Michael Sachs (hebräisch מיכאל זקש) (geboren am 3. September 1808 in Groß-Glogau; gestorben am 31. Januar 1864 in Berlin) war ein preußischer Rabbiner, Übersetzer, Dichter, Talmudist, Religionslehrer, Dajan (Jurist), Sprachforscher und ein bedeutender Prediger seiner Zeit.
Michael wurde am 3. September 1808 in Glogau als Sohn des Tuchhändlers Löb Isaak (auch bekannt als Hirsch Levin) und seiner Frau (über die keine Daten bekannt sind) geboren. Mit 13 Jahren kam er auf das evangelische Gymnasium seines Heimatortes. In der kleinen Glogauer theologischen Ausbildungsstätte (hebräisch ישיבה Jeschiwa) unterrichtete ihn Jacob Joseph Oettinger in Bibel, Hebräisch und Talmud. Seine Gymnasiallehrer Mehlhorn und Klopsch unterwiesen ihn in griechischer und lateinischer Literatur. Sachs erwähnte in seinem Lebenslauf noch den Lehrer Röller, mit dem er bis 1856 eine Brieffreundschaft pflegte. Schon früh erkannte man sein Talent für Altertumssprachen. Im Jahre 1826, im Alter von 18 Jahren, legte er sein Abitur ab.
Sachs immatrikulierte sich im Mai 1827 an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Dort studierte er klassische Philologie, Philosophie, Altertumskunde, Geschichte, Hebräisch, Syrisch und orientalische Sprachen bei August Boeckh, Friedrich Schleiermacher, Leopold von Ranke und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Intensiv beschäftigte sich Michael mit den Lehren und Werken der geschichtlichen Größen wie Mose, Jesaja, Plato und Sophokles. Durch die gemeinsamen Besuche der Vorlesungen von Boeckh und Hegel entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft mit Moritz Veit. Durch Veits Freundeskreis kam Sachs in Verbindung mit Maximilian und Heinrich Heine, Karl Werder und Eduard Gans. Im Mai 1835 legte er das Oberlehrerexamen ab. Am 23. Oktober desselben Jahres promovierte er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Doktor der Philosophie.
Arbeitssuche und Beginn der Übersetzungstätigkeit für die deutsche Zunz-Bibel für Israeliten
Eine akademische Laufbahn blieb ihm zu dieser Zeit als Jude durch die preußische Gesetzgebung verwehrt. Sie schloss Menschen jüdischen Glaubens von allen Staatsämtern aus. Sachs bewarb sich erfolglos um Stellen als Religionslehrer und Prediger in Dresden und um eine Predigerstelle in Wien und konnte aber vertretungsweise eine kurzzeitige Leiterstelle an der Jüdischen Mädchenschule Berlin übernehmen. Der Vorstand sprach Sachs in einem Dankschreiben (vom 29. Juni 1835) das Bedauern aus, dass sie ihn bei seinen Kenntnissen nicht angemessen weiter beschäftigen konnten.
Im Herbst 1835 ersuchte er um eine Anstellung als Lehrer in Kassel. Trotz Empfehlungsschreiben von August Boeckh und dem Geheimen Oberregierungsrat Johannes Schulze blieben seine Bemühungen erfolglos.
Sachs, zu dieser Zeit in Berlin, war weiter auf Arbeitssuche und widmete sich der Fortführung seiner dichterischen und wissenschaftlichen Arbeiten und veröffentlichte erste Werke. Noch in seiner Studienzeit nahm er Kontakt mit dem von ihm hoch verehrten Orientalisten, Übersetzer und Dichter Friedrich Rückert (für die Übersetzung der Psalmen) auf und legte ihm seine Übersetzungsentwürfe vor. Rückert war sehr angetan von Sachs’ Arbeit und ein reger Schriftverkehr entstand. Eine Besonderheit ergab sich, denn den 86. Psalm in der Rückert-Übersetzung übernahm Sachs in Die Psalmen und widmete das Buch Friedrich Rückert, das dann 1835, im Verlag seiner Freundes (Moritz) Veit & Company, veröffentlicht wurde. Schon 1834 erschien in der Zeitschrift Theologische Studien und Kritiken, der Herausgeber Friedrich Wilhelm Carl Umbreit und des Heidelberger Theologieprofessors Carl Christian Ullmann, seine Abhandlung Zur Charakteristik und Erläuterung des Buches Hiob. Anfang 1836 bot Sachs der Londoner „Oriental Translation Committee“ zwei Werke zur Übersetzung an, (Seder haddoroth (Reihenfolge der Generationen) von Salomo ibn Verga und Seder Haddoroth (Stamm Juda)), doch das Angebot wurde abgelehnte.
Gleichzeitig beschäftigte sich Sachs, unter der Redaktion von Leopold Zunz, mit der deutschen Bibelübersetzung der Tora oder Pentateuch auch die Fünf Bücher Moses genannt. Die Zunz’sche Bibel (im Verlag von Moritz Veit) wurde weltbekannt und blieb fast ein Jahrhundert lang die Übersetzung für deutschsprachige Juden (17. Auflage im Jahre 1935).
Berufung nach Prag (1836–1844)
Die jüdische Tempel-Gemeinde zu Prag berief 1836 Michael als Rabbiner, Religionslehrer und Prediger. Sein erster Gottesdienst fand am 19. April 1837 statt. Mit rhetorischen Fähigkeiten in seinen deutschen Predigten ließ er die Zahl der Gottesdienstbesucher stark ansteigen und der Name Michael Sachs wurde zum ausgesprochenen Anziehungspunkt für die Prager Synagoge.
Sachs selbst zum Weg des Judentums:
Sachs heiratete am 2. Februar 1837 Henriette Lehfeldt (1816–1878), die Schwester seines Freundes, des Arztes und Geheimen Sanitätsrats Carl Lehfeldt (geboren 4. November 1811 in Breslau; gestorben 1. September 1891). Ihr verstorbener Vater, Immanuel (Emanuel) Nathan Lehfeldt (geboren 26. Dezember 1777 in Ratibor, gestorben 15. Februar 1833 in Breslau), der bis zu seiner zweiten Heirat 1811 Elkan Levy hieß, besaß in Sackrau bei Breslau ein Rittergut, das 1820 aus wirtschaftlichen Gründen verkauft werden musste.
Für Sachs war David Rosin (1823–1894) einer seiner ersten Prager Schüler. Er unterwies ihn in Griechisch und Latein, das wurde zum Grundstein für Rosin, klassische Philologie und Philosophie in Berlin und Breslau zu studieren (Promotion 1851). David brachte, nach dem Tod Sachs’, die Predigten, seines von ihm hoch geschätzten Lehrers, in zwei Bänden heraus. Ein weiterer Schüler war Adolf Jellinek, späterer Oberrabbiner in Wien.
Gemeinsame Arbeit mit Salomo Löb Rapaport und Samuel David Luzzatto
In Prag betrieb Michael Sachs nebenbei religiöse Privatstudien mit dem Talmudisten Saul Jonathan Löwy (1809–1849). Die Prager Jahre vertieften seinen Wunsch, sich nicht nur wissenschaftlich mit der Bibel zu beschäftigen, sondern sich auch dem Talmud und rabbinischen Schriften zu widmen. Hierfür fand er einen exzellenten Lehrer und Freund in Salomo Löb Rapaport der Mitte 1840 der Berufung zum Oberrabbiner in Prag folgte. Er war der Begründer der Wissenschaft des Judentums und hatte auch Leopold Zunz stark inspiriert. Die progressiven Gemeindevertreter erhofften sich mit der Berufung von Rapaport einen Aufschwung des jüdischen Geisteslebens. Im Zusammenwirken von Salomo Löb und Michael Sachs profitierten Rabbinats- und Lehramtskandidaten von talmudischen Vorträgen, Vorlesungen über die Psalmen und mit gemeinsamen Festgottesdiensten begeisterten sie auch die Gemeinde. Ihre Freundschaft vertiefte sich über das gemeinsame Studieren der traditionellen jüdischen Dialekte und der talmudischen Schriften und prägte Sachs’ religiöse Überzeugungen. Der neue Einfluss spiegelte sich in zwei Aufsätzen wider, die Sachs in der Zeitschrift Kerem Chemed (von Samuel David Luzzatto aus Padua und Rapaport) 1843 im 7. Band veröffentlicht wurden. Sie beschäftigten sich mit dem Verhältnis zwischen dem theokratischen Gemeinschaftsgesetz der Juden und des prophetischen Judentums und Studien über das Zeitalter Jochanan ben Sakkais. Es waren die einzigen Artikel, die Sachs in hebräischer Sprache herausgab.
In jener Zeit entwickelte sich eine Freundschaft, über Korrespondenzen auf hohem wissenschaftlichen Niveau, zwischen Sachs und Samuel David Luzzatto, der ihm wertvolle handschriftlich jüdische Manuskripte, Studien und Literatur zur Verfügung stellte, die in Sachs’ Werk Die religiöse Poesie der Juden in Spanien Ausdruck fanden. Beide waren an der Pflege dieser Literaturausrichtung interessierter.
Übersetzung der Gedichte der Midrasch-Literatur
Sachs verfasste noch im selben Jahr poetische Bearbeitungen von Gedichten der Midrasch-Literatur, die er selbst eine zu Unrecht vergessene Kunstgattung nannte und mit Kommentaren und verständlichen Einführungen die Bedeutung wieder ins Licht der Öffentlichkeit rückte. In drei Ausgaben des Wiener Jahrbuchs für Israeliten, unter dem Titel Zur Charakteristik des Judentums, seiner Lehre und seiner Lehrer, wurden die Artikel veröffentlicht. Diese dichterischen Bearbeitungen zeigten einen Wandel in Sachs’ Vorgehen, von der strengen Wort-für-Wort-Übersetzung hin zu teils künstlerischen Nachdichtungen.