Michigan (engl. Aussprache [ˈmɪʃɪgən] , Ojibwe für „Großer See“) ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten im Zentrum der Region der Großen Seen im oberen Mittleren Westen. Er grenzt an Minnesota im Nordwesten, Wisconsin im Westen, Indiana und Illinois im Südwesten, Ohio im Südosten und die kanadische Provinz Ontario im Osten, Nordosten und Norden. Mit 10,14 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 250.490 km² ist Michigan der zehntgrößte Bundesstaat gemessen an der Bevölkerungszahl, der elftgrößte gemessen an der Fläche und der größte gemessen an der Gesamtfläche östlich des Mississippi. Die Hauptstadt des Bundesstaates ist Lansing, die bevölkerungsreichste Stadt Detroit, dessen Metropolregion mit rund 3,8 Millionen Einwohnern zu den größten des Landes zählt. Weitere bedeutende Städte sind Grand Rapids, Flint, Ann Arbor, Kalamazoo, die Tri-Cities sowie Muskegon und Marquette.
Michigan besteht aus zwei Halbinseln: der stark bewaldeten Oberen Halbinsel (allgemein als „U.P.“, „Upper Peninsula“, bezeichnet), die sich vom nördlichen Wisconsin aus nach Osten erstreckt, und der größeren und stärker bevölkerten Unteren Halbinsel (allgemein als „L.P.“, „Lower Peninsula“, bezeichnet), die sich nördlich von Ohio und Indiana erstreckt. Die Halbinseln werden durch die Straße von Mackinac getrennt, die den Michigansee mit dem Huronsee verbindet, und sind durch die fünf Meilen lange Mackinac Bridge entlang der Interstate 75 miteinander verbunden. Michigan grenzt an vier der fünf Großen Seen und an den Lake St. Claire und hat mit 5292 Kilometern die längste Süßwasserküste der USA.
Die Region der Großen Seen wird seit Tausenden von Jahren hauptsächlich von indigenen Völkern wie den Ojibwe, Odawa, Potawatomi und Wyandot bewohnt. Einige behaupten, dass der Name der Region vom Ojibwe-Wort ᒥᓯᑲᒥ (mishigami) abgeleitet ist, was „großes Wasser“ oder „großer See“ bedeutet, während andere sagen, dass er vom Stamm der Mishiiken auf der Mackinac-Insel stammt, der vom Ottawa-Historiker Andrew Blackbird auch Michinemackinawgo genannt wurde, dessen umliegendes Land als Mishiiken-imakinakom bezeichnet wurde, was später zu Michilimackinac verkürzt wurde.
Im 17. Jahrhundert beanspruchten französische Entdecker das Gebiet für Neufrankreich. Französische Siedler und Métis errichteten Forts und Siedlungen. Nach der Niederlage Frankreichs im Franzosen- und Indianerkrieg im Jahr 1762 kam das Gebiet unter britische Kontrolle und später nach dem Frieden von Paris (1783) unter die Kontrolle der USA, obwohl die Kontrolle mit den indigenen Stämmen bis zu Verträgen zwischen 1795 und 1842 umstritten blieb. Das Gebiet war zunächst Teil des größeren Nordwestterritoriums; das Michigan-Territorium wurde 1805 gegründet.
Am 26. Januar 1837 wurde Michigan als 26. Bundesstaat in die Union aufgenommen und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Industrie- und Handelszentrum, das europäische Einwanderer, insbesondere aus Finnland, Mazedonien und den Niederlanden, anzog. In den 1930er Jahren wurde der Bundesstaat durch die Zuwanderung aus den Appalachen und dem Nahen Osten sowie durch die Great Migration der schwarzen Südstaatler weiter geprägt, insbesondere in der Metropole Detroit. Die Kultur Michigans ist stark von jener industriellen Blütezeit geprägt, was sich in Architektur, Museen und Arbeitergeschichte widerspiegelt. Mit Detroit als kulturellem Zentrum des Staates hat Michigan vor allem in musikalischer Hinsicht große Bedeutung. Es ist der Geburtsort des Motown-Sounds der 1960er, mit Künstlern wie Stevie Wonder, The Supremes, Marvin Gaye oder The Temptations, die Wiege des Techno (späte 1980er) und bekannt für Rockgrößen wie Iggy Pop und The White Stripes. Als Heimat des Rappers Eminem ist Michigan auch eng mit der Hip-Hop-Kultur verbunden.
Michigan verfügt über eine diversifizierte Wirtschaft mit einem Bruttosozialprodukt von 725,897 Mrd. Dollar (Stand: 1. Quartal 2025) und nimmt damit unter den 50 Bundesstaaten den 14. Platz ein. Obwohl der Bundesstaat eine vielfältige Wirtschaft entwickelt hat, wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts in erster Linie als Zentrum der US-Automobilindustrie weltbekannt, die sich zu einem wichtigen Standbein der nationalen Wirtschaft entwickelte. Hier (bzw. im Großraum Detroit) sind die drei größten Automobilunternehmen des Landes, General Motors, Ford und Stellantis (Chrysler) ansässig. Einst für die Holzgewinnung und den Bergbau genutzt, ist die dünn besiedelte Obere Halbinsel heute wegen ihrer vergleichsweise unberührten Natur vor allem für den Tourismus von Bedeutung. Die Untere Halbinsel ist ein Zentrum des verarbeitenden Gewerbes, der Forstwirtschaft, der Landwirtschaft, des Dienstleistungssektors und der High-Tech-Industrie.
Michigan ist der einzige Bundesstaat der USA, dessen Festland in zwei Teile geteilt ist. Zwischen den Teilen erstreckt sich der Michigansee. Ober-Michigan, der nördliche Teil, ist zwischen Michigansee im Süden und Oberem See im Norden gelegen. Der westliche Teil wird geprägt durch das Superior Upland, ein Hochland mit granitischem Felsuntergrund. Es besteht aus mehreren von Nordost nach Südwest verlaufenden Gebirgsketten, die sich im Westen bis nach Wisconsin und Minnesota hinein erstrecken. Einzelne Gebirgszüge sind die Porcupine Mountains und die Gebirgsketten Gogebic Range und Copper Range. Das Superior Upland weist wesentlich größere Höhenunterschiede als die restliche Fläche des Staates auf. Die höchste Erhebung Michigans ist der Mount Arvon mit 603 m. Die Isle Royale im Oberen See gehört, obwohl sowohl die kanadische Provinz Ontario als auch der US-Bundesstaat Minnesota deutlich näher zu der Insel liegen, ebenfalls zu Michigan.
Der südliche Teil, Unter-Michigan, ist zwischen Michigansee (Westen) und Huronsee (Osten) gelegen. Flächenmäßig ist dies der größere Teil des Staates. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung des Staates lebt im südlichsten Drittel Unter-Michigans. Ganz Unter-Michigan und der östliche Teil Ober-Michigans gehören zum Eastern Great Lakes Lowland. Dies ist ein flaches bis hügeliges Tiefland und entstand infolge der Gletscher, die in der Eiszeit das Land bedeckten. Die Durchschnittshöhe liegt bei 274 m und der tiefste Punkt bei ca. 173 m. Es gibt folglich kaum merkliche Höhenunterschiede innerhalb Unter-Michigans.
Der Boden in Ober-Michigan ist grau-bräunlich und sauer. Er ging aus Gletscherablagerungen hervor und ist teilweise wenig bis gar nicht fruchtbar. Dadurch und bedingt durch das Klima gibt es dort kaum Landwirtschaft. Im Südosten Michigans, an der Saginaw Bay, herrscht ein schwerer, lehmiger Boden vor. Der Großteil Unter-Michigans jedoch verfügt über sehr fruchtbaren Boden, welcher auch landwirtschaftlich genutzt wird.
Michigan hat Anteil an vier der fünf Großen Seen. Diese sind der Michigansee, der Huronsee, der Obere See und der Eriesee. Dadurch verfügt es über eine Gesamtküstenlänge von 5310 km. Außerdem gibt es mehr als 11 000 kleinere Seen, von denen der Größte der Houghton Lake im Norden Unter-Michigans ist.
Der längste Fluss des Bundesstaates ist der Grand River. Weitere wichtige Flüsse sind der Kalamazoo, Manistee, Saint Clair, Detroit und Saint Joseph. Durch die Wasserstraßen können Güter in alle Welt verschifft werden, denn über den Eriesee und den Sankt-Lorenz-Strom existiert eine Verbindung zum Atlantik. In Obermichigan gibt es einige Wasserfälle, beispielsweise die Tahquamenonfälle.
Das Klima in Michigan hat eine Sonderstellung im Vergleich zu den restlichen Vereinigten Staaten. Dies liegt an der Nähe zu den Großen Seen. Diese geben Michigan ein milderes Klima im Vergleich zu anderen Staaten derselben geographischen Breite. Es ist feucht und kontinental (weltweit eine recht seltene Kombination) und liegt in der kühlgemäßigten Klimazone. Das Klima von Ober- und Unter-Michigan ist jedoch gesondert zu betrachten.
Ober-Michigan ist deutlich kühler und weist ein nordisches Klima auf. Die durchschnittliche frostfreie Zeit beträgt nur 60 bis 120 Tage pro Jahr. Die Winter sind sehr streng und die Sommer mild. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Sault Ste. Marie nahe der Grenze zu Kanada im Nordosten Ober-Michigans beträgt 4,3 °C. Wärmster Monat ist der Juli mit 18 °C, die kältesten sind Januar und Februar mit −10 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 869 mm und verteilt sich über das gesamte Jahr.