch war mit 400.000 verkauften Exemplaren ihr erfolgreichster Titel. Ihr Werk wuchs auf über fünfzig Titel an.
Ihre Bücher konfrontieren die Leser mit der Realität von Kindern und Jugendlichen in Gegenwart und Vergangenheit und stellen schwierige Lebenssituationen ins Zentrum. Sie enttäuschen jede Hoffnung auf einfache Lösungen. Am Ende scheint aber oft Zuversicht auf. Das Thema Holocaust zieht sich durch eine ganze Reihe ihrer Werke: In Malka Mai etwa steht der Überlebenskampf einer achtjährigen Jüdin im Zentrum.
Biographische, auch autobiographische Elemente flossen zwar oft in ihre Bücher ein, aber sie bildeten nur die Basis für die Geschichten.
Als Übersetzerin übertrug Mirjam Pressler mehr als 300 Titel aus dem Hebräischen, dem Englischen und dem Niederländischen ins Deutsche, darunter Werke von John Steinbeck (Von Mäusen und Menschen), Peter van Gestel, Uri Orlev (Lauf, Junge, lauf), Amos Oz (Unter Freunden, Judas, Sumchi), Lizzie Doron, Orly Castel-Bloom oder Zeruya Shalev. Als ein Hauptwerk gilt die von ihr übertragene Kritische Werkausgabe der Tagebücher von Anne Frank. Ihr Roman Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank stand im Mittelpunkt des Lesefestes Frankfurt liest ein Buch 2015.
Presslers letzter Roman Dunkles Gold, in dem ein Bogen von den Pestpogromen im Mittelalter zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen geschlagen wird, erschien postum im März 2019.
Bitterschokolade. Beltz & Gelberg, Weinheim 1980, ISBN 3-407-80630-2.
Kratzer im Lack. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim 1981, ISBN 3-407-74148-0.
Nun red doch endlich. Kinderroman. Beltz & Gelberg, Weinheim 1981.
Stolperschritte. Roman. Spectrum, Stuttgart 1981.
Novemberkatzen. Kinderroman. Beltz & Gelberg, Weinheim 1982.
Zeit am Stiel. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim 1982.
Katharina und so weiter. Erzählung. Beltz & Gelberg, Weinheim 1984.
Riesenkuß und Riesenglück. Oetinger, Hamburg 1984.