Max Klinger (* 18. Februar 1857 in Leipzig; † 4. Juli 1920 in Großjena) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Grafiker und auch Medailleur. Sein Werk ist vornehmlich dem Symbolismus zuzuordnen.
Max Klinger wurde am 18. Februar 1857 als zweiter Sohn des Seifen- und Parfümfabrikanten Heinrich Louis Klinger (1816–1896) und dessen Ehefrau Auguste Friederike Eleonore Klinger geb. Richter (1821–1904) in Leipzig in der Petersstraße 48 geboren. Er besuchte von 1863 bis 1867 die Bürgerschule in Leipzig und am Sonntag die Zeichenschule Brauer. Anschließend war er bis 1873 auf der Realschule (spätere Petrischule).
1874 empfahl der Dresdner Architekt und Kunsthistoriker Franz Richard Steche Klinger dem bekannten Maler Anton von Werner in Berlin, der ihn ablehnte und an den Maler Karl Gussow in Karlsruhe verwies. Im April begann Klinger das Studium an der Großherzoglich Badischen Kunstschule in Karlsruhe bei Gussow und dem Historien- und Porträtmaler Ludwig Des Coudres. In dieser Zeit wurde er in Karlsruhe auch als Klavierspieler bekannt. Er setzte seine Ausbildung 1875 an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin bei Karl Gussow fort, der durch Anton von Werner dorthin berufen worden war. Künstlerisches Vorbild war ihm zu dieser Zeit besonders Adolph Menzel; daneben beschäftigte er sich mit der Lehre von Charles Darwin. 1876 schloss er die Ausbildung mit dem Prädikat „Außerordentlich“ und der Silbernen Medaille ab. 1877 leistete er als Einjährig-Freiwilliger Dienst in einem Infanterieregiment.
1878 präsentierte Klinger zum ersten Mal seine Gemälde in der 52. Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Dazu gehörten: Spaziergänger oder Der Überfall (1878, Berlin, Staatliche Museen, Nationalgalerie), Ratschläge zu einer Konkurrenz über das Thema Christus (1877/1878, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett) und den Vorzeichnungen zur Paraphrase über den „Fund eines Handschuhs“. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand sein Frühwerk aus etwa 100 zumeist in Feder und Tusche ausgeführten Zeichnungen.
Ab April 1879 lebte Klinger völlig zurückgezogen in Brüssel, wo er Schüler des Historienmalers Emile Wauters wurde. Er beschäftigte sich intensiv mit der Umsetzung seiner Vorzeichnungen in die Radierung und der Technik der Aquatinta. Werkauswahl: Radierte Skizzen (Opus I), Rettungen Ovidischer Opfer (Opus II), Caesars Tod. 1880 war er zur Kur in Karlsbad, ab Juni in München, wo er die Radierung Eva und die Zukunft (Opus III) ausstellte.
1881 übersiedelte Klinger nach Berlin, wo er sein eigenes Atelier unterhielt. Dort begann er die Freundschaft mit dem Schweizer Maler, Radierer und Bildhauer Karl Stauffer-Bern, von dem er sich wegen eines Prozesses 1889 distanzierte. In dieser Zeit schuf er: Intermezzi (Opus IV), Amor und Psyche (Opus V), Ein Handschuh (Opus VI). 1882 erschien der Aufsatz des dänischen Literaturhistorikers und Kritikers Georg Brandes in der Reihe „Moderne Geister“ mit der ersten umfassenden Charakteristik Klingers. In diesem Jahr schuf er: Abend (Darmstadt) und Die Gesandtschaft. Klinger erhielt 1883 durch den Kammergerichtsreferendar Julius Albers seinen ersten großen Auftrag, die Gestaltung der Dekorationen des Vestibüls von dessen Villa in Steglitz bei Berlin. Ferner begann die Bekanntschaft mit dem Kunsthistoriker, Museumsleiter und Kunstpädagogen Alfred Lichtwark. Im Sommer siedelte er nach Paris über, wo er zurückgezogen lebte. Im Louvre studierte er die Werke von Goya und Daumier. Zum Vorbild wurde ihm Pierre Puvis de Chavannes. Er gab Werke heraus wie den Zyklus Dramen (Opus IX), für die er in München, Berlin und Paris Auszeichnungen und hervorragende Kritiken erhielt. Dazu gehörten ferner: Vier Landschaften (Opus VII) und Ein Leben (Opus VIII).
Im folgenden Jahr arbeitete er intensiv an den Entwürfen und der Ausführung der Dekorationen in der Villa Albers. 1886 schuf er das Gipsmodell zum „Beethoven-Denkmal“ und die erste Konzeption der Neuen Salome. Ende Juli verließ er Paris und reiste nach Italien, wo er auch die Steinbrüche von Carrara besuchte. Ab März 1887 war Klinger wieder in Berlin, wo er den Schweizer Künstler Arnold Böcklin kennenlernte. Ab September residierte er in Leipzig. Es entstanden in dieser Zeit das Gemälde Urteil des Paris (1885/1887; Wien, Neue Galerie des Kunsthistorischen Museums) und die Radierung Eine Liebe (Opus X).
Im Februar 1888 reiste Klinger nach Rom, wo er die Mitarbeit an der künstlerischen Ausführung einer Grußadresse der in Rom lebenden Deutschen anlässlich des Rom-Besuches des deutschen Kaisers ablehnte. 1889 reiste er nach Brüssel und Italien (Neapel, Paestum und Pompeji), während dessen die Radierung Vom Tode Erster Teil (Opus XI) entstand. Im nächsten Jahr reiste er erneut nach Italien, wo Die blaue Stunde, Pietà (ehemals Dresden, Gemälde-Galerie; Kriegsverlust), Am Strand (München, Neue Pinakothek) entstanden. 1891 hielt er sich in München auf, wo er zum Ordentlichen Mitglied der Kunstakademie München gewählt wurde. Anschließend bereiste er erneut Italien, wo er Otto Greiner traf und sich mit ihm anfreundete. Es erschien die erste Auflage seines theoretischen Werkes Malerei und Zeichnung. Ferner entstand sein Werk Die Kreuzigung Christi.
1892 wurde Klinger Gründungsmitglied der Gruppe „XI“, die aus elf Künstlern bestand. Die Gruppe „XI“ bezog Stellung gegen den „Verein Berliner Künstler“. Es entstand Campagna (Die Quelle) (ehemals Dresden, Gemälde-Galerie; Kriegsverlust). 1893 ließ er sich wieder in Leipzig nieder, wo die Marmorbüste Die neue Salome entstand. Im Folgejahr wurde Klinger Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Er reiste über Wien nach Griechenland und zurück über Süditalien nach Paris. In diesem Jahr entstand die Brahmsphantasie (Opus XII).
1895 reiste er nach Paris, London, Niederlande und Bonn und bezog das neu gebaute Atelier in der Leipziger Karl-Heine-Straße 6. Klinger lehnte das Angebot einer Professur in Wien ab, weil die Universität seine Bedingung, fünf zusammenhängende Monate für die eigene Arbeit verwenden zu können, nicht akzeptierte. Es entstand die Marmorbüste Kassandra. Im folgenden Jahr starb Klingers Vater. Klinger ließ das Leipziger Atelier zum Präsentationsgebäude ausbauen, um eigene sowie Werke von Böcklin und Zeichnungen von Rodin und Menzel ausstellen zu können. Es entstanden Entwürfe zu Wandgemälden im Treppenhaus des Museums der bildenden Künste in Leipzig. 1897 wurde Klinger Professor an der Akademie der graphischen Künste in Leipzig und korrespondierendes Mitglied der neu gegründeten Wiener Secession. Das Gemälde Christus im Olymp wurde in Berlin gemeinsam mit der Arbeit Hochzeit von Kanaa von August von Brandis im Ehrensaal der Großen Münchener Kunstausstellung ausgestellt. Es provozierte öffentliche Polemik.
Im folgenden Jahr lernte Klinger die Schriftstellerin Elsa Asenijeff kennen, die ihm Modell und Lebensgefährtin wurde. Ferner unternahm er Reisen nach Wien, Italien und Paris. 1899 bereiste er die Pyrenäen und Griechenland, um Marmor für einige Auftragsarbeiten zu suchen. 1900 traf Klinger mit Auguste Rodin in dessen Pariser Atelier zusammen. Am 7. September wurde in Paris seine Tochter Desirée geboren, die bei einer Pflegemutter aufwuchs. Klinger gehörte zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das „Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern“ dem Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug. In diesem Jahr entstand die Porträtbüste Elsa Asenijeff (München, Neue Pinakothek). 1901 wurde er Gründungsmitglied des Villa-Romana-Vereins. Im selben Jahr entstand die Bronzebüste Franz Liszt (ehemals Leipzig, Gewandhaus; Kriegsverlust). Im Folgejahr hielt er sich wieder in Leipzig auf, um die Großplastik Beethoven zu vollenden, die er 1895 begonnen hatte. Das Werk wurde während der Beethovenausstellung im Frühjahr 1902 in der Wiener Secession das zentrale Exponat.
1903 erwarb Klinger einen Weinberg mit historischem Weinberghäuschen („Radierhäuschen“) in Großjena bei Naumburg und pachtete das obere Haus, einen erweiterten Schafstall, hinzu. In Berlin verlor er einen Prozess wegen Verleumdung gegen den Bildhauer und Maler Ernst Moritz Geyger. Im folgenden Jahr schloss er einen Vertrag über das Brahms-Denkmal für die Hamburger Musikhalle. Er reiste wieder nach Italien, um Marmor zu kaufen. Am 22. November starb seine Mutter. In diesem Jahr entstand die Radierung Drama (vollendet 1904; Dresden, Staatliche Museen, Skulpturensammlung) und das Gemälde Elsa Asenijeff im Abendkleid. 1905 gründete der Deutsche Künstlerbund auf Initiative Max Klingers das Künstlerhaus Villa Romana in Fiesole bei Florenz. Im Jahr darauf wurde er Vorsitzender des Villa-Romana-Vereins. 1907 reiste er wieder nach Paris und Spanien. Zum ersten Mal wurde Klingers Gesamtwerk im Leipziger Kunstverein ausgestellt. 1909 ließ Klinger das obere Weinbergshaus in Großjena zu einem komfortablen Wohnhaus ausbauen. Es entstand Die Blüte Griechenlands als Wandgemälde für die Aula der Leipziger Universität, das Brahms-Denkmal und Vom Tode Zweiter Teil (Opus XIII). 1911 wurde Gertrud Bock (1893–1932) Klingers Modell, 1914 war der Umbau des Weinbergshauses zum Wohnhaus mit Veranda abgeschlossen. 1915 entstanden Zelt I und II (Opus XIV). Im folgenden Jahr kam es zum Bruch mit Elsa Asenijeff.