Max Reinhardt (ursprünglich Maximilian Goldmann; * 9. September 1873 in Baden (Niederösterreich); † 31. Oktober 1943 in New York) war ein österreichischer Theater- und Filmregisseur, Intendant, Theaterproduzent und Theatergründer. Mit seiner Jedermann-Inszenierung am 22. August 1920 begründete er die Salzburger Festspiele. Reinhardt schätzte das „illusionistische, sinnenbetörende Theater-Fest, das nichts mit dem Alltag, schon gar nichts mit Politik zu tun haben sollte“. Durch die dramaturgisch motivierte Verwendung der Drehbühne, plastische Dekorationen, die Arbeit mit festen Seitentürmen und Treppen als Auftrittsmöglichkeiten, den Rundhorizont mit seiner Tiefendimension, die indirekte Beleuchtung, das Spiel auf Podien, die in den Zuschauerraum hineinragen, und auf der Arenabühne, die Massenregie oder das Kammerspiel-Konzept setzte Reinhardt vielfältige, in der Breite wirksame Impulse zur Erneuerung der Theaterkunst.
Reinhardts Eltern waren der aus Stampfen bei Pressburg stammende jüdische Kleinhändler Wilhelm Goldmann (1846–1911) und dessen Frau Rosa, geborene Wengraf (1851–1924), aus Brünn. Die erste Firma von Wilhelm Goldmann war gerade im Verlauf des Gründerkrachs in Konkurs gegangen, als Max am 9. September 1873 in Baden bei Wien zur Welt kam, wo die Familie den Sommer verbrachte. Max war das älteste von acht Kindern; er hatte vier Brüder und drei Schwestern. Nach dem Besuch der Realschule, die er schon Anfang 1888 mit 15 Jahren verlassen musste, und der Bürgerschule ging der als „stiller, sehr scheuer Bub“ bekannte Schulabgänger zunächst anderthalb Jahre bei dem Fabrikanten Heinrich Teltscher in die Lehre. Sowohl in Teltschers Weberei als auch bei einer anschließenden einjährigen Bank-Lehre sollte Max Goldmann sich nach dem Willen seiner Eltern kaufmännisches Denken aneignen.
Ausbildung zum Schauspieler und erste Engagements in Wien
Erst anschließend willigten seine Eltern ein, dass er Schauspielunterricht erhalten durfte, unter anderem bei dem Burgtheater-Statisten Rudolf Perak. Max Goldmann debütierte im April 1890 an einer Wiener Privatbühne, dem „Fürstlich Sulkowsky Privat-Theater“ in Matzleinsdorf. Er spielte auch auf Vorstadtbühnen und „erprobte sich in Schwänken, Possen, Volksstücken“. Nach seinen ersten Auftritten nahm er Privatunterricht bei dem ehemaligen Königlich Sächsischen Hofschauspieler und Konservatoriums-Professor Emil Bürde.
Damals nahm er den Künstlernamen Reinhardt an. Vorbild war wahrscheinlich die Person des Reinhardt in Theodor Storms Novelle Immensee. 1904 wurde auch der Name seiner Frau und der Kinder in Reinhardt geändert.
Mit achtzehn Jahren erhielt Max Reinhardt ein erstes festes Engagement an einem Wiener Vorstadttheater, dem Volkstheater Rudolfsheim. Dort spielte er im Januar 1893 neben dem wenige Monate jüngeren Karl Kraus den Spiegelberg in Schillers Die Räuber. Es erwuchs eine Rivalität von Kraus gegen ihn, die mehrere Jahrzehnte anhielt. „Karl Kraus wurde Reinhardts Intimfeind und sollte dessen Wirken in den nächsten drei Jahrzehnten mit galliger Kritik begleiten.“
Außerhalb Wiens trat Reinhardt erstmals zwischen Mai und September 1893 im Rahmen eines Sommerengagements in der Sommerarena Pressburg auf, unter anderem in dem allegorischen Zauberstück Fee Million von Karl Elmar und Karl Kleiber.
Im Oktober 1893 übernahm er ein Engagement am neueröffneten Stadttheater Salzburg. Dort spielte er 52 unterschiedliche Rollen an 175 Tagen in einer Spielzeit. „Verwandte waren mit einem Zuschuss eingesprungen, damit der Nachwuchsschauspieler ein Engagement am Salzburger Landestheater antreten konnte – mit der damals vorausgesetzten Grundgarderobe.“ Die Salzburger Presse lobte sein schauspielerisches Talent sehr.
Schauspieler am Deutschen Theater in Berlin
Der designierte Direktor des Deutschen Theaters in Berlin Otto Brahm, der ein Vertreter der Moderne und des Naturalismus war, hatte Reinhardt bereits in Rudolfsheim entdeckt. In Salzburg bot er ihm nun ein Engagement an seinem Hause an. Max Reinhardt wechselte zum 1. September 1894 in das „künstlerisch bedeutendste und kulturpolitisch progressivste Theater der Reichshauptstadt.“
Die Rollen, die er dort übernahm, füllten ihn aber zunächst nicht zur Gänze aus. Schon bald stellten sich Eindrücke der Stagnation ein, wie Reinhardt im Herbst 1895 notierte:
Max Reinhardt beteiligte sich mit Berliner Schauspielkollegen vom Deutschen Theater wie Josef Kainz, Friedrich Kayssler, Richard Vallentin und Eduard von Winterstein ab dem Sommer 1895 mehrere Jahre lang an Sommergastspielen unter eigenen Namen in Prag und anderen Städten. Eduard von Winterstein blieb diese Zeit im Kreis Gleichgesinnter als „einige Wochen reinster Freude in Erinnerung.“
1897 kam Max Reinhardt mit Else Heims zusammen, einer Offizierstochter, deren gesellschaftliche Stellung ihm den Einstieg ins bürgerliche Leben erleichtern und die Türen in die besseren Berliner Kreise öffnen sollte. Mit der Sängerin Auguste Kornfeld hatte er außerdem die uneheliche Tochter Jenny Kornfeld (1899–1972).
Etwa 1898 gründete Max Reinhardt mit jungen Kollegen vom Deutschen Theater wie Martin Zickel die Kabarettgruppe Die Brille, die bei kleinen Anlässen Satiren und Parodien aufführte.
Im Juli 1900 reiste er mit Mitgliedern der Secessionsbühne, einem jungen Ensemble, das Zickel ebenfalls gegründet hatte, zu einem Gastspiel nach Budapest und Wien. Bei Ibsens Komödie der Liebe am 13. und 14. Juli 1900 wurde er erstmals als Regisseur genannt. Wahrscheinlich führte er auch bei weiteren Inszenierungen dieser Tournee Regie. Er glänzte in Charakterrollen, vor allem alter Männer, was ihm schon in seiner Jugend gelegen hatte, „da konnte ich meine Schüchternheit hinter einem langen weißen Bart verstecken.“
Am Deutschen Theater übertrug ihm der Regisseur Otto Brahm zunehmend auch Hauptrollen wie Mephisto und Michael Kramer, doch die „ganz großen Rollen füllte Reinhardt nicht aus.“
Ab Herbst 1900 trat Reinhardt dazu mit befreundeten Schauspielern wie Martin Zickel und Friedrich Kayßler als Kabarett „Schall und Rauch“ auf und präsentierte satirische Szenen und Parodien, als willkommene Abwechslung vom „strengen Korsett des Naturalismus.“ 1901 konnten sie ein eigenes Theater Unter den Linden mieten. Ab Herbst 1902 spielten sie dort vor allem Stücke zeitgenössischer Autoren wie
Hofmannsthal, Schnitzler und Wedekind, Ibsen und Strindberg, Gorki und Wilde.