Mikaela Pauline Shiffrin (* 13. März 1995 in Vail, Colorado) ist eine US-amerikanische Skirennläuferin. Sie zählt zu den erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Geschichte. Ihre 110 Weltcupsiege sind geschlechterübergreifend Rekord. In ihrer Paradedisziplin Slalom ist Shiffrin die jüngste Olympiasiegerin, die erste vierfache Weltmeisterin in Folge sowie neunmalige Siegerin der Weltcup-Disziplinenwertung. Ihre 73 Slalomweltcupsiege sind ebenfalls ein Rekord. Sie gewann bisher vier olympische Medaillen (davon drei goldene) und acht Weltmeistertitel. Shiffrin entschied sechsmal den Gesamtweltcup für sich; zudem gewann sie insgesamt zwölf Disziplinenwertungen. Außerdem ist Shiffrin eine von nur sieben Athletinnen, die Weltcupsiege in allen Disziplinen errangen. In der Saison 2018/19 gewann sie 17 Weltcuprennen, damit hält sie den Rekord für die meisten Saisonsiege. Shiffrin ist neben Anja Pärson die einzige Skirennläuferin, die in fünf verschiedenen Disziplinen Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften gewonnen hat. Zudem hat sie insgesamt 15 Medaillen bei Weltmeisterschaften gewonnen, was vor ihr erst Christl Cranz in den 1930er-Jahren geschafft hat.
Shiffrin besuchte wie ihr zwei Jahre älterer Bruder Taylor, der ebenfalls Skirennläufer ist, die Burke Mountain Academy in Vermont. Erste Erfolge auf nationaler Ebene hatte sie im Whistler Cup, einem Nachwuchswettbewerb für Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren. 2008 gewann sie dort den Slalom, den Riesenslalom und die Kombination. Neben weiteren Erfolgen bei Juniorenrennen in den USA gewann sie 2009 zum zweiten Mal den Slalom und 2010 zum zweiten Mal den Riesenslalom des Whistler Cup. Einen Monat davor hatte sie schon außerhalb ihres Heimatlandes auf sich aufmerksam gemacht, als sie beim Trofeo Topolino in Italien, dem bedeutendsten internationalen Kinderskirennen, Slalom und Riesenslalom gewann.
Als sie das Alterslimit erreicht hatte, fuhr sie im November 2010 die ersten FIS-Rennen. Noch im selben Monat kam sie auch erstmals im Nor-Am Cup zum Einsatz, wo sie schon im zweiten Rennen unter die zehn Besten fuhr. Nach insgesamt drei Top-Ten-Platzierungen in dieser Rennserie gewann die damals 15-Jährige am 14. Dezember 2010 die Super-Kombination in Panorama und zwei Tage später auch den Riesenslalom. Nach dem Jahreswechsel folgten zwei weitere Slalomsiege in Sunday River. Am Ende der Saison 2010/2011 belegte sie jeweils den dritten Platz in der Gesamt-, Riesenslalom- und Super-Kombinations-Wertung sowie den ersten Platz in der Slalomwertung. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2011 in Crans-Montana gewann sie die Bronzemedaille im Slalom. Im März 2011 bestritt sie in Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) ihre ersten beiden Weltcuprennen, einen Slalom und einen Riesenslalom, bei denen sie sich nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Am Ende der Saison 2011 gewann sie die nationale Meisterschaft im Slalom. Von der Eastern Ski Writers Association wurde sie als beste Juniorin der Saison 2011 mit dem Goldenen Ski ausgezeichnet.
Aufstieg an die Weltspitze (2011–2013)
Am 27. November 2011 fuhr Shiffrin beim Slalom in Aspen, ihrem vierten Einsatz im Weltcup, auf den achten Platz und gewann damit erstmals Weltcuppunkte. Einen Monat später erreichte sie im Alter von 16 Jahren und 9 Monaten im Slalom von Lienz den ersten Podestplatz in einem Weltcuprennen, als sie mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang hinter Marlies Schild und Tina Maze auf den dritten Rang fuhr. Bis Ende der Saison 2011/2012 gelangen Shiffrin zwei weitere Top-Ten-Ergebnisse, womit sie 17. im Slalomweltcup wurde. Beim Nor-Am Cup nahm sie in diesem Winter nur noch an drei Rennen zu Saisonbeginn teil, von denen sie eines, den zweiten Slalom in Loveland, gewann. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2012 in Roccaraso kam sie nach einem Ausfall im Slalom nur im Riesenslalom als 20. ins Ziel. Ihren US-Meistertitel im Slalom konnte sie 2012 erfolgreich verteidigen.
Nach einem weiteren dritten Platz im November 2012 gewann Shiffrin am 20. Dezember 2012 ihr erstes Weltcuprennen, den Slalom von Åre. Zwei weitere Siege folgten am 4. Januar 2013 in Zagreb und am 15. Januar in Flachau. Bei den Weltmeisterschaften 2013 in Schladming gewann sie die Goldmedaille im Slalom. Sie ist damit eine der jüngsten Weltmeisterinnen überhaupt; jünger waren nur die Liechtensteinerin Hanni Wenzel 1974 und die Britin Esmé MacKinnon im Jahr 1931. Vor dem Weltcupfinale in Lenzerheide lag Shiffrin in der Slalomwertung sieben Punkte hinter Tina Maze. Mit dem vierten Sieg der Saison zog sie an dieser vorbei und entschied die Wertung mit 33 Punkten Vorsprung für sich.
Dominanz im Slalom, Olympiasieg, zweiter WM-Titel und Verletzung (2013–2016)
Shiffrin begann die Saison 2013/14 mit einem sechsten Platz im Riesenslalom von Sölden. Ihre Slalom-Siegesserie setzte sie dann am 16. November 2013 in Levi fort. Am 1. Dezember 2013 gelang ihr in Beaver Creek als Zweite die erste Podestplatzierung in einem Weltcup-Riesenslalom. Am 5. Januar 2014 folgte in Bormio ihr sechster Slalom-Weltcupsieg. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewann Shiffrin als bisher jüngste Läuferin die Goldmedaille im Slalom. Im Riesenslalom belegte sie Platz 5.
Zu Beginn der Saison 2014/15 feierte sie ihren ersten Sieg im Riesenslalom, als sie das Rennen in Sölden zeitgleich mit Anna Fenninger beendete. Bei den Skiweltmeisterschaften 2015 in Vail/Beaver Creek sicherte sie sich ihren zweiten WM-Titel im Slalom. Im Slalomweltcup gewann Shiffrin fünf der letzten sechs Rennen der Saison; damit konnte sie die Disziplinenwertung zum dritten Mal in Folge für sich entscheiden, was zuletzt Vreni Schneider 20 Jahre zuvor gelungen war. Die Schweizerin siegte von 1992 bis 1995 sogar viermal in Folge.
Am 28. November 2015 gewann Shiffrin den Slalom von Aspen mit einem Vorsprung von 3,07 Sekunden auf Veronika Velez-Zuzulová, dem größten Vorsprung in einem Weltcupslalom überhaupt. Die vorherige Rekordmarke war am 10. März 1968 aufgestellt worden, als Florence Steurer mit 3,00 Sekunden vor Annie Famose gewonnen hatte. Auch den tags darauf ebenfalls in Aspen gefahrenen Slalom konnte sie als Siegerin beenden. Nach dem dominanten Saisonbeginn zog sie sich wenige Tage später beim Weltcup in Åre einen Innenbandriss und eine Knochenprellung im rechten Knie zu. Zunächst hieß es, sie würde die gesamte restliche Saison verpassen, doch die Genesung verlief schneller als erwartet, sodass sie nur fünf der acht verbliebenen Slalomrennen versäumte. Bei ihrem Comeback am 15. Februar 2016 gewann sie den Slalom in Crans-Montana. Auch den folgenden in Jasná konnte sie für sich entscheiden, ebenso jenen beim Saisonfinale in St. Moritz. Somit hatte Shiffrin in der Saison 2015/16 alle fünf Weltcupslaloms für sich entschieden, zu denen sie angetreten war, und beendete den Slalomweltcup als Vierte hinter Frida Hansdotter, Veronika Velez-Zuzulová und Wendy Holdener.
Dritter Weltmeistertitel und Gesamtweltcupsieg (2016/2017)
Auch die ersten vier Slalomrennen der Saison 2016/17 gewann sie, bevor die Serie mit einem Ausfall im fünften Slalom in Zagreb endete. Es war ihr erster Ausfall in einem Weltcupslalom nach vier Jahren (am 29. Dezember 2012 konnte sie am Semmering als Vierte des ersten Laufes den zweiten Durchgang nicht beenden). Aber schon am 8. Januar 2017 ging ihre Siegesserie beim Slalom in Maribor weiter. Am Semmering stellte sie den Rekord von Lindsey Vonn und Katja Seizinger ein, in drei Tagen drei Rennen zu gewinnen.
Sie beteiligte sich ab Saisonbeginn auch mehrmals an den so genannten Speedrennen, bei denen sie aufgrund der Startnummern-Regelung mit der Nr. 31 startete. Mit dieser Nummer überraschte sie am 29. Januar 2017 beim Super-G in Cortina d’Ampezzo, als sie mit Platz vier nur um drei Hundertstelsekunden das Podest verpasste.
Bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz konzentrierte sie sich ganz auf die technischen Disziplinen. Sie gewann am 16. Februar Silber im Riesenslalom und zwei Tage danach mit zweimal Laufbestzeit und einem Vorsprung von 1,64 Sekunden (dem größten seit Ingrid Lafforgue am 13. Februar 1970 bei den Weltmeisterschaften in Gröden mit 1,71 s) die Goldmedaille im Slalom. Sie hatte damit zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel im Slalom gewonnen, was vor ihr erst Christl Cranz in den Jahren 1937 bis 1939 gelungen war; außerdem war es (mit Olympia 2014) ihr vierter großer Titel hintereinander.