Michael Grant CBE (* 21. November 1914 in London; † 4. Oktober 2004 ebenda) war ein englischer Altphilologe und Althistoriker.
Der Sohn eines britischen Offiziers des Burenkriegs studierte ab 1933 Alte Sprachen und Geschichte am Trinity College in Cambridge, wo er 1938 auch seine erste Stelle bekam. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Militär, wo er unter anderem gemeinsam mit David Niven eine Offizierslaufbahn einschlug.
Gegen Ende des Kriegs trat er eine Stelle als Dozent an der Universität von Ankara an, kehrte aber bald nach Cambridge zurück. Kurz darauf führte ihn ein Ruf an die Universität von Edinburgh als Professor für Lateinische Philologie. Von Schottland zog es Grant 1956 in den Sudan, wo er für zwei Jahre Vize-Kanzler an der Universität Khartum wurde. Die nächste Station in seiner Karriere führte ihn, ebenfalls in der Funktion eines Vize-Kanzlers, an die Universität von Belfast. Doch auch Irland vermochte ihn nicht lange zu halten. 1966 siedelte Grant mit seiner Familie nach Italien über und arbeitete für die folgenden Jahre als freischaffender Autor. Von 1963 bis 1966 war er zudem Präsident der Virgil Society und von 1978 bis 1979 Präsident der Classical Association.
Obwohl Grant – ein ausgewiesener Numismatiker und klassischer Philologe – vor allem als Althistoriker tätig war, erreichte er ein breites Publikum durch seine populärwissenschaftlichen Sachbücher, die zu auflagenstarken Bestsellern wurden. Sein Ziel dabei war immer, die Antike so vereinfacht darzustellen, dass auch Leser ohne Latein- und Griechischkenntnisse dem Geschehen problemlos folgen könnten. Dabei befasste er sich ebenso mit Überblicksdarstellungen (Die römischen Kaiser) wie Biographien (zum Beispiel von Caesar, Herodes, Kleopatra VII. und Nero) und ebenso mit Themen und Personen aus der römisch-griechischen Antike wie mit dem Heiligen Land, den Etruskern oder dem Frühmittelalter. Sein Buch über die Gladiatoren wurde über dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung 1970 aufgrund des Kinofilms Gladiator von Ridley Scott erneut mit großem Erfolg aufgelegt.
Der Verleger Walter Annenberg regte an, dass Grant 1976 für sein Buch Der Untergang des Römischen Reiches Vergleiche zwischen dessen Untergang und Entwicklungstendenzen des 20. Jahrhunderts anstellte. So kam Grant unter anderem zu dem Schluss, dass analog zur Spaltung zwischen Ostrom und Westrom ein Bruch zwischen Amerika und Westeuropa den Untergang des schwächeren Bündnispartners, also Westeuropas, zur Folge haben würde.
1994 erschien Michael Grants Autobiographie unter dem Titel My first eighty years. Für seine Verdienste um die Wissenschaft und Lehre war er bereits 1946 zum OBE und 1958 zum CBE ernannt worden.
Aus Sicht der meisten Fachwissenschaftler bewegen sich Grants Arbeiten, die vielfach unkritisch die antiken Quellen nacherzählen, allerdings nicht nur aus heutiger Sicht nicht auf dem Stand der Forschung – entscheidende methodische Entwicklungen des Faches seit den 1970er Jahren hat Grant nicht mehr nachvollzogen, so dass der Wert zumal seines wissenschaftlichen Spätwerkes heute oft sehr skeptisch betrachtet wird. Dies gilt noch mehr für seine populärwissenschaftlichen Darstellungen, die sich oft auch in Sachfragen bereits zur Zeit ihrer Entstehung nicht mehr auf dem Forschungsstand befanden.
From Imperium to Auctoritas: A Historical Study of Aes Coinage in the Roman Empire, 49 B.C.–A.D. 14. Cambridge University Press, Cambridge 1946.
Aspects of the Principate of Tiberius. Historical Comments on the Colonial Coinage Issued Outside Spain (= Numismatic notes and monographs. Band 116). American Numismatic Society, New York 1950.
Roman Anniversary Issues. An Exploratory Study of the Numismatic and Medallic Commemoration of Anniversary Years, 49 B.C. – A.D. 375. Cambridge University Press, Cambridge 1950.
The Six Main Aes Coinages of Augustus. Controversial Studies. Edinburgh University Press, Edinburgh 1953.
Roman imperial money. Nelson, London 1954.
Roman History from Coins. Some uses of the imperial coinage to the historian. Cambridge University Press, Cambridge 1958.
Myths of the Greeks and Romans. Weidenfeld & Nicolson, London 1962.
Deutsch: Mythen der Griechen und Römer. Kindler, Zürich 1964.
The Birth of western civilization: Greece and Rome. Mcgraw-Hill, New York 1964
Deutsch: Annemarie Weber (Übers.): Die Welt der Antike. Kulturgeschichte Griechenlands und Roms. Droemer Knaur, München 1964
Gladiators. Weidenfeld & Nicolson, London 1967