Meereskunde bezeichnet die Meereswissenschaften bzw. Meeresforschung in ihrem breiten Spektrum.
Im englischen Sprachraum entsprechen dieser Bedeutung die Begriffe Marine Science, aber auch Oceanography, während im Deutschen der Begriff Ozeanographie traditionell nur die physikalische Meereskunde umfasst. Derjenige Teil der Meereskunde, der sich speziell den biologischen Phänomenen widmet, wird im Deutschen biologische Meereskunde oder auch Meeresbiologie genannt.
Ausgehend vom Begriff Limnologie für die Binnengewässer-Kunde ist ferner im Deutschen vorübergehend im Sinne einer Analogbildung der Begriff Ozeanologie (griech. für Meereskunde) geprägt worden, der sich in der Fachwissenschaft aber nicht durchgesetzt hat.
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN, UNO) hat das Jahrzehnt von 2021 bis 2030 zur UN-Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung erklärt.
Die Meereskunde kann in mehrere, sich teilweise überschneidende Teilbereiche untergliedert werden, die sich durch Inhalt, Methoden und Fragestellungen unterscheiden:
Ozeanographie oder physikalische Ozeanographie behandelt physikalische Vorgänge in und auf den Meeren. Sie erforscht Parameter wie Meeresströmungen, Wärmeinhalt der Ozeane aus Temperatur, Salzgehalt, Schallgeschwindigkeit, ozeanische Akustik, Schwebstoffe oder Lichtdurchlässigkeit. Neben den Strömungen werden auch andere Bewegungsvorgänge wie Turbulenz, Wellen (Seegang), Gezeiten (Ebbe/Flut), wind- und dichtegetriebene Driftströme und der damit verbundene Wärmetransport im Ozean untersucht. Die erforderlichen Messungen können
in situ erfolgen (Vermessungs- und Forschungsschiffe, Schwimmkörper (Bojen), Sensoren sowie Meeresobservatorien, Verankerungen, Driftern, Floats) und werden seit einigen Jahrzehnten zu globalen Beobachtungssystemen des Ozeans integriert,
oder durch Fernerkundung mit Satelliten (Temperatur, Färbung, Nährstoffe usw.). Zur Bestimmung von Wind und Strömungen, Meeresoberfläche und Geoid trägt auch wesentlich die Satellitengeodäsie (Altimetrie) bei.
Biologische Meereskunde oder Meeresbiologie untersucht biologische Eigenheiten (z. B. Anpassungen in Morphologie, Physiologie und Biochemie der Lebewesen), Vorkommen, Wachstum, Fortpflanzung und Sterberate von Meeresorganismen und analysiert die ökologischen Auswirkung der Umweltparameter, speziell Wassertemperatur, Salzgehalt und Strömungen. Sie wird oft unterteilt in Meeresbotanik, Meereszoologie, Planktonologie, Fischereibiologie, marine Mikrobiologie und marine Ökologie.
Meeresökologie Hier werden die ökologischen Interaktionen zwischen Organismen und ihrer Umwelt untersucht und auch die Rückwirkung der Organismen auf Trübung, Sedimentation, Nährstoffkreisläufe und Sedimentationsprozesse. Meeresbiologie und Meeresökologie gehen ineinander über.
Meeresgeologie erforscht Prozesse, die den Meeresboden formen – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die geologische Untersuchung der Ablagerungen (Sedimente) liefert Informationen über das Klima der Erdgeschichte (Paläoklimatologie). Ferner werden marine Rohstoff-Vorkommen, zum Beispiel in Form mineralischer Erze, Gashydrate oder Kohlenwasserstoffe untersucht.
Paläozeanographie befasst sich mit der Untersuchung der ozeanographischen Geschichte in Bezug auf deren Zirkulation, Chemie, Biologie, Geologie, Sedimentationsmuster und biologische Produktivität.
Maritime Meteorologie und Klimatologie erforscht die Wechselwirkung des Ozeans mit der Atmosphäre (z. B. Wärme-, Impuls- und Frischwassertransport), den Einfluss der Ozeane auf das Klimasystem oder Auswirkungen von Wetterphänomenen wie Wirbelstürme, Monsune etc. auf die Meere.
Maritime Geochemie untersucht die Wechselwirkungen zwischen chemischen und geologischen Vorgängen im Meer und die chemischen Prozesse in den Ablagerungen (Sedimente).
Marine Biogeochemie untersucht den Stoffkreislauf der Elemente in den Meeren und den beteiligten Mikroorganismen
Chemische Meereskunde untersucht die Herkunft und Zusammensetzung des Meerwassers und chemische Zyklen von Nährstoffen wie Kohlenstoff oder Stickstoff.
Meerestechnik Entwicklung von Technologien zur Beprobung, Beobachtung und automatischen Messung. Beispiele: Autonome Tiefendrifter, Glider, Lander (Tiefseeobservatorien), autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV = Autonomous Underwater Vehicle), ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROV = Remotely Operated Vehicles)
Weitere Fachgebiete sind unter anderem Meeresrechtwesen, Fischereiwesen und Meeresarchäologie; verwandte Disziplinen sind Meereisforschung, Polar- und Klimaforschung.