An diesem Tag

Michail Sergejewitsch Gorbatschow

Letzter Präsident der UdSSR (1931–2022)

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Michail Sergejewitsch Gorbatschow (russisch Михаил Сергеевич Горбачёв , wiss. Transliteration Michail Sergeevič Gorbačёv; * 2. März 1931 in Priwolnoje; † 30. August 2022 in Moskau) war ein sowjetisch-russischer Politiker. Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und von März 1990 bis Dezember 1991 Staatspräsident der Sowjetunion. Er setzte mit Glasnost („Offenheit“), einem Bekenntnis zur Meinungsfreiheit, und Perestroika („Umbau“), insbesondere mit der Abschaffung der Planwirtschaft, neue Akzente in der sowjetischen Politik. In Abrüstungsverhandlungen mit den USA leitete er das Ende des Kalten Krieges ein. 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Michail Gorbatschow kam am 2. März 1931 als Sohn eines russischen Vaters, Sergei Andrejewitsch Gorbatschow (1909–1976), und einer ukrainischen Mutter, Marija Pantelejewna Gopkalo (1911–1993), in der Region Nordkaukasus (heute Region Stawropol) zur Welt. Seine Eltern waren Bauern in einer Kolchose in der Ortschaft Priwolnoje. Gorbatschows Großvater mütterlicherseits, Pantelei Jefimowitsch Gopkalo, war Leiter dieser Kolchose, wurde aber 1937 wegen Trotzkismus-Verdachts verhaftet, gefoltert und zum Tod durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt und Gopkalo nach 14 Monaten aus der Haft entlassen. An diesem Ort wuchs Michail Gorbatschow heran, wobei er viel Zeit bei seinen Großeltern mütterlicherseits verbrachte, die in ihre Enkelkinder vernarrt waren. Erste Berufserfahrungen sammelte er mit 17 Jahren, als er zusammen mit seinem Vater mehrere tausend Zentner Getreide erntete. Der Vater erhielt dafür den Leninorden und Michail als Mitglied des kommunistischen Jugendverbands Komsomol im Alter von 19 Jahren den Orden des Roten Banners der Arbeit. Für den Wehrdienst wurde er als untauglich klassifiziert. Gorbatschow studierte Jura an der Lomonossow-Universität in Moskau und lernte dort seine spätere Frau Raissa (1932–1999) kennen. Sie heirateten im September 1953 und zogen gemeinsam zurück in seine Heimatregion Stawropol im nördlichen russischen Kaukasus, nachdem er 1955 sein Studium beendet hatte. 1957 kam die gemeinsame Tochter Irina in Südrussland auf die Welt.

Im Juni 1950 wurde er Kandidat und trat 1952 als Vollmitglied in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) ein und agierte von da an 22 Jahre lang im heimatlichen Stawropol für die Partei. 1966 machte er im Alter von 35 Jahren einen Abschluss als Agrarbetriebswirt am Landwirtschaftlichen Institut. Gleichzeitig setzte er seine Parteikarriere fort und wurde 1970 zum Ersten Sekretär für Landwirtschaft berufen sowie im Folgejahr Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. 1972 führte er eine sowjetische Delegation nach Belgien, zwei Jahre später wurde er Repräsentant des Obersten Sowjets und Vorsitzender der Ständigen Kommission für Jugendpolitik (russisch Комиссия по делам молодёжи Совета Союза Верховного Совета). Mitglied der Kreml-Führung wurde er bald nach dem überraschenden Tod seines Förderers Fjodor Kulakow 1978 als dessen Nachfolger im Parteiamt des ZK-Sekretärs für Landwirtschaft und anschließend in rascher Folge als Kandidat (1979) und Vollmitglied (1980) des Politbüros. Bereits vorher hatte er Juri Andropow kennengelernt, den Chef des KGB, der ebenfalls aus Stawropol stammte und Gorbatschow in den kommenden Jahren in seiner Karriere im Parteiapparat unterstützte. Beide verbrachten 1978 ihren Urlaub zusammen in Kislowodsk, wo sie in den nahen Bergen wandern gingen und abends Gespräche bei der Musik von Wladimir Wyssozki und Juri Wisbor führten, deren Werke in der Sowjetunion hauptsächlich als Bootlegs in Umlauf waren.

Aufgrund seiner Position in der Partei konnte er auch das westliche Ausland bereisen. 1972 besuchte er Turin und sprach mit Enrico Berlinguer, 1975 besuchte er mit einer Delegation die Bundesrepublik Deutschland, 1983 führte er eine sowjetische Kommission nach Kanada, um sich mit Pierre Trudeau zu treffen, dem damaligen Premierminister, sowie mit Mitgliedern des kanadischen Parlaments. 1984 reiste er nach Großbritannien und sprach mit Premierministerin Margaret Thatcher. Sie äußerte sich anschließend positiv über ihn: „Ich mag Herrn Gorbatschow. Mit ihm können wir arbeiten.“

Generalsekretär des ZK der KPdSU

Nach Leonid Breschnew und dem nur kurzzeitig amtierenden Juri Andropow lenkte mit Konstantin Tschernenko erneut ein schwer kranker, alter Mann die Geschicke der Sowjetunion. Als mögliche Nachfolger waren Vertreter einer neuen Generation im Gespräch, der „Hardliner“ Grigori Romanow aus Leningrad sowie der „Reformer“ Gorbatschow.

Am 11. März 1985, dem Tag nach dem Tod des damaligen Generalsekretärs des ZK der KPdSU, Konstantin Tschernenko, wählte man Gorbatschow mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär in der Geschichte der Kommunistischen Partei. Auf seiner ersten Reise, im Mai 1985 nach St. Petersburg, zeigte sich Gorbatschow auf der Straße und sprach mit den Bürgern, was seit Lenin kein sowjetischer Parteichef mehr getan hatte. Zu Beginn seiner Amtszeit startete er mit Restriktionen für den Verkauf von Wodka, der Schließung von Brauereien und Destillerien sowie dem Vernichten von Weinstöcken die größte Anti-Alkohol-Kampagne, die es jemals in der UdSSR gegeben hatte. Auf seiner ersten Westreise im Oktober 1985 begab sich Gorbatschow zuerst nach Frankreich, wo er gegenüber der französischen Nationalversammlung einen Abbau von sowjetischen SS-20-Atomraketen anbot, deren Aufstellung den NATO-Doppelbeschluss ausgelöst hatte. Den gleichen Vorschlag unterbreitete er dem US-Präsidenten Ronald Reagan einen Monat später bei der ersten persönlichen Begegnung mit Reagan in der Villa Fleur d’Eau in Versoix im Einzugsgebiet von Genf. Die Begegnung markierte den Beginn der Entspannungspolitik und legte den Grundstein für wichtige Abrüstungsverträge des Kalten Krieges.

Als De-facto-Herrscher der Sowjetunion führte er die Konzepte Glasnost („Offenheit“) und Perestroika („Umstrukturierung“) in die politische Arbeit ein. Dabei stützte er sich auf einen kleinen Kreis von Vertrauten wie Alexander Nikolajewitsch Jakowlew. Dieser Prozess begann während des 27. Parteitages der KPdSU im Februar 1986.

Gorbatschow bekannte sich zu den politischen Fehlern der Partei seit Stalins Zeiten und den Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges. Unter seiner Verantwortung wurde u. a. die Existenz des zuvor hartnäckig geleugneten geheimen Zusatzprotokolls zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion von 1939 zugegeben, ebenso wie das daran anschließende Massaker von Katyn sowjetischer Truppen gegen die polnische Führungsschicht 1940. Weiterhin sorgte er für den Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan.

Am 19. Dezember 1986 wurde der Regimekritiker Andrei Sacharow (1921–1989) von der sowjetischen Regierung rehabilitiert und durfte aus der Verbannung nach Moskau zurückkehren.

1987 kam es zu einer Rehabilitierung Nikolai Bucharins (1888–1938) und weiterer Oppositioneller aus der Zeit der Stalinschen Säuberungen.

Als Nachfolger von Andrei Gromyko wurde Gorbatschow 1988 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets und damit Staatsoberhaupt. Am 7. Dezember 1988 hielt er eine Rede vor der 43. UN-Generalversammlung in New York, bei der er einseitige Abrüstungsschritte in Aussicht stellte. US-Außenminister George Shultz kommentierte die Rede: „Wenn irgendjemand das Ende des Kalten Kriegs erklärt hat, dann war es Gorbatschow in dieser Rede. Er war vorüber.“

Im selben Jahr distanzierte sich Gorbatschow von der Breschnew-Doktrin (seine Position wird als Sinatra-Doktrin bekannt) und ermöglichte damit, dass die Länder des Warschauer Pakts ihre Staatsform fortan selbst bestimmen konnten. Die neue Freiheit führte 1989 zu einer Reihe überwiegend friedlicher Revolutionen in Osteuropa, die den Kalten Krieg beendeten. Vier Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer, von dem Gorbatschow überrascht wurde, traf er am 2. und 3. Dezember 1989 vor Malta auf dem sowjetischen Kreuzfahrtschiff Maxim Gorki zu einem Gipfelgespräch mit dem US-Präsidenten George H. W. Bush zusammen und stellte dabei fest: „Der Kalte Krieg ist zu Ende.“ Zunächst lehnte Gorbatschow die deutsche Wiedervereinigung ab, unter anderem wegen einer möglichen Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO und einer damit einhergehenden NATO-Osterweiterung. Erst nach der ersten freien Volkskammerwahl in der DDR, bei der am 18. März 1990 die für die deutsche Einheit eintretenden Gruppierungen die absolute Mehrheit gewonnen hatten, sowie der Resolution des Bundestags über die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als Westgrenze Polens gab er seinen Widerstand gegen den die Wiedervereinigung anstrebenden Kurs von Bundeskanzler Helmut Kohl auf. Gorbatschow erhielt 1990 den Friedensnobelpreis.

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