Michael Mackintosh Foot (Pseudonyme Cato und Cassius; * 23. Juli 1913 in Plymouth, Devon; † 3. März 2010 in London) war ein britischer Politiker. Er war von 1980 bis 1983 Vorsitzender der Labour Party. Foot zählte neben Harold Wilson, James Callaghan und Tony Benn zum politischen „Urgestein“ von „Old Labour“.
Foot war der vierte Sohn von Eva (geb. Mackintosh, starb 1946) und Isaac Foot (1880–1960). Er ist der jüngere Bruder des Rechtsanwalts Sir Dingle Foot, des liberalen Politikers John Foot, Lord Foot und des ehemaligen Gouverneurs von Zypern Hugh Foot, des späteren Lord Caradon, dessen späterer Sohn der Journalist Paul Foot war.
Er besuchte eine Internatsschule der Quäker, später das Wadham College in Oxford, wo er Philosophie und politische Wissenschaften studierte. 1933 wurde er Präsident des studentischen Clubs Debattier-Union. Isaac war ein Jurist und Gründer der Anwaltskanzlei Foot und Bowden in Plymouth. Isaac Foot war ein aktives Mitglied der Liberal Party und Abgeordneter des Unterhauses für den Wahlkreis Bodmin in Cornwall von 1922 bis 1924 und von 1929 bis 1935 und Oberbürgermeister von Plymouth.
An der Universität noch Liberaler, trat Michael Foot kurz nach seinem Examen 1934 der Labour Party bei. Im Alter von 22 Jahren stellte er sich 1935 bereits den Parlamentswahlen in Monmouth in Wales. Er wurde Journalist, arbeitete kurz für den New Statesman, bevor er zur linkssozialistischen Wochenzeitung Tribune wechselte, die Anfang 1937 zur Unterstützung der Einheitskampagne aufgebaut wurde – ein Versuch, eine antifaschistische Einheitsfront zwischen Labour und den Parteien links von ihr zu sichern. Mitglieder der Kampagne waren Sir Stafford Cripps Labour-verbündete Socialist League, die Independent Labour Party und die Communist Party of Great Britain. Foot trat 1938 zurück, als der erste Herausgeber der Zeitschrift, William Mellor, gefeuert wurde, weil er sich weigerte, die neue Politik der Kommunistischen Partei der Unterstützung einer Volksfront mit nichtsozialistischen Parteien gegen Faschismus und Appeasement zu unterstützen.
Durch die Empfehlung von Aneurin Bevan wurde Foot vom rechtsnationalen Zeitungszar Lord Beaverbrook als Journalist bei dessen Evening Standard angestellt. Es wird behauptet, Bevan hätte Beaverbrook am Telefon gesagt: „Ich habe hier einen blutjungen fahrenden Ritter. Sie warfen seinen Boss ’raus, woraufhin er zurücktrat. Schau’ ihn Dir an.“ 1940 gaben Foot unter seinem Pseudonym „Cato“ und zwei andere Beaverbrook-Journalisten – Frank Owen, Herausgeber des Standard und Peter Howard vom Daily Express – das Buch Guilty Men („Schuldige Männer“) in Victor Gollancz' Left Book Club heraus, in dem die Appeasementpolitik von Neville Chamberlain und anderer Politiker angegriffen wurde und das ein Bestseller wurde.
Beaverbrook machte Foot dann 1942 im Alter von 28 Jahren zum Herausgeber des Evening Standard. Foot verließ bereits 1945 den Evening Standard, um als Kolumnist zum Daily Herald zu wechseln, der damals gemeinsam vom Trades Union Congress und Odhams Press betrieben wurde und eigentlich die offizielle Zeitung der Labour Party war.
Bei den Parlamentswahlen 1945 trat er im Wahlkreis Plymouth Devonport an. Erstmals gewann er in diesem Wahlkreis für Labour einen Sitz im britischen Unterhaus, den er bis zu seiner überraschenden Niederlage 1955 gegen Joan Vickers behielt. Von 1948 bis 1952 kehrte er als Herausgeber der Tribune zurück – eine Funktion, die er noch einmal von 1955 bis 1960 übernahm. Bis 1957 war er der prominenteste Verbündete von Aneurin Bevan, der Cripps Platz als Chef der Linken bei Labour eingenommen hatte, obwohl Foot und Bevan durchfielen, als Bevan einseitige atomare Abrüstung beim Parteitag der Labour Party 1957 forderte.
Vor dem Beginn des Kalten Krieges in den 1940er Jahren war Foot von einem Dritten Weg in der Außenpolitik für Europa überzeugt; er war 1947 zusammen mit Richard Crossman und Ian Mikardo Autor des Pamphlets Keep Left („Bleib links“). Angesichts der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn und der Tschechoslowakei nahmen Foot und die Tribune eine streng antikommunistische Position ein, gelegentlich die NATO einschließend.
Dennoch stand er dem westlichen Umgang mit dem Koreakrieg ablehnend gegenüber, war ein Gegner der westdeutschen Wiederbewaffnung Anfang der 1950er Jahre und war ein Gründungsmitglied der Kampagne für atomare Abrüstung. Während seiner Herausgeberschaft war die Tribune eine Gegnerin des Suezabenteuers der britischen Regierung und der sowjetischen Intervention in Ungarn 1956. Seine scharfen Angriffe auf Charles de Gaulle in seinen Essays brachten ihm ein dreijähriges Einreiseverbot nach Frankreich ein. 1960 kehrte Foot bei der Nachwahl für Ebbw Vale in Monmouthshire in das Unterhaus zurück, dessen Sitz nach Bevans Tod vakant war.
Harold Wilson – über ihn hatte Foot eine Biographie geschrieben, die 1964 bei Robert Maxwells „Pergamon Press“ veröffentlicht wurde – bot Foot einen Platz in seinem ersten Kabinett an, doch Foot lehnte ab. Stattdessen wurde er Kopf des linken Flügels von Labours Hinterbänklern, das Unterhaus mit seiner Rhetorik aufwühlend. Er trat gegen das Vorhaben der Regierung ein, die Immigration nach Großbritannien zu erschweren, der EWG beizutreten, die Gewerkschaften zu reformieren, gegen den Vietnamkrieg und die einseitige Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens, verurteilte die sowjetische Unterdrückung eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ in der Tschechoslowakei 1968. Er verbündete sich mit dem Tory-Rechtsaußen Enoch Powell bei dem Versuch, den Regierungsplan zur Abschaffung des Wahlrechts des Erbadels im Oberhaus und zur Einführung eines Oberhauses ausschließlich bestehend aus zu lebenslangen Peers erhobenen zu torpedieren – „einem Serail von Eunuchen“, wie Foot es nannte.
1970 wendete sich Labour stärker nach links und Wilson arrangierte sich mit Foot. Als Labour 1974 erneut an die Regierung kam, wurde er Arbeitsminister im Kabinett Wilson, hob die gewerkschaftsfeindlichen Gesetze der Regierung Edward Heath wieder auf und spielte die Hauptrolle bei den Bemühungen der Regierung, die Gewerkschaften an ihrer Seite zu behalten. Foot war einer der wortgewaltigsten Gegner des britischen EWG-Beitritts beim Referendum 1975. Als Wilson 1976 zurücktrat, beanspruchte Foot den Parteivorsitz, unterlag dabei jedoch James Callaghan. Er gehörte bis 1978 weiterhin dem Kabinett als Minister für parlamentarische Angelegenheiten an. Kurz nach seiner Niederlage gegen Callaghan wurde er zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt, übernahm die Rolle des Fraktionsvorsitzenden und Sprechers des Unterhauses, was ihm die unvermeidbare Aufgabe zuwies, das politische Überleben der Callaghan Regierung zu sichern, als deren Mehrheit sich auflöste. Von 1976 bis 1979 fungierte er außerdem als Lordpräsident des Geheimen Staatsrats.
Foot als Vorsitzender der Labour Party
Nach der Wahlniederlage Labours gegen Margaret Thatcher 1979 wurde Foot 1980 zum Parteivorsitzenden gewählt, wobei er Denis Healey im zweiten Wahlgang schlug (die letzte Wahl, bei der nur Labour-Fraktionsmitglieder abstimmten). Foot präsentierte sich als Kompromisskandidat, fähig, die Partei – anders als Healey – zu einen, die zwischen den Basis-Linken um Tony Benn und den Parteirechten um Callaghan zerrissen war. Die Anhänger Benns verlangten nach Rache für den Betrug, den sie der Callaghan-Regierung vorwarfen, und forderten die Ablösung der Labour-Abgeordneten, die Callaghan unterstützt hatten, durch Angehörige der Parteilinken, die einseitige atomare Abrüstungsschritte, Rückzug aus der EWG und weitgehende Verstaatlichungen befürworteten. Benn kandidierte nicht für den Parteivorsitz, während die beiden anderen Kandidaten – John Silkin, wie Foot ein „Tribune“-Mitarbeiter, und Peter Shore, ein Vertreter des gemäßigten Flügels und erklärte Kritiker des EWG-Beitritts – bereits im ersten Wahlgang ausschieden.
Als Foot Parteivorsitzender wurde, war er bereits 66 Jahre alt und von angegriffener Gesundheit. Als entschlossener Atomwaffengegner trat er für Abrüstung ein, für die Neuverhandlung der EG-Verträge und im Gegensatz zur Thatcher, die durch ihre Privatisierungspolitik die Zahl der Arbeitslosen binnen kurzem verdoppelte, für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch weitere Verstaatlichungen. Unmittelbar nach seiner Wahl sah er sich einer massiven Krise gegenüber, der Gründung der Social Democratic Party durch vier prominente Parteirechte (die sogenannte „Viererbande“): Roy Jenkins, Shirley Williams, David Owen und William Rodgers. Die SDP gewann die Unterstützung großer Teile der Medien und mehr als ein Jahr erweckten die Umfragewerte den Eindruck, dass die SDP die einstige Rolle von Labour übernehmen und die Unterhauswahlen gewinnen könnte.