Michel François Platini (* 21. Juni 1955 in Jœuf, Département Meurthe-et-Moselle) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler, -trainer und -funktionär.
In den 1980er Jahren galt Platini als einer der besten Fußballer weltweit. Dreimal (1983, 1984, 1985) wurde er mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet, bei der FIFA-Wahl zum besten Fußballer des Jahrhunderts belegte er den siebten Platz. Der „Maestro des französischen Fußballs“ ist eines der größten Sportidole Frankreichs und gilt neben Raymond Kopa und Zinédine Zidane als bester Spieler, den das Land hervorgebracht hat.
Als Trainer betreute er von 1988 bis 1992 die französische Nationalmannschaft.
Ab 2007 war Michel Platini Präsident der UEFA. Am 21. Dezember 2015 gab die Ethikkommission des Weltfußballverbandes FIFA bekannt, dass er gemeinsam mit FIFA-Präsident Sepp Blatter für acht Jahre gesperrt wird und damit keine Tätigkeiten im Fußballbereich ausüben darf. Die Sperre wurde durch ein Berufungsgericht der FIFA am 24. Februar 2016 auf sechs Jahre reduziert, der Sportgerichtshof CAS reduzierte sie am 9. Mai 2016 um weitere zwei auf nunmehr vier Jahre. Daraufhin verkündete Platini seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des UEFA-Präsidenten.
Am 2. November 2021 wurde bekannt, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage gegen Platini erhoben hatte. Am 8. Juli 2022 wurde er freigesprochen. Dagegen wurde Berufung eingelegt, im März 2025 bestätigte ein Gericht den Freispruch.
Michel Platini wurde am 21. Juni 1955 in der lothringischen Kleinstadt Jœuf geboren. Seine Eltern Aldo Platini (1927–2017) und Anna, geborene Piccinelli, (1929–2015) waren Nachkommen italienischer Einwanderer. Neben seinem Beruf als Lehrer war Platinis Vater ein begeisterter Amateurfußballer, der später den ortsansässigen AS Jœuf in der Division d’Honneur trainierte. Seine Sportbegeisterung gab er an den jungen Michel weiter und förderte das fußballerische Talent seines Sohnes.
Im Alter von zehn Jahren trat Platini in die Jugendmannschaft der AS Jœuf ein und nahm 1969 mit ihr am renommierten Nachwuchsturnier Coupe Gambardella teil. Als Jugendspieler hatte ihm zunächst der FC Metz Angebote gemacht, doch nach einer Untersuchung seines körperlichen Zustandes davon wieder Abstand genommen, da er als zu schwach erschien; man glaubte nicht, dass er es zum Profi schaffen könne. Einer Anekdote nach absolvierte Platini ein Probetraining beim 1. FC Saarbrücken, doch habe ihn der damalige Trainer Slobodan Čendić als zu schmächtig abgelehnt. Ehemalige Profis, die zu dieser Zeit in Saarbrücken aktiv waren, bezeichneten die Geschichte als „Legende“. Vielmehr sei Platini bei einem Testspiel bei AS Nancy den Saarländern aufgefallen – auch, weil er in diesem Spiel mehrere Tore erzielt habe. Man habe seinen Vater gefragt, der jedoch ein Gespräch darüber „abgeblockt“ habe. Das angebliche Probetraining beim 1. FC Saarbrücken hat es demnach niemals gegeben. 1972 bekam Platini vom AS Nancy eine Chance, dessen Verantwortliche den 17-Jährigen in die Reservemannschaft holten, in der er schnell auf sich aufmerksam machen konnte.
Am 3. Mai 1973 debütierte er in der Division 1 im Spiel gegen Nîmes. 1974 brach sich Platini den linken Arm und konnte seiner Mannschaft im Abstiegskampf nicht zur Seite stehen, die am Ende den Gang in die zweite Liga antreten musste. Nancy gelang der sofortige Wiederaufstieg und Platini hatte sich zum wichtigsten Spieler der Mannschaft entwickelt (17 Tore). Zu seinen Spezialitäten zählten Freistöße, die er fast täglich in Sonderschichten nach dem Training übte (mit zwei direkt verwandelten Freistoß-Toren wurde der amtierende Meister Saint-Étienne im Pokalwettbewerb besiegt). 1976 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag (über zwei Jahre) und spielte eine großartige Saison, weshalb er auch zu Frankreichs Fußballer des Jahres 1976 gewählt wurde. Platini war nun mit Anfang zwanzig die große Hoffnung des französischen Fußballs, der in einer großen Krise steckte. Platini wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft aus Lothringen und galt als kommender Superstar Frankreichs. Die Mannschaft belegte mit dem vierten Tabellenplatz die bis heute beste Platzierung in der ersten Liga (1977 und 25 Platini-Tore in der Liga) und im Pokalfinale 1978 wurde OGC Nizza durch ein Platini-Tor mit 1:0 bezwungen. Der erste bedeutende Titel der Vereinsgeschichte wurde gewonnen. Spielführer Platini bekam von Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing den Pokal überreicht. Noch im selben Jahr zog sich Platini einen komplizierten Schienbeinbruch zu (insgesamt brach er sich in seiner Karriere fünfmal das Bein, zweimal den Arm). Nach Differenzen mit seinem Verein beschloss er 1979 Nancy zu verlassen. Inter Mailand, Paris Saint-Germain und der AS Saint-Étienne buhlten um den Spielmacher, der sich schließlich für Saint-Étienne entschied.
Platini wechselte zum AS Saint-Étienne und unterschrieb einen Dreijahresvertrag. Seine Zeit in Saint-Étienne war wechselhaft. Frankreichs Spitzenklub wollte an internationale Erfolge aus den 1970er Jahren anknüpfen, als man erst im Finale des Europapokals der Landesmeister dem FC Bayern München unterlag. Mit Platini sollten nun wieder ähnliche Erfolge dazukommen. 1981 wurde er mit Saint-Étienne französischer Meister, scheiterte aber zweimal im Finale des Pokals (1981 am SC Bastia, 1982 an Paris Saint-Germain). Das Finale 1982 sollte sein letztes Spiel für einen französischen Klub sein. Platini galt als einer der besten Spielmacher der Welt (neben Zico und Maradona), war aber zudem sehr torgefährlich; zu seinen Stärken zählten direkt verwandelte Freistöße.
1982 wechselte er in die italienische Serie A zu Juventus Turin, dessen Spieler den Kern der italienischen-Weltmeistermannschaft von 1982 bildeten (Dino Zoff, Gaetano Scirea, Antonio Cabrini, Claudio Gentile, Marco Tardelli). Die Zeit in Turin sollte die erfolgreichste in der Karriere des Franzosen werden, der hier fast alle Titel gewann, die man gewinnen konnte und zum Weltklasse-Spieler reifte. Doch am Anfang war seine Zeit in Italien von Anlaufschwierigkeiten geprägt, denn aufgrund seines hohen Jahresgehalts von umgerechnet 950.000 DM (2026: ca. 1.141.000 Euro) war er ein beliebtes Ziel der Medien und auch innerhalb der Mannschaft führte dies zu Eifersüchteleien. Im Winter seiner ersten Saison wollte er Juventus sogar schon wieder verlassen. Doch Platini blieb und setzte gemeinsam mit Zbigniew Boniek einen Taktikwechsel durch und der Erfolg gab ihm recht: Er gewann mit Juve die Coppa Italia und stand im Finale des Europapokals der Landesmeister, in dem man sich aber dem Hamburger SV geschlagen geben musste. Auch persönlich spielte Platini eine starke Rückrunde und sicherte sich gleich im ersten Jahr mit 16 Toren die Torjägerkanone (Capocannoniere) der Serie A.
Juventus Turin wurde in der Folge zu einer der stärksten Vereinsmannschaften der Welt, und ihr Trainer Giovanni Trapattoni machte Platini zur Schaltzentrale im Mittelfeld, aber auch Vollstrecker in der Mannschaft und stellte ihm mit Boniek einen guten Partner zur Seite. 1984 wurde Turin Meister (Scudetto) und besiegte im Finale des Europapokals der Pokalsieger den FC Porto mit 2:1. Platini gewann wieder die Torjägerkanone (20 Tore) und wurde in dieser Zeit dreimal hintereinander mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet (1983, 1984, 1985), was seinen Status als Superstar untermauerte. Die Erfolge mit dem Verein dauerten an, und 1985 stand Juventus Turin dem FC Liverpool im Finale des Europapokals der Landesmeister gegenüber; Platini erzielte den Treffer zum 1:0-Sieg und wurde damit mit sieben Toren bester Torschütze des Turniers. Allerdings wurde dieser Erfolg von schweren Zuschauerausschreitungen (39 Tote, ca. 400 Verletzte) überschattet (Katastrophe von Heysel). Schließlich wurde auch der Weltpokal gewonnen (Sieg über Argentinos Juniors). 1986 gewann er mit Juventus seine zweite Meisterschaft, die sein letzter Titel war, und beendete im Sommer 1987 mit 31 Jahren seine Karriere.