An diesem Tag

Max Stirner

Deutscher Philosoph

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Max Stirner (Pseudonym), eigentlich Johann Caspar Schmidt (geboren am 25. Oktober 1806 in Bayreuth; gestorben am 25. Juni 1856 in Berlin) war ein deutscher Philosoph, Journalist, Schriftsteller und Übersetzer.

Johann Caspar Schmidt stammte aus bürgerlichen Verhältnissen. Seine Eltern waren Albert Christian Heinrich Schmidt (1769–1807) und Sophie Eleonore Schmidt geb. Reinlein (1778–1839). Der Vater war Porträtmaler und fertigte Holzblasinstrumente; er starb im Alter von 37 Jahren, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Seine Mutter heiratete drei Jahre später den Apotheker Ballerstedt und zog von Bayreuth nach Culm an der Weichsel in Westpreußen. Dort kam 1809 Johann Caspars Halbschwester Johanna Friederica zur Welt, die nur knapp drei Jahre alt wurde. 1810 holte die Mutter Johann Caspar zu sich; im Alter von zwölf Jahren kehrte dieser 1818 nach Bayreuth zurück.

In Bayreuth lebte er bei seinen Pateneltern, besuchte das örtliche Gymnasium und bestand dort 1826 mit dem Prädikat „Sehr würdig“ als Drittbester das Abitur. Seine Lehrer, die sich „meiner mit grosser Liebe annahmen, so dass ich dankbar ihrer gedenke“, bezeichneten ihn im Nachhinein als hochbegabt und vielversprechend. Von seinen Mitschülern – darunter Jean Pauls Sohn Max – wurde der Gymnasiast mit der auffallend hohen Stirn damals schon scherzhaft „Stirner“ genannt.

Nach dem Abitur studierte er von 1826 bis 1828 in Berlin bei Hegel, Schleiermacher und anderen. 1828/1829 war er an der Universität Erlangen immatrikuliert. Nach längerer Unterbrechung studierte er 1832/1833 zwei weitere Semester in Berlin, um die Voraussetzung zur Ausübung des Lehrberufs zu erfüllen. Er schloss sein Studium 1835 ab, bekam dann jedoch keine staatliche Anstellung und trat seine erste Stelle 1839 bei einer privaten Schule für höhere Töchter in Berlin an. Seit 1841 verkehrte er dort bei den „Freien“, einem Debattierzirkel oppositioneller (liberaler und sozialistischer) Akademiker und Publizisten, dem unter anderem Bruno Bauer, Edgar Bauer, Karl Friedrich Köppen, Ludwig Buhl, Adolf Friedrich Rutenberg, Hermann Maron und kurzzeitig Friedrich Engels angehörten. Zu dieser Zeit publizierte er Artikel und Zeitungskorrespondenzen sowohl anonym als auch unter dem Pseudonym „Max Stirner“.

Ab circa 1843 arbeitete er am Manuskript seines Hauptwerkes Der Einzige und sein Eigentum. Dieses erschien im Oktober 1844 mit Erscheinungsdatum 1845. Es wurde umgehend verboten, nach einer Woche wurde – zumindest im Königreich Sachsen – das Verbot wieder aufgehoben. Unmittelbar zuvor hatte Stirner seine Anstellung aufgegeben; die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Stirner war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Agnes Clara Kunigunde Burtz, die er am 12. Dezember 1837 ehelichte, starb am 29. August 1838 im Kindbett; auch das Kind konnte nicht gerettet werden. Am 21. Oktober 1843 heiratete Stirner Marie Wilhelmine Dähnhardt, die Tochter eines wohlhabenden Apothekers aus Gadebusch, die in Berlin bei den „Freien“ verkehrte. Die Brautleute gestalteten die Hochzeitsfeier zu einer formvollendeten Satire auf das kirchliche Eheschließungszeremoniell. Stirners Buch Der Einzige und sein Eigentum, das ein Jahr danach erschien, trägt die Widmung „Meinem Liebchen Marie Dähnhardt“. Das Paar trennte sich 1846. Marie konvertierte zum katholischen Glauben und ging nach England.

Max Stirner übersetzte 1847 Adam Smiths The Wealth of Nations ins Deutsche, schrieb weiterhin Artikel und erstellte zuletzt eine Kompilation Geschichte der Reaktion (1852). Er starb 1856 infolge einer Infektion, verursacht durch einen Insektenstich, und wurde auf dem II. Sophien-Friedhof in Berlin-Mitte in der Abt. V-8-53, G3 bestattet. Sein Nachlass muss als verschollen gelten. Nur sehr wenige Originaldokumente von und über Stirner sind erhalten geblieben. Auch gibt es keine zeitgenössischen Bildnisse, nur zwei Skizzen von Friedrich Engels, eine von 1842, die Stirner im Rahmen eines Gruppenbildes der „Freien“ zeigt, die andere, ein Kopfprofil, das er fast fünfzig Jahre später aus dem Gedächtnis angefertigt hat. Letztere soll Zeitgenossen zufolge Stirner allerdings „nicht ähnlich“ sehen. Der Schriftsteller und Stirner-Verehrer John Henry Mackay schrieb eine Biographie Stirners (1898, erw. 1910, erw. 1914), der später kaum noch etwas hinzugefügt werden konnte.

Max Stirner wird philosophiehistorisch meist der Hegelschen Linken bzw. den Junghegelianern zugeordnet. In Der Einzige und sein Eigentum kritisierte er zwar Hegel, in erster Linie aber die Junghegelianer, namentlich Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach. Ihnen, die meinten, nach dem deutschen Idealismus die atheistische Aufklärung in Deutschland zu begründen, rief er spöttisch zu: „Unsere Atheisten sind fromme Leute“ (EE, 203). Was er damit meinte, fasste er wie folgt: „Das Jenseits außer Uns ist allerdings weggefegt, und das große Unternehmen der Aufklärer vollbracht; allein das Jenseits in Uns ist ein neuer Himmel geworden und ruft Uns zu neuen Himmelstürmen auf“ (aus der Präambel zur 2. Abteilung des Einzigen – EE, 170).

Stirners Philosophie weist im Kern, unter Abzug aller Polemik, auf Praxis: Nach der Aufklärung gelte es, um wirklich den viel beschworenen Ausgang aus der „Unmündigkeit“ zu schaffen, auch das „Jenseits in Uns“ zu beseitigen. Hier zeigt sich auch Stirners pädagogische Motivation, die jungen Unmündigen zu befähigen, aus ihrer Unmündigkeit auszutreten. Dieser Aufklärungsprozess wird als Wendung gegen „kollektivistische Funktionalisierungsprozesse“ verstanden, die sich nach Stirner vor allem in religiösen Kontexten zeigen. Den aus der Unmündigkeit ausgetretenen Menschen nennt Stirner den „Eigner“ (von „Allem“, inklusive seiner selbst), provokant auch den „Egoisten“. Eigner können grundsätzlich auf zweierlei Weise entstehen: entweder durch den sozusagen autotherapeutischen Bildungsakt der „Empörung“, verstanden als das „Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden“ (EE, 354), oder durch eine besondere Art von Erziehung, die das Heranwachsen des Kindes zum Eigner möglichst wenig behindert (s. Abschnitt „Pädagogik“).

Das Stirnersche „Jenseits in Uns“ bezeichnet in etwa das, was Sigmund Freud später Über-Ich nannte, also eine psychische Instanz, die im Laufe des Erziehungsprozesses großteils unbewusst gebildet wird und später als Gewissen, als Komplex der Wert- und Moralvorstellungen, der (kulturellen) Identität etc. das Verhalten des Menschen reguliert. Stirner verwendet zur Bestimmung jener Instanz den Begriff des Heiligen.

Vor dem Heiligen empfinde man keine Furcht, sondern Ehrfurcht; man ehre es zwar, aber man fürchte es zugleich:

Es gibt noch zahlreiche Passagen im Einzigen, in denen Stirner, teils mit weiteren Begriffen wie z. B. Besessenheit, Spuk, Sparren, Eigenheit, Selbstangehörigkeit Meiner, diesem Gegenstand beizukommen sucht.

Die Gestalt des Eigners (synonym: des Egoisten, des Einzigen) steht im Zentrum des stirnerschen Denkens. Von hier aus kritisiert Stirner sowohl Hegel, Feuerbach und Bauer, aber auch den Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon, den Kommunisten Wilhelm Weitling und andere. Vom Standpunkt des Eigners aus kritisiert Stirner die progressiven politischen Richtungen seiner Zeit (die konservativen oder reaktionären stehen für ihn unter aller Kritik) unter den Titeln des politischen, des sozialen und des humanen Liberalismus; weiterhin erhabene Ideen wie die der Freiheit und der Menschheit, denen der Eigner sich nicht verpflichtet fühlt, und Institutionen wie den Staat, das Recht, die Ehe, das Eigentum usw. Das Eigentum des Einzigen bzw. Eigners, wie es prominent in seinem Buchtitel erscheint, ist nicht das durch Staat und Recht garantierte, sondern „Alles“:

Der viel zitierte Ausspruch Stirners „Mir geht nichts über Mich“ (EE, 5) besagt genau das: Der Eigner akzeptiert nichts „über sich“, nichts Heiliges; er ist frei von jenem erzieherisch erzeugten Über-Ich, von dem die meisten bisherigen Menschen mehr oder weniger „besessen“ (EE, 36, 47, passim) sind. Stirner gilt daher als Klassiker des Amoralismus und des Ethischen Egoismus sowie als Vertreter eines radikalen Solipsismus. Dieser Aspekt von Stirners Philosophie steht in einer gewissen Spannung zu seinem Konzept des „Vereins“ – einem unscharf konzipierten Gegenstück zum „Staat“ der Nicht-Eigner – die vorzuziehende gesellige Lebens- und Kooperationsform von Eignern.

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