An diesem Tag

Max Horkheimer

Deutscher Philosoph und Soziologe

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Max Horkheimer (* 14. Februar 1895 in Zuffenhausen; † 7. Juli 1973 in Nürnberg) war ein deutscher Sozialphilosoph und führender Kopf der Frankfurter Schule. Als Direktor des Instituts für Sozialforschung und Herausgeber der Zeitschrift für Sozialforschung suchte er mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen und einem unorthodoxen Verständnis der marxistischen Gesellschaftstheorie ein interdisziplinäres materialistisches Forschungsprogramm zu verwirklichen, das er 1937 in der amerikanischen Emigration in einem programmatischen Aufsatz als Kritische Theorie bezeichnete. Später verfasste er zusammen mit Theodor W. Adorno die philosophische Essaysammlung Dialektik der Aufklärung, die als das grundlegende Werk der Kritischen Theorie gilt.

Horkheimer wuchs in der Schwieberdinger Straße 58 in Zuffenhausen als Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie auf. Sein Vater war der Kunstwollfabrikant Moritz Horkheimer; seine Mutter Babette, geb. Lauchheimer, kam aus Esslingen am Neckar. Max besuchte kein humanistisches Gymnasium, sondern ein Realgymnasium, das die Schüler auf praktische Berufe vorbereiten sollte. Auf väterlichen Wunsch verließ er als Untersekundaner im Alter von 15 Jahren das Dillmann-Gymnasium in Stuttgart. Von seinem Vater als Nachfolger in der Unternehmensleitung bestimmt, trat er als Lehrling in die väterliche Fabrik ein. In dieser Zeit lernte er Friedrich Pollock kennen, auch er der Sohn eines Stuttgarter Fabrikanten, doch mit ganz verschiedener familiärer Erziehung. Während Horkheimer in einer konservativ-jüdischen Familie erzogen wurde, hatte sich Pollocks Elternhaus rigoros vom Judentum abgewandt. Pollock erschloss seinem Freund eine neue Welt jenseits religiöser und konservativer Traditionen und war ihm behilflich, sich gegenüber dem „omnipräsenten Vater“ zu behaupten. Aus dieser Bekanntschaft ging eine lebenslange Freundschaft bis zu Pollocks Tod 1970 hervor. Am Beginn ihrer Jugendfreundschaft setzten sie einen förmlichen „Freundschaftsvertrag“ auf, der im Laufe ihres Lebens immer wieder erneuert und durch gemeinsame Beschlüsse und Memoranda ergänzt werden sollte. Nach Lehrzeit und einem Volontariat in Brüssel wurde Horkheimer 1914 Juniorchef im väterlichen Unternehmen. Als Betriebsleiter und Prokurist ließ er sich vom Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg freistellen. Erst im Frühjahr 1917 wurde er einberufen, aber im Frühjahr 1918 „aus gesundheitlichen Gründen“ wieder aus der Kaiserlichen Armee entlassen und in eine Klinik in München eingeliefert. Wegen einer Erkrankung der Lunge verbrachte er danach mehrere Monate in einem Sanatorium.

Mit Pollock erlebte er in München die Errichtung der Räterepublik und ihre brutale Niederschlagung durch die Freikorps. In die Fabrik seines Vaters kehrte er nach dem Krieg nicht wieder zurück. 1919 holte er gemeinsam mit Pollock in München in wenigen Monaten als Externer das Abitur nach.

1919 begann er sein Studium an der Universität in München mit dem Hauptfach Psychologie und den Nebenfächern Philosophie und Nationalökonomie. Nach einem Semester wechselte er an die Universität in Frankfurt am Main; 1920/1921 studierte er an der Universität Freiburg. In Freiburg hörte er den Phänomenologen Edmund Husserl und besuchte gemeinsam mit Friedrich Pollock ein Seminar von Martin Heidegger. 1922 wurde er in Frankfurt mit summa cum laude von Hans Cornelius promoviert, dessen Assistent er danach für drei Jahre war. 1925 habilitierte er sich ebendort. Als Privatdozent legalisierte er 1926 mit der Heirat das langjährige Verhältnis zu Rose Christine Riekher (1887–1969), der früheren Privatsekretärin seines Vaters, der er den Kosenamen „Maidon“ gegeben hatte. Gemeinsam mit ihr und Friedrich Pollock hatte er bereits seit 1921 in einem eigens vom Geld der Eltern gekauften Haus in Kronberg im Taunus in der Nähe von Frankfurt zusammengelebt. Nachdem die Eltern viele Jahre sich gegen die Liaison ihres Sohnes mit der acht Jahre älteren Nichtjüdin gestellt hatten, gaben sie nach der Heirat ihren Widerstand auf und nahmen die Schwiegertochter in ihre Familie auf.

1930 ernannte ihn die Universität Frankfurt zum Ordinarius für Sozialphilosophie an der Philosophischen Fakultät. Im gleichen Jahr wurde er Direktor des 1923 als Stiftung von Hermann Weil und seinem Sohn Felix Weil gegründeten und 1924 unter Carl Grünberg offiziell eröffneten Instituts für Sozialforschung bis zu dessen Schließung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933.

Emigration und Rückkehr nach Deutschland

Horkheimer emigrierte über Genf, wo das Institut für Sozialforschung in Kooperation mit der Internationalen Arbeitsorganisation eine Zweigstelle eröffnet hatte, 1934 nach New York, wo er an der Columbia University mit Hilfe amerikanischer Kollegen das Institut für Sozialforschung weiterführen konnte. 1941 übersiedelte er an die Westküste nach Pacific Palisades (Los Angeles) und wurde direkter Nachbar von Thomas Mann. Sein engster Mitarbeiter und Freund Theodor W. Adorno folgte ihm wenig später. 1947 veröffentlichte er in den USA Eclipse of Reason (dt. Ausgabe: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, 1967) und – in Amsterdam – gemeinsam mit Adorno die Dialektik der Aufklärung, zwei seiner Hauptwerke.

1949 kehrte Horkheimer an die Universität Frankfurt zurück, ihrem Ruf auf den Doppellehrstuhl für Philosophie und Soziologie folgend. „Er wollte Möglichkeiten zu praktischer Einflussnahme auf historische Entwicklungen nutzen, und in Deutschland sah er einen Schauplatz wichtiger Weichenstellungen.“ 1950 konnte das Institut für Sozialforschung unter seiner Leitung (mit Adorno als stellvertretendem Direktor) wieder eröffnet werden. 1951 und 1952 war er Rektor der Universität. Nachdem sich Anfang des Jahres 1959 an der Frankfurter Universität eine Deutsch-Israelische Studiengruppe gründete, trat Horkheimer dem Kuratorium der studentischen Vereinigung bei.

Horkheimer war Begründer und Herausgeber der Zeitschrift für Sozialforschung (1932–1939), fortgesetzt als Studies in Philosophy and Social Science (1940–1942), und Initiator der Studien über Autorität und Familie (erschienen 1936 in Paris). Als spiritus rector beider Projekte arbeitete er eng mit einer Gruppe von sozialkritischen, marxistisch und freudianisch gesinnten Wissenschaftlern zusammen, die man in der Sekundärliteratur als „Horkheimer-Kreis“ und später auch als Frankfurter Schule etikettierte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren inspirierte und organisierte Horkheimer bedeutende Studien zur Antisemitismus- und Vorurteilsforschung. Er schrieb auch das Vorwort zum wichtigsten Einzelband der fünfbändigen Studies in Prejudice, der maßgeblich von Theodor W. Adorno mitverantworteten Authoritarian Personality (1950).

Sein Schüler und späterer Nachfolger auf dem Frankfurter Lehrstuhl, Alfred Schmidt, hat zusammen mit Gunzelin Schmid Noerr Horkheimers Gesammelte Schriften in 19 Bänden herausgegeben. Auch der Briefwechsel zwischen Horkheimer und Adorno ist mittlerweile komplett veröffentlicht. Ein weiterer von Horkheimers Schülern war der Lyriker Helmut Lamprecht.

Bereits 1957, ein Jahr nach der offenen Entstalinisierung, hatte Horkheimer sich zusammen mit Friedrich Pollock in Montagnola in der Schweiz niedergelassen. In einem Schreiben „an den Präsidenten der Friedhofskommission der Israelitischen Kultusgemeinde Bern“ äußerte er „den Wunsch, zusammen mit seiner Frau einmal dort auf dem jüdischen Friedhof begraben zu werden, wo sich bereits die Gräber seiner im Schweizer Exil gestorbenen Eltern befanden“.

Horkheimer starb am 7. Juli 1973 in einem Nürnberger Krankenhaus an den Folgen einer Routineuntersuchung. Er wurde, wie es sein Wunsch war, neben seiner Frau auf dem Jüdischen Friedhof Bern beigesetzt.

Horkheimer gilt als Begründer und, gemeinsam mit Adorno, als Protagonist der Frankfurter Schule und Hauptvertreter der Kritischen Theorie, einer von Hegel, Marx und Freud inspirierten Gesellschaftstheorie. Jedoch sei nach seiner Aussage der erste Philosoph, an dem er sich geschult habe, Arthur Schopenhauer gewesen. Von dessen Einfluss habe, Jean Améry zufolge, der Autor sich die reinliche, kühle Sprache aufbewahrt.

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