Melinda French Gates DBE (* 15. August 1964 in Dallas, Texas als Melinda Ann French) ist eine US-amerikanische Geschäftsfrau, Philanthropin und Autorin. Sie war bis 2021 die Ehefrau von Bill Gates, den sie bei Microsoft kennenlernte, wo sie als Projektmanagerin unter anderem für Microsoft Bob, Microsoft Encarta und Expedia verantwortlich war. Das Magazin Forbes zählt sie seit 2004 zu den mächtigsten Frauen der Welt.
French Gates wuchs als eines von vier Kindern in einer katholisch geprägten Mittelschichtsfamilie in Dallas auf. Ihr Vater arbeitete als Luft- und Raumfahrtingenieur und war am Apollo-Programm beteiligt, ihre Mutter war Hausfrau. Ihre Eltern vermittelten ihren Kindern eine ausgeprägte Vorstellung von gesellschaftlicher Verantwortung und bezogen sie regelmäßig in ehrenamtliche Tätigkeiten ein. Sie schloss 1986 ihr Informatik- und Wirtschaftsstudium an der Duke University mit dem Bachelor-Grad ab und machte 1987 ihren MBA. Nach einem Bewerbungsgespräch mit einer IBM-Personalmanagerin folgte sie deren Rat, beim jungen und wachsenden Unternehmen Microsoft anzufangen, bei dem sie als Frau leichter Karriere machen könne als bei IBM.
Nach ihrem Eintritt bei Microsoft im Jahr 1987 stieg sie rasch auf und leitete Teams, die unter anderem an Microsoft Word und Microsoft Publisher arbeiteten. Ihrer persönlichen Initiative wird die Existenz von Office-Assistenten wie Clippy (in der deutschen Ausgabe als Karl Klammer bekannt) sowie der Bedienoberfläche Microsoft Bob zugeschrieben. Sie leitete das Online-Reisebüro Expedia bei Microsoft in der Gründungsphase.
Am 1. Januar 1994 heiratete sie Microsoft-Gründer Bill Gates. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder, geboren 1996, 1999 und 2002 (Jennifer, Rory und Phoebe). Kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes verließ sie Microsoft, um sich ihrer Familie und der gemeinsamen philanthropischen Arbeit zu widmen.
Melinda Gates wurde 2012 in die American Academy of Arts and Sciences und 2013 vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes auf Platz 3 der Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt gewählt. Melinda Gates gehört der römisch-katholischen Kirche an.
Am 3. Mai 2021 gaben Bill und Melinda Gates die Entscheidung bekannt, ihre Ehe zu beenden. Sie führt seitdem den Namen Melinda French Gates. Zu den Faktoren, die French Gates später als Gründe für die Scheidung nannte, gehörten die Untreue ihres damaligen Mannes und dessen fortgesetzter Kontakt zu Jeffrey Epstein trotz ihrer Einwände. Im Juli 2021 erklärte die Stiftung des Paars, Melinda French Gates werde ihre Ämter zwei Jahre darauf niederlegen, wenn sie feststellten, dass sie nicht zusammenarbeiten könnten. Anfang August 2021 wurde die Scheidung vollzogen.
Philanthropisches und gesellschaftspolitisches Engagement
Zusammen mit ihrem Ehemann gründete French Gates 1994 die Wohltätigkeitsorganisation William H. Gates Foundation, die 1999 in Bill & Melinda Gates Foundation umbenannt wurde. Die Idee hatten sie 1993 während einer Kongo-Reise entwickelt. Bis Juni 2026 hatte die Stiftung im Laufe von rund 25 Jahren mehr als 100 Milliarden US-Dollar für Armutsbekämpfung, Impfstoffforschung und die Bekämpfung von Malaria, HIV und Tuberkulose sowie weiterer Infektionskrankheiten bereitgestellt.
Im Jahr 2010 rief French Gates gemeinsam mit Bill Gates und Warren Buffett die Initiative The Giving Pledge ins Leben, die Milliardäre dazu bewegen soll, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für gemeinnützige Zwecke zu spenden. Gemeinsam mit MacKenzie Scott, der früheren Ehefrau von Jeff Bezos, wandte French Gates ihren philanthropischen Einsatz verstärkt der Gleichstellung der Geschlechter zu. Im Juli 2021 stellten sie 40 Millionen Dollar zur Förderung von Gleichstellungsprojekten bereit.
Im Jahr 2024 äußerte sie sich erstmals öffentlich zu ihrem Wahlverhalten und sprach zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 eine Empfehlung für Joe Biden aus. Seit dem 23. Juli 2024 unterstützte sie die Kampagne von Kamala Harris. Sie ist seitdem auch Großspenderin für die Demokratische Partei der USA mit einem Schwerpunkt auf dem Schutz reproduktiver Rechte.
Am 7. Juni 2024 legte Melinda French Gates ihren Co-Vorsitz bei der Bill & Melinda Gates Foundation nieder. Seit ihrem Ausscheiden arbeitet sie in Vollzeit für die bereits 2015 gegründete philanthropische Organisation Pivotal Ventures, deren Schwerpunkt auf der Förderung von Frauen und ihren Rechten liegt. Bis Juni 2026 hatte Pivotal zwei Milliarden US-Dollar für Projekte zugunsten von Frauen und ihren Familien zugesagt. Im Jahr 2024 erhielt die Organisation im Rahmen der Trennungsvereinbarung von Bill Gates 12,5 Milliarden US-Dollar.
Im Juni 2026 kündigte French Gates über Pivotal weitere Fördermittel von 215 Millionen US-Dollar für die Gesundheit von Frauen an. Die Mittel sollen Initiativen zur reproduktiven Gesundheit sowie zur Gesundheit in der Lebensmitte unterstützen, darunter die Erforschung und Behandlung von Beschwerden während Perimenopause und Menopause. Weitere Schwerpunkte der Arbeit in den Vereinigten Staaten sind die Müttersterblichkeit, psychische Erkrankungen im Umfeld einer Geburt und der Schutz reproduktiver Rechte. Als Katholikin setzte sich French Gates nach eigenen Angaben eingehend mit der Geschichte der kirchlichen Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen auseinander und befürwortet inzwischen ausdrücklich ein gesetzlich geschütztes Recht auf Schwangerschaftsabbruch.
The Moment of Lift. How Empowering Women Changes the World. Flatiron Books, New York 2019, ISBN 978-1-250-31357-7.
Deutsche Übersetzung: Wir sind viele, wir sind eins. Wenn wir die Rechte der Frauen stärken, verändern wir die Welt. Droemer Knaur, München 2019, ISBN 978-3-426-27792-8.
2005 war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und dem U2-Sänger Bono Person des Jahres des Time Magazine
2006 erhielt sie zusammen mit ihrem Mann den Prinz-von-Asturien-Preis für Internationale Zusammenarbeit durch ihr Engagement in der Bill & Melinda Gates Foundation
2009 erhielten sie und ihr Mann die Ehrendoktorwürde der University of Cambridge
2013 wurde beiden der Lasker~Bloomberg Public Service Award der Lasker Foundation zugesprochen