Michael Ballack (* 26. September 1976 in Görlitz) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Unternehmer. Über den Chemnitzer FC und den 1. FC Kaiserslautern kam er 1999 zu Bayer 04 Leverkusen. Mit den Rheinländern erreichte er 2002 zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Finale der Champions League. Anschließend wechselte er zum FC Bayern München und gewann dort dreimal das Double. Mit 29 Jahren ging er den Schritt ins Ausland nach England zum FC Chelsea und war auch dort an mehreren Titelgewinnen beteiligt. Zum Abschluss seiner Laufbahn kehrte er für zwei Jahre nach Leverkusen zurück. Er gewann mit seinen Vereinen insgesamt fünf nationale Meisterschaften, darunter 1998 als Bundesliga-Aufsteiger mit Kaiserslautern. Für die deutsche Nationalmannschaft spielte er von 1999 bis 2010 in 98 Partien und war ab 2004 ihr Mannschaftskapitän. Er nahm mit ihr an zwei Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften teil und wurde einmal Vizeweltmeister sowie einmal Vizeeuropameister. Mit 42 Toren in 98 Länderspielen ist er der bislang torgefährlichste Mittelfeldspieler in der Historie der deutschen Nationalmannschaft.
Michael Ballack wurde am 26. September 1976 in Görlitz geboren. Er ist das einzige Kind des Bauingenieurs und Amateurfußballers Stephan Ballack und dessen Ehefrau Karin. Ein halbes Jahr nach seiner Geburt verließ die Familie die Oberlausitz und zog in das Wohngebiet Fritz Heckert, eine Plattenbausiedlung in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Ballack besuchte zunächst die Georgi-Dimitroff-Oberschule und begann als Siebenjähriger bei der BSG Motor „Fritz Heckert“ Karl-Marx-Stadt mit dem organisierten Jugendfußball. Jugendtrainer Steffen Hänisch, der selbst in der DDR-Liga gespielt hatte, war von der außergewöhnlich gut entwickelten Technik und Beidfüßigkeit des Jungen beeindruckt. Schnell zeigte sich sein Talent und Ballack begann zudem damit, die Mannschaftsführung auf dem Spielfeld zu übernehmen. Bereits in seiner dritten Saison kam er auf 57 Tore in 16 Spielen und allein bei einem 28:0-Sieg in Crimmitschau traf er zwölfmal.
Ab dem siebten Schuljahr besuchte Ballack die Kinder- und Jugendsportschule „Emil Wallner“, das spätere Sportgymnasium Chemnitz, und erhielt eine systematische Spitzenförderung. Das Gymnasium schloss er mit dem Abitur ab. Gemäß den Bestimmungen der DDR-Sportförderung wechselte er 1988 in die Nachwuchsabteilung des FC Karl-Marx-Stadt, der nach der Wiedervereinigung in Chemnitzer FC umbenannt wurde. Im Alter von 16 Jahren drohte ihm wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie das frühzeitige Karriereende, allerdings konnte er seine Laufbahn nach einem halben Jahr intensiven Trainings fortsetzen. 1994 gewann Ballack als Libero mit dem CFC die sächsische U-19-Meisterschaft.
Vor der Saison 1995/96 rückte Ballack in den Profikader des Chemnitzer FC auf, der zum damaligen Zeitpunkt in der 2. Bundesliga spielte. Er debütierte am 1. Spieltag (4. August 1995) als Einwechselspieler gegen den VfB Leipzig (0:1). Im weiteren Saisonverlauf kam Ballack zu insgesamt 15 Einsätzen, stieg jedoch mit den „Himmelblauen“ in die Regionalliga Nordost ab. Im März 1996 war er erstmals für die U-21 Nationalmannschaft nominiert worden. Nachdem ein Vereinswechsel zum SV Meppen gescheitert war, spielte er auch die folgende Spielzeit 1996/97 für Chemnitz. Obwohl erst 20 Jahre alt, zählte Ballack mit zehn Toren in 34 Ligaspielen neben Ingo Hertzsch und Ilija Aračić zu den Leistungsträgern der Mannschaft. Der Chemnitzer FC gewann zwar 1997 den Sachsenpokal, verpasste allerdings den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga.
1. FC Kaiserslautern (1997–1999)
Im Sommer 1997 wechselte Ballack für 150.000 D-Mark Ablöse zum Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern. Die Neuverpflichtung erregte zunächst wenig Aufmerksamkeit und er kam hauptsächlich für die zweite Mannschaft in der Regionalliga West/Südwest zum Einsatz. Sein Bundesliga-Debüt gab Ballack am 19. September 1997 beim 4:2-Auswärtssieg über den Karlsruher SC (7. Spieltag). Trainer Otto Rehhagel wechselte ihn zur 85. Minute für Ratinho ein. Im Verlauf der Rückrunde bekam Ballack mehr Spielzeit und stand am 28. Spieltag gegen Bayer 04 Leverkusen (0:3) zum ersten Mal in der Startaufstellung. In dieser Saison gewannen die „Roten Teufel“ als erster Aufsteiger sensationell die deutsche Meisterschaft. Insgesamt kam Ballack in der Meistersaison 16-mal zum Einsatz.
In der zweiten Saison (1998/99) entwickelte sich Ballack mit 30 Einsätzen und vier Treffern zu einem wichtigen Stammspieler. Dabei profitierte er auch von einer taktischen Umstellung, da Rehhagel Ciriaco Sforza auf die Libero-Position beorderte und dadurch im zentralen Mittelfeld eine Lücke entstand, die Ballack besetzte. Sein erstes Bundesliga-Tor erzielte er am 10. Spieltag beim 3:2-Sieg über Hansa Rostock. Auch in der UEFA-Champions League kam er sechsmal zum Einsatz, schied allerdings mit Kaiserslautern im Viertelfinale gegen den FC Bayern München chancenlos aus (0:2; 0:4). Mittlerweile zählte Ballack zu den hoffnungsvollsten Talenten des deutschen Fußballs und wurde A-Nationalspieler. Bereits im Mai 1999 einigte er sich mit Bayer Leverkusen auf einen Wechsel nach Ablauf seines Vertrages zum 30. Juni 2000. Allerdings war er mit der sportlichen Situation in Kaiserslautern zunehmend unzufrieden und äußerte sich kritisch gegenüber der Vereinsführung um Jürgen Friedrich, weshalb er eine Geldstrafe von 5.000 DM zahlen musste. Nachdem der FCK zunächst auf einer Erfüllung seines Vertrages bestanden und Angebote zu einem vorzeitigen Wechsel abgelehnt hatte, kam es allerdings nicht zu einer Aussprache zwischen Ballack und Trainer Rehhagel. Schließlich nahm Kaiserslautern das Angebot von Bayer-Manager Reiner Calmund an und Ballack wechselte bereits am 16. Juli 1999 für acht Millionen DM zu Bayer Leverkusen.
Bayer 04 Leverkusen (1999–2002)
Kurz nach seinem Wechsel zog sich Ballack im August 1999 einen Innenbandriss im linken Knie zu und musste zehn Wochen aussetzen. Nach seiner Genesung spielte er sich zum Ende der Hinrunde 1999/2000 mit guten Leistungen in die Mannschaft und Trainer Christoph Daum setzte den Neuzugang an der Seite des Brasilianers Emerson im zentralen Mittelfeld ein. Schnell wurde Ballack zu einem wichtigen Bestandteil der Werkself, die, wie beim 9:1-Sieg über den SSV Ulm, teilweise berauschenden Angriffsfußball bot und eindrucksvoll ihre Titelambitionen unterstrich. Leverkusen blieb 14 Partien in Serie ungeschlagen und übernahm am 30. Spieltag die Tabellenführung der Bundesliga. Am letzten Spieltag hatte Bayer drei Punkte Vorsprung auf Bayern München und im Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching hätte ein Unentschieden zur Meisterschaft genügt. Doch in der 20. Minute unterlief Ballack ein folgenschweres Eigentor, als er eine Flanke unglücklich klären wollte. Von diesem Schock erholte sich Leverkusen nicht mehr und verlor die Partie überraschend mit 0:2, während die Bayern durch ihren gleichzeitigen Sieg über Werder Bremen erneut Meister wurden. Dabei stand Ballacks Eigentor sinnbildlich für die verpasste Meisterschaft und war prägend für den Begriff „Vizekusen.“
Die erwartete mentale Belastung nach dem Fehlschuss von Unterhaching blieb aus und beeinträchtigte Ballacks Leistungen nicht. Stattdessen nahm seine Karriere Fahrt auf und in einer Zeit, in der der deutsche Fußball international hinterherhinkte, avancierte er zum großen Hoffnungsträger. Nach dem Abgang der Mittelfeldspieler Emerson und Stefan Beinlich übernahm er mehr Verantwortung und reifte zu einem Schlüsselspieler. Der körperlich robuste Ballack wurde zur Schaltzentrale im Mittelfeld und zeichnete sich durch Torgefahr aus (sieben Tore, sechs Vorlagen). Allerdings legten ihm Kritiker sein Auftreten als Arroganz aus und Ballack galt in der öffentlichen Wahrnehmung als Prototyp des „verwöhnten Jungprofis“ oder gar als „Schnösel.“ Zu diesem Image trug seine Spielweise maßgeblich bei, denn die Aktionen auf dem Platz wirkten verblüffend unangestrengt, zuweilen lässig. Seine Haltung bei der Ballführung, insbesondere der stets aufrechte Oberkörper, erinnerten an den jungen Franz Beckenbauer und hatten ihm den Spitznamen „kleiner Kaiser“ eingebracht. Nachdem Ballack in der Königsklasse gegen Real Madrid (2:3) am 27. September 2000 sein erstes internationales Tor erzielt hatte, kursierten Spekulationen über ein angebliches Angebot des spanischen Rekordmeisters über 35 Millionen DM. Trotz der persönlichen Entwicklung Ballacks, verlief die Saison 2000/01 sportlich durchwachsen und stand unter dem Eindruck der Kokain-Affäre, die am 20. Oktober 2000 zum Rücktritt von Christoph Daum führte. Leverkusen schied nach der Champions League-Gruppenphase aus und spielte im Titelrennen der Bundesliga keine Rolle. Erst am letzten Spieltag sicherte sich die Mannschaft den vierten Tabellenplatz, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigte.