An diesem Tag

Max Wertheimer

Psychologe und Mitbegründer der Gestaltpsychologie bzw. der Gestalttheorie

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Max Wertheimer (* 15. April 1880 in Prag, Österreich-Ungarn; † 12. Oktober 1943 in New Rochelle, New York) gilt als der Hauptbegründer der Gestaltpsychologie bzw. der Gestalttheorie (zusammen mit Wolfgang Köhler und Kurt Koffka).

Max Wertheimer war ein Sohn des Lehrers Wilhelm Wertheimer (* 1. November 1853; † 5. September 1930) und seiner Ehefrau Rosa, geb. Zwicker (* 7. August 1850; † 23. Juni Oktober 1932). Wertheimer wurde 1905 bei Oswald Külpe in Würzburg über Tatbestandsdiagnostik promoviert. 1905 bis 1912 betrieb er private Universitätsstudien in Berlin, Würzburg, Frankfurt, Prag und Wien. 1910 bis 1914 erarbeitete Wertheimer die Grundlagen der Gestalttheorie und führte die entscheidenden Experimente zu den Gestaltgesetzen mit Wolfgang Köhler und Kurt Koffka in Frankfurt durch, wo er sich 1912 mit seinen Experimentellen Studien über das Sehen von Bewegung habilitierte. Das Erscheinen dieser Studie (siehe Phi-Phänomen) wird im Allgemeinen als Geburtsstunde der Gestalttheorie angesehen.

Nach einer Privatdozentur (1912–1916) an der Universität Frankfurt war Wertheimer von 1916 bis 1922 Privatdozent, anschließend (1922–1929) außerordentlicher Professor für Psychologie an der Universität Berlin. Er lebte in dieser Zeit bei dem mit ihm befreundeten Ingenieur Georg Stern und dessen Familie in Berlin-Karlshorst. In dieser Zeit begann auch seine Freundschaft mit Albert Einstein. 1921 gründete Wertheimer zusammen mit Köhler, Koffka, Kurt Goldstein und dem Psychiater Hans Walter Gruhle die Zeitschrift Psychologische Forschung, die zum Hauptpublikationsorgan der Gestalttheorie werden sollte. 1929 bis 1933 war Wertheimer ordentlicher Professor für Psychologie an der Universität Frankfurt.

1933 wanderte Max Wertheimer angesichts des aufstrebenden Nationalsozialismus über die Tschechoslowakei in die USA aus, wo er von 1933 bis 1943 an der New School for Social Research in New York lehrte. Seine dortigen Seminare beeinflussten zahlreiche amerikanische Wissenschaftler und trugen entscheidend zur Verbreitung gestalttheoretischen Denkens in den USA bei.

Max Wertheimer publizierte nicht sehr viel unter seinem eigenen Namen, prägte aber viele von ihm inspirierte und angeleitete Arbeiten entscheidend. Dazu gehören etwa die Arbeiten von Rudolf Arnheim über die Personwahrnehmung, die von Heinrich Schulte über eine Theorie der Paranoia und auch die von Lauretta Bender (1897–1987) zu dem von ihr entwickelten Bender-Motor-Gestalt-Test. Zu den bedeutenden Schülern und Mitarbeitern von Max Wertheimer in den USA zählten unter anderen Abraham S. Luchins (Psychiater, Pionier der Gruppentherapie) und sein früherer Assistent Erwin Levy (Psychologe, Psychoanalytiker und Psychiater).

Max Wertheimer war mit Anna, geborene Caro (geboren am 16. Juni 1901 in Landsberg an der Warthe), verheiratet. Bis zur Flucht wohnte das Ehepaar in der Mainzer Landstraße 187/189 in Frankfurt am Main. Zwei ihrer Kinder, Michael Wertheimer (1927–2022) und Lise Wertheimer Wallach (1928–2021), waren ebenfalls Psychologen.

Experimentelle Untersuchungen zur Tatbestandsdiagnostik. In: Archiv für die gesamte Psychologie. Band 6, 1905, S. 59–131.

Musik der Wedda. In: Sammelbände der internationalen Musikgesellschaft. Band 11, Leipzig 1910, S. 300–309.

Über das Denken der Naturvölker. I. Zahlen und Gebilde. In: Zeitschrift für Psychologie. Band 60, 1912, S. 321–378. Englische Übersetzung in D. N. Robinson (Hrsg.): Significant Contributions to the History of Psychology. Series A. Orientations. Band II, University Publications of America, Washington D. C. 1977.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. (PDF; 9,0 MB). In: Zeitschrift für Psychologie. Band 61, 1912, S. 161–265. Englische Übersetzung in T. Shipley (Hrsg.): Classics in Psychology. Philosophical Library, New York 1961; neue vollständige Übersetzung in On Perceived Motion and Figural Organization. Herausgegeben von Lothar Spillmann und Michael Wertheimer. 2012.

Über Schlussprozesse im produktiven Denken. Weltkreisverlag, Berlin 1920. Gekürzte englische Fassung in W. D. Ellis (Hrsg.): A Source Book of Gestalt Psychology. Kegan Paul, Trench, Trubner, London, S. 274–282.

Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt. I. Prinzipielle Bemerkungen. In: Psychologische Forschung. Band 1, 1922, S. 47–58. Gekürzte englische Fassung in W. D. Ellis (Hrsg.): A Source Book of Gestalt Psychology. Kegan Paul, Trench, Trubner, London S. 71–88 (Reprint 2017 in der Zeitschrift Gestalt Theory).

Bemerkungen zu Hillebrandts Theorie der stroboskopischen Bewegungen. In: Psychologische Forschung. Band 3, 1923, S. 106–123.

Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt. II. In: Psychologische Forschung. Band 4, 1923, S. 301–350. Englische Übersetzung 2012 in: On Perceived Motion and Figural Organization. Herausgegeben von Lothar Spillmann und Michael Wertheimer.

Drei Abhandlungen zur Gestalttheorie. Verlag der Philosophischen Akademie, Erlangen 1925. Unveränderter reprografischer Nachdruck: Darmstadt 1967 (Digitalisat).

Über Gestalttheorie. In: Symposion. Band 1, 1927, S. 39–60.

Gestaltpsychologische Forschung. In: E. Saupe (Hrsg.): Einführung in die neuere Psychologie. Osterwieck am Harz 1928.

Zu dem Problem der Unterscheidung von Einzelinhalt und Teil. In: Zeitschrift für Psychologie. Band 129, 1933, S. 353–357.

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