Mino da Fiesole, eigentlich Mino di Giovanni Mini da Poppi (* 1429, Ort unbekannt; † 11. Juli 1484 in Florenz), war ein in Fiesole, Florenz und Rom tätiger Bildhauer des 15. Jahrhunderts. Er wurde für seine Porträtbüsten aus Marmor, Grabmonumente und Altareinfassungen geschätzt.
Mino wurde, wie eine Steuererklärung des Vaters belegt, im August 1429 als Sohn der Eheleute Giovanni di Mino und Caterina geboren; der Ort nicht ganz sicher. Bei seiner Immatrikulation in der Zunft der Steinmetze und Zimmerleute (Arte dei Maestri di Pietra e Legname) im Jahr 1464 gab Mino an, dass er aus Poppi stamme („de Pupio“); seine Eltern lebten jedoch im Pfarrsprengel von S. Caterina in Papiano (Casentino). Sein Beiname „da Fiesole“ (aus Fiesole) taucht zuerst über 60 Jahre nach Minos Tod in Giorgio Vasaris Vita des Künstlers in der ersten Edition seiner Lebensbeschreibungen (1550) auf.
In wessen Werkstatt Mino seine künstlerische Ausbildung erhielt, ist unbekannt. In der kunstwissenschaftlichen Forschung wurden die Namen Michelozzo di Bartolommeo, Luca della Robbia und Bernardo Rosselino vorgeschlagen. Vasaris Angabe, er sei ein Schüler Desiderio da Settignanos gewesen, ist unwahrscheinlich, da beide Künstler etwa gleichaltrig waren.
Mino führte Aufträge in Fiesole, Florenz und Rom aus. Während seiner Aufenthalte in Rom zwischen ca. 1459 und 1464 sowie zwischen ca. 1473 und 1480 arbeitete er bei der Anfertigung von Grabmonumenten und Altartabernakeln eng mit den in Rom tätigen Bildhauern Andrea Bregno und Giovanni Dalmata zusammen.
Unter Minos frühen Arbeiten ist vor allem der Altar und das Grabdenkmal des Bischofs Leonardo Salutati († 1466) in der Kathedrale von Fiesole zu nennen.
Bereits von Zeitgenossen wurde er für seine Porträts geschätzt. Berühmt sind u. a. das Bildnis des Piero di Cosimo de’ Medici (1453) im Bargello – bei ihr handelt es sich um die früheste bekannte Marmorbüste der Neuzeit – sowie die signierte Marmorbüste des Florentiner Bankiers Niccolo Strozzi (1454, Inschrift: OPUS NINI), die sich in der Berliner Skulpturensammlung befindet.
Porträtbüste des Piero di Cosimo de’ Medici (1453), Museo nazionale del Bargello, Florenz
Porträtbüste des Niccolò Strozzi (ca. 1454, signiert), Staatliche Museen zu Berlin – Skulpturensammlung im Bode-Museum, Berlin
Porträtbüste des Astorgio Manfredi II. (1455, Washington/D.C., NG)
Porträtbüste des Alessandro di Luca (1456, signiert), Staatliche Museen zu Berlin – Skulpturensammlung im Bode-Museum, Berlin
Porträtbüste des Grafen Rinaldo della Luna (1461), Museo nazionale del Bargello, Florenz
Porträtbüste des Diotisalvi Neroni (1464), Musée du Louvre, Paris
Porträtbüste des Bischofs Lionardo Salutati (vor 1466), Cappella Salutati, Dom, Fiesole
Altar und zwei Grabmonumente für Bernardo Giugni und den Markgrafen Hugo von Tuszien, Badia, Florenz
Marmor-Ziborium mit Leuchterengeln über dem Hochaltar (1471, signiert und datiert), Dom von Volterra
Grabmonument für Papst Paul II. (mit Giovanni Dalmata), Alt-Sankt Peter, Rom
Grabmonument für den Kardinal Pietro Riario (mit Andrea Bregno), Santi XII Apostoli, Rom
Grabmonument für die Kardinäle Cristoforo und Domenico della Rovere (mit Andrea Bregno), Santa Maria del Popolo, Rom