Meredith Jane Monk (geboren 20. November 1942 in Queens, New York City) ist eine amerikanische Komponistin, Sängerin, Tänzerin, Filmemacherin und Choreographin. Sie gilt als Vorreiterin der vokalen Performancekunst und der extended vocal techniques, einer in den 1960er und 70er Jahren in den Vereinigten Staaten maßgeblich von Frauen initiierten, neu entstandenen Kunstform. Sie schuf ein komplexes Werk multimedialer Solo- und Ensemblestücke, ausgehend von ihrer Stimme, mit der sie einen unverwechselbaren Stil prägte. Seit 1981 erscheinen ihre Aufnahmen überwiegend bei ECM (New Series).
Meredith Monk entstammt in vierter Generation einer jüdischen Musikerfamilie mit russisch-polnischen Wurzeln. Die Großmutter mütterlicherseits war eine Konzertpianistin, die in Harlem ein Konservatorium leitete, der Großvater ein Bariton. Ihre Mutter, Audrey Lois Monk (geborene Zellman), trat als Popsängerin auf, ihr Vater, Theodore Glenn Monk, arbeitete als Geschäftsmann. Sie hat eine Schwester.
Schon früh lernte sie Klavier und die elektronische Orgel zu spielen. In ihrer Kindheit litt Meredith Monk an einem Augenfehler, der Bewegungsstörungen zur Folge hatte. Ihre Mutter schickte sie darum in einen rhythmisch-musikalischen Unterricht nach Émile Jaques-Dalcroze, durch den sie räumliches Orientierungsvermögen, Körperbewusstsein und ein sicheres rhythmisches Gespür entwickelte. Später beschrieb sie diese Schulung als Entwicklung „alternativer Methoden räumlicher Wahrnehmung“ durch rhythmische Bewegung und Gehörbildung.
Sie studierte klassische Musik, Theater und Modern Dance am Sarah Lawrence College und schloss 1964 ab. Nebenher sang sie in Rock-’n’-Roll-Bands und verdiente sich Geld mit Folksongs, die sie auf der Gitarre begleitete. Nach Abschluss des Studiums 1964 ging sie nach Downtown New York/Manhattan, wo sie zunächst in Galerien, Kirchen und anderen nichttraditionellen Räumen auftrat. 1964 zog sie als 22-Jährige in das brachliegende Viertel südlich der 14th Street, wo sie auf Künstlerinnen wie Laurie Anderson, Trisha Brown und Joan Jonas traf und Performances in leerstehenden Fabrikgebäuden wie auch in privaten Wohnungen zeigte.
Die ersten, für ihre Entwicklung wichtigen Kontakte waren Künstlerinnen der Fluxus-Bewegung wie Alison Knowles und Charlotte Moorman. Bedeutsam für das Aufbrechen von Konventionen in der Musik waren in dieser Zeit auch die Ideen und Ansätze, die John Cage in den späten 1930er Jahren entwickelt hatte. Eine weitere Inspiration ging von der feministischen Performancekunst aus, deren Zentrum Downtown New York war, wo viele Galerien und Spielstätten für genreübergreifende Kunstformen entstanden. Monk trat zunächst als Tänzerin und Sängerin anderer Gruppen, dann zunehmend mit eigenen Choreografien und als Sängerin eigener Kompositionen in Off-Off-Theatern und Kirchen auf.
Seit Mitte der 1960er Jahre ist Musik Monks zentrale künstlerische Ausdrucksform und ihre Stimme ihr virtuoses Instrument, mit der sie anfing beim Klavierspiel wie in Trance zu experimentieren. Sie entdeckte, dass „innerhalb der Stimme grenzenlose Möglichkeiten von Timbre, Textur, Landschaft, Charakter, Geschlecht, Wege der Klangproduktion lagen“, sagte sie in einem Gespräch mit Deborah Jowitt. „Ich begann, meinen Stimmumfang zu erweitern und experimentierte mit meinem Atem, meinem Zwerchfell, vokalen Gesten wie Schluchzern, Flüstern, Lachen und verschiedenen Kopf- und Körperresonanzen“. Die meisten ihrer Arbeiten gehen von der Stimme aus. Von Anfang an suchte Monk nach einer emotionalen Klangsprache. Sie ist der Meinung, „dass nonverbale Musik die Menschen tief in ihrem inneren Kern berühren würde und dass dabei Emotionen freigesetzt würden, für die wir keine Worte haben“. Ihr Stimmumfang beträgt etwa drei Oktaven. Über ihre intermediale Arbeitsweise sagte sie in einem Podcast des National Endowment for the Arts: „Ich arbeite in den Rissen, wo die Stimme zu tanzen beginnt, wo der Körper zu singen beginnt, wo Theater zu Kino wird.“
Ab Mitte der 1970er setzte sie sich international durch. In Deutschland wurde sie bekannt, als sie 1980 ihre epische Oper Vessel über das Leben Jeanne d’Arcs mit circa 120 Mitwirkenden vor der Ruine des Anhalter Bahnhofs in West-Berlin aufführte. Anlässlich ihres 40. Bühnenjubiläums fand im November 2004 in New York ein vierstündiger Musikmarathon statt.
Monk hat seit Beginn ihrer Karriere immer wieder Solostücke aufgeführt. Den frühen Arbeiten, bei denen sie sich mit dem Keyboard begleitete, merke man „einen starken Leidensdruck und das existentielle Gefühl der Einzelkämpferin“ an, schrieb die Musikwissenschaftlerin Marie-Anne Kohl. Mit ihrer Performance Our Lady of Late aus dem Jahre 1974 entwickelte sie das für sie typische minimalistische Formkonzept, das sich 1997 in dem Solostück Volcano-Songs, inspiriert von der Kunst des Zen und der japanischen Gedichtform Haiku, in „seiner vollen Reife“ zeigte. Das Album Impermanence (2008) gilt dabei als besonders charakteristisch für ihre extended vocal technique mit Klanggesten wie langsamem Atmen, Schlucken, Hauchen, Schreien und Verstummen sowie mit Summen, Krächzen, Keuchen, Lachen, Kehlkopflauten (Vocal Fry), Falsett und schnellen Wechseln von Jodeln und Trillern. Ihre bedeutungsfreien Silben bezeichnet Monk als „Phoneme“, die sie als „Poesie der Sinne“ versteht.
Parallel erforschte sie die vokalen Möglichkeiten von Chorformationen. Ihr Loft in New York, in dem sie wohnte und arbeitete, Workshops und Aufführungen gab, hieß The House. Unter diesem Namen gründete sie 1968 ein Ensemble, mit dem sie erstmals interdisziplinäre Performances erarbeitete. Mit diesem Projekt übte Monk erheblichen Einfluss auf viele andere Künstler aus. So nannte zum Beispiel Bruce Nauman Meredith Monk als eine Künstlerin, die mit den stärksten Einfluss auf seine künstlerische Arbeit hatte. Die erste Arbeit mit einer großen Formation ist die Theaterkantate Juice, die sie 1969 auf der spiralförmigen Rampe der Rotunde des Guggenheim Museums mit 85 Künstlern realisierte – als erste Künstlerin, die ein Werk eigens für diesen Raum schuf. Inhaltlich arbeitete sie in Juice metaphorisch mit Menstruationsblut.
In den 1970er und 80er Jahren entwickelte Monk die charakteristischen Formen ihres Multimedialtheaters, in dem sie Stimmen, Musik, Theater, Licht, Film, Tanz, Ritual sowie mythische Elemente mit Avantgardekunst verband. Sie folgte damit ihrer Vision einer ursprünglichen Einheit der Künste. Protagonisten sind meist Frauen, die auf einer Reise durch Zeit und Welten einen Prozess der Transformation erleben. Eine Figur der Selbstinszenierung ist oft ein Mädchen. So auch in ihrem bedeutenden zweiteiligen Stück Education of the Girlchild: an opera, an dem sie 1972 mit ihrem Ensemble The House in ihrem Loft zu arbeiten begann und für das sie 1975 auf der Biennale di Venezia ausgezeichnet wurde. Die eingeschworene Gemeinschaft von fünf Frauen im ersten Teil beschrieb Monk „als weibliche Version der Ritter der Tafelrunde“. Das Solo des zweiten Teils, in dem sich die Figur von einer alten Frau zurück in ein Mädchen verwandelt, führte sie selbst wieder 2008 und 2010 unter dem Titel Education of the Girlchild Revisited auf. In Quarry (1976), einer Oper für 40 Performer über den Zweiten Weltkrieg, spielte Monk „ein krankes Kind, das unter fieberhaften Halluzinationen leidet und in einer traumartigen Vision den Holocaust erlebt“.
1978 stellte sie unter dem Namen Meredith Monk and Vocal Ensemble eine neue Gruppe zusammen, zu der auch der Perkussionist Collin Walcott gehörte, und die sich der Erforschung neuer und in ihrem Spektrum erweiterten Klängen („extended vocal techniques“) widmete, häufig deutlich kontrastierend zu minimalistischen Instrumentalklängen. Eines der herausragenden Werke ist Dolmen Music für drei Frauen- und drei Männerstimmen, Violoncello und Percussion, erschienen 1981 bei Manfred Eichers Label ECM Records. Der Titel des archaisch anmutenden Stücks bezieht sich auf die Megalith-Anlage La Roche-aux-Fées in der Bretagne, die Monk mit ihrem Ensemble 1977 besucht hatte. In der konzertanten Aufführung sitzen sich die Sängerinnen und Sänger in einem Steinkreis gegenüber. Wie fast alle ihre Kompositionen entstand die Musik nicht auf dem Papier oder am Klavier, sondern als aktive Tätigkeit während der Proben. Lediglich für Ensembles, in denen sie nicht selbst musiziert, fertigt sie im Vorhinein Partituren an. In 16 Millimeter Earrings (1966) spielte sie mit weiblichen Rollenbildern aus Märchenerzählungen und rezitierte Passagen aus Wilhelm Reichs Theorie des männlichen Orgasmus.