Michael Hesemann (* 22. März 1964 in Düsseldorf) ist ein deutscher Autor und Journalist. Er publizierte zunächst über UFOs und paranormale und pseudowissenschaftliche Themen. Seit 1997 schreibt er hauptsächlich populärwissenschaftliche Bücher zu christlichen sowie zeit- und kirchengeschichtlichen Themen. Hesemann vertritt dabei dezidiert konservativ-traditionelle römisch-katholische Ansichten.
Hesemann verbrachte seine Kindheit und Jugend in Neuss. Als er um die 14 Jahre alt war, hatte sein Vater nach eigenen Angaben eine UFO-Sichtung. Dies bezeichnete Hesemann 2008 rückblickend als prägend für seine eigene Entscheidung, UFO-Forscher zu werden. Auf das Abitur 1983 am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium folgten Studien der Geschichte, Kulturanthropologie, Literaturwissenschaften und Journalistik an der Universität Göttingen.
Wirken als Journalist und Autor
Bekannt wurde Hesemann durch Veröffentlichungen zu verschiedenen Themen der Pseudowissenschaften, unter anderem über Prophezeiungen, UFO-Forschung, Kornkreise. Von 1984 bis 2000 war er Chefredakteur der Zeitschrift Magazin 2000, die sich paranormalen Themen widmete. Hesemann produzierte Videos mit Titeln wie „UFOs – die Beweise“ und schrieb zahlreiche Bücher zum Thema. Er hielt dazu Vorträge und lud zu Tagungen über außerirdische Erscheinungen ein, unter anderem mit Ingrid Schlotterbeck zur „UFO-Weltkonferenz“ 1995 in Düsseldorf. Er gehörte zum festen Autorenkreis des in den USA erscheinenden International UFO Library Magazine, wo er etwa in der Jahresausgabe 1993 über „Contacts and Abductions“ (Kontakte mit und Entführungen durch Aliens) schrieb. In dieser Funktion trat er in Rundfunk- und Fernsehsendungen auf. Beim UFO-Weltkongress in Zagreb 1993 berichtete er als Kulturanthropologe von Stasi-Akten über UFOs.
Mitte der 1990er Jahre lernte Hesemann bei einer Fernsehdiskussion über das sogenannte Alien-Autopsy-Video den Geistlichen Monsignore Corrado Balducci kennen (ein hochrangiges Mitglied des Vatikans, Experte für Dämonologie und vormaliger Exorzist von Papst Paul VI.), zu dem Hesemann eine Freundschaft entwickelte. 1997 veröffentlichte Hesemann ein Medienaufmerksamkeit erregendes Interview mit Balducci, in dem jener die Auffassung vertrat, dass UFOs und Begegnungen mit Außerirdischen real seien und nicht im Widerspruch zur katholischen Lehrmeinung stünden. Seit 1997 publiziert Hesemann hauptsächlich über christliche Themen und schrieb neben seinen Büchern Artikel für Die Welt, die katholische Wochenzeitung Die Tagespost oder für Kath.net. Seit 1999 ist er als Journalist beim Pressesaal des Heiligen Stuhls akkreditiert.
Einige seiner Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Für Veröffentlichungen wie Der erste Papst. Archäologen auf der Spur des historischen Petrus (2003), Paulus von Tarsus. Archäologen auf den Spuren des Völkerapostels (2008), oder Jesus von Nazareth (2009) machte er ausgedehnte Reisen und nahm selbst an Ausgrabungen teil. Die von Hesemann aufgezeichneten Erinnerungen Georg Ratzingers Mein Bruder, der Papst (2011) wurden in 12 Sprachen übersetzt. Mit Arturo Mari, dem Fotografen von Papst Johannes Paul II., verfasste er die Biografie Johannes Paul II. Erbe und Charisma. 2015 veröffentlichte er das Buch Völkermord an den Armeniern zum gleichnamigen Thema, mit Dokumenten aus dem Vatikanarchiv aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Für sein Buch Der Papst und der Holocaust über Papst Pius XII. und dessen Rolle in Bezug auf den Holocaust, das 2018 erschien, forschte er ebenfalls in den Archiven des Vatikans. Für sein Buch Papst Franziskus: Das Vermächtnis Benedikt XVI. und die Zukunft der Kirche interviewte er unter anderem die Schwester des Papstes, Maria Elena Bergoglio, sowie Freunde und Vertraute des Papstes wie Abraham Skorka und Pater Guillermo Marcó. Weitere Bücher Hesemanns beschäftigen sich beispielsweise mit den Trägern der Wundmale Christi, den Geheimnissen von Fatima, dem Turiner Grabtuch, dem Schweißtuch der Veronika sowie dem Nationalsozialismus.
Als Autor und Historiker wirkte er bei verschiedenen Dokumentarfilmen mit. In fünf Folgen der US-amerikanischen Serie In Search of Holy Treasure (2010) war Hesemann einer der Experten, die sich mit der Untersuchung der Gültigkeit christlicher Reliquien beschäftigten. In der ZDF-Dokumentation Die Suche nach dem Heiligen Kreuz (2013) aus der Reihe Mythen-Jäger ging er der Frage nach der Echtheit der Reliquie des Kreuzestitulus aus der Kirche Santa Croce in Rom nach. Eine weitere ZDF-Produktion war der Dokumentarfilm Der heilige Gral (2020) aus der Reihe Mythos: Die größten Rätsel der Geschichte. Der Film Das dritte Geheimnis von Fatima von Bruce Burgess wurde 2021 vom ORF gesendet. Zudem begleitete er Werner Boote auf dessen Suche nach dem Heiligen Gral für die ORF-Dokumentation Parsifal – Indiana Jones und Richard Wagner (2004), die anlässlich der Neuproduktion der Oper Parsifal an der Wiener Staatsoper entstand.
Als Gast und Referent war Hesemann in den Sendern Vatican News, EWTN, K-TV, Bibel TV, Kirche in Not, Radio Horeb oder im Gespräch mit dem rechtskonservativen Journalisten Martin Lohmann zu hören. 2013 war er einer der Gäste in Frank Elstners Talkshow Menschen der Woche.
Nationale und internationale Vortragstätigkeiten führten ihn zum Beispiel an die Armenische Nationale Akademie der Wissenschaften, die Hochschule Heiligenkreuz, die Gustav-Siewerth-Akademie, das Einstein Forum in Potsdam, die Universität Bielefeld oder zum Politischen Bildungsforum Rheinland-Pfalz der Konrad-Adenauer-Stiftung. Als Redner wirkte er unter anderem 2013 bei einer Konferenz über Religionsfreiheit im Europäischen Parlament, organisiert von László Surján; im selben Jahr sprach er anlässlich der Gedenkfeier des Zentralrates der Armenier in Deutschland in der Frankfurter Paulskirche. 2020 hielt er eine Rede auf der Gedenkveranstaltung zum Holocaust im UNO-Hauptquartier, auf Einladung des Vertreters des Heiligen Stuhls an den Vereinten Nationen, Erzbischof Gabriele Caccia.
Hesemann erhielt Audienzen bei den Päpsten Johannes Paul II., Benedikt XVI, zu dem er auch nach dessen Rücktritt im Jahr 2013 und bis zu dessen Tod Kontakt hatte. Gemeinsam mit Erzbischof Georg Gänswein organisierte er ein Konzert für den emeritierten Papst Benedikt und Georg Ratzinger zu dessen 90. Geburtstag. Im Rahmen einer Begegnung mit Papst Franziskus überreichte er dem Papst eines seiner Bücher.
Hesemann ist Gründungsmitglied der Initiative Deutschland pro Papa, die sich für die Papsttreue der Katholiken einsetzt. Er vertritt die konservative Lehre der römisch-katholischen Kirche und wendet sich vehement gegen den Synodalen Weg in Deutschland und Reformbestrebungen innerhalb der katholischen Kirche (Frauenweihe, Abschaffung des Zölibates, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Kommunion für Protestanten).
Im Februar 2021 solidarisierte er sich in einem offenen Brief mit dem wegen der schleppenden Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln in die Kritik geratenen Kardinal Woelki. 2022 gründete er den Verein „Deutschland dankt Maria“, der seitdem jährlich im Oktober in Berlin eine Prozession zu Ehren der Gottesmutter von Fatima veranstaltet. Die Aktion wurde durch den bisherigen Apostolischen Nuntius Erzbischof Nikola Eterović unterstützt.
Auf der „UFO-Weltkonferenz“ 1995 in Düsseldorf präsentierte Hesemann vermeintliche Video-Beweise für die sogenannte „Alien Autopsy“, auch „Santilli-Film“ genannt, eine gefälschte Filmdokumentation zur vorgeblichen Obduktion eines Außerirdischen, der 1947 mit einem UFO bei Roswell abgestürzt sei. 2000 bezeichnete Der Spiegel Hesemann im Kontext seiner Thesen über das Turiner Grabtuch als einen „umstrittene[n] Autor populärwissenschaftlicher Werke“.
Im Archiv der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima in Rom stieß Hesemann nach eigenen Angaben auf ein Dokument, das belege, dass die Deportation römischer Juden durch die SS am 16. Oktober 1943 auf Intervention von Papst Pius XII. hin gestoppt und die rund 7000 geretteten Juden daraufhin in römischen Klöstern und in Einrichtungen des Vatikans versteckt wurden. Im Vatikanischen Archiv meinte er Belege für eine frühe Verbindung des späteren Papstes zum Zionismus zu sehen, die zeigen, dass sich der Vatikan in den Wochen nach den Novemberpogromen 1938 vergeblich um Visa für 200.000 deutsche Juden bemüht habe, um ihnen die Ausreise nach Südamerika zu ermöglichen. Jörg Ernesti schrieb in seiner Besprechung von Hesemanns Buch zu Papst Pius XII. und dessen Rolle im Holocaust in der FAZ, Hesemann habe allseits bekannte Tatsachen „mit bemerkenswerter Einseitigkeit dargestellt.“ Er könne einen großen Teil seiner Quellen nicht nachweisen und verwende Quellen, die bereits bekannt seien. So gelange Hesemann zu einer Darstellung, die weder ausgewogen noch differenziert, stattdessen durchweg durch eine apologetische Tendenz geprägt sei.