Mickie Most (* 20. Juni 1938 als Michael Peter Hayes in Aldershot, England; † 30. Mai 2003 in London) war ein englischer Produzent, Schallplattenlabel-Inhaber und Musikverleger, der die Popmusik der 1960er und 1970er Jahre maßgeblich beeinflusst hat.
Er lebte mit drei Geschwistern in der britischen Garnisonsstadt Aldershot und verließ bereits im Alter von 15 Jahren die Schule. Schon damals interessierte er sich für die Musikindustrie, obwohl seine einzige Beziehung zur Musik der amerikanische Truppensender AFN war. In der Londoner U-Bahn brachte er sich selbst das Gitarrenspiel bei.
Zusammen mit Alex Murray gründete Most 1958 das Skiffle-Duo Most Brothers, das auch in der berühmten „The 2i’s Coffee Bar“ in Londons Soho auftreten durfte. Sie erhielten sogar einen Plattenvertrag mit Decca, dessen Ergebnis die nicht in die Hitparaden gelangten Singles Whistle Bait (November 1957), It Takes A Whole Lotta Lovin‘ to Keep My Baby Happy (März 1958) und Don’t Go Home (Juni 1958) gewesen waren. Zusammen mit Cliff Richard und den Kalin Twins tourten sie ab Oktober 1958 durch England, lösten sich bald danach jedoch wieder auf. Er behielt den Namen des Duos als seinen eigenen und nannte sich fortan Mickie Most.
Most lernte danach die Südafrikanerin Kristina Frisco kennen, die gerade in England Urlaub machte. Die Hochzeit mit ihr fand bereits nach der Auswanderung in deren Heimat statt. Hier gründete er in Johannesburg die Coverband Mickie Most & his Playboys (oder auch Minutemen), die amerikanische Rockhits nachspielte. Eine erste Aufnahmesession in Südafrika fand am 18. Mai 1959 statt, als die Single Give Me More / Rumours entstand. Bis 1962 feierten sie elf aufeinander folgende Tophits in der südafrikanischen Hitparade, von Most selbst produziert. Darunter befanden sich Mickie Most & the Playboys mit D In Love (1961) oder Ende 1962 die letzte Single Hamba Kahle Twist (isiZulu für „geh‘ sicher“).
Als Most Anfang 1963 nach England zurückkehrte, fand er dort eine etablierte Blues-Szene vor. Unter seinem Namen entstanden – regelmäßig mit dem jungen Jimmy Page an der Leadgitarre – die Aufnahmen Mister Porter / Yes Indeed I Do (12. Juni 1963; veröffentlicht im Juli 1963 und lediglich Rang 45 der britischen Charts), The Feminine Look / Shame on You Baby (aufgenommen am 25. September 1963), Sea Cruise / It’s a Little Bit Hot (13. Dezember 1963) und als Mickie Most & the Gear mit dem schnellen Rocker Money Honey / That’s Alright (20. März 1964). Die ehemaligen Erfolge in Südafrika wiederholten sich in seiner Heimat nicht; er beschloss, seine Plattenkarriere vorzeitig zu beenden.
Nach Star-Club-Auftritten in Hamburg kehrten die Animals im Januar 1964 nach Newcastle zurück. Hier wurden sie von Mickie Most im „Club A Go-Go“ entdeckt, wahrscheinlich als sie hier am 30. Dezember 1963 mit Sonny Boy Williamson auftraten. Most produzierte bereits am 22. Januar 1964 mit der Band die erste Aufnahmesession in den De Lane Lea Studios am Kingsway, aus der die Blues-Coverversionen Boom Boom, Talkin' 'Bout You, Blue Feeling und Dimples hervorgingen. Mit Hilfe dieses Konzepts, für die Animals reine Bluestitel zu produzieren, verschaffte Most der Gruppe klare Konturen, die sie von anderen Bands der British Invasion unterschied; denn die übrigen Bands konzentrierten sich auf Rock-’n’-Roll-Songs und Rhythm-and-Blues-Titel.
Bereits am 12. Februar 1964 standen sie erneut im Studio, wo diesmal auf Drängen des Produzenten das Blues-Cover Baby Let Me Take You Home entstand und zudem noch Gonna Send You Back To Walker (Cover von Timmy Shaws I’m Gonna Send You Back to Georgia (City Slick)), Blue Feeling, Baby What's Wrong und F-E-E-L auf Tonband festgehalten wurden. Im März wurde aus dem aufgenommenen Repertoire ihre erste Single Baby Let Me Take You Home / Gonna Send You Back To Walker veröffentlicht, die Rang 21 der britischen Hitparade erreichte.
Am 17. Mai 1964 unterbrachen die Animals eigens ihre Tournee in Liverpool, um am nächsten Tag erneut im Londoner Kingsway-Studio aufzunehmen. Most hatte die Studios für drei Stunden gebucht. Sie nahmen das auf ihren Tourneen oft präsentierte House of the Rising Sun auf, dessen derben Originaltext sie entschärft hatten. Produzent Most, der produktionstechnisch nichts zur Aufnahme beitragen konnte, wollte den auf Anhieb perfekt intonierten Titel nicht aufnehmen, aber er ließ sich widerwillig darauf ein. Die hohe Routine erleichterte die Aufnahme, denn nach einem Take war der Song bereits fertig. Nach einer halben Stunde verließen sie bereits wieder die Studios, sodass sie lediglich vier Pfund Studiokosten zu bezahlen hatten. Den vernachlässigbaren Produktionskosten standen die hohen Einnahmen eines Millionensellers von fünf Millionen Plattenumsatz gegenüber, der in den wichtigsten Hitparaden an Rang eins notiert wurde.
In der dritten Aufnahmesession am 31. Juli 1964 entstanden 15 Titel, von denen 12 auf der Debüt-LP The Animals erschienen, die im November 1964 auf den Markt kam. Die dritte Single I’m Crying aus der dritten Session gelangte bis auf Rang acht der britischen Hitparade. Im Mai 1965 wurde die zweite LP Animal Tracks veröffentlicht. Die letzte Aufnahmesession der Animals unter Regie von Mickie Most fand am 20. März 1965 statt, als unter anderem Bring It On Home To Me / For Miss Caulker entstanden, denn nach sieben Hitsingles und drei LPs beschloss Eric Burdon, sowohl Most als auch EMI zu verlassen. Bei der B-Seite dieser Single machte sich Most noch nicht einmal die Mühe, die deutlichen Gesangsfehler von Eric Burdon zu eliminieren.
Mickie Most produzierte während der erfolgreichen Phase der Animals auch andere Bands. Inzwischen war für den 26. Juni 1964 ein Aufnahmetermin mit den Nashville Teens anberaumt, an dem unter Aufsicht von Most zusammen mit dem jungen Jimmy Page als Sessiongitarrist eine wilde Version von John D. Loudermilks sozialkritischem Song Tobacco Road entstand. Auch die am 9. Oktober 1964 produzierte Nachfolgesingle Google Eye wurde mit Page eingespielt und stammte aus der Feder von Loudermilk.
Wie die Animals so war auch das Quintett Herman’s Hermits bei Columbia Records unter Vertrag, nachdem es von Most 1964 in Bolton entdeckt und einen Plattenvertrag mit dem EMI-Tochterlabel vermittelt bekommen hatte. Gleich deren erste Single I’m Into Something Good, ausgesucht von Most, erreichte nach Veröffentlichung am 20. August 1964 den Status als Millionenseller, der dem Original von Earl Jean verwehrt blieb. Die Intonation eines leichten Pop war der Maßstab für die folgenden Singles der Gruppe. Dabei setzte Most trotz der fundierten Instrumentation durch die Band noch Sessionmusiker wie John Paul Jones oder Vic Flick ein. Auf der am 12. Februar 1965 entstandenen Nachfolgesingle Silhouettes / Can’t You Hear My Heartbeat ist wiederum Jimmy Page zu hören.
Erfolgreichstes Jahr für Herman’s Hermits war 1965, als die Gruppe innerhalb eines Jahres mit 10 Millionen Exemplaren mehr Platten umsetzte als die Beatles, insbesondere begünstigt durch die Erfolge in den USA. Mrs. Brown You’ve Got a Lovely Daughter vom 1. Dezember 1965 mit seinem Gitarren- und Banjo-Intro, dem deutlichen Manchester-Dialekt („Mancunian Accent“) kam nur in den USA an und hatte in Großbritannien kein Hitpotenzial, weltweit wurden hiervon 4 Millionen Exemplare verkauft. Im Gegensatz zu den Beatles präsentierten die Hermits keine Eigenkompositionen, sondern griffen auf Material überwiegend amerikanischer Pop-Autoren zurück. Zwischen 1964 und 1970 brachten sie 16 Singles in die Top 20. Bis Lady Barbara (RAK 106) produzierte Most 29 Singles und zahlreiche LPs mit der Gruppe. Außer bei I’m Into Something Good, Mrs. Brown und Henry VIIIth spielten bei Herman’s Hermits Sessionmusiker mit.
Auch The Yardbirds wurden von Most gezwungen, sich von Sessionmusikern aushelfen zu lassen. Most musste sich die Produzentenrolle zunächst mit Yardbirds-Manager und Inhaber des berühmten Londoner Crawdaddy Clubs, Giorgio Gomelsky, teilen. Der erste Aufnahmetermin von Most für die Yardbirds fand am 5. März 1967 für die Single Little Games statt. Beim gleichnamigen Album (aufgenommen zwischen dem 28. April 1967 und 3. Mai 1967) halfen Nicky Hopkins (Keyboards) und John Paul Jones (Bass) aus, es konnte jedoch nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Most schaffte es nicht mehr, die Gruppe zum Erfolg zurückzubringen. Auch die im Oktober 1967 veröffentlichte Harry-Nilsson-Komposition Ten Little Indians wurde zum Flop. Die Yardbirds setzten zwar erfolgreich ihre Touren in der ganzen Welt fort, landeten aber keine Hits mehr und lösten sich im Juli 1968 auf.