An diesem Tag

Max und Moritz

Bildergeschichte von Wilhelm Busch

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Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen ist eine Bildergeschichte des deutschen humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Sie wurde Ende Oktober 1865 erstveröffentlicht und zählt damit zum Frühwerk von Wilhelm Busch. Im Handlungsgefüge weist sie auffällige Gesetzmäßigkeiten und Grundmuster inhaltlicher, stilistischer und wirkungsästhetischer Art auf, die sich auch in den späteren Arbeiten von Wilhelm Busch wiederholen. Viele Reime dieser Bildergeschichte wie „Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende sehe!“, „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ und „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!“ sind zu geflügelten Worten im deutschen Sprachgebrauch geworden. Die Geschichte ist eines der meistverkauften Kinderbücher und wurde in 300 Sprachen und Dialekte übertragen.

Wilhelm Busch wollte nach einem nicht abgeschlossenen Kunststudium in Düsseldorf und Antwerpen in München weiterstudieren. Der Wunsch führte zu einem Zerwürfnis mit seinem Vater, der ihn schließlich mit einer letzten Geldzahlung nach München verabschiedete. Die Erwartungen, die Wilhelm Busch an sein Kunststudium an der Münchener Akademie gehegt hatte, wurden allerdings nicht erfüllt. Kontakte zur Münchner Kunstszene fand Wilhelm Busch im Künstlerverein Jung-München, in dem nahezu alle wichtigen Münchener Maler zusammengeschlossen waren und für deren Vereinszeitung Wilhelm Busch unter anderem Karikaturen und Gebrauchstexte verfertigte. Kaspar Braun, der die satirischen Zeitungen Münchener Bilderbogen und Fliegende Blätter verlegte, wurde dadurch auf Busch aufmerksam und bot ihm schließlich eine freie Mitarbeit an. Dank der Honorare war Wilhelm Busch erstmals schuldenfrei und verfügte über ausreichende Geldmittel für seinen Lebensunterhalt.

Zwischen 1860 und 1863 verfasste Wilhelm Busch über hundert Beiträge für den Münchener Bilderbogen und die Fliegenden Blätter. Die Abhängigkeit vom Verleger Kaspar Braun fand Busch zunehmend beengend, sodass er sich mit Heinrich Richter, dem Sohn des sächsischen Malers Ludwig Richter, einen neuen Verleger suchte. In Heinrich Richters Verlag waren bislang nur Werke von Ludwig Richter sowie Kinderbücher und religiöse Erbauungsliteratur erschienen. Wilhelm Busch war sich dieser Tatsache möglicherweise nicht bewusst, als er mit Heinrich Richter die Publikation eines Bilderbuches vereinbarte. Die Themenwahl war Wilhelm Busch freigestellt gewesen, seine vier vorgeschlagenen Bildergeschichten stießen jedoch bei Heinrich Richter auf Vorbehalte. Noch während die Bilderpossen für den Druck vorbereitet wurden, begann Wilhelm Busch im November 1863 an Max und Moritz zu arbeiten. Am 12. Dezember desselben Jahres hatte er circa 100 Zeichnungen fertig, die er Heinrich Richter im Oktober 1864 zur Veröffentlichung anbot.

Die Bedenken Heinrich Richters gegenüber den Geschichten der Bilderpossen waren berechtigt; das 1864 erschienene Buch erwies sich als Misserfolg. Es war weder ein Märchen- noch ein Bilder- oder Karikaturenbuch und übertraf in seiner Grausamkeit den Struwwelpeter bei weitem. Noch im November 1864 machte Heinrich Richter seinem Autor Hoffnung, dass sich die Verkaufszahlen im Weihnachtsgeschäft verbessern würden, was allerdings nicht eintrat. Heinrich Richter lehnte zu Beginn des Jahres 1865 das Manuskript zu Max und Moritz schließlich wegen mangelnder Verkaufsaussichten ab, nachdem auch sein Vater Ludwig Richter zu dem Urteil gekommen war, dass Leute, die an so etwas ihr Vergnügen hätten, keine Bücher kaufen würden.

Wilhelm Busch wandte sich am 5. Februar wieder an seinen alten Verleger Kaspar Braun, obwohl er seit einiger Zeit nicht mehr mit ihm gesprochen und korrespondiert hatte:

Kaspar Braun sagte noch im Februar 1865 die Veröffentlichung zu, ohne die Verstimmung zwischen ihnen beiden zur Sprache zu bringen, und bat Wilhelm Busch lediglich, Texte und Bilder noch einmal zu überarbeiten. Anders als Wilhelm Busch vorgeschlagen hatte, wollte Braun die Geschichte nicht in den Fliegenden Blättern veröffentlichen, sondern damit das Kinderbuchprogramm des Verlags Braun & Schneider erweitern. Für die Rechte an der Bildergeschichte zahlte Kaspar Braun an Wilhelm Busch einmalig 1.000 Gulden. Dies entsprach etwa zwei Jahreslöhnen eines Handwerkers und war für Wilhelm Busch eine stolze Summe. Für Kaspar Braun und seinen Verlag sollte sich das Geschäft mittel- und langfristig als verlegerischer Glücksgriff erweisen. Im August 1865 zeichnete Wilhelm Busch in München die Geschichte auf Holzdruckstöcke, und im Oktober 1865 kam die Bildergeschichte mit einer Auflage von 4000 Exemplaren heraus. Der Verkauf dieser ersten Auflage mit einem Einband aus schlichter, heller Pappe zog sich bis 1868 hin. Für ein Exemplar dieser Erstauflage wurden im Jahr 1998 auf einer Auktion umgerechnet 125.000 Euro bezahlt.

Der Erzähler beginnt die Geschichte mit einer moralischen Einleitung, in der er die Namen der beiden Lausbuben Max und Moritz nennt.

Statt finsterer Unholde blicken den Leser zwei kecke Knaben an.

Dieses Vorwort verweist parodistisch-satirisch auf die allgemeine Schlechtigkeit von Kindern. Nun wird dies an Beispielen vorgeführt. In fünf Kapiteln spielen die zwei Buben den Dorfbewohnern böse Streiche, der sechste misslingt, im siebten kommen sie zu Tode.

Opfer des ersten und zweiten Streiches wird Witwe Bolte, der drei Hühner und ein Hahn gehören. Diese vier Federtiere finden den Tod, nachdem sie einen von den Buben ausgelegten Köder gefressen und sich mit den daran befestigten Schnüren im Apfelbaum verfangen haben. Witwe Bolte, vom Tod ihrer Hühner tief betrübt, brät sie alle in der Pfanne. Aber als sie im Keller Sauerkohl holt, angeln Max und Moritz die Brathühner durch den Kamin aus der Pfanne, wofür die Witwe zu Unrecht ihren Spitz bestraft.

Im dritten Streich suchen sich Max und Moritz den Schneider Böck als Opfer. Sie sägen einen hölzernen Steg neben seinem Haus an und locken den Schneider mit Schmährufen. Als dieser mit der Schneiderelle in der Hand über den Steg läuft, um die Bösewichte zu bestrafen, bricht der Steg. Er fällt in den Bach und wird nur dadurch gerettet, dass ihn ein Gänsepaar herauszieht.

Den vierten Streich spielen sie dem Lehrer Lämpel. Sie dringen während seiner Abwesenheit in sein Haus ein und füllen dem Knaster-Liebhaber Schwarzpulver in die Meerschaum-Pfeife. Der zurückkehrende Lämpel zündet sich wie gewohnt die Pfeife an und erleidet bei der folgenden Explosion schwere Verbrennungen.

Ebenso erfolgreich sind sie in ihrem fünften Streich, bei dem sie Onkel Fritz Maikäfer ins Bett setzen. Dieser muss einen nächtlichen Vernichtungskampf gegen die eigentlich harmlosen Insekten führen.

Der sechste Streich gelingt den beiden nicht. Über den Kamin gelangen sie in eine Bäckerei. Dabei fallen sie in die Mehlkiste und klettern weiß bestäubt auf einen Stuhl, um an die süßen Brezeln zu gelangen. Der Stuhl bricht, und die zwei stürzen in die Teigmulde. Der Bäcker greift die in Teig eingehüllten Buben, formt sie zu Broten und schiebt sie in den Ofen. Die beiden überleben das aber, fressen sich durch den Teigmantel und entkommen.

Der siebte Streich führt schließlich zum Tod der beiden. Bauer Mecke erwischt sie, als sie Löcher in seine Getreidesäcke schneiden, und bringt sie zur Mühle, wo der Müller sie in der Mühle zerschrotet. Anschließend fressen die zwei Enten des Müllers alles auf.

Im Epilog freuen sich alle Opfer über das Ende der Übeltäter:

Wie alle frühen Bildergeschichten wurde auch Max und Moritz für den Druck mittels Holzstich vorbereitet. Erst ab Mitte der 1870er Jahre arbeitete Wilhelm Busch mit Zinkografie, was den Bildergeschichten, beginnend mit Herr und Frau Knopp, mehr den Charakter einer freien Federzeichnung verleiht. Der Holzstich ist eine Methode des Hochdruckverfahrens, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts von dem englischen Grafiker Thomas Bewick entwickelt und im Verlauf des 19. Jahrhunderts zur meistverwendeten Reproduktionstechnik für Illustrationen wurde. Wilhelm Buschs Verleger Kaspar Braun hatte in jungen Jahren in Deutschland die erste Werkstatt gegründet, die mit Holzstich arbeitete.

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