Maximianus von Ravenna (* 498 im istrischen Pola; † 22. Februar 556 in Ravenna) war ab 546 der erste Erzbischof von Ravenna, nachdem ihm eine Reihe von Bischöfen vorangegangen war, eine Reihe, die der Legende nach bis ins 1. Jahrhundert zurückreicht. Maximianus erlangte Anerkennung und Nachruhm als großer Förderer kirchlicher Bautätigkeiten sowie als Vertrauter Kaiser Justinians I.
Wichtigste Quelle hierfür ist der ravennatische Historiker Andreas Agnellus (* um 805; † nach 846) mit seinem Werk Liber pontificalis ecclesiae Ravennatis. Maximianus wurde demnach in der römischen Colonia Pola geboren. Zu dieser Zeit gehörte die Halbinsel Istrien, auf der sich Pola befindet, zum Ostgotenreich Theoderichs des Großen. Durch einen Schatzfund gelangte Maximianus zu Reichtum, den er zeit seines Lebens für umfangreiche Kirchenbauten und -ausschmückungen verwandte. Eine Kirche zu Ehren Marias in seiner Heimatstadt, Santa Maria Formosa, war das erste dieser Bauprojekte. In deren Gemeinde war er zunächst Diakon. Agnellus berichtet weiterhin, dass er einen Teil des Schatzes Kaiser Justinian schenkte, der dadurch auf ihn aufmerksam wurde. Maximianus reiste um 525 nach Alexandria, von dort, oder bei einer zweiten Reise, nach Konstantinopel, wo er die Gunst Kaiser Justinians erlangte.
535 oder 538 kam Pola mit der gesamten Halbinsel Istrien an Ostrom, spätestens aber 544. 552 zog auf Befehl Justinians und unter Führung des Feldherrn Narses eine Invasionsarmee über Istrien nach Italien.
Kaiserliche Protektion, Bischofsweihe in Patras (546), vor Ravenna (547)
Mit Justinians Unterstützung und seinem weit reichenden Einfluss empfing Maximianus am 14. Oktober 546 in Patras die Bischofsweihe von Papst Vigilius. Er erhielt das Pallium und wurde Erzbischof von Ravenna.
Papst Vigilius seinerseits war vom Kaiser in die Hauptstadt unter Anwendung von Gewalt verschleppt worden, um den Dreikapitelstreit zu beenden. Der Bischof von Rom lenkte ein, bekannte sich 553 sogar öffentlich dazu, nachdem die Absprachen bekannt gemacht worden waren. Dies wiederum führte im Norden Italiens zu einer Kirchenspaltung, die Jahrhunderte anhielt.
Das erst im Mai 540 eroberte Ravenna, wichtigste Stadt schon in der Spätantike und auch unter Theoderich, wurde unberührt von diesen heftigen theologischen Auseinandersetzungen bald zu einem Schwerpunkt der oströmischen Herrschaft in Italien. Der Klerus von Ravenna hatte dem Kaiser allerdings einen anderen Kandidaten vorgeschlagen, den Justinian zugunsten von Maximianus abgelehnt hatte. Dass die massive Ablehnung seitens des Ravennater Klerus mit dem Kirchenstreit zusammenhing, aber auch mit dem Eingreifen des Kaisers, liegt nahe. Der neue Bischof erreichte die gut befestigte Stadt an der Jahreswende 546 auf 547. Angesichts der Feindseligkeiten sah er sich gezwungen, in den ersten Monaten außerhalb der Stadt zu residieren, vor der Porta S. Victoris, einem der acht Stadttore, das im Norden die Stadtmauer deckte. Dem offenbar diplomatisch gewandten Kleriker gelang es schließlich, nicht nur Einlass zu erhalten, sondern sogar einen feierlichen Einzug zu arrangieren, wie Agnellus berichtet.
Amtstätigkeit als Erzbischof von Ravenna
Von seinen Vorgängern unterschied er sich in zweierlei Hinsicht, nämlich seiner enormen Bautätigkeit und seiner literarischen Interessen. Unter Maximianus‘ Tätigkeiten in Ravenna traten also die Verbesserung der Ausbildung des Klerus, sein Beitrag zur Vermehrung des Grundbesitzes der Kirche (durch den Erwerb beispielsweise des Istrischen Waldes von Vistrum) und vor allem die Förderung kirchlicher Bautätigkeiten hervor.
An seinem Residenzort setzte der Erzbischof seine Bautätigkeit fort. Die Kirche San Vitale wurde durch Maximianus fertiggestellt und 547 geweiht. Sie gilt als herausragendes Beispiel des in Ravenna neuartigen Baustils. Maximianus war darüber hinaus an der Fertigstellung der Ravennater Kirchen Sant’Apollinare in Classe und Santo Stefano beteiligt, wobei die erstgenannte bereits von seinen Vorgängern Ursicinus geplant und Victorius fortgesetzt worden war.
Nach dem genannten Liber pontificalis wurde der Grundstein von Sant’Apollinare bewusst im Hafen Classe gelegt, nämlich am 9. Mai 549, um sukzessive die Reliquien des Bistumsgründers Apollinaris aufzunehmen. Es folgten Reliquien weiterer seiner Vorgänger, nämlich von Probus, Eleuchadius und Calocerus. Daneben ließ er weitere Kirchen renovieren, erweitern oder prächtiger ausschmücken.
Um diese Bautätigkeiten finanzieren zu können, aber auch um den Hofstaat zu unterhalten und die Kleriker auszubilden, bedurfte es erhöhter Einnahmen. Wohl bei seinem Besuch in der Hauptstadt im Jahr 549 erhielt er den Wald von Vistrum sowie einen so bedeutenden Grundbesitz, dass dort ein Rector für dessen Verwaltung erhoben wurde. Bedeutender war wohl, dass er auf diese Weise in die kirchlichen Angelegenheiten der Kirche von Aquileia eingreifen konnte, die sich an vorderster Front gegen die Verurteilung der Drei Kapitel gestellt hatte. In seiner Heimatstadt Pola ließ er ein Domus rectorialis für die Verwaltung der Gebiete Ravennas auf Istrien errichten. Am Eingang des Hafens ließ er eine Kirche zu Ehren des Apostels Andreas errichten, den er stets besonders verehrte.
Nach seiner Rückkehr nach Ravenna im Jahr 550 initiierte er den Bau der Basilika S. Stefano, die später zerstört wurde. Außerdem ließ er S. Andrea Maggiore renovieren, mit Marmorsäulen aus Prokonnesos schmücken. In der Kirche ließ er den Bart des Heiligen Andreas aufbewahren.
Am 4. April 553 wird der Bischof in einem offiziellen Dokument mit dem Titel ‚Erzbischof von Ravenna‘ erwähnt, in dem auf die Schenkung von Silber und Ländereien an seine Kirche in den Gebieten von Urbino und Lucca Bezug genommen wird. Dieser Titel stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 548, als er in Italien als einziger die kaiserliche Verurteilung der Drei Kapitel vertrat.
Die wegen ihrer Elfenbeinschnitzereien bedeutende Kathedra des Doms von Ravenna gilt als der Bischofsstuhl Maximians. Sie zeigt sein Monogramm. Diese Maximianskathedra befindet sich heute im Erzbischöflichen Museum Ravenna.
Geschichtsschreiber, Sermones, Sacramentarium
Maximianus betätigte sich darüber hinaus als Geschichtsschreiber und verfasste ein häufig als Chronik bezeichnetes Werk. Von dieser Chronik ist mit Ausnahme zweier Zitate bei Andreas Agnellus, der diese benutzt zu haben scheint, nichts erhalten geblieben. Sie entstand vermutlich vor dem Amtsantritt als Erzbischof von Ravenna und diente (sofern das Wenige, das erhalten ist, diesen Schluss zulässt) nicht der Verherrlichung Ravennas als neues Erzbistum.
Auch soll Maximianus Sermones in zwölf Büchern verfasst haben. Derselbe Agnellus schreibt ihm ein Sacramentarium zu, in dem sich liturgische Formeln für kirchliche Anlässe fanden.