An diesem Tag

Michael Heltau

Deutscher Schauspieler und Chansonnier

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Michael Heltau, eigentlich Michael Heribert Huber (* 5. Juli 1933 in Ingolstadt), ist ein deutsch-österreichischer Schauspieler, Rezitator und Chansonnier. In Deutschland geboren, besitzt er seit 1968 die österreichische Staatsbürgerschaft.

Michael Huber, geboren in Ingolstadt in Bayern, kam als Kind nach Österreich ins Salzkammergut, wo er die Schule besuchte. Seine Schauspielausbildung absolvierte er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Danach debütierte er in Würzburg, von wo ihn Fritz Kortner an das Münchner Residenztheater holte. Als weitere Stationen folgten 1952 das Theater in der Josefstadt und das Volkstheater in Wien, das Schillertheater und das Theater am Kurfürstendamm in Berlin, das Hamburger Schauspielhaus und das Hamburger Thalia Theater. Von 1958 bis 1961 gastierte er bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und seit 1964 regelmäßig bei den Salzburger Festspielen, wo er anfangs den Guten Gesellen im Jedermann neben Walther Reyer verkörperte.

Im Jahr 1963 erfolgte Michael Heltaus großer Durchbruch als Troilus in William Shakespeares Troilus und Cressida am Wiener Volkstheater und unmittelbar darauf am Hamburger Schauspielhaus in der Inszenierung von Oscar Fritz Schuh mit Ruth Niehaus als Cressida. 1965 spielte er unter der Regie von Giorgio Strehler den Bassa Selim in der rasch legendär gewordenen Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail für die Salzburger Festspiele (Bühnenbild und Kostüme: Luciano Damiani, Dirigent Zubin Mehta; mit Anneliese Rothenberger, Fritz Wunderlich u. a.), die mit Heltau bis 1974 gezeigt wurde. Zum ersten Mal trat durch Heltau und Strehler diese bis dato vernachlässigte Rolle in den Vordergrund. Der Schauspieler und der Regisseur arbeiteten später noch einige Male zusammen, sowohl bei den Festspielen (Heltau als Heinrich VI. in Das Spiel der Mächtigen nach William Shakespeare in der Felsenreitschule) als auch am Wiener Burgtheater (1974 Trilogie der Sommerfrische von Carlo Goldoni; 1975 Das Spiel der Mächtigen; 1994 Die Riesen vom Berge von Luigi Pirandello) und am Pariser Théâtre du Châtelet (Mackie Messer in der französischsprachigen Version von Die Dreigroschenoper, 1986/87).

Insbesondere das Wiener Burgtheater war seit den 1970er Jahren eng mit Heltaus Namen verknüpft, da er dort jahrzehntelang immer wieder große Erfolge feierte. Daneben spielte er im Laufe seiner Karriere an vielen weiteren Bühnen in Deutschland und Österreich. Auch mit literarischen Soloprogrammen war er immer wieder zu hören und nahm auch Hörbücher auf. Neben der Bühne spielte er in mehreren Filmen, aber seine Leidenschaft galt immer dem Auftritt auf der Bühne.

Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit trat Michael Heltau als Sänger auf. Viele seiner musikalischen Programme wurden im Fernsehen übertragen und auf Tonträgern veröffentlicht. Zu seinem Repertoire gehörten unter anderem deutschsprachige Fassungen der Chansons von Jacques Brel, Charles Aznavour und Charles Trenet. Brel übertrug ihm die Exklusivrechte für die deutschsprachige Interpretation seiner Chansons, die zunächst Werner Schneyder und später Loek Huisman für Heltau ins Deutsche übersetzten. Neben seinen Interpretationen französischsprachiger Werke sang er Lieder aus Operetten und Musicals und galt als bedeutender Wienerlied-Interpret.

Im Juni 2014 sprach Heltau im Alter von fast 81 Jahren in einem Interview mit dem ORF zum ersten Mal öffentlich über seine Homosexualität. Er lebte seit seinem 20. Lebensjahr bis zu dessen Tod mit dem niederländischen Schauspieler, Regisseur, Autor und Übersetzer Loek Huisman zusammen. Huisman starb am 29. Dezember 2017 im Alter von 91 Jahren. Im Frühjahr 2018 erklärte Heltau mit 84 Jahren seinen Abschied von der Bühne und bekräftigte diesen Entschluss bei der Präsentation der CD und DVD seines letzten Soloprogramms, Einen blauen Ballon möcht’ ich haben! am Wiener Burgtheater.

Heltau lebt in einem Haus mit großem Garten im ländlich geprägten Wiener Stadtteil Salmannsdorf im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling.

Heltau spielte nahezu alle Rollen seines jeweiligen Faches. Er war Orlando in Shakespeares Wie es euch gefällt, verkörperte die Hauptrolle in Friedrich Schillers Don Karlos und den Tellheim in Minna von Barnhelm im Theater in der Josefstadt, den Hamlet und Romeo am Wiener Volkstheater (Regie: Gustav Manker). Dort bekam er 1973 den Karl-Skraup-Preis für die Darstellung des Dr. Jura in Hermann Bahrs Das Konzert.

Am Wiener Burgtheater der 1970er und 1980er Jahre war Heltau einer der prägendsten Protagonisten, spielte Arthur Schnitzlers Anatol, Theodor in Liebelei, Sala in Der einsame Weg, Kari Bühl in Hofmannsthals Der Schwierige, Harold Pinters Lenny in Heimkehr und den Tristan Tzara in Tom Stoppards Travesties. Schillers Wallenstein gab er unter der Regie von Manfred Wekwerth. In Richard II. von Shakespeare spielte Heltau unter der Regie des damaligen Burg-Direktors Gerhard Klingenberg. In der Inszenierung von Peter Wood war Heltau 1981 der Mozart in Peter Shaffers Amadeus, 1988 bis 1999 sah man ihn in Maxim Gorkis Kinder der Sonne unter der Regie des scheidenden Burg-Direktors Achim Benning, in Cesare Lievis Inszenierung von Pirandellos Heinrich IV. spielte er die Titelrolle. Seine letzte Rolle am Burgtheater (Akademietheater) war der Mann in Edward Albees Spiel ums Baby, 1999.

Am Theater an der Wien war Heltau der Bluntschli in dem Udo-Jürgens-Musical Helden, Helden (nach George Bernard Shaw). Dafür wurde ihm die Kainz-Medaille verliehen. Außerdem profilierte er sich damals auf Schallplatten und in eigenen Showabenden als deutschsprachiger Interpret der Chansons von Jacques Brel (in der Übertragung von Werner Schneyder und Loek Huisman); Brel hatte Heltau persönlich das Recht übertragen, seine Werke im deutschen Sprachraum vorzutragen.

Außerdem war Heltau in zahlreichen TV-Shows zu sehen, insbesondere als Moderator im Liedercircus für das ZDF. Weitere musikalische Bühnenprogramme waren Auf d’Nacht, Herr Direktor, Aber jetzt, Herr Direktor, Meine Leute, Classical, Meine Zeit, Statt zu spielen, Noch einmal, Herr Direktor, Operette sich wer kann und Einen blauen Ballon möcht’ ich haben!

Im Jahr 1964 entstand die erste von Heltaus vielen Schallplatten-Aufnahmen: Goethes Die Leiden des jungen Werther. Beim Kulturfest Weimar war er erstmals 1990 mit seinem Goethe-Programm im Goethe-Theater Bad Lauchstädt und im Goethe-Haus am Frauenplan zu Gast. In der Folge wurde er Mitglied des Kuratoriums dieser Festspiele.

Im Jahr 1993 konnte Michael Heltau einen großen Erfolg bei Publikum und Presse als Professor Higgins in Frederick Loewes My Fair Lady an der Wiener Volksoper verbuchen und gastierte in dieser Rolle auch im Berliner Metropoltheater. Ebenfalls an der Volksoper war er der Honoré Lachailles in Loewes Gigi.

Am Theater an der Wien studierte Heltau auf Wunsch von Riccardo Muti die Strehler-Inszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro neu ein, die später auch beim Festival in Ravenna zu sehen war.

Heltau war auch als Filmschauspieler tätig, so hatte er 1954 eine Nebenrolle in Schloß Hubertus nach einem Roman von Ludwig Ganghofer, spielte 1955 mit Hans Albers und Romy Schneider in Der letzte Mann und 1973 unter der Regie von Otto Schenk mit Maria Schneider in Reigen. Daneben nahm er Hörbücher auf, unter anderem Werke von Joseph Roth.

1954: Franz Grillparzer: Ein treuer Diener seines Herrn

1961: Karl Kraus: Traumtheater

1964: Arthur Schnitzler: Lebendige Stunden

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