Melbourne [ˈmɛɫbən] ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria in Australien. Sie ist mit etwa 5,207 Millionen Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens. Die Einwohner von Melbourne werden im Englischen Melburnians genannt. Melbourne wurde 1837 nach dem damaligen britischen Premierminister Lord Melbourne benannt und ist katholischer sowie anglikanischer Erzbischofssitz.
Die aus der Kernstadt Melbourne City mit rund 149.000 Einwohnern (Stand Zensus 2021) und 30 weiteren Gemeinden bestehende Agglomeration ist das wichtigste wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum Victorias. Die Bevölkerung der Stadt besteht zum großen Teil aus Einwanderern, die u. a. indischer, chinesischer, englischer, vietnamesischer oder neuseeländischer Herkunft sind.
Die Stadt liegt am Yarra River im Süd-Osten nahe dessen Mündung in die Port-Phillip-Bucht durchschnittlich 14 Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet (Urbanized Area) hat eine Fläche von 1705 Quadratkilometern.
Die Metropolregion (Melbourne Statistical Division) hat eine Fläche von 8830 Quadratkilometern. Sie erstreckt sich von Nord nach Süd über etwa 70 Kilometer und von Ost nach West über rund 50 Kilometer. Die geographischen Koordinaten sind 37,49 Grad südlicher Breite und 144,57 Grad östlicher Länge. Damit ist Melbourne die südlichste Millionenstadt der Welt.
Im Stadtgebiet von Melbourne liegen 31 Local Government Areas (LGAs). Diese Verwaltungsbezirke, auch Metro Councils genannt, bilden die Region Greater Melbourne. 4,9 der 6,5 Millionen Einwohner (Stand 2021) Victorias leben hier. Die 26 als Citys bezeichneten LGAs werden auch als Metropolitan Area, die fünf Shires als Outer Metropolitan Area von Melbourne bezeichnet.
Eine besondere Rolle nimmt die zentrale City of Melbourne im Stadtzentrum ein, auch Central Business District (CBD) genannt. Ihr Oberhaupt trägt den Titel Lord Mayor trägt (sonst nur Mayor) und er repräsentiert die Stadt Melbourne nach außen hin.
Geographisch unterscheidet man die Innenstadt (Inner City) und die nördlichen, östlichen, südöstlichen und westlichen Bezirken. Melbourne besteht außerdem geographisch aus 217 Stadtteilen (englisch: Suburbs), die sich teilweise mit den LGA überschneiden.
Melbourne liegt in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 14,9 °C. Der wärmste Monat ist der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von 20,2 °C, der kälteste Monat der Juli mit 9,7 °C im Mittel. Die höchste je in Melbourne gemessene Temperatur wurde mit 46,4 °C am 7. Februar 2009 aufgezeichnet, die tiefste mit −2,8 °C am 21. Juli 1869.
Die mittlere Jahresniederschlagsmenge beträgt 649,8 Millimeter. Der meiste Niederschlag fällt im Oktober mit durchschnittlich 66,1 Millimeter, der geringste im Januar mit nur 47,3 Millimeter im Mittel.
Das Wetter in Melbourne ist sehr wechselhaft und wird gerne mit „four seasons in a day“ (deutsch Vier Jahreszeiten an einem Tag) beschrieben. Starke Wetterschwankungen sind vor allem vom Frühjahr bis zum Sommer zu beobachten. Sie äußern sich primär in Form von Stürmen, Regen und schnellen Temperaturstürzen. Hierfür ist der Temperaturunterschied zwischen dem kühlen Südpazifischen Ozean und dem erheblich wärmeren Inland Australiens verantwortlich. Erwärmt sich das Land deutlich schneller als der Südpazifik, steigt die Luft über dem Land auf. Die kältere Luft vom Meer bewegt sich als Südwind, auch Southerly genannt, zum nördlichen Hochdruckgebiet. Hierbei entsteht eine Kaltfront, die den plötzlichen Wetterumschwung verursacht. Im Sommer strömen sehr warme Winde aus dem Zentrum des Kontinents nach Melbourne, infolgedessen steigen die Temperaturen stark an. Während einer solchen Situation verzeichnete Melbourne im Februar 2009 drei Tage hintereinander Tageshöchsttemperaturen von über 40 Grad Celsius, was im Umland zu den Buschfeuern in Victoria 2009 führte.
Während der Wintermonate ist es in Melbourne kühler als in den anderen Hauptstädten der australischen Bundesstaaten (mit Ausnahme von Hobart). Schnee tritt nur sehr selten auf, Frost und Nebel gelegentlich.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Klimawerte der Jahre 1855 bis 2013:
Das Gebiet der heutigen Stadt Melbourne war seit etwa 35.000 Jahren von knapp 20.000 Aborigines besiedelt, die zu den drei Stämmen der Wurundjeri, Boonwurrung und Wathaurong gehörten und gemeinsam den Verband der Kulin-Nation bildeten. Für sie war das Gebiet ein bedeutender Treffpunkt und stellte darüber hinaus eine wichtige Quelle für Wasser und Lebensmittel dar. Im Jahre 1803 wurde das Gebiet erstmals von Europäern erkundet und 1835 siedelten europäische Siedler von Tasmanien über und gaben der Bucht den Namen Port Phillip.
Als Gründer gelten John Batman und John Pascoe Fawkner. Batman war ein Repräsentant der im selben Jahr durch eine Gruppe von Geschäftsmännern aus Launceston gegründeten Port Phillip Association. Er kaufte den ansässigen Aborigine-Stämmen, die unter der Führung Billibellarys verhandelten, mit dem als Batman’s Treaty bekannten Vertrag rund 240.000 Hektar Land ab und gründete an der Nordseite des Yarra-Flusses eine Siedlung. Im Oktober 1835 schloss sich eine Gruppe tasmanischer Siedler John Pascoe Fawkner an, der im Folgenden die Siedlungsaktivitäten zielstrebig vorantrieb.
Melbourne war im Gegensatz zu anderen Siedlungen im Südosten Australiens nie eine Strafkolonie, sondern wurde von Anfang an als Wohngebiet mit breiten Straßen und weitläufigen Parks geplant.
Im Jahre 1837 erhielt die Stadt zu Ehren des damaligen Premierministers von Großbritannien, William Lamb, 2. Viscount Melbourne, ihren heutigen Namen. Um 1840 lebten bereits über 10.000 Menschen in der Region rund um Melbourne.
Im Jahre 1851 wurde Melbourne die Hauptstadt der sich von New South Wales loslösenden, neu gegründeten britischen Kolonie Victoria. Melbournes größte Wachstumsperiode begann mit dem Victorianischen Goldrausch der frühen 1850er Jahre, als im Binnenland Victorias – insbesondere bei Bendigo und Ballarat – Gold entdeckt wurde. Zu dieser Zeit entwickelte sich die Stadt zum Handels- und Geschäftszentrum der aus Übersee herbeiströmenden Goldgräber.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, ihr Hafen wurde ausgebaut und bedeutende Industriebetriebe siedelten sich an. Nach der Gründung des Australischen Bundes im Jahre 1901 war Melbourne zunächst Sitz der australischen Bundesregierung, bis 1913 Canberra zur neuen Bundeshauptstadt wurde. Der Regierungsumzug wurde jedoch erst 1927 vollzogen. 1956 fanden in Melbourne die Olympischen Sommerspiele statt.