An diesem Tag

Max von Baden

Deutscher Reichskanzler und letzter Thronfolger des Großherzogtums Baden

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Maximilian Alexander Friedrich Wilhelm Prinz und Markgraf von Baden, Herzog von Zähringen, (kurz (Prinz) Max von Baden; * 10. Juli 1867 in Baden-Baden; † 6. November 1929 in Konstanz) war 1918 der letzte Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs und der letzte Thronfolger des Großherzogtums Baden.

Der als relativ liberal geltende Prinz, ein Cousin Kaiser Wilhelms II., übernahm das Amt des Reichskanzlers in der Schlussphase des Ersten Weltkriegs am 3. Oktober 1918 von seinem Vorgänger Georg Graf von Hertling und hatte es bis zum 9. November etwa fünf Wochen lang inne. Da die Kriegsniederlage des Deutschen Reiches bereits feststand, sollte Max von Baden im Zuge der sogenannten Oktoberreformen das parlamentarische Regierungssystem unter Beibehaltung der Monarchie formell einführen. Als Staatssekretäre berief er neben einigen bürgerlich-konservativen Parteipolitikern zum ersten Mal in der Geschichte des Reiches auch zwei Vertreter der im Reichstag die Mehrheitsfraktion bildenden Sozialdemokraten ins Regierungskabinett. Dies sollte sowohl Vertrauen bei der Bevölkerung als auch bei den Kriegsgegnern der alliierten Mächte schaffen, um erträgliche Friedensbedingungen für Deutschland zu erreichen.

Als die durch den Kieler Matrosenaufstand ausgelöste Novemberrevolution am 9. November die Reichshauptstadt Berlin erfasste, wollte er Unruhen entgegenwirken. Er gab eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt, die nach der deutschen Bitte um Waffenstillstand von den USA gefordert worden war. Sein Versuch, die Monarchie als solche zu retten, scheiterte. Als Reichsverweser stellte er sich nicht zur Verfügung. Unmittelbar nachdem er das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der Mehrheits-SPD, übergeben hatte, rief dessen Parteigenosse Philipp Scheidemann „die deutsche Republik“ aus.

Zur Zeit der Weimarer Republik spielte Max von Baden keine staatspolitische Rolle mehr. Bis zu seinem Tod im Jahr 1929 widmete er sich vor allem der von ihm 1919 mitgegründeten und bis heute bestehenden Reformschule Schloss Salem.

Max von Baden wurde als Sohn des preußischen Generals und badischen Prinzen Wilhelm (1829–1897) und Maria Maximilianowna von Leuchtenberg (1841–1914), einer Enkelin von Eugène de Beauharnais und Nichte des Zaren Alexanders II. von Russland, geboren. Nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums studierte er Rechtswissenschaft und Kameralwissenschaft, u. a. an der Universität Leipzig. Anschließend trat er in der Offizierslaufbahn in die Preußische Armee ein. Er stand später À la suite beim Garde-Kürassier-Regiment.

1886 und 1887 erhielt Max von Baden die Corpsschleifen der Rhenania Freiburg, Saxo-Borussia Heidelberg und Suevia Heidelberg. Er war überdies Mitglied der Studentenverbindung Rupertia Heidelberg.

Er war homosexuell, entschloss sich aber aus dynastischen Gründen zu einem Leben als Ehemann und Familienvater, ähnlich wie sein Cousin Gustav V. von Schweden. Er war dadurch erpressbar, was sich am Ende seiner Zeit als Reichskanzler verhängnisvoll auswirkte.

Am 1. November 1918 drohte ihm die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria telefonisch, sie würde seine Homosexualität öffentlich machen, wenn Max ihren Mann zur Abdankung zwänge. Er erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch und musste mit einem opiumhaltigen Medikament in einen mehrtägigen Dauerschlaf versetzt werden.

Mindestens ab 1912 hatte er eine Beziehung mit dem Geologen Wilhelm Paulcke.

Als sein Onkel, Großherzog Friedrich I., 1907 starb, wurde Max Thronfolger und Präsident der Ersten Badischen Kammer, da die Ehe seines Vetters, Großherzog Friedrich II., kinderlos blieb. Ende April 1903 übernahm er als Oberstleutnant das Kommando über das 1. Badische Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20. 1906 wurde Max Oberst und im Jahr darauf stieg er zum Kommandeur der 28. Kavallerie-Brigade auf, wo er es bis zum Generalmajor brachte. 1911 nahm er als Generalleutnant seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienst.

Offenbar war er auch landwirtschaftlich engagiert. Auf der badischen Staatsdomäne Kirschgartshausen bei Mannheim, die gleichzeitig Hausfideikommiss-Bestandteil seiner Familie war, befinden sich zwei auf ihn als Bauherrn bezogene Inschriften: ERBAUT UNTER MAXIMILIAN PRINZ UND MARKGRAF VON BADEN · 1909 und MAXIMILIAN PRINZ U. MARKGRAF ZU BADEN · 1911.

1914 wurde er reaktiviert und nahm für kurze Zeit seinen Dienst beim Generalstab des XIV. Armee-Korps auf, dem die badischen Truppenkontingente unterstanden. Aber schon im Oktober kehrte er nach Baden zurück. Wilhelm II. beförderte ihn im Dezember 1914 zum General der Kavallerie. Neben seiner Zuteilung zum Generalkommando des XIV. Armee-Korps widmete sich Max ab Oktober als Ehrenpräsident des Badischen Roten Kreuzes während des ganzen Krieges der Fürsorge für Kriegsgefangene aller Nationalitäten. 1916 wurde er Ehrenpräsident der deutsch-amerikanischen Kriegsgefangenenhilfe des Weltbundes der Christlichen Vereine Junger Männer (CVJM). Frontdienst verweigerte er, was ihm als Versagen ausgelegt wurde; er wurde als „Sanitätsgeneral“ verspottet.

Prinz Max galt als liberaler Aristokrat und wurde immer mehr zum Kristallisationspunkt des gemäßigten politischen Lagers, das in Opposition zum ultrarechten Flügel, vertreten durch die Oberste Heeresleitung, stand. Schon 1917 lehnte er öffentlich die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges ab, der schließlich am 6. April 1917 zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika führte.

Eine bemerkenswerte Ambivalenz der Persönlichkeit trat 2004 zutage, als ein freundschaftlicher Briefwechsel mit dem Antisemiten und Rasse-Ideologen Houston Stewart Chamberlain im Archiv der Richard-Wagner-Gedenkstätte in Bayreuth entdeckt wurde. Briefe und Telegramme aus den Jahren 1909 bis 1919 enthalten auf der einen Seite zahlreiche antisemitische Äußerungen Chamberlains, denen der Prinz nicht widersprach. In einem Brief aus dem Jahr 1916 äußerte er sogar, die „Gefahr der Verjudung“ sei ihm gewärtig. Gleichzeitig war einer seiner engsten Vertrauten, Kurt Hahn, mit dem er die Schule Schloss Salem gründete, jüdischer Herkunft.

Hahn war es, der den Prinzen auf den Gedanken brachte, Politiker zu werden. Obwohl er über keinerlei politische Erfahrung verfügte, entwickelte Max im Spätsommer die Vorstellung, er könne die Welt mit einer Friedensbotschaft beeindrucken und so Deutschland aus der absehbaren militärischen Niederlage retten. Dass dieses Konzept vielleicht nicht aufgehen würde, kam ihm, wie Lothar Machtan schreibt, nicht in den Sinn: „Einen Plan B hatte er nicht parat.“

Als man Anfang Oktober 1918 in Berlin – den drohenden militärischen Zusammenbruch vor Augen – hastig einen glaubwürdigen Regierungschef für die anstehenden Waffenstillstandsverhandlungen suchte, schien Max von Baden der richtige Mann zu sein. Man hoffte darauf, dass er wegen seiner nationalen und internationalen Reputation und wegen seines Eintretens gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg vom US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson akzeptiert werden würde, obwohl die Berufung eines großherzoglichen Prinzen nicht das beste Zeichen für die anstehende Demokratisierung darstellte. Auch mangelte es Max von Baden an Führungskraft für die schwierigen Aufgaben.

Aber auch innenpolitisch war die Oberste Heeresleitung zu Zugeständnissen bereit, um die Glaubwürdigkeit des Gesuchs zu untermauern. Erich Ludendorff selbst forderte die Umwandlung des Reiches in eine parlamentarische Monarchie unter Einbeziehung der oppositionellen Parteien, v. a. der Sozialdemokraten, um das Waffenstillstandsgesuch nicht selbst übergeben und die Verantwortung für die militärische Niederlage übernehmen zu müssen. Auch hier schien Prinz Max von Baden als Liberaler und Mitglied des badischen Fürstenhauses für Sozialdemokraten und Konservative gleichermaßen ein annehmbarer Kandidat. Nur der besonders reaktionäre General Karl von Einem soll gerufen haben: „Wer hätte an den Bademax gedacht und nicht gelacht!“ Damit spielte er auf die unter eingeweihten Militärs bekannte Tatsache an, dass Max als junger Gardeleutnant in Berlin von der Kriminalpolizei auf eine einschlägige Liste (nach § 175) gesetzt worden war.

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