An diesem Tag

Michael Praetorius

Deutscher Komponist und Musikschriftsteller

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Michael Praetorius (zeitgenössische Schreibweise auch Michaël Prætorius), latinisiert aus Michael Schulteis bzw. Michael Schultheis (* um 1571/72 in Creuzburg bei Eisenach; † 15. Februar 1621 in Wolfenbüttel), war ein deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister und Gelehrter im Übergang von der Renaissance- zur Barockzeit, der das dreiteilige Syntagma musicum schuf.

Kindheit und Schule ab 1571/72

Michael Praetorius war der in Thüringen geborene jüngste Sohn unter den sechs Kindern des streng lutherischen Pfarrers Michael Schulteis. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert und die bekannten Hinweise liefern ein widersprüchliches Bild. Ältere Nachschlagewerke von Johann Kaspar Wetzel (1721) und Johann Gottfried Walther (1732) geben zwar einhellig den Geburtstag als 15. Februar 1571 an, womit Praetorius an seinem 50. Geburtstag gestorben wäre. Doch dürfte es sich hierbei um eine Verwechslung handeln, denn dies widerspricht der Angabe aus einem seiner Leichenpredigt beigedruckten Gedicht, wonach er im 49. Lebensjahr gestorben sei (»cum jam ageret quadragesimum nonum aetatis annum«). Gestützt wird dies ferner durch ein Porträt aus dem Jahr 1606 mit der Unterschrift „Ao. aetat. XXXV“. Der Theologe Nathaniel J. Biebert publizierte 2020 die Hypothese, dass Praetorius aufgrund seines Vornamens am Michaelitag, also am 29. September 1571, getauft sein dürfte, und sein Geburtstag somit auf den 27. oder 28. September anzusetzen sei.

In Torgau besuchte Praetorius etwa 10 Jahre lang die Lateinschule, wo die musikalische Tradition Johann Walters fortlebte. Seinen Schulbesuch setzte er an der Lateinschule in Zerbst fort. Dort lebte er bei seiner Schwester und hatte vermutlich Orgelunterricht bei Thomas oder Lukas von Ende.

Im Jahr 1585 begann Praetorius – mit 13 oder 14 Jahren – das Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Dort lebten seine ältesten Brüder Andreas (geb. vor 1549) und Johannes (geb. 1552) als Pastoren. Andreas war Hofprediger des Kurfürsten von Brandenburg und Rektor der Universität.

Nach dem Tod beider Brüder wurde ihm von der Kirchenleitung eine Stelle als Organist an der Universitätskirche St. Marien angeboten. So konnte er seinen Lebensunterhalt etwa drei Jahre lang verdienen, bis er 1589/90 – ohne sein Studium abgeschlossen zu haben – aus unbekannten Gründen Frankfurt verließ.

Aufenthalt und Tätigkeit während der Jahre 1589–1594 sind bisher nicht geklärt, möglicherweise setzte er sein Studium in Helmstedt fort und hatte familiäre Anbindung zu seiner Schwester Brigitte, deren Mann Daniel Sachse seit 1591 Oberdomprediger in Halberstadt war.

Fest steht, dass Praetorius seit etwa 1594 bei Herzog Heinrich Julius (geb. 1564, Regent 1589–1613 im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel), Bischof von Halberstadt und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, als Kammerorganist angestellt war. Vermutlich hatte der Herzog von dem jungen, talentierten Organisten gehört und ihn bewogen, den Musikerberuf zu ergreifen und das Studium der Theologie aufzugeben. „Ich hätte wohl zu der Zeit, da ich ein Organist worden, ein großer Doktor werden können“ schreibt Praetorius später (Brief von September 1608, Deters 1971, S. 108). Als vielseitig gebildeter Hofbeamter hatte Praetorius mitunter auch Aufgaben eines Sekretärs zu übernehmen; der Überlieferung nach war er auch „Geheimer Kammersekretär“ der Herzogin Elisabeth.

Neben seiner Residenz in Wolfenbüttel hatte Heinrich Julius seinen Bischofssitz in Gröningen bei Halberstadt, den er zu einem prachtvollen Renaissanceschloss ausbauen ließ. In der Schlosskapelle hatte der Halberstädter Orgelbauer David Beck in den Jahren 1592–1596 eine prunkvolle Orgel mit 59 Registern errichtet. Als Kammerorganist hatte Praetorius den Bau dieses Instrumentes in allen Einzelheiten verfolgen können. Zur Einweihung der Gröninger Orgel – der drittgrößten im damaligen Deutschland – veranstaltete der Herzog ein Fest und lud dazu 53 Organisten aus ganz Deutschland zum Probespiel ein. Während des Festes hatte Praetorius Gelegenheit, berühmte Kollegen kennenzulernen, unter anderem Hans Leo Haßler aus Nürnberg und Hieronymus Praetorius aus Hamburg.

Hofkapellmeister unter Herzog Heinrich Julius ab 1604

Im Dezember 1604 wurde Praetorius als Nachfolger von Thomas Mancinus zum Hofkapellmeister ernannt und lebte fortan in Wolfenbüttel. Damit war Praetorius für die Hofkapelle mit ihren etwa 18 Sängern und Instrumentalisten verantwortlich und hatte für gottesdienstliche Musik in der Schlosskapelle sowie für Tafelmusik bei festlichen oder privaten Essen und Tanzmusik bei höfischen Festen zu sorgen. Diese und weitere Pflichten, auch einige Rechte, wurden in der Bestallungsurkunde festgelegt. Er hatte z. B. den Söhnen und Töchtern des Herzogs täglich Instrumentalunterricht zu erteilen. Die Bezahlung entsprach der eines höheren Hofbeamten: jährlich 100 Taler Gehalt, 10 Taler Holzgeld, freier Tisch bei Hofe, eine Sommer- und eine Winter-Hofkleidung, als Deputat jährlich einen Ochsen, zwei Schweine, vier Scheffel Roggen, vier Scheffel Gerste. Über seinen ersten Dienstherrn und Gönner schrieb er:

Als Hofkapellmeister blieb er weiterhin Kammerorganist.

In dieser Zeit unternahm Praetorius wiederholt Reisen, u. a. nach Bückeburg, Kassel, Regensburg und Prag, auch in diplomatischem Auftrag des Herzogs. Enge familiäre Verbindungen des Wolfenbütteler Hofes zum Kurfürstlichen Hof Dresden führten mehrfach zu Reisen dorthin.

Unmittelbar nach der Ernennung zum Hofkapellmeister veröffentlichte Praetorius seine ersten Werksammlungen, die Motectae et Psalmi Latini (1605/07) und die Musae Sioniae I (1605), vermutlich entstanden während der Jahre als Kammerorganist. Die Kunst des Komponierens hat Praetorius wohl als Autodidakt erworben.

Seit 1603 war er mit Anna Lakemacher aus Halberstadt verheiratet und hatte zwei Söhne: Michael (* 1604) und Ernst (* 1606). 1605 erwarb er ein Haus am Kornmarkt in Wolfenbüttel, 1612 konnte er ein stattliches Wohnhaus am Großen Zimmerhof bauen lassen.

Hofkapellmeister unter Herzog Friedrich Ulrich 1613–1621

Nach dem Tod von Herzog Heinrich Julius im Jahre 1613 schwieg die Musik in Wolfenbüttel wegen des Trauerjahres und Praetorius wurde an den Kurfürstlichen Hof in Dresden beurlaubt. Danach wohnte und arbeitete er wieder in Wolfenbüttel, blieb aber als „Capellmeister von Haus aus“ dem Dresdner Hof verbunden, d. h., er blieb in seiner Wolfenbütteler Bestallung und reiste gelegentlich zu Aufführungen bei festlichen Gelegenheiten nach Dresden. In gleicher Funktion wirkte er ab 1616 auch am Erzbischöflich-Magdeburgischen Hof in Halle/Saale.

Als Komponist leitete er zahlreiche Festmusiken zu unterschiedlichen Anlässen:

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