Millard Fillmore (* 7. Januar 1800 in Summerhill, Cayuga County, New York; † 8. März 1874 in Buffalo, New York) war ein US-amerikanischer Politiker der Whig Party und vom 9. Juli 1850 bis zum 4. März 1853 der 13. Präsident der Vereinigten Staaten.
Fillmore stammte aus einfachen Verhältnissen und studierte später Rechtswissenschaften. Seine politische Karriere begann mit der Wahl ins US-Repräsentantenhaus, dem er von 1833 bis 1843 für die Whig Party angehörte. Nach einer gescheiterten Kandidatur als Gouverneur von New York gelang es ihm jedoch später in das Amt des New York State Comptrollers gewählt zu werden. Diesen Posten bekleidete Fillmore von 1848 bis 1849. 1848 zum Vizepräsidentschaftskandidaten der Whig Party nominiert, wurde er im November dieses Jahres an der Seite von Zachary Taylor zum US-Vizepräsidenten gewählt. Dieses Amt trat er im März 1849 an. Nach dem überraschenden Tod von Präsident Taylor im Juli 1850 musste Fillmore für den Rest der Amtszeit selbst die Präsidentschaft übernehmen. Seine Regierungszeit war stark von dem sich verschärfenden Konflikt zwischen den Nord- und Südstaaten um die Sklaverei geprägt. Streitpunkt war vor allem, ob die im Zuge des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges hinzugewonnenen Gebiete die Sklaverei annehmen oder verbieten sollten. Mit dem von Fillmore unterstützten Kompromiss von 1850 wurde zunächst ein Ausgleich gefunden, der jedoch keineswegs alle politischen Akteure zufriedenstellte. Besonders die mangelnde Unterstützung aus den nördlichen Bundesstaaten verhinderte bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 1852 die Nominierung des Präsidenten durch seine eigene Partei. Daher musste er im März 1853 das Weiße Haus verlassen, ohne sich einem Wählervotum gestellt zu haben. Im Jahr 1856 kandidierte er für die Know-Nothing Party, eine kurzlebige Splitterpartei, nochmals vergeblich für die Präsidentschaft. Bis zu seinem Tode 1874 trat Fillmore nicht mehr politisch in Erscheinung.
Leben bis zur Präsidentschaft (1800–1850)
Kindheit, Ausbildung und juristische Laufbahn
Millard Fillmore wurde am 7. Januar 1800 in einem Blockhaus im Cayuga County als eines von acht Kindern geboren. Er war der Zweitgeborene und der älteste Sohn des Farmers Nathaniel Fillmore (1771–1863). Seine Mutter war Phobe Millard (1781–1831). Beide waren vor seiner Geburt aus Vermont nach Upstate New York übersiedelt. Fillmore besuchte als Kind nur unregelmäßig die Schule, weil er bei der Bewirtschaftung des kargen Landes helfen musste. Im Teenageralter übergab ihn sein Vater gegen Auszahlung einer geringen Geldsumme in ein Ausbildungsverhältnis als Schneider in einer 100 Meilen entfernten Ortschaft. Die harte, ausbeuterische Züge aufweisende Arbeit verabscheute Fillmore, und er verdiente sich als Lehrer 30 US-Dollar (2026: ca. 800 US-Dollar), um sich Anfang 1820 aus der Ausbildung freizukaufen. Er kehrte zu seiner Familie zurück. Dort bemühte er sich um Weiterbildung, las viel und besuchte eine Schule in einem nahegelegenen Ort. Insbesondere die Lehrerin und seine spätere Gattin Abigail Powers, welche nur zwei Jahre älter als er war, ermutigte Fillmore in seinem Bildungsstreben und lieh ihm Bücher. Sein Vater konnte ihm eine Schreiberstelle bei einem lokalen Richter vermitteln, mit der eine Ausbildung in Recht verbunden war. Im Jahr 1819 verlobten sich Fillmore und Powers, 1828 folgte die Hochzeit. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Schon 1819 ging er nach Hope, wo er ein Studium der Rechtswissenschaften begann, das er 1823 mit Erfolg abschloss. Danach war er als Jurist tätig. Im Jahr 1834 gründete er eine Anwaltskanzlei im Westen des Staates New York.
Sein politisches Wirken begann 1828, als er zum Abgeordneten in der New York State Assembly gewählt wurde, wo er bis 1831 ein Mandat für die Anti-Masonic Party, eine kurzlebige Protestpartei gegen die um Andrew Jackson entstehenden Demokraten, innehatte. In dieser Zeit zog er mit seiner Familie nach Buffalo. Nach Ablauf der zweijährigen Amtszeit in der State Legislature schloss er sich der neu gegründeten Whig Party an. Dort erwarb sich Fillmore Ansehen, als er Anfang der 1830er-Jahre beim organisatorischen Aufbau der Partei im Bundesstaat New York half. Für die Whigs kandidierte er im Herbst 1832 als Abgeordneten für das Repräsentantenhaus und wurde gewählt. Dieses Mandat übte er von 1833 bis 1835 aus, nachdem er 1834 die Wahl verloren hatte. Zwei Jahre später trat Fillmore als Whig-Kandidat jedoch erneut an und wurde ein zweites Mal in den Kongress gewählt. Nach mehreren Bestätigungen im Amt gehörte er dem Kongress noch bis 1843 an, nachdem er im Jahr zuvor auf eine weitere Bewerbung verzichtet hatte. Als Abgeordneter gehörte er zu den Kritikern der Präsidenten Andrew Jackson und Martin Van Buren. Fillmore unterstützte loyal die Politik von Senator Henry Clay, des prominentesten und einflussreichsten Politikers der Whig-Party. So sprach er sich für eine Konsolidierung der amerikanischen Wirtschaft durch mehr Investitionen der Bundesregierung in die Infrastruktur aus. Auch war Fillmore, wie weite Teile der Whig-Party, ein entschiedener Befürworter höherer Zölle, welche die Industrie in den Nordstaaten schützen sollte. Die Demokraten andererseits sprachen sich für niedrigere Zölle aus, um den agrarproduzierenden Südstaaten bessere Handelsbedingungen mit dem Ausland zu ermöglichen. Als Vorsitzender des einflussreichen Way and Means Committee war Fillmore 1841 entscheidend an der Formulierung eines neuen Zollgesetzes beteiligt, das aber zweimal von Präsident John Tyler mit einem Veto gestoppt wurde. Erst ein Kompromissvorschlag zwischen den Whigs, die über eine Kongressmehrheit verfügten, und dem von der Partei ausgeschlossenen Präsidenten führte 1842 zu einem neuen Gesetz.
Im Repräsentantenhaus trat Fillmore als gemäßigter Gegner der Sklaverei auf. Er sprach sich ebenso für ein Verbot der Sklaverei im Bundesdistrikt aus, wie auch gegen eine Aufnahme von Texas in die USA als „Sklavenstaat“. 1841 gehörte er außerdem zu den Kandidaten seiner Partei für den Posten des Sprechers des Repräsentantenhauses. Am Ende entschieden sich die Whigs aber für John White.
Nach dem Ende seiner Zeit als Abgeordneter zog sich Fillmore kurzzeitig ins Privatleben zurück, bevor er 1844 als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat der Whigs im Gespräch war. Auf dem Parteitag wurde dann aber Theodore Frelinghuysen nominiert. Seine Partei nominierte ihn im selben Jahr schließlich zum Kandidaten für Amt des Gouverneurs von New York. Bei der Wahl unterlag Fillmore jedoch dem Demokraten Silas Wright mit 47:49 Prozent der Stimmen knapp. Nach dieser Niederlage praktizierte er erneut eine Zeit lang als Rechtsanwalt in Buffalo. Im Jahr 1847 kehrte Fillmore zurück ins politische Leben, als er sich für das Amt des New York State Comptroller (Vorsitzender des bundesstaatlichen Rechnungshofs) bewarb. Im Herbst des Jahres wurde er dann mit deutlicher Mehrheit gewählt. Nach seinem Amtsantritt lag sein Schwerpunkt auf der Reformierung des Bankenwesens des Bundesstaats New York. Auch für den Bau des Erie-Kanals setzte er sich ein.
Wie schon vier Jahre zuvor war Fillmore für die Präsidentschaftswahl 1848 erneut als Anwärter auf die Vizepräsidentschaft im Gespräch. Auf Betreiben von Henry Clay nominierten ihn die Whigs schließlich im zweiten Wahlgang für dieses Amt. Anders als dies heute üblich ist, wurde der Vizepräsidentschaftskandidat zu jener Zeit nicht durch den Präsidentschaftskandidaten ausgewählt, sondern auf dem Parteitag bestimmt. Bewerber für das Präsidentenamt wurde der populäre General Zachary Taylor aus Louisiana, der jedoch nie zuvor ein politisches Amt ausgeübt hatte und die Präsidentschaft zunächst auch gar nicht anstrebte. Mit dieser Auswahl wollten die Whigs ihren Wahlerfolg von 1840 wiederholen. Fillmore als Vizekandidat (Running Mate) schien aus Sicht der Whigs daher in vielerlei Hinsicht die ideale Ergänzung zu Taylor: Er stammte aus dem Norden des Landes, konnte politische Erfahrung vorweisen und helfen, den wichtigen Bundesstaat New York zu gewinnen, der durch seinen Status als bevölkerungsreichster Staat der USA jener Zeit die meisten Wahlmänner zu vergeben hatte. Der Wahlkampf im Herbst 1848 wurde mit vergleichsweise wenig Enthusiasmus ausgetragen; die Whigs nahmen zu heiklen politischen Themen wie der Sklavereiausdehnung keine Stellung. Sie konzentrierten sich in besonderem Maße darauf, Taylors Popularität als erfolgreicher Befehlshaber aus dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg hervorzuheben. Fillmore spielte eher eine untergeordnete Rolle. Er sollte insbesondere im wichtigen Staat New York ausreichend Wähler ansprechen.