An diesem Tag

Miguel de Unamuno

Spanischer Philosoph (1864-1936)

Anúncio

Miguel de Unamuno y Jugo (* 29. September 1864 in Bilbao; † 31. Dezember 1936 in Salamanca) war ein spanischer Philosoph und Schriftsteller.

Miguel de Unamuno wurde in Bilbao am 29. September 1864 geboren; er selbst legte Wert auf die – nicht belegte – Tatsache, dass er am gleichen Tag wie sein Namensvetter Miguel de Cervantes zur Welt kam. 1870 verlor er im Alter von erst sechs Jahren seinen Vater, Don Félix de Unamuno. Dieser war ein so genannter „indiano“ gewesen, was im Spanischen einen Heimkehrer aus den ehemaligen spanischen Kolonien in Lateinamerika bezeichnet. Unamunos Vater hatte viele Jahre in Tepic (Mexiko) gelebt und von dort eine lateinamerikanische Bibliothek mitgebracht, die der Sohn als Zwölfjähriger verschlang. Auch erinnert er sich, seinen Vater mit einem Besucher Französisch reden gehört zu haben, was für ihn eine „Erleuchtung über die Geheimnisse der Sprache“ bedeutete. Auf Grund dieser Erfahrung wollte der Junge „Aztekisch“ lernen. In der Schule im Colegio San Nicolás war er Opfer eines prügelnden Lehrers, eines gewissen Don Higinio, der selbst keine Kinder hatte. Schon als Kind erzählte Miguel den anderen Schülern Geschichten, wobei ihn besonders Jules Verne inspirierte. Ebenfalls noch als Kind erlebte er den 3. Karlistenkrieg von 1874 bis 1876 mit, bei dem Bilbao durch karlistische Truppen bombardiert und belagert wurde: Im Keller einer Konditorei seines Onkels, bei künstlichem Licht, spielten die Kinder mit gefalteten Papierfiguren Krieg; mit elf Jahren schrieb er zusammen mit seinem Cousin Telesforo de Aranzadi (später Universitäts-Professor in Barcelona) eine „Abhandlung“ über die Anatomie der Papiertiere („cocotología“, von frz. cocotte).

Mit dem Schuljahr 1875/6 trat Unamuno in das Instituto Vizcaíno ein, wo er den Unterricht als sehr trocken und lebensfremd empfand. Er war dort berühmt für seine Karikaturen, die er von den Lehrern anfertigte, und nahm auch Malunterricht bei Antonio de Lecuona (einige seiner Bilder sind heute noch in Salamanca zu sehen). In seiner Jugend war er glühender Vertreter des so genannten „vasquismo“, also des Eintretens für baskische Kultur; eine Zeitlang war er ein richtiger „vascófilo“, also „Baskophiler“. Ursprünglich wollte er eine Geschichte des Baskenlandes in 16–20 Bänden schreiben. Auch seine Dissertation von 1884 trägt den Titel Crítica del problema sobre el origen y prehistoria de la raza vasca (Kritik des Problems über Ursprung und Vorgeschichte der baskischen Rasse), doch 1887 distanzierte er sich von der „bizkaitarra“ (nationalistische Bewegung), noch bevor 1893 der Partido Nacionalista Vasco von Sabino Arana gegründet wurde, aufgrund seiner Diskrepanz zu dessen simplifizierten wissenschaftlichen Ansätzen. Trotzdem behielt er eine emotionale Bindung an seine „patria chica“ (engere Heimat) bei und widmete einige seiner Schriften baskischen Problemen: Paz en la guerra (1897), De mi país. Descripciones, relatos y artículos de costumbres (1903) Recuerdos de niñez y mocedad (1908) und Sensaciones de Bilbao (1922).

Mit 15 oder 16 Jahren fühlte Miguel de Unamuno sich zum Priester berufen. (Er berichtet von einem Erlebnis, als er die Bibel aufschlug und immer wieder auf dieselbe Stelle stieß, wo stand: „Gehet hin und lehret alle Völker“. Es siegte letztlich aber doch die Liebe zu seiner späteren Frau Concha, mit der er schon seit seinem 14. Lebensjahr befreundet war.)

1880 ging er nach Madrid, wo er an der Universidad Complutense Filosofía y Letras (Philologie) studierte; er lernte dort auch Deutsch, um Schopenhauer im Original lesen zu können. Das Studium führte zum Zusammenstoß seiner bisherigen tiefgläubigen katholischen Ansichten mit der modernen Philosophie: Er lernte den Rationalismus, Positivismus und den für die spanische Geistesgeschichte bedeutenden Krausismo kennen, was für ihn den Eintritt in die Moderne bedeutete. In der spanischen Hauptstadt, in der er sich nicht sehr wohl fühlte, blieb er bis zum Abschluss seines Doktorats im Jahre 1884. Von 1885 bis 1890 lebte er wieder in Bilbao. Hier bereitete er sich gleichzeitig mit seinem Freund Ángel Ganivet auf die im spanischen akademischen Betrieb üblichen „oposiciones“ (Bewerbungen auf einen Lehrstuhl) vor, doch erst beim fünften Mal gelang es ihm, eine Berufung zu erlangen.

Nach der Heirat mit der aus Guernica stammenden Concepción („Concha“) Lizárraga Ecenarro († 1934) am 31. Januar 1891 ging Unamuno nach Salamanca, wo er an der Universität einen Lehrstuhl für Altgriechisch erhielt.

Der ursprünglich liberale Unamuno schloss sich nun den Sozialisten der PSOE an (1894–1896), liebäugelte mit dem Marxismus und beteiligte sich an der Herausgabe der Zeitschrift Lucha de clases (Klassenkampf). Er beschäftigte sich auch mit Problemen der Arbeiterbewegung in Bilbao. 1897 durchlebte er eine tiefe religiöse Krise, denn er fühlte sich schuldig wegen der Geburt eines behinderten Kindes, Raimundo Jenaro, das 1896 geboren wurde, jedoch wenige Monate nach der Geburt an Meningitis erkrankte und 1902 starb. Dies führte zu einem inneren Widerstreit zwischen Glaube und Vernunft. In dieser Zeit war er ultra-spiritualistisch und verlor das Interesse an der Kritik der materiellen Zustände. Man hat diese Zeit auch als seine „reaktionäre“ Phase bezeichnet. Zugleich übte Unamuno Kritik an der technokratischen Moderne, die seiner Meinung nach alles zusehends instrumentalisierte.

Ab dem Jahr 1900 lehrte Unamuno Filología comparada del Latín y el Castellano (Vergleichende Philologie des Lateinischen und Spanischen), später Historia de la Lengua Española (Geschichte der Spanischen Sprache) an der Universidad de Salamanca. Im selben Jahr wurde er zum ersten Mal Rektor seiner Universität. 1908 starb plötzlich seine Mutter, Doña Salomé; daraufhin holte er seine Schwester María zu sich nach Salamanca. 1908 nahm Unamuno an einer Kampagne gegen die konservative Politik Antonio Mauras teil, womit er sich anderen Intellektuellen wie Ramiro de Maeztu oder José Ortega y Gasset anschloss, die für einen neuen Liberalismus mit sozialistischem Vorzeichen eintraten. 1909 unternahm er eine Reise zu den Kanarischen Inseln. In seinen 1912 erschienenen Essays über das tragische Lebensgefühl entwickelte er den Gedanken, dass „die ungeheure Milchstraße, die wir in klaren Nächten am Himmel betrachten können – jener riesenhafte Ring, in dem unser Planetensystem nur ein Molekül bildet – (als) eine Zelle des Weltalls, des Leibes Gottes“ angesehen werden könnte.

Politische Aktivitäten und Exil

1912–1913 nahm Unamuno an einer Kampagne für die Landreform teil, gegen Großgrundbesitz und feudalistische Zustände auf dem Lande, die von jungen Universitätsprofessoren in Salamanca organisiert wurde. Sie beschränkten sich nicht darauf, von Zeitungen aus zu „predigen“, sondern suchten den direkten Kontakt mit der Bevölkerung, gingen aufs Land zu den Bauern, ermunterten sie zur Selbstorganisation (eine Art Vorläufer der Bürgerinitiativen). Sie hatten auch gewissen Erfolg, da einige dieser Initiativen sich in Wahlen gegen den „caciquismo“ durchsetzen konnten, es wurden Widerstandskomitees gegründet, zum Beispiel um keine Pachtverträge mehr abzuschließen, die kürzer als zehn Jahre dauern sollten. Unamunos Absetzung als Rektor 1914 ohne Angabe von Gründen durch den Ministro de Instrucción Pública, Francisco Bergamín, hatte auch mit diesem Kampf gegen die Oligarchie zu tun. Er erfuhr davon aus der Zeitung bei seiner Rückkehr aus den Sommerferien. Von da an übte Unamuno scharfe Kritik an der Monarchie beziehungsweise am korrupten oligarchischen System. Auch die repräsentative Demokratie und das Parteiensystem unterzog Unamuno seiner Kritik, bis dahin, dass er die Sinnhaftigkeit von Wahlen in Zweifel zog. Im Ersten Weltkrieg ergriff er vehement Partei für die Entente und gegen die allgemein in Spanien vorherrschende Germanophilie. Generell trat er gegen den Militarismus und falsch verstandene „Vaterlandsliebe“ ein. Er kritisierte auch heftig die spanische Politik der Neutralität und den Autoritarismus des Staates gegenüber dem Individuum. In dieser Zeit näherte er sich wieder dem Sozialismus an. Sein Roman Abel Sánchez (1917) thematisiert anhand des Kainsmythos die innere Zerrissenheit der Nation, die später zum Bürgerkrieg führte.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Miguel de Unamuno | World in Stories