Michael Schenker (* 10. Januar 1955 in Sarstedt; eigentlich lautet sein offiziell eingetragener Geburtsname Michael Willi Schenker) ist ein deutscher Rock-Gitarrist und Komponist. Seine weltumspannende Karriere begann Anfang der 1970er Jahre bei den Scorpions.
Michael Schenker stieg in den 1970ern als talentierter Teenager zu einem international erfolgreichen Rockstar auf; in Großbritannien wurde er deswegen „The German Wunderkind“ genannt. Gitarristen wie Eddie Van Halen, Kirk Hammett, Slash, Richie Faulkner, John Norum, Zakk Wylde oder Randy Rhoads nennen bzw. nannten ihn als wichtigen Einfluss. Im stern vom 25. Februar 2021 erzählte Schenker, dass er Ende 1974, als die Rolling Stones Ersatz für ihren Gitarristen Mick Taylor suchten, von ihnen zum Vorspielen eingeladen wurde: Da er dermaßen schockiert gewesen sei, sei er aber gar nicht erst hingegangen. Außerdem wurde er im Laufe seiner Karriere von weiteren renommierten Bands angefragt als festes Mitglied bei ihnen einzusteigen, wie z. B. von Ratt, Deep Purple (1993), Ozzy Osbourne (unmittelbar nach dem tödlichen Unfall von Randy Rhoads), Rush, Thin Lizzy, Ian Hunter, Motörhead, Scorpions (1979), Aerosmith (1979) oder Whitesnake, denen er jedoch alle absagte, um lieber seine eigenen Werke spielen zu können. Zitat Schenker: „Ich habe Angebote von den größten Rockbands jener Zeit bekommen und alle abgelehnt. Ich war ziemlich gut darin, Gründe zu schaffen, um nicht in andere Bands einzusteigen.“ Bereits 1973, als Schenker noch bei den Scorpions spielte, hatte ihm der kanadische Promotion-Manager Mel Shaw nach einem Deutschlandbesuch angeboten, die Band zu verlassen und in Kanada in einer Supergruppe unterzukommen. Shaw hielt ihn für einen der besten Solo-Gitarristen der deutschen Rockszene. Schenker lehnte ab, weil er auf das kameradschaftliche Gefüge der Scorpions und die musikalische Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe nicht verzichten wollte.
Michael Schenker begann früh die Gitarre zu spielen. Im Alter von elf Jahren gründete er seine erste Schüler-Band The Enervates, die Titel unter anderem von The Shadows und The Beatles nachspielten. Nach drei Monaten wurde diese Gruppe aufgelöst und es entstand seine zweite Band Cry, die später in Cry Express umbenannt wurde und damals als die „Erste richtige Beat-Band in Hannover“ und „Jüngste Beat-Gruppe in Deutschland“ galt. In seiner dritten Gruppe Copernicus war Klaus Meine ab 1969 der Sänger. Meine erzählte 1980 über Michael aus der Copernicus-Zeit, als Schenker immerhin erst vierzehn Jahre alt war, im Buch Scorpions – Deutschlands erfolgreichste Rockgruppe: „Michael war damals schon ein ausgezeichneter Gitarrist und Komponist“. Gemeinsam wechselten Meine und Michael Schenker später zu den Scorpions seines älteren Bruders Rudolf Schenker, bei denen Michael zunächst von 1969 bis 1973 spielte. In diesem Zeitraum nahmen sie auch die erste Scorpions-LP mit dem Titel Lonesome Crow auf, diese gilt sowohl für die Scorpions als auch für Michael Schenker als ihre erste Plattenaufnahme, für diese Michael im Alter von nur 16 Jahren 90 % der Kompositionen beisteuerte.
Im Jahr 1973 dann befand sich Schenker mit den Scorpions auf einer Promotiontour für Lonesome Crow. Dort wurde er von der englischen Band UFO gefragt, als er mit den Scorpions im Vorprogramm spielte, ob er deren Gitarristen Bernie Marsden für zwei Konzerte vertreten wolle, da dieser an der Grenze ohne Ausweis abgewiesen worden war. Der 18-jährige Schenker sagte zu, spielte erst mit den Scorpions und ging dann nach einer kurzen Pause gleich wieder mit UFO auf die Bühne. Die Briten verpflichteten Schenker gegen Ende der Tour dauerhaft, sodass er, trotz Sprachbarriere – er sprach zu diesem Zeitpunkt kein Englisch – Mitglied von UFO wurde und Bernie Marsden ersetzte. Da begann bei UFO die sogenannte „Schenker-Ära“. Durch seine Beiträge erweiterte die Band ihr Spektrum vom Psychedelic-Rock zum melodiösen Hard-Rock. Mit ihm erlebten UFO ihre kommerziell erfolgreichste Zeit. Schenker war maßgeblich an Erfolgstiteln wie Doctor Doctor oder Rock Bottom, Love to Love, Lights Out, Only You Can Rock Me und Balladen wie Belladonna und Try Me beteiligt. Die fünf Studioalben Phenomenon, Force It, No Heavy Petting, Lights Out und Obsession, die Michael Schenker mit UFO zwischen 1974 und 1978 einspielte, gelten als wegweisend und heutzutage als wahre Rockklassiker. Der größte Teil der Kompositionen auf diesen Scheiben stammt von Michael Schenker. Von den zahlreichen in seiner langen Karriere geschriebenen Instrumentalnummern, die er im Laufe der Zeit zu einer seiner Spezialitäten ausbaute, befinden sich drei auf diesen fünf UFO-Studio-Alben. Es sind dies die Titel Lipstick Traces, Between the Walls und Arbory Hill, seine ersten drei ohne Gesang ausgeführten Stücke. Mit der Live-Doppel-LP Strangers in the Night veröffentlichte die Band Anfang 1979 ihre USA-Konzertmitschnitte der Obsession-Tour von Mitte Oktober des Vorjahres. Die Platte zählt noch heute unter Experten und Fans zu den besten Rock-Live-Alben aller Zeiten. Schenker verließ danach die Band.
Anschließend kehrte er auf Bitten seines Bruders zu den inzwischen international erfolgreichen Scorpions zurück, deren Leadgitarrist Uli Jon Roth Mitte 1978 nach Tokyo Tapes ausstieg und durch Matthias Jabs zwischenzeitlich ersetzt wurde. Schenker half ihnen, da sie sich zu diesem Zeitpunkt im Studio befanden, als Sologitarrist bei den Aufnahmen und auch beim Schreiben einiger Melodien zum Album Lovedrive, das von der Zeitschrift Melody Maker als „eines der besten Heavy-Metal-Alben des Jahres“ bezeichnet wurde, und ging als Bandmitglied mit auf Europatour, verließ die Gruppe aber schon nach 26 Konzerten und Matthias Jabs kehrte endgültig zu ihr zurück.
Noch im selben Jahr 1979, nachdem Schenker vorerst in Amerika zusammen mit Aerosmith probte, die damals auf der Suche nach einem Ersatz für den zeitweilig ausgestiegenen Joe Perry waren, gründete er seine Hardrock-Gruppe The Michael Schenker Group/MSG. Das 1980 erschienene erste Album The Michael Schenker Group wurde vom Rainbow- und Deep-Purple-Bassisten Roger Glover produziert. Die Band hieß zwischen 1986 und 1993, während der Beteiligung des Sängers Robin McAuley, McAuley Schenker Group.
Bei einer MTV-Unplugged-Show, die am 11. August 1990 im Ed Sullivan Theater in New York City aufgenommen wurde, traten die Gruppen Ratt und Vixen gemeinsam auf. Michael Schenker spielte bei dieser Show als Ersatz für Robbin Crosby als zweiter Gitarrist für Ratt. Im Anschluss an den Auftritt kamen Bobby Blotzer von Ratt, Share Pedersen von Vixen und Michael Schenker auf die Idee, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Sie engagierten den Sänger Richard Black von der Gruppe Shark Island sowie Tracii Guns von den LA Guns zur Vervollständigung der Band. Diese Gruppe namens Contraband veröffentlichte 1991 ein selbstbetiteltes Album und sollte eigentlich im Vorprogramm von Ratt auf Tournee durch die Vereinigten Staaten gehen. Doch es kam anders. Über das schnelle Aus von Contraband schreibt Michael Schenker auf seiner Internet-Seite, dass die beiden Bandmitglieder Richard Black und Tracii Guns nach dem allerersten Konzert eine handgreifliche Auseinandersetzung hatten und das Projekt so ein jähes und klägliches Ende fand. Er bemerkte noch, dass diese Kurzlebigkeit eine echte Vergeudung war, da in dieser Truppe so viel Potenzial steckte.
Schenker fand 1993 zurück zu UFO und spielte die Comeback-Platte Walk on Water ein. Nach Tourneen 1995, 1997 und 1998 und der Veröffentlichung der Alben Covenant (2000) und Sharks im Jahr 2002 trennte er sich erneut von UFO.
1992 gründete Schenker in Arizona/Amerika sowohl sein eigenes Plattenstudio, das „Michael Schenker Records Recording Studio“, als auch seine eigene Plattenfirma „Positive Energy Records“, die später in „Michael Schenker Records“ umbenannt wurde. Ab 1993 veröffentlichte er eine Reihe eigener Produktionen, zum Teil unter seinem Namen, zum Teil unter dem Bandnamen „MSG“ (Michael Schenker Group). Bei den zwischen 1993 und 2003 unter seinem eigenen Namen veröffentlichten Alben handelt es sich um Instrumentalplatten, mit jeweils dem Untertitel „electric instrumental“, wobei die vierteilige „Thank You“-Reihe nur mit Akustikgitarren eingespielt wurde. In den Jahren 2004 und 2005 sind alleine fünf Studioscheiben sowie 2006 eine Live-CD mit seiner Beteiligung veröffentlicht worden, die ausschließlich Coverversionen enthalten. Im September 2011 erschien das Michael Schenker-Album Temple of Rock auf dem einige bekannte Größen der Rockmusik als Gastmusiker mitwirkten, z. B. Pete Way (ex-UFO), Chris Slade (ex-AC/DC), Herman Rarebell (ex-Scorpions), Simon Phillips, Don Airey, Leslie West, Michael Amott und Michael Schenkers Bruder Rudolf Schenker. Auf der dazugehörigen Temple of Rock-Tournee im Jahr 2012 trat er mit den ehemaligen Scorpions-Musikern Herman Rarebell (Schlagzeug) und Francis Buchholz (Bass) auf; zum Programm gehörten auch einige Scorpions-Titel, vor allem des Albums Lovedrive. Als Sänger wirkten u. a. Robin McAuley und Doogie White mit. Seitdem spielte Schenker mit Rarebell, Buchholz, White sowie dem Keyboarder/Gitarristen Wayne Findlay in seiner Band „Michael Schenker’s Temple of Rock“, die dann die Studioalben Bridge the Gap und Spirit on a Mission veröffentlichten.