An diesem Tag

Max von der Grün

Deutscher Schriftsteller (1926–2005)

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Max von der Grün (* 25. Mai 1926 in Bayreuth; † 7. April 2005 in Dortmund) war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als maßgeblicher Antreiber der Erneuerung der Arbeiterliteratur in der Bundesrepublik.

Von der Grün wuchs in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen auf, nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet Anfang 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Weil er arbeitslos geworden war, ließ sich von der Grün 1951 für den Ruhrbergbau anwerben und arbeitete zwölf Jahre unter Tage. Während dieser Zeit begann er Gedichte, Essays und Prosa zu schreiben. 1962 veröffentlichte er seinen ersten Roman Männer in zweifacher Nacht über verunglückte Bergleute. Zugleich gehörte er zu den Mitbegründern und prägenden Mitgliedern der Dortmunder Gruppe 61, die sich die Schaffung einer neuen „Literatur der Arbeitswelt“ zum Ziel gesetzt hatte. Aufsehen erregte von der Grün mit seinem zweiten Roman Irrlicht und Feuer (1963), da ein Maschinenhersteller versuchte, die Veröffentlichung wegen angeblicher Falschdarstellung gerichtlich zu unterbinden. Von der Grün entschied sich für ein Leben als freier Schriftsteller und erlebte seinen eigentlichen Durchbruch mit der Verfilmung seines Romans durch das Fernsehen der DDR im Jahr 1966 und die Ausstrahlung des Zweiteilers im westdeutschen Fernsehen 1968.

Waren die frühen Texte von der Grüns noch stark von der eigenen Arbeitsrealität als Bergmann geprägt, entwickelten sie sich in den folgenden Jahren hin zu breiterer Gesellschaftskritik. In den Romanen Zwei Briefe an Pospischiel (1968) und Stellenweise Glatteis (1973) thematisierte von der Grün politische Kontinuitäten des Faschismus, Überwachung in Betrieben und gesellschaftliche Konflikte. Er setzte sich kritisch mit der industriellen Arbeitswelt und gewerkschaftlichen Strukturen auseinander. Einen großen Publikumserfolg erzielte er mit dem Jugendbuch Vorstadtkrokodile (1976), das die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen im Arbeitermilieu und den Umgang mit Körperbehinderung aufgriff. Daneben verfasste er Erzählungen, Reportagen und auch ein Theaterstück sowie ein Opernlibretto.

Nachdem von der Grün in den 1970er-Jahren noch Bestseller gelungen waren, wurde es ab den 1980er-Jahren zunehmend stiller um ihn. Mit insgesamt elf Fernsehfilmen, die nach seinen Texten produziert wurden, zählt er gleichwohl zu den am häufigsten verfilmten deutschen Schriftstellern. Die Literaturkritik monierte an von der Grüns Werken häufig die einfache Sprache und klischeehafte Darstellungen, erkannte jedoch seine Bedeutung für die Entwicklung einer realistischen, gesellschaftskritischen Literatur der Arbeitswelt an.

Max von der Grün kam als Sohn der Dienstmagd Margarete von der Grün (1901–1975) im Bayreuther Stadtteil Sankt Georgen, im Hinterhaus des Anwesens „Hinter der Kirche“ Nr. 1, unehelich zur Welt. Sein leiblicher Vater, der Knecht Adam Lauterbach (1906–1945), erkannte die Vaterschaft 1926 an, gründete aber 1932 mit einer anderen Frau eine Familie. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Verhältnisse der allein erziehenden Mutter kam Max schon bald in die Obhut seiner Großeltern in Schönwald in Oberfranken. Der Großvater Johann von der Grün (1873–1941) lebte in den 1920er-Jahren mit seiner Familie mit vier eigenen Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Zwischenzeitlich konnte die Mutter Max zu sich nehmen, aber er wurde 1933 in Schönwald eingeschult. Margarete von der Grün lernte in der Zwischenzeit den Schuster ohne Meisterbrief Albert Mark (1901–1965) kennen. Da Mark zu dieser Zeit tschechoslowakischer Staatsbürger war und verdächtigt wurde, Kommunist zu sein, wurde ihm der Aufenthalt in Bayern 1933 nicht genehmigt. Er zog nach Paulusbrunn in Böhmen. Dorthin folgte ihm Margarete, wo die beiden am 14. August 1933 heirateten. Max von der Grün zog ebenfalls nach Paulusbrunn. Während seine Mutter den Namen ihres Mannes annahm, behielt Max den Namen von der Grün, weil er nicht vom Stiefvater adoptiert worden war. Trotz guter Noten konnte er vermutlich aufgrund der Armut der Eltern keine höhere Schule besuchen.

Die Familie war evangelischer Konfession in einem katholischen Umfeld. Der Stiefvater war zudem bei den „ernsten Bibelforschern“, einer von den Zeugen Jehovas abgegrenzten Gruppe, verwurzelt. Max von der Grün gab später an, er sei streng lutherisch erzogen worden. Sein Vater habe mit ihm Bibelstunden abgehalten. Einen Einfluss der Sekte auf sich konnte er aber nicht feststellen. Als Paulusbrunn nach dem Münchner Abkommen zu Deutschland kam, wurde Albert Mark wegen Schmuggels verbotener Schriften in „Schutzhaft“ genommen und vom 14. Oktober bis 12. November 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Max kam wieder zu den Großeltern nach Schönwald, während seine Mutter zu ihrer Schwiegermutter nach Mitterteich zog. Der Stiefvater tauchte nach seiner Haftentlassung unter und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten auf Wanderschaft durch. Ein enges Verhältnis zu seinem Stiefvater hatte Max von der Grün nicht.

Nach dem Abschluss der Volksschule begann von der Grün 1941 eine kaufmännische Lehre in den Rosenthal Porzellanfabriken in Selb und Marktredwitz. Im Spätherbst 1941 verlor er die Lehrstelle, weil er mit Schulfreunden einen Streich verübt hatte und zu mehrwöchigem Jugendarrest verurteilt worden war. Er musste zu seiner Mutter ziehen. Er gehörte weder Jungvolk noch Hitlerjugend an und wurde am 28. August 1943 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Von dort meldete er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern und wurde in der 2. Fallschirmjäger-Division zum Funker ausgebildet. Anfang August 1944 wurde Max von der Grün bei Quimper in der Bretagne gefangen genommen. Als Kriegsgefangener kam er über Schottland nach Monroe in Louisiana. In amerikanischer Kriegsgefangenschaft arbeitete er als Landarbeiter, als Holzfäller, im Steinbruch und im Bergbau. Am 10. August 1946 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte nach Mitterteich zurück.

Angaben der autobiographischen Schriften

Biografische Darstellungen des Lebens Max von der Grüns haben sich lange an seinen Selbstauskünften und autobiographischen Schriften orientiert. So veröffentlichte von der Grün 1979 Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Diese Dokumente enthalten teils unpräzise, teils verklärende und teils falsche Angaben, die von der Grün zeitlebens nicht korrigierte. So gab von der Grün an, das Kind von Albert von der Grün zu sein; seine Mutter sei eine geborene Mark. Seine Jahre in Paulusbrunn verschwieg er. Er gab an, die höhere Schule nach der Verhaftung seines Stiefvaters verlassen zu haben, die aber tatsächlich erst über ein Jahr später erfolgte. Lebenslang erzählte er die Legende, sein Stiefvater sei bis 1945 im KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen. Dabei deutet von der Grün in der Erzählung Grenze (1965) und dem autobiographischen Roman Zwei Briefe an Pospischiel (1968) an, die Wahrheit zu kennen. Er verschwieg seine Jugendstrafe. Als Ende seiner Kriegsgefangenschaft gab er 1948 an. Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Scholz erkennt bei von der Grün „eine gewisse Verklärung der harten Verhältnisse, unter denen er aufgewachsen ist“. Von der Grün habe es darauf angelegt, „die reale Biographie seiner Jugend in Franken mit der Aura einer Märchengeschichte zu umgeben und damit die Härte des wirklichen Lebens zu mildern. […] Er hat seine Familie durch Korrekturen der Wirklichkeit zu einer Familie der vorzeigbaren Normalität stilisiert.“

Nach der Gefangenschaft in den Vereinigten Staaten versuchte von der Grün zunächst in der bayerischen Heimat Fuß zu fassen. Er arbeitete zunächst als kaufmännischer Angestellter in Marktredwitz, wechselte aber wegen besserer Verdienstmöglichkeiten und Schwerstarbeiterzulagen im August 1948 auf den Bau. Nach dem Bankrott der Firma wurde er im Januar 1951 arbeitslos. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Bibliothek eines Zisterzienserklosters ließ er sich nach einem halben Jahr für den Ruhrbergbau anwerben und legte zunächst als Schlepper auf der Zeche Königsborn II/V in Heeren bei Unna an. Er wurde Hauer und nach einem Unfall 1954 Grubenlokomotivführer. Seine Freundin Lieselotte Köhler folgte ihm ins Ruhrgebiet. Die beiden heirateten 1953; die erste Tochter, Rita, wurde 1955 geboren.

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