An diesem Tag

Michail Tal

Lettischer/sowjetischer Schachspieler, Schachweltmeister 1960 bis 1961

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Michail Nechemjewitsch Tal (lettisch Mihails Tāls, russisch Михаил Нехемьевич Таль; 9. November 1936 in Riga – 27. Juni oder 28. Juni 1992 in Moskau) war ein lettisch-sowjetischer Schachspieler und von 1960 bis 1961 der achte Schachweltmeister. Bei der Schachweltmeisterschaft 1960 setzte er sich im Alter von 23 Jahren gegen Michail Botwinnik durch und wurde damit zum bis dahin jüngsten Spieler, der den Titel des Schachweltmeisters erringen konnte. Beim Revanchekampf 1961 verlor er den Titel wieder an Botwinnik. Der „Zauberer von Riga“ machte sich durch seinen taktisch geprägten und risikoreichen Spielstil einen Namen. Zeit seines Lebens machte ihm seine Gesundheit zu schaffen. Obwohl er schwer nierenkrank war, rauchte er viel und trank exzessiv, was der Grund seiner zahlreichen Leistungsschwankungen war.

Trotz seines riskanten und unbeständigen Spiels hatte er auch nach dem Verlust des Weltmeistertitels große Turniererfolge zu verbuchen: So gewann er insgesamt sechsmal die sowjetische Meisterschaft, nur Botwinnik kam auf die gleiche Anzahl. Er blieb zwischen Oktober 1973 und Oktober 1974 in 95 aufeinanderfolgenden Partien ungeschlagen, was bis heute eine der längsten Serien im Spitzenschach darstellt. Dabei entwickelte Tal im späteren Verlauf seiner Karriere seine Spielweise in Richtung eines universelleren, solideren Stils weiter.

Michail Tal wurde am 9. November 1936 im lettischen Riga in einer jüdischen Familie geboren, als Sohn des Neurologen Nechemja Borissowitsch Tal und dessen Frau Ida Grigorjewna Tal. Tals Eltern waren Cousin und Cousine. Tals erster Frau Sally Landau sowie Mark Taimanow zufolge war nicht Nechemja Tal der leibliche Vater, sondern Robert Papirmeister, dessen Arbeitskollege und ein enger Freund der Familie. Tals späterer Ehefrau Angelina zufolge ist dies lediglich ein unwahres Gerücht. Obwohl er, möglicherweise wegen falscher Medikation seiner Mutter während der Schwangerschaft, mit nur drei Fingern an der rechten Hand (Ektrodaktylie) geboren wurde, spielte Tal Tischtennis, Klavier und während der Schulzeit Fußball. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion floh Tal mit seiner Familie nach Jurla in der Region Perm, im Westen des Uralgebirges. Im November 1944 kehrten die Tals nach Riga zurück.

Im Alter von sieben Jahren erlernte Tal das Schachspiel, mit neun trat er dem Schachzirkel im Rigaer Pionierpalast bei, wo Jānis Krūzkops, der auch Jānis Klovāns trainierte, sein erster Trainer wurde. 1949 machte er mit einem Sieg über Ratmir Cholmow bei einer Simultanveranstaltung erstmals auf sich aufmerksam. Im selben Jahr begann seine lebenslange Zusammenarbeit mit Alexander Koblenz, der als Trainer entscheidenden Anteil an der Karriere Tals hatte. Er war für Tals Eröffnungsvorbereitung und psychologische Ratschläge zuständig. Im Jahre 1951 nahm er erstmals an der Lettischen Staatsmeisterschaft teil, die er 1953 mit 14,5/19 im Alter von 16 Jahren gewinnen konnte.

Während der Schulzeit übersprang Tal zwei Klassen. Er begann mit fünfzehn ein Studium der russischen Sprache und Literatur an der Universität Lettlands, das er 1958 mit dem Staatsexamen abschloss. Seine Diplomarbeit behandelte das Thema „Die Satire im Roman Zwölf Stühle von Ilf und Petrow“. Jedoch wandte er sich schon früh dem professionellen Schach zu.

1955 gewann Tal überraschend das Halbfinale zur 23. UdSSR-Meisterschaft, die 1956 in Leningrad stattfand. Dort belegte er mit einem Punkt Rückstand auf den ersten Platz den geteilten 5.–7. Platz. Grigori Löwenfisch bezeichnete Tal als auffälligsten Spieler des Turniers und lobte ihn als „außerordentlich begabten Taktiker“ und als „großes Talent“. Bei der Studentenweltmeisterschaft im schwedischen Uppsala 1956 trat Tal erstmals im Ausland auf und holte für die Mannschaft der UdSSR am dritten Brett hinter Viktor Kortschnoi und Lew Polugajewski 6 Punkte aus 7 Partien.

Im Jahre 1957 sorgte der 20-jährige Tal mit einem Sieg bei der 24. UdSSR-Meisterschaft in Moskau für Aufsehen. Für seinen Sieg wurde er im selben Jahr von der FIDE zum Großmeister ernannt. Im Jahr darauf konnte er die 25. Ausgabe, die in seiner Heimatstadt Riga ausgetragen wurde, ebenfalls gewinnen. Das Turnier galt in diesem Jahr gleichzeitig als Zonenturnier, womit sich Tal für das Interzonenturnier im jugoslawischen Portorož qualifizierte. Dort war er erneut siegreich und qualifizierte sich somit als einer der besten sechs Spieler, darunter auch der 15-jährige Bobby Fischer bei seinem internationalen Debüt, für das Kandidatenturnier. Im selben Jahr nahm er erstmals an der Schacholympiade teil, die bei ihrer 13. Ausgabe im Jahr 1958 in München stattfand. Dort holte er am Reservebrett 13,5 Punkte aus 15 Partien und erzielte damit das beste Einzelresultat. Zudem lernte er dort Michail Botwinnik kennen, der für die Sowjetunion am ersten Brett spielte. Nach seinem Auftritt bei der Olympiade galt Tal in der Schachwelt für viele als neuer Hauptkonkurrent des amtierenden Weltmeisters Botwinnik. Max Euwe, der fünfte Schachweltmeister, bezeichnete Tal als „herausragende Erscheinung des Schachs“. Im Jahre 1959 gewann er das Internationale Turnier von Zürich und belegte den geteilten 2.–3. Platz bei der sowjetischen Meisterschaft.

Im Herbst 1959 fand das Kandidatenturnier zur Ermittlung des Herausforderers für die Schachweltmeisterschaft 1960 in den jugoslawischen Städten Belgrad, Bled und Zagreb statt. Bei diesem Turnier zählte Tal trotz seiner vorigen Leistungen nicht zu den Favoriten, da er von einer Nierenerkrankung angeschlagen war und sich einige Wochen vor Turnierbeginn hatte operieren lassen. Die Konkurrenten Tals waren Pál Benkő, Bobby Fischer, Svetozar Gligorić, Paul Keres, Friðrik Ólafsson, Tigran Petrosjan und der Ex-Weltmeister Wassili Smyslow. Tal gewann das Turnier mit 20 Punkten aus 28 Partien mit 1,5 Punkten Vorsprung vor Keres, gegen den er den direkten Vergleich mit 1:3 verloren hatte. Gegen den späteren Weltmeister Fischer gewann Tal alle vier Partien. Somit durfte er 1960 im WM-Kampf gegen Botwinnik antreten. Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft nahm Tal auf Rat seines Trainers Koblenz am – im internationalen Vergleich eher unbedeutenden – Ersten Internationalen Turnier von Riga teil, um sich bei den dortigen Partien auf sein defensives Spiel, was er selbst als seine „Achillesferse“ bezeichnete, zu konzentrieren. Mit neun Punkten aus dreizehn Partien belegte er dort den vierten Platz.

Weltmeistertitel und gesundheitliche Probleme

Die Schachweltmeisterschaft 1960 in Moskau zwischen Michail Tal und Michail Botwinnik begann am 14. März mit der Eröffnungszeremonie, die erste Partie wurde am Tag darauf gespielt. Der Wettkampf war auf 24 Partien angesetzt, wer als Erster 12,5 Punkte erreichte, sollte neuer Weltmeister werden. Bei einem 12:12 hätte Botwinnik als Titelverteidiger seinen Titel behalten. Tal hatte in der ersten Partie Weiß und eröffnete, wie er bereits auf der Abschlusszeremonie des Kandidatenturniers angekündigt hatte, mit 1. e4. Botwinnik wählte ein scharfes Abspiel in der Winawer-Variante der Französischen Verteidigung, wonach eine komplizierte Position entstand, in der Tal die Oberhand behielt und somit 1:0 in Führung ging. Nach vier Remisen konnte Tal in der sechsten Partie in einer taktisch geprägten Partie einen weiteren Sieg einfahren und nach einem Patzer von Botwinnik in der folgenden Partie seine Führung auf 5:2 ausbauen. Danach gelangen jedoch Botwinnik ebenfalls zwei Siege in Folge. Eine der Schlüsselpartien des Kampfes war die elfte Partie, in der Botwinnik Tal nicht auf taktischem, sondern auf positionellem Gebiet unterlegen war und zwei einfache Wege zu einem Unentschieden übersah. In der 17. Partie unterlief Botwinnik in klar vorteilhafter Stellung bei Zeitnot ein entscheidender Fehler, der ihn die Partie kostete. Somit lag Tal wieder drei Siege in Führung und sicherte sich nach mehreren Unentschieden und einem Sieg in der 19. Partie nach 21 Partien am 7. Mai 1960 als achter und bis dahin jüngster Spieler den Weltmeistertitel.

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