An diesem Tag

Mike Hoare

Irischer Söldner (1919-2020)

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Thomas Michael Hoare (* 1919 in Kalkutta, Britisch-Indien; † 2. Februar 2020 in Durban, Südafrika), Spitzname Mad Mike, war ein irischer Offizier, Söldner und Autor. Den Spitznamen Mad Mike verdankte Hoare angeblich einem Radiosender der DDR, in dem er einmal der „verrückte Bluthund Hoare“ genannt wurde.

Jugend, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Hoare wurde 1919 in Indien als Sohn irischer Eltern geboren und besuchte ab dem Alter von 8 Jahren eine Schule in England. Er besaß die irische Staatsbürgerschaft. Nachdem ihm die Aufnahme an der Royal Military Academy Sandhurst verweigert wurde, absolvierte er eine Ausbildung als Buchhalter. Zudem trat er der Territorial Army, dem Reserveheer der britischen Armee, bei.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trat er dem aus Freiwilligen gebildeten Reserveinfanterieregiment London Irish Rifles bei, wechselte aufgrund seiner Körpergröße aber bald zur Panzertruppe. Hier wurde er zum Leutnant ernannt und an den Kriegsschauplätzen in Nordafrika, Indien und Burma eingesetzt. Nach sieben Jahren Dienst wurde er mit dem Rang eines Majors entlassen.

Nach dem Krieg arbeitete er als Wirtschaftsprüfer und wanderte nach Durban in Südafrika aus. Seinen Lebensunterhalt bestritt er unter anderem mit der Organisation von Safaris, dem Handel mit Gebrauchtwagen und als Geschäftsführer des örtlichen Yachtclubs.

Hoares erster Söldnereinsatz begann im März 1961 während der Abspaltung der Katanga-Provinz vom Kongo. Er und Alastair Wicks übernahmen je einen Zug der Compagnie Internationale genannten Söldnertruppe, die für die Sezessionisten kämpfte. Die beiden Züge mit 120 Söldnern aus Rhodesien und Südafrika befanden sich noch in der Ausbildung, als UN-Truppen die restlichen Söldner gefangen nahmen. Hoare bildete das 4. Kommando aus beiden Zügen, Wicks wurde sein Stellvertreter. Ihre erste Mission bestand darin, eine Kolonne aus 50 Lkw über 1350 Kilometer von Elisabethville nach Nyunzu zu eskortieren, wo sie am 6. Mai ankamen. Nachdem die malaysischen UN-Truppen dort versuchten, die Söldner festzusetzen, um sie auszuweisen, entzog sich Hoare mit dem Großteil seines Kommandos der Gefangennahme. Nach vier Tagen Fußmarsch durch den Dschungel erreichten sie Niemba. Zwei seiner Männer wurden nach der Flucht vermisst. Vermutlich wurden sie von aufständischen Baluba zu Tode gefoltert. Mit dem Vater eines dieser Männer unternahm er eine mehrwöchige Such- und Strafaktion in Ost-Katanga, an deren Ende er das aus mehr als 500 Hütten bestehende Dorf Kalamata niederbrennen ließ. Das 4. Kommando wurde aufgelöst, die Mitglieder sollten auf Garnisonen der Gendarmerie an der Südgrenze verteilt werden. Unzufrieden mit ihrer neuen Aufgabe, verließen Hoare und viele andere Söldner Katanga im September 1961. Hoare kehrte nach Durban zurück.

Im Auftrag der kongolesischen Regierung

Nach Ausbruch der Simba-Rebellion traf Hoare im Juli 1964 in Léopoldville ein. Zusammen mit seinem Stellvertreter Alastair Wicks und Jeremy Puren, der die Luftstreitkräfte Katangas kommandiert hatte, erhielt Hoare von Moïse Tschombé den Auftrag, eine große Zahl Söldner zur Niederschlagung des Aufstandes zu rekrutieren. Die Soldaten der regulären Armee (Armée Nationale Congolaise – ANC) hatten sich im Kampf gegen die Simbas unfähig gezeigt und waren häufig übergelaufen oder in Panik vor ihrem Gegner geflohen. Oberst Mobutu, der Stabschef der kongolesischen Armee, gab Hoare den Befehl zur Wiedereroberung eines Großteils der von den Rebellen eroberten Gebiete, besonders von Stanleyville. Hoare schickte zwei Offiziere nach Salisbury und Johannesburg, die dort Rekrutierungsbüros einrichteten und mit Zeitungsanzeigen um Rekruten warben.

Das Scheitern der Operation Watch Chain

Die erste Gruppe von 38 Söldnern traf am 21. August in Kamina ein. Rund 30 von ihnen wurden von Hoare für seine Einheit rekrutiert, die er in drei Züge unterteilte. Einer der Zugführer war der bald als Kongo-Müller bekannt werdende Deutsche Siegfried Müller. Um gegenüber der kongolesischen Regierung einen schnellen Erfolg vorweisen zu können, beschloss Mike Hoare, bereits einen Tag später in einem Operation Watch Chain getauften Unternehmen gegen Albertville vorzugehen und die dort von Rebellen gefangen gehaltenen ausländischen Geiseln zu befreien. Der Angriff in drei Sturmbooten über den Tanganjikasee scheiterte. Die beiden deutschen Söldner Bernd Köhlert und Walter Nestler starben, sieben Söldner wurden verwundet. Als Folge des Desasters erreichte der Leiter der belgischen Militärmission, Colonel Frederic Vandewalle, dass Hoares Einheit seinem Kommando unterstellt wurde. Hoare zog aus dem Fehlschlag die Schlussfolgerung, dass künftigen Operationen eine fundierte Ausbildung der Söldner vorausgehen müsse.

Entsprechend baute er auf dem ehemaligen belgischen Militärstützpunkt Kamina die Basis seiner 5. Kommando genannten Einheit auf. Die in der Zeit von Hoares Befehlsgewalt 200 bis 300 Mann umfassende Einheit war in sieben (später acht) Züge unterteilt, die mit fortlaufenden zweistelligen Nummern bezeichnet wurden, beginnend mit dem 51. Kommando. Im ersten Jahr des Bestehens durchliefen rund 2000 Männer den Dienst im 5. Kommando. Laut Hoare hatten 85 Prozent der von ihm akzeptierten Freiwilligen zuvor eine militärische Ausbildung absolviert, fünf Prozent keinerlei militärische Vorbildung und zehn Prozent kamen direkt aus dem Dienst als Zeit- oder Berufssoldaten. Aufgrund der unterschiedlichen Qualifikationen fand in Kamina eine gründliche militärische Ausbildung statt. Hoares Vorbild bei Ausbildung und Organisation war die britische Armee. Offiziere waren mit Sir anzusprechen, tägliches Rasieren war Pflicht. Damit unterschied sich das 5. Kommando in Auftreten und Erscheinung deutlich von Jean Schrammes 6. Kommando, dessen zumeist belgische Angehörige Bärte und Fantasieuniformen trugen. Anders als in Schrammes Einheit, in der Schwarze und Weiße eng zusammenarbeiteten, praktizierte Hoare im 5. Kommando die Apartheid, in seiner Einheit waren nur Weiße zugelassen. Bewaffnung (jeder Söldner erhielt ein automatisches Gewehr vom Typ FN FAL) und Ausrüstung kamen aus Belgien, die Fahrzeuge aus den USA. Die CIA finanzierte die Einheit und versorgte sie mit nachrichtendienstlichen Informationen.

Die Gefechtstaktik des Überraschungsangriffs mit großer Feuerkraft war bereits während der Katanga-Sezession entwickelt worden. Die Söldner fuhren in ihren Jeeps mit hoher Geschwindigkeit (60–70 km/h) auf feindliche Kolonnen oder Dörfer zu und beschossen sie mit Sturmgewehren und Maschinengewehren. Dabei kam es weniger auf Treffergenauigkeit als auf den dabei verursachten Lärm an, der die Simbas in Panik versetzte. Bei einigen Gelegenheiten wurden die Fahrzeugkolonnen von ein oder zwei Spähpanzern des Typs Ferret und M8 Greyhound angeführt, um die Feuerkraft zu erhöhen. Die Kommandos waren bei ihren Vorstößen auf die wenigen Straßen angewiesen. Begleitet wurden sie von Einheiten der ANC auf Lkw, die die rückeroberten Gebiete sichern sollten. Zudem bedienten einheimische Soldaten die schweren Mörser und stellten die Pioniereinheiten mit Brückengerät zum Überqueren der Flüsse. Wegen des großen Munitions- und Treibstoffbedarfs waren die Kolonnen auf die Versorgung aus der Luft angewiesen. Dazu nutzten sie die über den Kongo verteilten Landeplätze, die häufig erst von Sprengfallen geräumt werden mussten.

Zur Unterstützung der Söldner hatte die US Air Force vier Transportflugzeuge vom Typ Lockheed C-130 abkommandiert. Sie ermöglichten es, die Züge des 5. Kommandos über die riesigen Entfernungen an ihre Einsatzorte zu verlegen. Bei seinen Operationen arbeitete das 5. Kommando eng mit den Luftstreitkräften zusammen. Sie bestanden aus North American T-6, Douglas B-26 und North American T-28, die von südafrikanischen, europäischen und exilkubanischen Piloten geflogen wurden.

Der erste Auftrag von Oberst Vandewalle für das 5. Kommando lautete auf Rückeroberung von Stanleyville und Befreiung der dortigen Geiseln. Zunächst wurden einzelne Züge in den Norden, Nordosten und Nordwesten des Kongo geflogen, um dort wichtige Orte und Straßenverbindungen zu besetzen und dann auf Stanleyville zu marschieren. Die Hauptkolonne begann am 1. November 1964 ihren Marsch in Kongolo mit 300 Söldnern und belgischen Soldaten, 300 ANC-Soldaten sowie Stammeskriegern, transportiert auf mehr als 200 Fahrzeugen. Nach sieben Tagen erreichte die Kolonne Kindu, wo sie 250 europäische Geiseln aus den Händen der völlig überraschten Simbas befreite. Am Abend vor dem Absprung der belgischen Fallschirmjäger über Stanleyville (Operationen Dragon Rouge und Dragon Noir) erhielt Hoares Kolonne den Befehl, am frühen Morgen die Stadt anzugreifen, so dass Söldner und Fallschirmjäger gleichzeitig gegen die Simbas vorgehen konnten. Beim nächtlichen Vorrücken geriet die Kolonne mehrfach in Hinterhalte, mehrere Söldner wurden getötet oder wie Hans von Lieres schwer verwundet. Hoare unterbrach daraufhin den Marsch bis zum Morgengrauen. Seine Kolonne traf am 24. November 1964 zweieinhalb Stunden nach den Fallschirmjägern in Stanleyville ein und beteiligte sich an der Vertreibung der Aufständischen aus dem Stadtgebiet. Die Kolonne hatte in drei Wochen ca. 1500 km zurückgelegt.

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