Michael Ballweg (* 23. November 1974 in Wertheim) ist ein deutscher Unternehmer aus Stuttgart. Er organisierte ab März 2020 Proteste gegen Schutzmaßnahmen zur COVID-19-Pandemie in Deutschland, zuerst in Stuttgart, dann auch in Berlin und anderen deutschen Städten. Dazu gründete er im April 2020 die Gruppe Querdenken 711 und vernetzte sie bundesweit mit gleichartigen Initiativen. Er rief die Protestszene zu einer Verfassungsgebenden Versammlung auf und hat Kontakte zur deutschen Reichsbürgerbewegung.
Im Juni 2022 nahm die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ballweg wegen des Verdachts auf versuchten Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Querdenken 711 fest und erhob im März 2023 Anklage gegen ihn. Im April 2023 wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Ende Juli 2025 sprach das Landgericht Stuttgart Ballweg vom Vorwurf des Betruges frei und gewährte ihm Schadensersatz für Durchsuchung und Untersuchungshaft. Wegen Steuerhinterziehung in geringem Umfang wurde eine Verwarnung mit Strafvorbehalt ausgesprochen.
Seit Ende 2025 lebt Ballweg in El Salvador.
Ballweg absolvierte an der Berufsakademie in Stuttgart ein Studium zum Diplom-Betriebswirt und gründete um 2001 die Softwarefirma Media Access GmbH. Mit deren Software konnten Unternehmen hochspezialisierte Fachkräfte im Ruhestand für bestimmte Projekte finden. Zum Kundenkreis zählten die Baden-Württembergische Bank, EnBW, Stadt Hamburg, HUK-Coburg, Robert Bosch GmbH, Techniker Krankenkasse und Thyssenkrupp.
Im August 2020 kündigte Ballweg die Schließung der firmeneigenen Webseite an, weil die dort genannten Großkunden ihn wegen seines politischen Engagements aufgefordert hätten, ihre Referenzen zu löschen. In diesem Zusammenhang forderte er seine mehr als 27.000 Telegram-Follower zu einem „Feedback“ an eben jene Firmen auf. Nach Recherchen von Kai Laufen (SWR) hatten drei Unternehmen ihre Verträge mit der Media Access GmbH jedoch schon im Januar 2020 gekündigt, da die bereitgestellte Software nicht mehr fortgeführt wurde und sie deshalb andere Anbieter suchen mussten. Laut Laufen verschwieg Ballweg dies und stellte den Vorgang als politisch motivierten Boykott und Angriff auf seine Meinungsfreiheit durch jene Unternehmen dar.
Ballweg war bis 2020 nicht politisch aktiv. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie 2020 begrüßte er auf seinem Twitter-Konto die staatlichen Schutzmaßnahmen und rief dazu auf, die AHA-Regeln einzuhalten. Er zeigte Leichentransporte in Bergamo, wo viele Menschen an einer Covid-19-Infektion starben. Am 14. März 2020 postete er unter dem Hashtag #FlattenTheCurve ein satirisches Video, das den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump als Vollidioten verhöhnte, und warnte, derartiges „Arschlochverhalten“ könne in der Pandemie rasch lebensgefährlich für Risikopatienten werden. Am 20. März 2020 teilte er eine Warnung der Freiburger Polizei vor der Ansteckungsgefahr bei zu großen Gruppentreffen mit dem Hashtag „wirbleibenzuhause“.
Ab Mitte März 2020 warnte Ballweg vor wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen und teilte Beiträge von „Crash-Propheten“ wie Marc Friedrich. Dann begann er, das Virus zu verharmlosen, und berief sich dazu auf ein Video von Sucharit Bhakdi, der die Zahlen der Coronatoten als völlig übertrieben und die Schutzmaßnahmen als zerstörerisch darstellte. Dann teilte Ballweg viele Beiträge des Verschwörungsideologen Ken Jebsen auf dessen Webportal KenFM zur Pandemie. Am 6. April 2020 teilte und kommentierte er zustimmend eine Zeichnung von Ben Garrison, die den Milliardär Bill Gates als Adolf Hitler mit Impfspritzen in Form eines Hakenkreuzes darstellte. Damit dämonisierte er Bill Gates als neuen Hitler, der angeblich eine Impfpflicht einführen wolle. Es folgte ein GIF mit dem Text: „Everything you think you know is wrong.“ Von da an zweifelte Ballweg auf Twitter kontinuierlich die offiziellen Zahlen zu Covid-19 an und bewarb seine Stuttgarter Demonstrationen mit der Erzählung eines autoritären deutschen Staates, der die Grundrechte zugunsten von Eliten und Einzelpersonen mit bösen Absichten außer Kraft gesetzt habe. Diese Entwicklung zeigte laut Kira Ayyadi (Belltower.News) beispielhaft die Radikalisierung vieler Teilnehmer der Coronaproteste.
Ab 18. April 2020 begann Ballweg in Stuttgart mit „Mahnwachen für das Grundgesetz“. Ab dem 22. April nannte er seine Initiative „Querdenken711“. Eine von seiner Frau erstellte gleichnamige Homepage ging am 23. April online. Darüber rief er für jeden Samstag auf dem Schloßplatz in Stuttgart zu Demonstrationen gegen Grundrechtseinschränkungen in der Coronakrise auf. Am 25. April 2020 nahmen 350 bis 500 Personen daran teil, darunter auch Rechtsextreme.
Als die Stadtverwaltung Stuttgart die dritte Kundgebung verbot, erreichte Ballweg die Aufhebung des Verbots mit einem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht. Er verlegte die folgenden Kundgebungen auf den Cannstatter Wasen. Dort forderte er am 2. Mai 2020 vor rund 5000 Teilnehmern Versammlungs- und Glaubensfreiheit sowie Neuwahlen im Oktober 2020. Er dulde kein radikales Gedankengut von links oder rechts, sondern trete für die freie Meinungsäußerung ein. Er verhöhnte die Abstandsregel, rief für den 9. Mai 2020 zu „bundesweiten Großdemonstrationen“ auf und kündigte Ken Jebsen als Redner in Stuttgart an. Damit sprach er laut einem taz-Bericht schwäbisches Bürgertum, Verschwörungsideologen, freikirchliche Christen und Impfgegner an.
Ballweg verlangte vor Interviews, dass Journalisten eine Erklärung unterzeichnen, „wahrheitsgemäß, unparteiisch und vollständig zu berichten“ und keine Zensur zu üben. Dies begründete er mit einer angeblich „verzerrten Berichterstattung in ARD, SWR und ZEIT online“, schloss diese also von Interviews mit ihm aus und lehnte kritische Berichterstattung zugunsten von „alternativen Medien“ ab.
Am 9. Mai 2020 ließ Ballweg den Verschwörungsideologen Ken Jebsen als Hauptredner auftreten. Dieser behauptete, die Bill & Melinda Gates Foundation habe über die Weltgesundheitsorganisation WHO die „deutsche Demokratie gekapert“. Dagegen beschwor er eine Querfront von Links und Rechts. Daraufhin distanzierte sich das Demonstrationsbündnis Stuttgart 21 von Ballwegs Gruppe. Am 23. Mai 2020 zog dieser die angemeldete Kundgebung zurück, angeblich wegen Morddrohungen gegen ihn. Dafür meldete die AfD die Demonstration mit Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel als Hauptrednerin an. Am 30. Mai 2020 forderte Ballwegs Redner Heiko Schöning („Ärzte für Aufklärung“) wie zuvor die AfD einen „Corona-Untersuchungsausschuss“, jedoch einen außerparlamentarischen. Ballweg wies Vorwürfe mangelnder Abgrenzung nach rechts zurück.
Im Juni 2020 kündigte Ballweg seine Kandidatur zur Wahl des Oberbürgermeisters in Stuttgart an. Bei der Hauptwahl im November 2020 erhielt er 2,6 %, bei der entscheidenden Nachwahl 1,2 % der gültigen Stimmen.
Ballweg organisierte die Demonstration am 1. August 2020 in Berlin, die unter dem Motto „Tag der Freiheit“ ein „Ende der Pandemie“ ausrief. Er hielt die Eröffnungsrede. Weil die meisten Teilnehmer die Auflagen von Abstand und Mund-Nasen-Schutz missachteten, brach die Polizei die Kundgebung ab. Die Veranstalter riefen zum „Widerstand“ auf. Viele Teilnehmer widersetzten sich der polizeilichen Auflösung der Kundgebung.
Am 9. August 2020 kündigte Ballweg in Stuttgart für den 29. August eine weitere bundesweite Demonstration in Berlin an. Er zitierte einen gefälschten Tweet, wonach Donald Trump den „deutschen Patrioten“ alles Gute gewünscht habe, und lud Trump nach Berlin ein. Er werde dem Thema Friedensvertrag nachgehen und habe dazu Kontakt mit erfahrenen Staatsrechtlern. Man werde die Straße des 17. Juni nach der Kundgebung bis zu 14 Tage lang besetzen: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Er meldete für je 22.500 Teilnehmer eine dreistündige Kundgebung am Großen Stern und eine 14-tägige Mahnwache auf der Straße des 17. Juni an. Sein „Hygienekonzept“ sah einen Mindestabstand, aber keinen Mund-Nasen-Schutz vor. Viele Rechtsextreme, darunter Björn Höcke (AfD), mobilisierten zu den Kundgebungen jenes Tages.