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Michail Pawlowitsch Schischkin

Russisch-schweizerischer Schriftsteller

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Michail Pawlowitsch Schischkin (russisch Михаил Павлович Шишкин, wiss. Transliteration Michail Pavlovič Šiškin; auch in verschiedenen Transkriptionen Mikhail Shishkin, Mikhail Chichkine etc., * 18. Januar 1961 in Moskau) ist ein russisch-schweizerischer Schriftsteller.

Schischkin studierte Germanistik und Anglistik an der Staatlichen Pädagogischen Universität Moskau, wo er eine militärische Ausbildung als Militärübersetzer erhielt. Er war Reserveoffizier der sowjetischen Armee. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er drei Jahre als Journalist für die Jugendzeitschrift Rowesnik, danach unterrichtete er zehn Jahre Deutsch und Englisch an der „Schule Nummer 444“ in Moskau.

Schischkin heiratete eine Schweizerin und lebte ab 1995 mit seiner Familie in Zürich, wo er als Russischlehrer, Lehrer und Dolmetscher für das Migrationsamt arbeitete. Er besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft. Seit Erscheinen seines Romans Venushaar 2005 lebt er ausschließlich von seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Im Herbstsemester 2007 und 2009 war Schischkin Lehrbeauftragter für Russisch und russische Kultur an der Washington and Lee University in Lexington (Virginia). Seit 2011 lebt er mit seiner Familie – Schischkins zweite Frau ist Russin – im nordöstlichen Jura.

Als einziger Autor wurde Schischkin in Russland mit den drei wichtigsten Literaturpreisen ausgezeichnet: 2000 erhielt er den Russischen Booker-Preis, 2005 den Nationalen Bestseller-Preis, 2006 und 2011 den Bolschaja-Kniga-Preis. Seine Bücher sind in Russland durchweg Bestseller. Seine Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Seine Essays wurden in großen Zeitungen im deutschen Sprachraum publiziert sowie in den wichtigsten internationalen Medien wie The New York Times, The Wall Street Journal, The Guardian, Le Monde The Independent, etc. Er ist Mitglied des Schweizerischen Schriftstellerverbandes Autorinnen und Autoren der Schweiz, des Deutschschweizer PEN-Zentrums, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und Mitgründer des PEN Berlin.

Im Jahr 2024 gründete Michail Schischkin gemeinsam mit Schweizer Slawistinnen und Slawisten den Literaturpreis „Dar“.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion bemängelte Schischkin die ausbleibende Aufarbeitung der Gräueltaten vergangener Jahre. Während die Deutschen sich der im Nationalsozialismus begangenen Verbrechen und einem Schuldbekenntnis gestellt hätten, würden die Russen ihre ehemaligen Despoten verklären. Er bemühte als Vergleich das Märchendrama Der Drache von Jewgeni Schwarz, in dem nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Drachens die Stadtbewohner eine freie Zukunft „nach dem Ebenbilde ihrer sklavischen Vergangenheit“ aufbauen.

Sein „Offener Brief“ sorgte 2013 für Aufruhr in Russland. Schischkin verzichtete auf die Teilnahme an der offiziellen russischen Schriftstellerdelegation an der Buchmesse BookExpo in New York:

Im Verlauf des Russisch-ukrainischen Kriegs seit 2014 äußerte sich Schischkin zunehmend scharf über die Politik der russischen Regierung sowie über den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Aus Anlass des Ukrainekrieges 2014 veröffentlichter er den Essay „Das Imperium der Lügen“, in dem er beschrieb, dass die Lüge in Russland nicht nur Tradition habe (s. Potemkinsche Dörfer), sondern auch Teil des Gesellschaftsvertrages sei. Dies erkläre auch die Hilfslosigkeit des Westens, dem dieses Denken fremd sei.

Zum siebzigsten Jahrestag des Kriegsendes am 9. Mai 2015 schrieb er: „Einmal mehr greift ein Diktator zum Patriotismus, um seine Macht zu sichern. […] Die Machthaber von heute haben dem russischen Volk das Erdöl und das Gas, die Wahlen und das Land gestohlen. Und auch den Sieg (von 1945). […] Russen und Ukrainer aufeinanderzuhetzen ist eine unverzeihliche Niedertracht.“

Im Jahr 2018 stellte er rückblickend fest, dass er jenes „ganz andere Russland“ des Jahres 2010 unter Präsident Medwedew noch optimistisch gesehen hätte als ein Land, das „zur zivilisierten Menschheit zurückkehren wollte“. Das Russland von 2018 nannte er eine Diktatur, deren autoritäres Regime durch Besuche legitimiert würde; er forderte einen politischen Boykott der Fussball-WM und stattdessen Solidarität mit den „Geiseln der Diktatur“. Alle Besucher würden in der für im Westen Lebende unvorstellbaren Propaganda als Unterstützer dargestellt, auch wenn sie vielleicht noch Kritik äußerten; diese bekäme Russland jedoch ohnehin nie zu sehen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 forderte Schischkin in einem Interview eine „totale Entputinisierung Russlands“. Ohne nationale Schuldanerkennung habe Russland keine Zukunft.

Am 21. März 2025 erklärte die russische Regierung den im Exil lebenden Schischkin zum „ausländischen Agenten“,.

1993 Wsech oschidajet odna notsch (Omnes una manet nox), «Snamija», Nr. 7 + 8/1993.

1999 Wsjatije Ismaila, Roman, gedruckt 1999 in «Snamija» Nr. 10/11/12 und 2000 als Einzelausgabe beim Vagrius-Verlag, Moskau.

Die Eroberung von Ismail, Roman. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Tretner. Deutsche Verlagsanstalt, München 2017, ISBN 978-3-421-04643-7.

2000 Russkaja Schweizarija. Literaturno-istoritscheski putewoditel

Die russische Schweiz. Ein literarisch-historischer Reiseführer, ins Deutsche übersetzt von Franziska Stöcklin. Petit-Lucelle Publishing House, Kleinlützel 2020, ISBN 978-3-033-08026-3.

2002 Montreux-Missolunghi-Astapowo. Auf den Spuren von Byron und Tolstoj: eine literarische Wanderung vom Genfer See ins Berner Oberland Limmat Verlag, Zürich. (Keine russische Originalfassung!)

Auf den Spuren von Byron und Tolstoi. Eine literarische Wanderung von Montreux nach Meiringen. Rotpunktverlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-85869-515-4.

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