Max Dreyer (* 25. September 1862 in Rostock; † 27. November 1946 in Göhren (Rügen)) war ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker.
Max Dreyer war Sohn eines Lehrers. Er studierte ab dem Sommersemester 1880 an der Universität Rostock Theologie und Philologie. Nach einem Aufenthalt an der Universität Leipzig kehrte er im Sommersemester 1883 an die Rostocker Universität zurück. Während dieser Zeit gründete er mit weiteren Rostocker Studenten am 9. Juli 1883 die Akademische Turnverbindung Rostock, aus der 1884 die Turnerschaft Baltia Rostock wurde. 1884 wurde er zum Dr. phil. promoviert.
Anschließend arbeitete er als Gymnasiallehrer. Vom Schulsystem enttäuscht, verließ er 1888 den Schuldienst. In seiner Komödie Der Probekandidat (1899) verarbeitete er seine Erfahrungen im Lehrerberuf zu einer zeitkritischen Satire, die den Staat und seine Schulpolitik scharf angriff.
Dreyer wurde zunächst in Berlin Redakteur der Täglichen Rundschau. Ab 1920 lebte er als freier Schriftsteller ständig in seinem von der Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung 1901 errichteten Sommerhaus, dem heute noch existierenden „Drachenhaus“ auf der Höhe des Göhrener Höfts, Insel Rügen.
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten publizierte er u. a. den Heimatroman Der Heerbann ruft (1933), der 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt wurde.
Nach dem Untergang des NS-Staats beteiligte er sich am kulturellen Neuaufbau Göhrens. Er machte u. a. Vorlesungen und Lesungen auf Mönchgut und im Theater Putbus. 1946 wurde er zum Ehrenbürger von Göhren ernannt.
Max Dreyer trat zunächst als Bühnenautor zur Hoch-Zeit des deutschen Naturalismus in Erscheinung. 1894 erschien das Theaterstück Drei. Drama in drei Aufzügen im Verlag S. Fischer in Berlin. Samuel Fischer war einer der wichtigsten Verleger der jungen Naturalisten, der seinerzeit auch Gerhart Hauptmann verlegte. 1896 erschien, ebenfalls bei S. Fischer, Dreyers Stück Winterschlaf, eine naturalistische Tragödie, in der sich die Protagonistin Trude selbst tötet. Es folgten die Komödien In Behandlung (1897), Großmama, ein sogenannter Junggesellenschwank (1897), Liebesträume (1898), Unter blonden Bestien (1899) und Des Pfarrers Tochter von Streladorf (1910), sowie die Dramen Hans (1898), Der Probekandidat (1899), Der Sieger (1901), Schelmenspiele (1902), Die Siebzehnjährige (1904), Der lächelnde Knabe (1912) und Die Frau des Kommandeurs (1913).
Volkstümliche Gedichte und Naturlyrik führten Dreyer vom Naturalismus weg, zum Beispiel in dem niederdeutschen Gedichtband Nah Huus. Plattdütsche Gedichte (1904). Zu Dreyers Erzählungen gehören Die Insel. Geschichten aus dem Winkel (1920), Die Ecke der Welt (1921), Die Siedler von Hohenmoor. Ein Buch des Zornes und der Zuversicht (1922), Das Riesenspielzeug (1923) und Altersschwach (1925).
Nach dieser Zwischenphase als Erzähler wechselte Dreyer endgültig die Gattung und wandelte sich vom Dramatiker zum Romancier. Auf den frühen Roman Nachwuchs (1918) folgten die Romane Das Gymnasium von St. Jürgen (1925), Der siegende Wald (1926), Das Himmelbett von Hilgenhöh (1928), König Kandaules (1929), Der Weg durchs Feuer (1930), Die Ehepause (1931), Tapfere kleine Renate (1932), Der Heerbann ruft (1933), Urlaub nach Europa (1936), Erdkraft (1941), Zwei kehren heim (1942), Die Löwenbraut (1943) und Spuk. Ein fröhlicher Roman (1943). Dreyers letztes zu Lebzeiten erschienenes Werk ist Der Kopf. Eine Studentengeschichte aus alten Tagen (1945).
Max Dreyer gehörte zwar nicht zu den ersten Leitern der 1892 gegründeten Neuen Freien Volksbühne, wurde aber 1896 als neuer Mitarbeiter in deren Künstlerischen Ausschuss berufen, als diese nach zähen Kämpfen mit der Berliner Theaterzensurpolizei, die die Tätigkeit dieses Theatervereins gelähmt hatten, im Herbst 1896 ihre Tätigkeit wieder aufnahm.
Oft arbeitete Dreyer – vor allem in seinen Schauspielen – zeitaktuelle Themen effektvoll auf, was den Erfolg seiner Theaterstücke zu seinen Lebzeiten mitbegründete, von der Literaturwissenschaft später allerdings kritisch als „Effekthascherei“ gesehen wurde.
Auch Heimatthemen waren sowohl in Lyrik, Prosa und Dramatik ein Schwerpunkt seines Schaffens.
Im Oktober 1933 gehörte Dreyer zu den 88 Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. Während der Jahre des „Dritten Reiches“, die als die erfolgreichsten in seiner schriftstellerischen Karriere angesehen werden können, wurden 21 eigenständige Publikationen des Dichters veröffentlicht, vier davon im Franz-Eher-Verlag, dem parteieigenen Verlag der NSDAP, bei dem er seit dem 5. Juni 1941 unter Vertrag stand. Als politisch eindeutigster Roman Dreyers kann das 1922 erschienene Werk Die Siedler von Hohenmoor – Ein Buch des Zornes und der Zuversicht gelten. Hier werden mit dem Aufgreifen der sogenannten Dolchstoßlegende, der Propagierung eines aufkommenden Dritten Reiches und der Thematisierung von Kampf und Führerkult völkische Ideologeme bedient:
Vier der Werke Dreyers wurden in der NS-Zeit mit zum Teil prominenter Besetzung verfilmt. Anerkennung für seine „kalkulierbare[n], politisch nutzbare[n] Werke […], die aus einer stetig wachsenden Affinität zur völkischen Ideologie resultieren“, brachte ihm das Regime anhand von fünf Literaturpreisen entgegen: Als Mitglied des Wartburgbundes wurde Dreyer 1933 mit der Silbernen Wartburgrose ausgezeichnet. 1939 belegte er mit seinem Roman Erdkraft den dritten Platz (8.000 RM) bei einem Roman-Preisausschreiben des Völkischen Beobachters. Im selben Jahr nahm er an einem weiteren Roman-Preisausschreiben teil, bei dem er den Ernst-Moritz-Arndt-Preis der Provinz Pommern gewann. 1941 erhielt er den John-Brinkmann-Preis (RM 500-1.000), ein Jahr später wurde ihm für sein Lebenswerk die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
Max Dreyer wird häufig als „Dichter der Ostsee“ bezeichnet.
Die Bedeutung Dreyers zu seiner Zeit lässt sich neben dem Erfolg auf dem Theater auch an der Anzahl der Vorlagen, die er für große Produktionen des deutschen Films lieferte, ablesen.
Dreyers Stück Die Hochzeitsfackel. Spiel einer Maiennacht wurde am 16. November 1906 im Neuen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt und erschien drei Tage später (mit dem Erscheinungsjahr 1907 auf der Titelseite) als Buchausgabe bei der Deutschen Verlags-Anstalt. Sein Stück Das Thal des Lebens (1904) wurde als Referenztext für den von Hans Steinhoff inszenierten Centropa-Spielfilm Der Ammenkönig herangezogen, der am 5. Dezember 1935 seine Uraufführung feierte. Das Schauspiel in drei Aufzügen Des Pfarrers Tochter von Streladorf (1910) wurde am 23. September 1909 im Lessingtheater (Berlin) uraufgeführt. 1919 kam Dreyers Stück Die Siebzehnjährige (1904) als Stummfilm Die Siebzehnjährigen (!) auf die Leinwand, Regisseurin war Hanna Henning. Zwei Jahre später verfilmte Amleto Palermi das Stück in Italien unter dem Titel L’età critica. 1929 erfolgte eine mit Carl Balhaus, Grete Mosheim und Eduard von Winterstein prominent besetzte deutsche Tonfilmfassung; eine weitere folgte 1934 unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt. Seine Komödie Kapitän Brosemanns Opfer wurde am 27. Februar 1923 im Schillertheater (Berlin) mit Albert Patry in der Titelrolle uraufgeführt.
Der Filmregisseur Carl Froelich brachte mit Reifende Jugend 1933 die Filmfassung des Dreyer-Stücks Die Reifeprüfung, bei der Robert A. Stemmle für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, erfolgreich auf die Filmleinwand. Hertha Thiele und Heinrich George waren in den Hauptrollen zu sehen. Der Film lief sogar in den USA mit respektablem Erfolg. 1955 griff Ulrich Erfurth den Stoff noch einmal auf.