Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich (* 6. Juli 1832 in Schloss Schönbrunn bei Wien; † 19. Juni 1867 nahe Querétaro, Mexiko) war Oberbefehlshaber der Österreichischen Marine, Erzherzog von Österreich und Kaiser von Mexiko.
Ferdinand Maximilian wurde als zweitältester Sohn von Erzherzog Franz Karl, einem Sohn von Kaiser Franz I., und Prinzessin Sophie von Bayern geboren. Er war der nächstjüngere Bruder des späteren Kaisers Franz Joseph I. aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Er erhielt die für einen Erzherzog übliche Erziehung. Neben der militärischen Ausbildung bestand sein Unterricht aus Fremdsprachen (Französisch, Italienisch, Englisch, Ungarisch, Polnisch und Tschechisch), Philosophie, Geschichte und Kirchenrecht. Das vorgeschriebene Exerzierprogramm war ihm schon in jungen Jahren ein Gräuel. Er galt als phantasiebegabt, malte und dichtete gerne. Schon früh interessierte er sich sehr für Literatur und Geschichte, besonders für die seiner eigenen Familie. Er war aufgrund seines Charmes am Wiener Kaiserhof sehr beliebt und auch der Liebling seiner Mutter Sophie.
Seine Eltern machten sich auch nicht weiter Gedanken darüber, welches Aufgabengebiet der jüngere Sohn später einmal übernehmen solle. Das Verhältnis zu seinem älteren Bruder Franz Joseph war freundschaftlich, wobei er aber mit zunehmendem Alter von seinem Bruder misstrauisch beobachtet wurde, da er aufgrund seines unkomplizierten und freundlichen Wesens auch bei der Wiener Bevölkerung sehr beliebt war.
Bereits im Kindesalter zeigte sich, dass Ferdinand Maximilian nicht mit Geld umgehen konnte. Während Bruder Franz Joseph genaue Aufzeichnungen über seine Ausgaben führte, kaufte Maximilian ständig Bücher und Bilder, was seine Finanzen bei weitem überstieg. Seine Mutter half ihm jedoch jedes Mal aus, da sie für die Leidenschaft des Sohnes großes Verständnis hatte.
Mit seiner ersten Apanage, die er mit 17 erhielt, ließ er sich ein Sommerhäuschen neben dem Schloss Schönbrunn anlegen, das er „Maxing“ nannte. Ein Zählbezirk der amtlichen Statistik und die Wiener Maxingstraße sind danach benannt. Bei einem Aufenthalt in Portugal verliebte er sich in die hübsche Maria Amalia von Brasilien. Sie sei eine vollkommene Prinzessin, schrieb der verliebte junge Mann nach Hause. Die beiden waren bereits so gut wie verlobt, als Maria Amalia plötzlich an Lungentuberkulose starb.
Maximilian interessierte sich vor allem für die Seefahrt und unternahm viele Fernreisen (etwa nach Brasilien) auf der k.k. Fregatte Elisabeth. 1854 wurde er mit nur 22 Jahren – als jüngerer Bruder des Kaisers und somit Mitglied des Herrscherhauses – als Konteradmiral zum Kommandanten und somit Oberbefehlshaber der k.k. Kriegsmarine (1854–1861) ernannt, welche er in den folgenden Jahren reorganisierte.
1857 heiratete er die Prinzessin Charlotte von Belgien und wurde zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien ernannt. Als die Lombardei 1859 als Folge der österreichischen Niederlage in der Schlacht von Solferino verlorenging, zogen sich Maximilian und Charlotte in das eigens für sie erbaute Schloss Miramare in der Nähe von Triest zurück.
Der französische Kaiser Napoléon III. wollte in Mexiko ein militärisch und wirtschaftlich an Frankreich angelehntes Reich begründen. Ab 1861 führte er die Französische Intervention in Mexiko durch, weil Mexiko, unter seinem Präsidenten Benito Juárez, sowohl den spanischen Gesandten wie auch den päpstlichen Legaten des Landes verwiesen hatte. Benito Juárez hatte die Zahlungen der 82 Millionen US-Dollar Schulden, die von den Europäern gefordert wurden, für zwei Jahre eingestellt.
In dieser Situation wurde Ferdinand Maximilian auf Betreiben des französischen Kaisers am 10. April 1864 gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser von Mexiko ausgerufen. Ferdinand Maximilian hatte zuvor zur Bedingung gemacht, dass das mexikanische Volk dies wünsche. Eine mexikanische Delegation überbrachte ihm daraufhin einen manipulierten Volksentscheid, den eine Junta von Klerikalen und Gegnern von Juárez arrangiert hatte.
Maximilian musste nun auf Druck seines Bruders auf seine Thronfolge und auf Erbansprüche in Österreich verzichten. Ferdinand Maximilian glaubte, in Mexiko seine Träume eines modernen, liberalen Staates verwirklichen zu können, und nahm deshalb am 10. April 1864 auf Schloss Miramare die Kaiserkrone trotz der Bedenken seiner Familie an. Der Habsburger nahm die Aussagen des französischen Kaisers, dass sich das mexikanische Volk nichts mehr wünsche als einen Habsburger als Kaiser, für bare Münze.
Bereits die Ankunft Maximilians und seiner Gattin ließ nichts Gutes erwarten. Nicht von Honoratioren wurden sie empfangen, sondern sie erblickten im Hafen von Veracruz zerlumpte Bettler, die zum Spiel auf ihren Instrumenten mehr grölten als sangen. Der Triumphbogen war von einer Sturmböe umgeworfen worden, und das neue Kaiserpaar musste sich mühsam seinen Weg durch den Morast bahnen.
Der am Zócalo gelegene Palacio Nacional war aus Sicht des kaiserlichen Ehepaars aufgrund seiner nüchtern anmutenden Architektur als kaiserliche Residenz ungeeignet. Zudem war der vormalige Regierungssitz von einer Ratten- und Bettwanzenplage befallen, die das kaiserliche Ehepaar dazu zwang, auf einem Billardtisch zu übernachten. Nach nur acht Tagen verließen Maximilian und Carlota den Nationalpalast. In Mexiko-Stadt wählte er das Schloss Chapultepec als kaiserliche Residenz. Später ließ er den Paseo de la Reforma, der damals Paseo de la Emperatriz („Kaiserinallee“) hieß, als Verbindungsstraße zwischen dem Schloss Chapultepec und der Stadtmitte einrichten. Diese Allee ist eine Nachahmung der Pariser Champs-Élysées. Wie schon beim Bau von Schloss Miramare übernahm sich Maximilian mit den Kosten des Umbaus.
In Mexiko musste der Habsburger feststellen, dass sämtliche amerikanischen Staaten den von den Franzosen abgesetzten mexikanischen Präsidenten Juárez unterstützten, da sie in Maximilian eine unerwünschte europäische Einmischung sahen. Maximilian versuchte, seine Machtbasis durch die Adoption der Enkel des früheren Kaisers Agustín de Iturbide und ihre Ernennung zu Thronfolgern sowie die Ernennung des Ex-Diktators Antonio López de Santa Anna zum Reichsmarschall zu verbreitern. Nach zwei Jahren in Mexiko verabschiedete Maximilian ein Dekret, durch das die Anhänger von Juárez als Räuber galten und ohne Gerichtsurteil getötet werden durften. Auf Grund dieses Dekrets wurden ca. 9000 Menschen ermordet.
Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs mussten die Franzosen auf Druck der USA ihre Truppen unter Marschall François-Achille Bazaine 1866 aus Mexiko abziehen. Danach konnte sich Kaiser Maximilian nicht mehr lange gegen den populären Juárez behaupten, da auch seine Hilferufe in Europa unbeantwortet blieben. Maximilians Gemahlin Charlotte reiste sogar persönlich nach Europa, um Napoleon III. und Papst Pius IX. um Hilfe zu bitten – letzterer versprach jedoch nur, für sie und ihren Mann zu beten. Daraufhin wollte Maximilian das Land verlassen, änderte seine Meinung aber nach dem Erhalt eines Briefes seiner Mutter, die ihn zum Bleiben aufforderte.
Mit seinen letzten Truppen verschanzte er sich zuletzt in die Stadt Querétaro, die nach einer Belagerung am 14. Mai 1867 fiel. Die Entscheidung fiel nicht durch einen Angriff der Belagerer, sondern durch Verrat. Oberst Miguel López hatte in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1867 den Zugang zur Stadt für die Truppen des gegnerischen Generals Mariano Escobedos (1826–1902) geöffnet. Zuvor hatte er allerdings dem Kaiser noch die Möglichkeit zur Flucht gegeben, die dieser jedoch ablehnte.
Maximilian wurde abgesetzt, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und nach einer Bestätigung des Todesurteils durch den wieder an die Macht gelangten Präsidenten Juárez am 19. Juni 1867 zusammen mit seinen Generälen Miguel Miramón und Tomás Mejía standrechtlich bei Tres Campanas, Querétaro, erschossen. Demselben Schicksal konnte sein Flügeladjutant, der deutsche Oberst Felix Prinz zu Salm-Salm, nur dank des persönlichen Einsatzes seiner Ehefrau Agnes knapp entgehen. Vor der Erschießung versicherte Maximilian den Soldaten, dass sie nur ihre Pflicht täten, steckte ihnen Goldmünzen zu und ersuchte sie darum, genau zu zielen und sein Gesicht zu schonen, damit seine Mutter seinen Leichnam identifizieren könne.