Der Militärputsch in Südvietnam 1960 am 11. November 1960 war ein von rebellierenden Soldaten der Armee der Republik Vietnam (ARVN) unternommener Putschversuch gegen den damaligen Präsidenten von Südvietnam Ngô Đình Diệm. Er wurde von den Offizieren der vietnamesischen Luftlandedivision Oberstleutnant Vuong Van Dong und Oberst Nguyen Chanh Thi geleitet.
Die Revolte gegen den Präsidenten war in seinem autoritären Regierungsstil begründet, den sein Bruder Ngo Dinh Nhu und dessen Frau Madame Ngo Dinh Nhu maßgeblich beeinflussten. Der Putsch scheiterte, da er schlecht organisiert war und der Präsident ausreichend Zeit hatte, loyale Kräfte zur Hilfe zu rufen. Dem Großteil der Anführer gelang es nach dem Putschversuch nach Kambodscha zu flüchten, während den verbliebenen Verschwörern 1963 der Prozess gemacht wurde.
Die gegen die Kolonialherren von Französisch-Indochina gesinnten Viet Minh unter Ho Chi Minh gewannen ab 1945 in Vietnam zunehmend an Einfluss. Nach der kommunistischen Machtübernahme durch die Augustrevolution lehnte Diệm es in seiner Rolle als Minister ab, sich der Regierung unter Ho Chi Minh anzuschließen und ging ins Exil in die Vereinigten Staaten. Diệm konnte dort als antikommunistischer und antikolonialistischer vietnamesischer Nationalist gute Kontakte zu einflussreichen Politikern knüpfen. Nach dem Ende des Indochina-Krieges und dem Abzug der französischen Truppen im Jahr 1954 konnten diese Politiker den amerikanischen Außenminister John Foster Dulles überzeugen, Diệm als Premierminister einzusetzen. Durch eine manipulierte Wahl machte Diệm sich 1955 zum Präsidenten und schaffte die Monarchie unter dem unbeliebten Kaiser Bảo Đại ab, der gesamtvietnamesische Wahlen verweigerte, weshalb die in der Indochinakonferenz vereinbarte Teilung Vietnams in den kommunistischen Norden und den kapitalistischen Süden entlang des 17. Breitengrads nach der Machtergreifung des früheren Premierministers Diệm vollzogen wurde.
Weitere Entwicklung von Diệms Regierungsstil
Der Präsident festigte seine Machtposition danach weiter mit der Gründung zweier Geheimdienste, die einander bespitzelten, sowie der Besetzung einflussreicher Posten mit nahen Verwandten. Diệm ging nach seinem Regierungsantritt brutal gegen Kommunisten und andere vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner vor. Unabhängigen Schätzungen zufolge wurden in den Jahren von 1955 bis 1957 rund 150.000 Personen inhaftiert und 12.000 Personen hingerichtet. Durch die Ablehnung einer von den USA für notwendig befundenen Bodenreform, Zwangsumsiedlungen der Landbevölkerung und einer katholischen Bekehrungskampagne, nach der alle Südvietnamesen zum römisch-katholischen Glauben konvertieren sollten, brachte der Präsident alle großen politischen Gruppen gegen sich auf. Oppositionellen Bestrebungen begegnete er mit Verhaftungen und Hinrichtungen. Seit der Teilung wurde die Rivalität zwischen dem Norden und dem Süden immer stärker. 1959 wurden erneut Kommunisten nach Südvietnam entsandt, die 1960 die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (NFL) gründeten, die als Widerstandsgruppe bewaffnete Aktionen in Südvietnam durchführte.
Den Putsch führte der 28-jährige Oberstleutnant Vuong Van Dong, der in der Fallschirmbrigade der ARVN diente, an. Dong war sehr unzufrieden mit dem autoritären Regierungsstil Diệms und dessen ständigen Eingriffen in militärische Angelegenheiten.
Der Schwager des Putschisten, Oberstleutnant Nguyen Trieu Hong, Chef der Ausbildungsabteilung an der Generalstabsakademie, unterstützte Dong gemeinsam mit seinem Onkel Hoang Co Thuy. Dieser war ein wohlhabender Anwalt aus Saigon und war seit dem Zweiten Weltkrieg politischer Aktivist.
Viele Offiziere der ARVN waren Mitglieder in anderen antikommunistischen Gruppen, die Opposition gegen Diệm ergriffen hatten. Beispiele für solche Oppositionsgruppen sind die Đại Việt Quốc dân Đảng (Nationalistische Partei von Großvietnam) und die Viet Nam Quoc Dan Dang (VNQDD – Nationalistische Partei Vietnams), die beide vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden waren. Die VNQDD hatte mit Hilfe ihrer chinesischen Verbündeten, der Kuomintang, eine Militärakademie nahe der chinesischen Grenze betrieben.
Diệm und sein Familienclan hatten jedoch alle antikommunistischen nationalistischen Alternativen zerschlagen und seine Politisierung der Armee hatte sie ihm entfremdet. Diệm beförderte Offiziere eher nach Loyalität als nach militärischen Fähigkeiten und spielte ranghohe Offiziere gegeneinander aus, um ein Anfechten seiner Herrschaft durch Schwächung der Führungsebene zu unterbinden. Daher wurden Diệm-treue Offiziere, die der geheimen katholisch dominierten Can-Lao Partei angehörten, die Diệm zur Kontrolle der südvietnamesischen Gesellschaft einsetzte, mit Beförderungen belohnt.
Dongs Vorbereitungen, verärgerte Offiziere für den Umsturz zu rekrutieren, dauerten mehr als ein Jahr an. Unter den revoltierenden Offizieren war auch Dongs Kommandeur Oberst Nguyen Chanh Thi, der 1955 für Diệm gegen die organisierte Kriminellenvereinigung Bình Xuyên in der Schlacht um Saigon gekämpft hatte. Seine Leistung hatte den ewigen Junggesellen und Diktator Diệm so sehr beeindruckt, dass er Thi fortan als seinen Sohn bezeichnete. Die Amerikaner, die mit ihm zusammenarbeiteten, waren weniger beeindruckt. Die CIA beschrieb ihn als einen „Opportunisten ohne echte Überzeugungen“, ein US-Militärberater beschrieb Thi als „robust, skrupellos und furchtlos, aber dumm“.
Einige Monate vor dem Coup trafen Dong und Diệms Bruder und Berater Ngo Dinh Nhu, der vielerorts als Kopf des Regimes angesehen wurde, zusammen. Er bat Nhu um die Depolitisierung der Armee und Reformen. Nach Ende des Gespräches gab Dong bekannt, dass der Verlauf positiv gewesen sei und durchaus Hoffnung auf Verbesserungen bestünden. Einige Wochen später wurden Dong und die anderen Kollaborateure jedoch zu verschiedenen Einheiten versetzt und somit physisch getrennt. Aus Angst, dass Diệm und sein Bruder versuchten, die Putschpläne zu durchkreuzen, beschleunigten die Putschisten ihre Planungen und setzten den Termin des Putsches auf den 6. Oktober an. Es wurde jedoch ein Aufschub des Termins notwendig, da die Rebellen eingezogen wurden, um sich an den Kämpfen gegen die Kommunisten nahe Kontum im zentralen Hochland unter dem Kommando des II. Korps der ARVN zu beteiligen.
Der Putsch wurde mit der Hilfe von VNQDD- und Dai Viet-Mitgliedern, darunter Zivilisten und Offizieren, organisiert. Dong konnte ein Panzerregiment, eine Marineeinheit und drei Fallschirmjäger-Bataillone zur Unterstützung gewinnen. Die Operation sollte am 11. November um 11:00 Uhr anlaufen. Die Fallschirmjäger waren jedoch nicht richtig über die Pläne ihrer Offiziere informiert, da ihnen erzählt wurde, dass sie ins Gelände geschickt würden, um den Vietcong anzugreifen. Nachdem die Soldaten sich in Bewegung gesetzt hatten, behaupteten die Offiziere, die Garde des Präsidenten habe gegen Diệm gemeutert.
Am frühen Morgen des 11. November bestiegen drei Fallschirmjägerbataillone der Fallschirmbrigade der ARVN gepanzerte Fahrzeuge.
Die Putschisten hatten alle in Saigon stationierten Generäle unter Hausarrest gestellt, was bedeutete, dass Diệms Unterstützung von außerhalb der Stadt kommen musste. Unter den geplanten eingesperrten Generälen sollte auch der Stabschef der ARVN sein, jedoch wussten die Verschwörer nicht, dass er in ein anderes Haus gezogen war und so später Diệm zur Hilfe kommen konnte.
Obwohl die Rebellen bereits das Hauptquartier des vietnamesischen Generalstabes in der Luftwaffenbasis Tân Sơn Nhứt eingenommen hatten, gelang es ihnen nicht, die Straßen nach Saigon zu blockieren. Auch konnten sie Diệm nicht daran hindern, über die Telefonleitungen des Palastes loyale Einheiten zur Hilfe zu rufen.
Die abtrünnigen Fallschirmjäger stießen über die Haupteinfallsstraße von Saigon zum Unabhängigkeitspalast vor. Die Rebellen umstellten das Gelände und verzichteten zunächst – im Glauben, Diệm würde ihren Forderungen nachgeben – auf einen direkten Angriff. Der Führer der Aufständischen, Oberstleutnant Dong, versuchte dabei den lokalen US-Botschafter Elbridge Durbrow dafür zu gewinnen, Druck auf Diệm auszuüben. Trotz seiner eigenen kritischen Haltung zu Diệm und seiner Politik erläuterte Durbrow die Position der amerikanischen Regierung gemäß der Containment-Politik, die versuchte, den Kommunismus mit jedem verfügbaren Mittel einzudämmen, mit den Worten: „Wir unterstützen diese Regierung, bis sie versagt.“