Maximilian „Max/Maxl“ Wilhelm Morlock (* 11. Mai 1925 in Nürnberg; † 10. September 1994 ebenda) war ein deutscher Fußballspieler. Der Halbstürmer im damaligen WM-System absolvierte bei seinem Verein 1. FC Nürnberg von 1945 bis 1963 in der Oberliga Süd 451 Spiele und erzielte 286 Tore. Er ist damit ewiger Rekordhalter der Oberliga Süd hinsichtlich der absolvierten Spiele wie auch der erzielten Tore. Morlock war im November 1945 der dritte und im April 1963 der letzte Torschütze der Nürnberger in der Oberliga Süd und stand als einziger Spieler sowohl am ersten (4. November 1945) wie auch am letzten Spieltag (28. April 1963) der Oberliga auf dem Platz. Er wurde mit dem „Club“ 1948 und 1961 Deutscher Meister. Mit der deutschen Fußballnationalmannschaft gewann er unter Bundestrainer Sepp Herberger 1954 in der Schweiz die Fußball-Weltmeisterschaft. Im Jahr 1961 wurde Morlock zum Fußballer des Jahres gewählt. Später Ehrenmitglied und Ehrenspielführer des 1. FC Nürnberg, war Morlock über zwei Jahrzehnte der Denker und Lenker des „Club“-Spiels und zeichnete sich vor allem durch „nie erlahmenden Kampfgeist“ sowie die „ungeheure Dynamik“ seiner Aktionen aus. Er ist der einzige deutsche Fußballspieler, der in den höchsten Spielklassen Gauliga, Oberliga und Bundesliga aktiv war, und der erste deutsche Torschütze in einem WM-Endspiel.
Einstieg in den Fußball und Zweiter Weltkrieg
Geboren und aufgewachsen ist Max Morlock zusammen mit seinen Brüdern Robert und Herbert als zweiter Sohn des Werkmeister-Ehepaares Maximilian und Frieda Morlock im Nürnberger Stadtteil Gleißhammer in der Schlossstraße 51. Nicht weit entfernt befand sich der Zabo, das Stadion des 1. FC Nürnberg im Stadtteil Zerzabelshof. Sein Vater war aus Pforzheim über Burglengenfeld nach Nürnberg gekommen. Der schmächtige und kleine Knabe eignete sich die Basis seines Könnens zuerst als Straßenfußballer mit dem „Kellerfensterln“ an. Den Kindern dienten dabei zwei Kellerfenster als Tore und ein Knäuel aus Lumpen und Schnur als Ball. Der kleine Max trumpfte auch im Schulhof der Volksschule Scharrerstraße, die er seit dem Herbst 1931 besuchte, als Fußballer auf. Als Elfjähriger gewann er 1936 mit der Schulmannschaft die Nürnberger Schulmeisterschaft. Die Ausgaben für zu viele zerschlissene Hosen und Schuhe durch den Straßenfußball bewogen Mutter und Vater Morlock dazu, dass sich Sohn Max mit 13 Jahren dem Sportverein Eintracht Nürnberg anschließen durfte. Spätestens nach dem 4:2-Erfolg der Eintracht im Frühjahr 1940 gegen die Club-Jugend im Endspiel um die Nürnberger Stadtmeisterschaft setzten intensive Bemühungen des 1. FC Nürnberg ein, das Talent in die eigenen Reihen zu holen.
Nach längerer Verhandlung und der Zusage, dass die erste Mannschaft des Clubs zu einem Ablösespiel antreten würde, kam Morlock als 14-Jähriger zum 1. FC Nürnberg. Ab dem 1. Mai 1940 wurde er unter der Mitgliedsnummer 17.071 in der Geschäftsstelle geführt. In der Club-Jugend spielte er mit den späteren Oberligaakteuren Helmut Herbolsheimer, Adolf Knoll und Manfred Krüger zusammen. In der Runde 1940/41 nahm Morlock mit dem Sieger Bann Nürnberg für das Gebiet Rheinfranken an der deutschen Jugendmeisterschaft im August 1941 in Breslau gegen die Vertretungen von Westfalen, Ostland, Wien, Sachsen und Moselland teil.
Beruf und Start in der Gauliga
Nach Beendigung der Schulzeit begann er bei der Noris Zünd-Licht AG (heute Robert Bosch GmbH, Nürnberg) eine Lehre als Mechaniker, die er im Frühjahr 1943 erfolgreich als Facharbeiter abschloss. Bereits am 30. November 1941 debütierte der Nachwuchsstürmer in der ersten Mannschaft. Trainer Hans „Bumbes“ Schmidt, setzte den 16-½-Jährigen erstmals im Gauligaspiel gegen Wacker München ein (0:0). Nach dem Abpfiff raunte ihm der mit Lob sparsame Trainer zu: „War gut so, wird schon noch.“ In seinem zweiten Einsatz Anfang Dezember 1941 im Heimspiel gegen Schwaben Augsburg (4:0) erzielte er seine ersten beiden Pflichtspieltore in der Ersten Mannschaft. Zur überlegenen Gaumeisterschaft 1942/43 mit 40:0 Punkten und 125:17 Toren steuerte Morlock 54 der 125 Tore bei. Neben Morlock waren mit Helmut Herbolsheimer und Adolf Knoll zwei weitere Jugendspieler in den Kader von Trainer Schmidt übernommen worden. Das harte Training unter dem Ex-Nationalspieler und ehemaligen Meistertrainer des FC Schalke 04, „Bumbes“ Schmidt hatte dem jungen Morlock am Anfang sehr zugesetzt: „Über dem Abendessen fielen mir oft schon die Augen zu. Kino, Tanz, Alkohol oder gar ein Bummel mit einem Mädchen fielen flach.“ Der Trainingsfleiß zahlte sich aus, bereits im April 1942 lud Reichstrainer Sepp Herberger den fast 17-Jährigen erstmals zum Lehrgang für die Nationalmannschaft ein; im Februar 1943 folgte ein weiterer Lehrgang in Frankfurt am Main.
Der erste Einsatz in der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft war mitten im Zweiten Weltkrieg am 2. Mai 1943 bei einer 1:3-Heimniederlage gegen den Gaumeister aus Baden, den VfR Mannheim.
Ende August 1943 wurde Morlock zusammen mit seinem Club-Mitspieler und Freund Helmut Herbolsheimer in die Wehrmacht zur Nachrichten-Ausbildungs-Abteilung 10 nach Schwabach einberufen. In dieser Zeit konnte er noch viele Spiele für seinen Verein bestreiten. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Spiele um den Tschammerpokal 1943 im September und Oktober. Bei den beiden Erfolgen gegen den 1. FC Schweinfurt 05 (4:2) und MSV Brünn (5:1) zeichnete er sich als fünffacher Torschütze aus. Als sich im Viertelfinale Vienna Wien mit den beiden Hamburgern Richard Dörfel und Rudolf Noack sowie dem torgefährlichen Nationalstürmer Karl Decker mit 3:2 durchsetzte und später auch den Pokal gewann, konnte Morlock keinen Treffer erzielen. Danach schloss sich eine Abkommandierung zu einem Panzerpionierbataillon im besetzten Dänemark und im Frühjahr 1944 an die Ostfront in die Tucheler Heide an. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1944 stand er dem Club aber wieder zur Verfügung. Erst im Halbfinale am 4. Juni 1944, das im Steigerwaldstadion in Erfurt vor 35.000 Zuschauern gegen den Titelverteidiger Dresdner SC ausgetragen wurde, schied er mit seinen Mannschaftskameraden nach einer 1:3-Niederlage aus. Im weiteren Kriegsverlauf kam er über Dievenow an der Pommerschen Bucht vor die Tore Berlins, wo er Anfang Mai 1945 kurz in amerikanische Gefangenschaft geriet. Im September 1945 kam er nach Nürnberg zurück. Das Elternhaus in der Schlossstraße stand noch, das Dach war zwar schwer beschädigt, aber seine Eltern lebten noch dort. Der jüngere Bruder Herbert war an der Ostfront gefallen und der ältere Bruder Robert befand sich noch in amerikanischer Gefangenschaft.
Oberliga Süd und Bundesliga, 1945 bis 1964
Auch beim 1. FC Nürnberg (FCN) waren die Verhältnisse in der Nachkriegszeit die gleichen wie fast überall in der Stadt: Im Zabo war die Tribüne abgebrannt und die Umzäunung als Heizmaterial verwendet worden, im Rasen waren Bombenkrater. Nach einem kurzzeitigen Fußballverbot musste der „Club“ ab Herbst 1945 seine Heimspiele im Fürther Ronhof austragen. Bei einem Treffen am 13. Oktober 1945 in der Gaststätte Krone in Fellbach wurden mit der Genehmigung der US-Armee der Süddeutsche Fußball-Verband und die Oberliga Süd gegründet. In diese oberste Klasse wurden drei Mannschaften aus Hessen, sechs Vereine aus den US-amerikanisch besetzten Gebieten Badens und Württembergs sowie sieben Klubs aus Bayern aufgenommen.
Morlock gehörte am 4. November 1945, dem Starttag der Oberliga Süd 1945/46, der Elf des 1. FCN an, die mit einem 2:1-Heimsieg gegen den FC Bayern München in der neuen Liga startete. Er absolvierte alle 30 Ligaspiele der Runde und erzielte 23 Tore. Nürnberg belegte mit einem Punkt Rückstand hinter dem Meister VfB Stuttgart den zweiten Rang. Die 18. und letzte Runde der Oberliga Süd, 1962/63, beendete Rekordspieler und Rekordtorschütze Morlock mit vier Einsätzen und vier Toren in den letzten vier Rundenspieltagen im März/April 1963: FC Bayern München (3:2), FC Bayern Hof (4:0), TSV 1860 München (4:2) und FC Schweinfurt 05 (5:1). Er errang sechsmal mit seiner Mannschaft die Meisterschaft im Süden (1947, 1948, 1951, 1957, 1961, 1962), viermal wurde er Vizemeister (1946, 1952, 1958, 1963) und in den Jahren 1948 und 1961 errang er die deutsche Meisterschaft.