Mihail Andricu (* 22. Dezember 1894 in Bukarest; † 4. März 1974 ebenda) war ein rumänischer Komponist, Pianist, Musikkritiker und -pädagoge.
Andricu studierte am Bukarester Konservatorium u. a. bei Dumitru Georgescu Kiriac, Alfonso Castaldi und Robert Klenck und besuchte in Paris Kurse von Gabriel Fauré und Vincent d’Indy. Daneben absolvierte er an der Universität Bukarest ein Jurastudium und erlangte auf dem Gebiet einen Doktorgrad.
Als Pianist debütierte er 1918 in einem Recital mit dem Geiger Alexandru Theodorescu auf der Bühne der Rumänischen Akademie und wurde in der Folgezeit ein gefragter Klavierbegleiter. Zugleich publizierte er Fachartikel und veröffentlichte 1923 seine ersten Musikkritiken in der Zeitschrift Adevărul. Am Bukarester Konservatorium unterrichtete er von 1926 bis 1948 Kammermusik und dann bis 1959 Komposition.
Nach 1945 war Andricu Gründungsmitglied des rumänischen Komponistenverbandes, dessen Vizepräsident er von 1946 bis 1956 war. 1946 wurde er Mitglied der Société Française de Musicologie und korrespondierendes Mitglied der Rumänischen Akademie. Für sein kompositorisches Werk wurde er u. a. mit dem George-Enescu-Kompositionspreis (1924), dem Robert-Cremer-Preis (1931), dem Anhauch-Preis (1932) und dem Preis der Rumänischen Akademie (1949) ausgezeichnet.
Wegen seine Offenheit gegenüber neuen Genres, Jazz und neuer Musik, die während der kommunistischen Zeit verboten waren, wurde er 1959 unter dem Vorwand, er habe Kontakte zu ausländischen Diplomaten, aus dem rumänischen Komponistenverband und der Rumänischen Akademie ausgeschlossen. Er durfte nicht mehr am Konservatorium unterrichten, und die Aufführung seiner Werke und öffentliche Erwähnung seiner Person war für mehrere Jahre verboten.
Dennoch wurde Andricu einer der produktivsten rumänischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er komponierte mehr als einhundert Werke fast aller Genres, darunter allein 11 Sinfonien, Ballette, mehrere Klavierkonzerte, Kammermusik und Chorwerke. Anerkannt wurde sein Schaffen schließlich durch die Verleihung des Titels Maestru emerit al artei.
Radio Romania Musical: Mihai Andricu
East-Central European & Balkan Symphonies From the 19th Century To the Present: Mihai Andricu
casa de musicieni: Mihai Andricu
Mihail Andricu bei MusicBrainz (englisch)