An diesem Tag

Michael Seewald

Deutsch-französischer römisch-katholischer Theologe

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Michael Seewald (* 13. Juli 1987 in Saarbrücken) ist ein deutsch-französischer Hochschullehrer und katholischer Geistlicher. Er ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Seewald, der in Kleinblittersdorf aufwuchs und sowohl die deutsche als auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, besuchte das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken, wo er die 10. Klasse übersprang und 2005 das Abitur ablegte. 2004 gewann er den Bundeswettbewerb Jugend debattiert in der Sekundarstufe II.

Er studierte von 2005 bis 2009 Katholische Theologie (Diplom, „mit Auszeichnung“), Politikwissenschaft und Philosophie (Magister Artium, „mit Auszeichnung“) an der Eberhard Karls Universität Tübingen, in Pune (Indien) und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

2011 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Bertram Stubenrauch mit der Dissertation Verisimilitudo. Die epistemologischen Voraussetzungen der Gotteslehre Peter Abaelards zum Dr. theol. promoviert. 2012 empfing er die Diakonenweihe, 2013 die Priesterweihe; er ist in der Diözese Rottenburg-Stuttgart inkardiniert. Auf die Frage, warum er Priester geworden sei, antwortete er: „Weil es als Christ meine Form der Nachfolge Jesu ist“ und weil es ihn „gereizt“ habe. Mit dem „Großbegriff Berufung“ hingegen könne er nichts anfangen, da ihm der „metaphysische Überbau“ fehle.

2015 habilitierte Seewald sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Arbeit Theologie aus anthropologischer Ansicht. Der Entwurf Franz Oberthürs (1745-1831) als Beitrag zum dogmatischen Profil der Katholischen Aufklärung.

Von 2016 bis 2026 hatte Seewald den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster inne. Er wurde im Alter von 29 Jahren in der Nachfolge von u. a. Joseph Ratzinger und Karl Rahner auf diesen Lehrstuhl berufen und war damit deutschlandweit einer der jüngsten Professoren Deutschlands in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin. Seewald lehrte zuvor am Ambrosianum Tübingen, an der LMU München, an der Universität Bonn sowie am Saint John’s Seminary in Boston.

Im akademischen Jahr 2021/2022 war Seewald Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2024 ist er dort Permanent Fellow.

Von 2022 bis 2026 war er als Nachfolger von Nils Jansen Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster.

2025 erhielt Seewald einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München, die einen neuen Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte für ihn eingerichtet hat. Zum Sommersemester 2026 wechselte Seewald als Professor an die LMU München.

Michael Seewald interessiert sich für Theorien dogmatischer Entwicklung, für die Stabilität und Dynamik religiöser Menschenbilder sowie für Methodenfragen ökumenischer und interreligiöser Theologie. Im Schnittfeld von Theologie und Politikwissenschaft erforscht er „Religion als transzendente Zweitwertung und ihre politischen Folgen.“ In seinen dogmengeschichtlichen Forschungen widmet sich Seewald der Theologie der Aufklärung des 18. Jahrhunderts.

Seewalds Bücher wurden in 11 Sprachen übersetzt. Sein Werk Dogma im Wandel: Wie Glaubenslehren sich entwickeln, das 2018 auf Deutsch erschien, wurde ins Italienische, Spanische, Portugiesische (mit einer eigens bearbeiteten Sonderausgabe für Brasilien), sowie ins Französische, Polnische, Ungarische und Englische übersetzt, wobei die englische Ausgabe bei Cambridge University Press erschien.

Im Jahr 2025 hat Seewald von Peter Hünermann die Herausgeberschaft des Enchiridion Symbolorum (kurz: Denzinger) übernommen. Es handelt sich dabei um die wichtigste Quellensammlung lehramtlicher Texte der katholischen Kirche weltweit. Mit den Mitteln aus dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis soll eine kritische, mehrsprachige und digitale Neuedition des Denzingers in Angriff genommen werden.

In der Debatte um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt forderte Seewald 2017, die Diskussion nicht auf den Zölibat zu verengen, sondern sich offensiv für die Zulassung von zölibatär lebenden Frauen einzusetzen. Der Ausschluss von Frauen sei schwieriger zu begründen als die zölibatäre Lebensform der Amtsträger, weil es sich beim Nein zur Frauenordination um eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, beim Zölibat hingegen um eine freiwillig gewählte Lebensform handele.

Im Februar 2019 äußerte Seewald die Ansicht, eine räumlich begrenzte Aufhebung des Zölibats der Priester sei seiner Auffassung nach möglich: Ob Priester ehelos leben müssten oder es auch verheiratete Priester geben dürfe, brauche man weltkirchlich nicht einheitlich zu lösen. Allerdings erscheine dann das Eintreten eines „Dominoeffektes“ als wahrscheinlich.

Seewald sieht Demokratiedefizite in allen Religionen. Das Christentum sei darin nicht grundlegend besser als der Islam, habe sich historisch aber ein positives Verhältnis zur Demokratie erarbeitet, wozu der Islam auch fähig sei. Seewald fordert, dass dem Islam in Deutschland die gleiche rechtliche Stellung zuerkannt wird wie den Kirchen. „Religionen sind zutiefst ambivalent. Sie können aus Fremden Freunde machen, sie können aber auch aus Freunden Feinde machen. Sie können Demokratien stärken, und sie können Diktaturen legitimieren. Man sollte nicht immer nur die positive, konstruktive Rolle von Religion sehen. Das wäre naiv. Religion kann auch zerstörerisch wirken. Diese Zerstörungskraft ist nicht einfach eine von außen kommende Instrumentalisierung der Religion, sondern sie wohnt Religionen inne.“

2005 erhielt Seewald zum Abitur als Primus Omnium den Scheffelpreis, den Preis des Präsidenten des Stadtverbandes Saarbrücken sowie den Preis des Landtagspräsidenten des Saarlandes.

2011 erhielt Seewald für seine Dissertation den Kardinal-Wetter-Preis der Katholischen Akademie in Bayern „für herausragende theologische Dissertations- und Habilitationsarbeiten“.

Seewalds Studien zur Aufklärung des 18. Jahrhunderts in der katholischen Dogmatik wurden mit dem Karl-Rahner-Preis für theologische Forschung 2016 ausgezeichnet.

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