An diesem Tag

Minna Ewald

Tochter von Carl Friedrich Gauß

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Minna Ewald (* 29. Februar 1808 in Göttingen als Wilhelmine Gauß; † 12. August 1840 in Tübingen) war eine Tochter des Mathematikers, Astronomen und Physikers Carl Friedrich Gauß. Sie heiratete 1830 den Orientalisten und evangelischen Theologen Heinrich Ewald, der wie Gauß als Professor an der Universität Göttingen lehrte. Er gehörte zu den Göttinger Sieben, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und deswegen ihre Anstellung verloren. Heinrich Ewald nahm 1838 eine Berufung nach Tübingen an. Minna starb 1840 an Schwindsucht, ebenso wie die zweite Frau ihres Vaters und ihre Schwester.

Nach der Beendigung seines Studiums 1798 ließ sich der Mathematiker, Astronom und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777–1855) in seiner Geburtsstadt Braunschweig als Privatgelehrter nieder. 1805 heiratete er Johanna Osthoff (1780–1809), die Tochter des Weißgerbermeisters Christian Ernst Osthoff. 1806 wurde Joseph, das erste Kind aus dieser Ehe geboren. Am 25. Juli 1807 wurde Gauß zum Professor der Astronomie und zum Direktor der Universitätssternwarte in Göttingen ernannt. Am 21. November 1807 zog er mit seiner schwangeren Frau in eine Interimswohnung in der Groner Straße 27 in Göttingen ein. Hier wurde das zweite Kind Wilhelmine Gauß, genannt Minna, Minchen oder Minnchen, am 29. Februar 1808 geboren.

Der Astronom Gauß hatte sich die Regel gegeben, seine Kinder nach den Entdeckern der Kleinplaneten zu benennen. Sein zweites Kind nannte er daher Wilhelmine, nach seinem Freund Wilhelm Olbers, der den zweiten Kleinplaneten Pallas entdeckt hatte. Seinen Eltern in Braunschweig verkündete er das freudige Ereignis in einem Brief:

„Das Mädchen ist zwar nicht so zart und hübsch wie der Joseph gleich anfangs war, aber sehr wohlgestaltet und gesund und stark.… Der Himmel gebe sein weiteres Gedeihen. Das arme Kind ist zu bedauren, daß es gerade am Schalttage die Welt erblickt und also nur alle 4 Jahr einen Geburtstag zu feiern hat.“

Als drittes Kind wurde 1809 der Sohn Louis geboren. Johanna Gauß starb einen Monat nach der Niederkunft, und Louis verstarb im Alter von einem halben Jahr. Ein Jahr später heiratete Gauß die Professorentochter Minna Waldeck. Aus dieser Verbindung gingen die drei Kinder Eugen, Wilhelm und Therese hervor, die um 3, 5 und 8 Jahre jünger als Minna waren. Minna Gauß ersetzte den Kindern aus erster Ehe die Mutter und wurde von ihnen anerkannt und geliebt. Auch die Beziehungen der Geschwister und Halbgeschwister untereinander waren herzlich und wurden nicht durch die Abkunft von verschiedenen Müttern getrübt.

Gauß bewohnte die Interimswohnung bis Ostern 1808, dann bezog er mit seiner Familie das erste Stockwerk eines großen Fachwerkhauses in der Kurzen Straße 15 in Göttingen, bevor er im Oktober 1816 in den Westflügel der neuerbauten Göttinger Sternwarte in der Geismar Landstraße 11 umzog, deren Leiter er seit 1807 war.

Minna erhielt ihre Schulbildung durch Privatunterricht. Im Gegensatz zu ihren Brüdern besuchte sie jedoch nicht das Gymnasium. Der Stil ihrer Briefe an Gauß, ihre Geschwister und ihren Ehemann zeugt von einer gediegenen Bildung.

Nach der Geburt ihrer drei Kinder begann Gauß’ zweite Frau Minna ab 1818 zu kränkeln. Sie war an Schwindsucht erkrankt, und ab 1824 begann für sie eine schreckliche Leidenszeit bis zu ihrem Tod 1831. Die lange Krankheit der Hausfrau führte zu einer häuslichen Belastung, unter der Gauß und die gesamte Familie litten. Der Gauß-Forscher Theo Gerardy urteilte über die Kinder von Gauß:

„An den Kindern läßt sich das unterschiedliche seelische Erbe der Mütter ablesen. Josef und Minna, die Kinder Johannas, sind warmherzige, unkomplizierte und lebenstüchtige Naturen. Die Kinder Minnas haben neben vielen Vorzügen auch deutliche Merkmale der mütterlichen Unausgeglichenheit. Eugen ist leichtsinnig, heftig und ungezügelt; Wilhelm ist leicht gekränkt, unüberlegt und uneinsichtig; Therese wirkt eigenartig, verschlossen und exaltiert.“

Da Gauß’ Frau durch ihre schwere Krankheit in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt war, übernahm Minna schon als junges Mädchen Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister.

Als Carl Friedrich Gauß 1827 auf seiner jährlichen Gradmessungskampagne unterwegs war, berichtete ihm seine 19-jährige Tochter Minna in einem Brief von einem Besucher, den er verpasst hatte: den 23 Jahre jungen Orientalisten und Bibelwissenschaftler Heinrich Ewald: „Noch einer, worüber Du Dich sehr wundern wirst: Ewald, wahrscheinlich um sich Dir als Professor zu präsentiren. … hat recht früh sein Glück gemacht, man sagt er bekäme schon 300 Reichsthaler Gehalt. … indessen seine armen Eltern soll er sehr unterstützen.“

Heinrich Ewald wurde 1803 als Sohn eines unbemittelten Göttinger Tuchmachermeisters geboren. Durch Vermittlung einiger Professoren konnte der begabte Junge das Gymnasium besuchen und ein Studium an der Universität Göttingen absolvieren. Er promovierte mit 20 Jahren und erwarb sich in der Fachwelt schnell einen guten Ruf, so dass er mit 24 Jahren bereits zum Professor ernannt wurde. Sein Jahreseinkommen belief sich einschließlich der Hörergelder auf 2000 Reichstaler. Zum Vergleich: Gauß’ bezog als der bestverdienende Professor der Universität Göttingen ein Fixgehalt von 2500 Reichstalern.

Ein Schüler, Julius Wellhausen, schilderte Ewald als „sehr stattlich und kräftig, seine Haltung straff und aufrecht, sein Gang rasch, sein Auge merkwürdig gespannt. Er liess sich nicht übersehen, sondern fiel überall auf, seine Erscheinung hatte etwas Feierliches.“ Trotzdem war er schüchtern und ungelenk, und aus dem Briefwechsel zwischen den Eheleuten wird klar, dass Minna ihren Mann in den äußeren Dingen des Lebens behütete und lenkte. Ewald war hilfsbereit und freigiebig, ein origineller Forscher, ein kritischer, unbestechlicher Geist und ein rastloser Arbeiter. Als charismatischer Lehrer hatte er einen großen Hörerzulauf. Außerhalb seines engeren Familienkreises beschränkte er den gesellschaftlichen Verkehr auf ein Minimum, zugunsten der riesigen Arbeitslast, die er sich aufbürdete. Gegenüber seinen Fachkollegen erwies er sich nicht selten als rechthaberisch und streitsüchtig, besonders im Alter.

In den 2 ½ Jahren nach dem ersten Kennenlernen kamen sich Ewald und Minna näher und beschlossen sich miteinander zu verbinden. Ewald bat am 17. Februar 1830 Carl Friedrich Gauß brieflich um die Hand seiner Tochter Minna, zwei Tage später fand die Verlobung statt, und am 15. September heiratete Minna den 5 Jahre älteren Heinrich Ewald. Die Freude der Brautleute wurde getrübt durch einen Familienskandal: Minnas Bruder Eugen hatte sich wegen seines liederlichen Studentenlebens mit seinen Eltern überworfen und wollte nach Amerika auswandern.

Minna gehörte nicht zu den Universitätsmamsellen, den Göttinger Professorentöchtern, die eine eigenständige, damals für Frauen untypische Karriere einschlugen. Sie entsprach dem Bild der Frau, die sich um Haushalt und Familie kümmert, und trotz ihrer krankheitsbedingten körperlichen Einschränkungen gelang es ihr, den Professorenhaushalt zu organisieren und ihrem Mann den „Rücken freizuhalten“. Die Briefwechsel in Minnas Umfeld weisen sie als herzensgute, seelenvolle und edelmütige Frau mit kritischem Verstand aus. Ihre Briefe atmen die beständige Sorge um ihren Mann, ihre Verwandten und ihre Freunde, denen sie in inniger Liebe zugetan war. Da Gauß’ zweite Frau durch ihre schwere Krankheit in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt war, hatte Minna schon als junges Mädchen Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen.

Nach der Heirat bezog das Ehepaar eine Wohnung in der Groner Straße 15. Ab dem Wintersemester 1832 bis Mai 1838 wohnten sie in der Kurzen Geismarstraße 39. Diese Wohnung lag 350 Meter näher an der Sternwarte, wo Gauß und Minnas Schwester Therese wohnten, war aber immer noch 600 Meter weit von ihr entfernt. Für die Schwestern, die beide an Schwindsucht litten, war auch diese Entfernung je nach Befinden oft unüberbrückbar, so dass Minnas sonst enger Verkehr mit ihrem Vater und Therese zeitweise unterbrochen wurde. Vier Kuraufenthalte zwischen 1832 und 1836 in Bad Ems und in Franzensbad brachten nicht die Heilung und auch keine Linderung ihrer Krankheit. In späteren Jahren bezeichnete Heinrich Ewald die Zeit von seiner Verheiratung 1830 bis zu seiner Entlassung 1837 als die glücklichste Zeit seines Lebens.

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